In freier Wildbahn

Es kommt ja selten genug vor, dass ich samstags nach Zürich fahre, doch weil es sich in letzter Zeit doch dreimal so ergeben hat, habe ich mal wieder beobachten können, was in freier Wildbahn so alles abläuft. In meinem kleinen Zoo bekommt man nämlich nicht viel davon mit, worüber ich, offen gestanden, gar nicht so unglücklich bin. Ich bin zum Beispiel ganz froh, dass ich nicht jeden Tag zornigen Teenagerinnen zuhören muss, die mit übelsten Beschimpfungen lauthals über eine Abwesende herziehen, nur um Augenblicke später darüber zu jammern, wie sehr sie deren grobes Verhalten verletzt habe. Hä? Irgendwo habe ich mal gehört, wie man in den Wald hineinrufe, komme es auch zurück, aber vielleicht habe ich da etwas missverstanden. Ich stehe auch dazu, dass ich Agglo-Ei mich nicht mehr an den Anblick furchterregender, halb betrunkener Punks gewöhnt bin und deshalb mit einem mulmigen Gefühl an ihnen vorbeischleiche. Und dann musste ich noch mit Schrecken feststellen, dass Adrian Amstutz nicht einfach ein Schauspieler aus der Tagesschau ist, sondern dass der Kerl tatsächlich am hellichten Tag als Adrian Amstutz durch den Zürcher Hauptbnahnhof hetzt. Wäre doch zu schön gewesen, der SVP-Hardliner wäre bloss eine fiktive Persönlichkeit aus dem Fernsehen.

Weshalb ich trotzdem nach Zürich fahre, wo ich mich doch in all dem Lärm und Getümmel nicht wohl fühle? Nun, heute galt es, sich mit ein paar Novemberschreiberinnen über die Erfahrungen beim Kampfschreiben auszutauschen. Alles ganz nette Frauen, jede mit einer anderen Geschichte, einem anderen Hintergrund. Jede mit witzigen Anekdoten, scharfsinnigen Bemerkungen und tiefgründigen Beobachtungen im Gepäck. Für diese Runde lohnte es sich allemal, den heimischen Zoo zu verlassen. Auch wenn mir die freie Wildbahn im Moment nicht so recht zusagen will.

3 Gedanken zu “In freier Wildbahn

  1. Nun, da ich nicht auf dem Land wohne, kann ich mich nicht Landei nennen, in der Stadt lebe ich auch nicht, sonst wäre ich ja nicht überfordert vom Getümmel in Zürich. Und weil man bei uns alles, was weder Land noch Stadt ist, Agglomeration, kurz Agglo, nennt, bin ich eben ein Agglo-Ei. Gibt es in Deutschland das Wort „Agglomeratoin“ nicht?
    Wünsche ebenfalls einen schönen Nikolaustag.

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