Ohne mich?

Dieses Jahr mache ich nicht mit. Ganz bestimmt nicht. Ich weiss, in meinem Alter macht man das, aber ich will jetzt einfach nicht und darum werde ich auch nicht. Ich habe keine Lust, mich stundenlang hinzukauern, keinen Bock auf schmutzige Fingernägel, kein Bedürfnis, todmüde und mit schmerzenden Gliedern ins Bett zu sinken. Lieber hocke ich in meinem unaufgeräumten Büro und tippe mir die Finger wund. Dieses Jahr lässt mich die Gartensaison kalt.

So dachte ich noch vor ein paar Tagen. Aber dann stiess ich beim Surfen auf einen Tellerpfirsich-Baum und mein Entschluss geriet ins Wanken. Nachdem aber „Meiner“ das Bäumchen gepflanzt hatte und die ersten rosaroten Blüten sich öffneten, zog ich mich wieder ins Büro zurück. Ich habe dieses Jahr wirklich keine Lust auf Gärtnern. Aber das lässt sich die Natur nicht bieten. Und so begann sie, mich zu umschmeicheln. Die ersten Traubenhyazinthen liessen mich noch kalt, doch als die Osterglocken zu blühen begannen, deren Zwiebeln wir letzten Herbst aus Chamonix mitgebracht hatten, fühlte ich mich schon ein wenig geschmeichelt. Immerhin haben wir letzten Herbst mit klammen Fingern in der Erde gewühlt, um dafür zu sorgen, dass die Natur sich in diesem Frühling von ihrer besten Seite zeigen kann.

Dennoch beschloss ich, die Gartenarbeit „Meinem“ zu überlassen. Wenn ich nicht will, dann will ich nicht. Und jemand muss sich doch auch um die armen Papiere kümmern, die so verloren auf meinem Schreibtisch liegen.  Heute Nachmittag aber ging uns die Erde aus und weil „Meiner“ am Graben war – er verschönert gerade unseren Gartensitzplatz – musste eben ich in die Migros fahren. Und dann war es um mich geschehen und jetzt wachsen auf unserem Balkon Kopfsalate, Eisbergsalate, Basilikum, Thai-Basilikum, Zitronenthymian, Mohn, Oregano, Marokkanische Minze, Butternut-Kürbisse und Petersilie. Und weil das nicht genug ist, habe ich gleich noch ein paar Kohlrabi und San Marzano-Tomaten ins Gartenbeet gepflanzt.

Tja, sieht so aus, als wäre ich nun doch dabei. Ich hätte es ja eigentlich wissen sollen, dass jeder Widerstand zwecklos ist. Wie meine geneigten Leser wissen, kann man sich der Gärtnerei in einem gewissen Alter nicht mehr erwehren.

8 Gedanken zu “Ohne mich?

  1. Auf dem Balkon werden die Kürbisse nur angezogen, der Platz im Garten ist bereits reserviert. So er denn in ein paar Wochen noch frei ist…
    Bei sehr frühreifen Menschen kommt das „gewisse Alter“ tatsächlich schon etwas früher… Als eingefleischte Theoretikerin gehöre ich wohl zu den Spätzündern. 😉

  2. Herzlich willkommen und Grüsse ins Züri Oberland.
    Ja, gärtnern tut wirklich gut. Obschon ich gewöhnlich ja nicht gerne schmutzige Hände habe… 🙂

  3. Ich hab damals auch mit Kürbissen auf dem Balkon begonnen. Heute habe ich einen schönen Garten und jedes Jahr bin ich mir sicher, dass keine neuen Pflänzchen Platz haben…spätestens im Juni steche ich dann aber weiter Rasen ab… 🙂
    Gartenarbeit tut einfach meiner Seele gut!
    Es Grüessli us em Züri Oberland, die bisher stille Mitleserin SabrinaS

  4. Kürbis auf dem Balkon? Das geht? *unbedingtauchhabenwill* – Und das „gewisse Alter“ schlägt bei manchen wohl schon etwas früher zu. Aber vielleicht sorgt die ominöse Gärtner-Altersgrenze in ein paar Monaten dafür, dass mir nicht mehr immer die Hälfte eingeht…;-) Weiterhin viel Vergnügen im Garten/Balkon. Frische Luft tut Schreiberlingen ab und zu ganz gut.

  5. Aber bitte nimm den Basilikum nachts noch rein ja. Unter 5 Grad mag der nämlich gar nicht und ärgert sich gerne schwarz darüber 😉

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