Jetzt hab dich doch nicht so!

Meine lieben Leser, heute Abend muss ich mal wieder ein wenig jammern und die meisten werden sich beim Lesen wohl an die Stirne greifen, weil sich mein Gejammer mal wieder auf ein Luxusproblem bezieht. Nun, eigentlich ist es nicht mal ein Problem, sondern einfach ein Herzenswunsch, der wohl für immer unerfüllt bleiben wird. Und es gibt gewisse Tage, an denen mir bewusst wird, dass dieser Herzenswunsch noch immer da ist, auch wenn ich ihn schon längst vergessen sollte.

Heute ist mal wieder so ein Tag. Luise wird nämlich morgen sieben Jahre alt. „Was ist denn so schlimm daran?“, werden sich jetzt manche fragen und ich antworte: Nichts ist schlimm daran, gar nichts, ausser der Tatsache, dass mein einziges Mädchen schon so gross ist. So gross, dass sie mir neulich gesagt hat: „Mama, du darfst meinen Geburtstagskuchen dekorieren, wie du willst, nur eines will ich nicht haben: Prinzessinnen! Klar?“ Klar doch, Luise, keine Prinzessinnen, das ist zu kindisch. Und heimlich verdrücke ich ein paar Tränen. Nicht, weil ich so gerne Prinzessinnen hätte, sondern weil es meine einzige Tochter so furchtbar eilig hat mit dem Grosswerden. Dann räume ich mit einem tiefen Seufzer Luises zu klein gewordenen Kleinkinderkleider weg und weiss, dass ich sie nie wieder hervorholen werde.

„Jetzt hab dich doch nicht so!“, werden meine Leser sagen. „Du hast fünf gesunde Kinder. Denk mal an all die Menschen, die keine Kinder bekommen können. Und du machst ein Geschrei, weil du findest, du hättest eine weitere Tochter gebraucht.“ Und ich muss ja zugeben, wer so denkt, hat vollkommen recht. Ich habe fünf wunderbare, gesunde Kinder, die mein Leben unglaublich reich machen. Wenn ich also jammere, dann verhalte mich ähnlich wie ein Lottomillionär, der für seinen Reichtum keinen Finger krümmen musste und der trotzdem noch mehr haben will. Wenn ich mich frage, warum der Himmel, wo er uns doch mit Kindern so reich beschenkt hat, nicht auch noch ein zweites Mädchen  in die Familie gegeben hat, dann verhalte ich mich wie eine verzogene Göre, die immer nur mehr und mehr will. Dessen bin ich mir voll und ganz bewusst und ich schäme mich dafür.

Eines aber will ich trotz meines Gejammers festhalten: Ich liebe jeden meiner vier Söhne genau so sehr wie ich meine Tochter liebe und würde morgen jemand an der Haustüre klingeln und mir ein Mädchen im Tausch gegen einen meiner Söhne anbieten, ich würde sagen: „Nie und nimmer gebe ich einen meiner Söhne her. Jeder von ihnen ist ein unersetzliches Original, das ich liebe wie mein eigenes Leben.“ Doch dann, bevor ich der Person die Tür vor der Nase zuschlagen würde, würde ich sagen: „Aber das Mädchen, das dürfen Sie gerne hier lassen. Denn das hat mir gerade noch gefehlt.“

4 Kommentare zu “Jetzt hab dich doch nicht so!

  1. Ja, kenne ich das Gefühl. Erst in den letzten Tagen ist mir bewusst geworden, dass ich jetzt in dem Alter bin, in dem ich eingestehen muss, dass mir gewisse Dinge für den Rest meines Lebens verwehrt bleiben werden. Bis anhin nahm die Zahl meiner Optionen stetig zu. War mir etwas wichtig, konnte ich es irgendwie erarbeiten. Und wenn’s nicht klappte, na dann vielleicht beim nächsten Mal. Aber nun? Bei einigen Dingen gibt es nun kein nächstes Mal mehr, was mich nicht nur nostalgisch sondern auch etwas ängstlich stimmt.

    • Vielleicht hat das tatsächlich auch mit dem Alter zu tun. Wobei zumindest bei meinem „Problem“ das mit dem Altern durchaus auch Vorteile haben könnte: So langsam kann ich anfangen, von einer kleinen süssen Enkelin zu träumen. Die grauen Haare zumindest habe ich bereits…

  2. Unbekannterweise:

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag liebe Luise.
    Mögen sich viele Deiner Wünsche erfüllen und in Deinem Leben immer genug Freude sein, um alles erträglich zu machen, was sich nicht erfüllt.
    Gottes Segen über Dich und alle, die Dir wichtig sind.

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