Bruderliebe

Theoretisch gilt bei Vendittis die Regel, dass man am Esstisch sitzen bleibt, bis alle gegessen haben, es sei denn, der FeuerwehrRitterRömerPirat lässt sich mal wieder so viel Zeit mit dem Essen, dass selbst „Meiner“ und ich genug Pause gemacht haben. Die Regel gilt allerdings erst theoretisch, da das Prinzchen und der Zoowärter noch nicht so ganz begriffen haben, dass eine Regel nicht zum Brechen da ist und so gestatten wir unseren zwei Jüngsten jeweils eine Ausnahme, worauf sie sich dann jeweils ein paar Dummheiten erlauben, währenddem wir den Rest der Mahlzeit in relativer Ruhe geniessen.

Heute stand ein Ausflug ins Badezimmer auf dem Programm. Zuerst einmal hörte man nicht viel, dann Wasserrauschen, schliesslich ein dumpfes Geräusch und danach lautes Prinzchen-Gebrüll. „Meiner“ und ich brachen natürlich sofort die Tischregel, und stürzten ins Badezimmer, wo wir ein aus dem Mund blutendes Prinzchen und einen verschämt dreinblickenden Zoowärter vorfanden. Da zuerst das Prinzchen zu trösten und zu verarzten war, verschoben wir die Zoowärter-Standpauke auf später.

Nachdem unser Jüngster sich beruhigt hatte und vor lauter Erschöpfung gar ohne das momentan übliche Schlaflieder-Konzert in tiefen Schlaf gefallen war, fand ich endlich Zeit für das Verhör unseres Zweitjüngsten. „Was hast du denn mit dem Prinzchen gemacht?“, fragte ich streng. „Ich habe ihn geschubst“, gestand der Zoowärter unumwunden und mir schien, dass er sich für seine Untat nicht im Geringsten schuldig fühlte. „Warum hast du ihn denn geschubst?“, fragte ich noch eine Spur strenger, denn mangelndes Schuldbewusstsein bringt mich in Rage. Bei der doch ziemlich unerwarteten Begründung für die Gewaltanwendung mit blutigen Folgen war es allerdings sehr schwer, ernst zu blieben:  „Ach Mama, ich wollte dem Prinzchen doch ‚Heile heile Segen‘ singen und da musste ich ihn eben zuerst umschubsen, damit er weint.“

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