Kleinkinderglaube

Irgendwann, gewöhnlich wenn ein Kind zwischen zwei und drei Jahre alt ist, beginnt es sich Gedanken über das Woher, Wozu und Wohin zu machen. Dem Zoowärter wird gerade so langsam bewusst, dass er „früher“ mal „ganz klein“ war, dass er aus Mamas Bauch gekommen ist und dass „eine dunkle Frau ihn da raus geholt hat“. Heute, als wir uns wieder mal an all die Details des wunderbaren Frühlingstags erinnert haben, an dem Luise in unser Leben getreten ist,  hat der Zoowärter erfahren, dass er nach seiner Geburt für etwa zwei Stunden von Mama weg musste, weil die Mama so schrecklich geblutet hat und das hat ihn so sehr beschäftigt, dass ich ihm die Geschichte immer und immer wieder erzählen musste.

Gleichzeitig mit der Frage nach dem Woher, Wozu und Wohin kommt auch die Frage nach dem, was im Himmel wohl so vor sich geht. Wie das in atheistischen Familien ist, weiss ich nicht, aber bei uns läuft das so, dass plötzlich der liebe Gott immer und überall dabei ist. Da klebt zum Beispiel der Zoowärter kitschige Bilder von Küken und Osterhäschen an die Fensterscheibe und murmelt vor sich hin: „Die hat auch der Gott gemacht.“ und man denkt: Die hat ganz bestimmt nicht „der Gott“ gemacht, denn so einen schlechten Geschmack hat er nie und nimmer. Oder er schnappt auf, dass Mama mit einer Frau namens Maria redet und schon macht sich der Zoowärter auf die Suche nach Jesus und Josef, denn sonst ist die Familie nicht komplett. Seit ein paar Tagen nun wünscht der Zoowärter, dass ich mit ihm bete. Das hat er von den grossen Geschwistern aufgeschnappt, die jeweils beten wollen, wenn sie Angst haben, oder wenn sie ihre Kuscheltiere nicht mehr finden, oder wenn sie sich über etwas ganz besonders freuen, oder wenn Luise sich mal wieder eine Schwester wünscht. Die Gebetsanliegen des Zoowärters aber sind ganz speziell: „Mama, betest du, dass die Äffchen normal sind? Und betest du, dass die Eisbären normal sind? Und betest du auch noch, dass die Pinguine normal sind?“

Weil ich mein Kind liebe, bete ich folgsam, was es von mir wünscht und hoffe dabei, dass „der Gott“ versteht, was ich da im Namen meines Sohnes bete. Ich selber habe nämlich nicht die leiseste Ahnung, was er damit meint.

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