Ganz normal

Wie meine regelmässigen Leserinnen und Leser wissen, vergöttere ich „Meinen“. Und deshalb ist es auch durchaus legitim, dass ich mal wieder auf einige seiner Macken zu sprechen komme. Sonst meint er noch, er sei perfekt und das ist nicht einmal er. Heute zum Beispiel waren wir mal wieder im Auto unterwegs. Plötzlich auf der Ausserortsstrecke hören wir ein klapperndes Geräusch, eigenartig blechig und so laut, dass wir die „Musig Sunne“, die wir heute etwa viereinhalbmal gehört haben, kaum mehr hören konnten. Weil das Klappern nicht aufhören will, beginne ich mich zu sorgen. Was, wenn wir mit den beiden Jüngsten in Dunkelheit und Regen stehenbleiben? Wir haben ja nicht mal ein Handy dabei. Besorgt schaue ich in den Seitenspiegel und sehe sofort, woher das Klappern kommt: Der Autoschlüssel steckt im Türschloss und schlägt im Fahrtwind gegen die Autotür. Das kann nur „Meiner“ gewesen sein. Denn er ist wohl der letzte Erdenbürger der, wenn er einen altmodischen Schlüssel und eine moderne Fernbedienung zur Verfügung hat, den altmodischen Schlüssel vorzieht. Und sich dann darüber aufregt, dass ich nicht mitten auf der Strasse anhalte, um den Schlüssel aus dem Schloss zu ziehen…

Ein weiteres Beispiel seiner Macken gefällig? Nun, „Meiner“ liebt es, Kleider im Brockenhaus zu kaufen. Je billiger ein Hemd, umso stolzer präsentiert er es allen, die ihn darauf ansprechen. Je hässlicher das Muster, umso schriller kombiniert er das Teil. Neulich kam er mit einem blütenweissen „Hemd“ nach Hause, noch kaum je getragen und originell geschnitten. Stolz berichtet er mir, er habe nur einen Franken dafür bezahlt, und dabei passe es ihm wie angegossen. Nun ja, in meinen Augen hat es ein wenig zu viel Stoff dran und auch die Seitenschlitze habe ich noch bei keinem Hemd gesehen. Aber ich bin ja kein Experte.  Stutzig wird „Meiner“ erst, als er sich das Label anschaut: Seit wann gibt es von „Bébéworld“ auch Männerhemden? Die gibt es natürlich nicht. „Meiner“ hat sich eine Umstandsbluse erstanden. Er hat sich wohl gedacht, dass er jetzt, wo ich der Umstandskleidung endgültig entwachsen bin, auch endlich all die wundervollen Kreationen der Umstandmodeschöpfer tragen darf. Da hoffe ich doch bloss, dass er sich keinen Bauch wachsen lässt.

Ach ja, und dann isst er beim Mittagessen drei, vier Knoblauchzehen und wundert sich, dass alle finden, er rieche heute ein wenig streng. Und neulich hat er sich doch tatsächlich alle Folgen einer Talentshow am italienischen Fernsehen angeschaut. Und gerade jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, ignoriert er geflissentlich, dass der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat sich im oberen Stock ein heisses Rennen liefern, obschon sie doch längst im Bett sein sollten. Aber ich ignoriere sie ja auch, ist also gar keine Macke.

Und auch die weiteren Macken von „Meinem“ sind nicht weiter schlimm. Eigentlich ist er nämlich ganz normal. Wirklich.

2 Gedanken zu “Ganz normal

  1. Nun, so lange mich das Leben dazu zwingt, mich darüber lustig zu machen, kann ich leider nicht anders. Du wirst schon drüber hinweggkommen…

  2. Könntest Du bitte etwas weniger witzig schreiben, ich bekomme vom Lesen Bauchweh und Weinkrämpfe?! Echt! 😦

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