Bettgeschichten

Ich schreibe und wähle nicht nur links, ich schlafe auch links. Genauer gesagt, schlafe ich auf dem linken Ohr und zwar auf der Seite des Bettes, die man als die Linke empfindet, wenn man auf dem Rücken im Bett liegt. Also die Seite, die rechts liegt, wenn man vor dem Bett steht. Weil ich aber lieber im Bett drin liege, als davor zu stehen, ist das für mich die linkere Seite des Bettes, auch wenn sie objektiv betrachtet eher die rechte Seite ist. Alles klar? Wenn nicht, ist das auch egal, ihr müsst ja nicht mit mir das Bett teilen.

Der Mann aber, der mit mir seit mehr als zwölf Jahren das Bett teilt, hat entschieden, dass er es satt hat, mir immer die linke Seite zu überlassen. Angeblich, weil „wir doch noch nicht so alt sind, dass wir immer alles gleich beibehalten müssen“ und dann auch noch, weil er mich so „viel besser umarmen kann“. Ha, von wegen! Ich habe ihn durchschaut. Er will bloss, dass ich wieder auf die Bettseite rücke, die näher beim Prinzchen ist. Ja, ich weiss, es ist vollkommen lächerlich, dass das Prinzchen auch im reifen Alter von zwei Jahren noch in unserem Zimmer schläft. Aber hey, er ist unser Jüngster, was erwartet ihr von uns? Dass wir ihn vor seinem achtzehnten Geburtstag aus unserem Zimmer ausziehen lassen? Wo doch sogar „Meiner“ –  der sonst täglich findet, es wäre doch grossartig, wenn das Prinzchen etwas grösser und vernünftiger wäre – völlig entsetzt war, als ich vorschlug, wir sollten das Prinzchen vielleicht zu seinen Geschwistern umziehen lassen. „Aber dann kann ich ihn ja gar nicht mehr bewundern, wenn er schläft“, meinte er. „Er ist doch so süss, wenn er da mit seinem Bären und seinem Krümel im Bettchen liegt.“

Gut, dann bleibt er eben, das Prinzchen. Ist mir ganz recht. Aber dann soll „Meiner“ die Konsequenzen dafür tragen. Was er aber nicht tun will und das, so vermute ich zumindest, ist der wahre Grund für meine Vertreibung aus dem linksseitigen Paradies. Während nämlich 99,9 Prozent aller Mütter klagen, ihre Männer würden nachts nie wach, wenn die Kleinen weinen, ist es bei uns genau umgekehrt: Ich schlafe friedlich weiter, während „Meiner“ Fläschchen wärmt, Windeln wechselt und im Dunkeln Nuggis sucht. Das war nicht immer so, früher haben wir uns diese Pflichten redlich geteilt. Aber irgendwann hat sich herausgestellt, dass „Meiner“ nach der Erledigung dieser Pflichten wieder friedlich weiterschläft, ich aber die halbe Nacht wach liege, wenn ich mal meine linke Betthälfte habe verlassen müssen. Und weil „Meiner“ ein netter Kerl ist, hat er von da ab die Nachtdienste alleine übernommen.

Wie ich jetzt feststellen muss, hat selbst die Nettigkeit von „Meinem“ ihre Grenzen. Denn seitdem er mich kurzerhand auf die reche Bettseite verbannt hat – die Bettseite, die links liegt, wenn man vor dem Bett steht, die man aber als rechts empfindet, wenn man im Bett liegt -, tut er nachts keinen Wank mehr. Seither habe ich jede Nacht Prinzchen-Dienst und weil ich danach nicht mehr einschlafen kann, entstehen dann in meinem Kopf Blogeinträge über linke und rechte Bettseiten und andere Banalitäten. Ich hoffe doch sehr, meine geschätzte Leserschaft wird sich bei „Meinem“ dafür stark machen, dass ich meine linke Bettseite zurück bekomme. Ihr wollt ja wohl nicht, dass ich euch weiterhin mit solchen Bettgeschichten langweile, nicht wahr?

6 Kommentare zu “Bettgeschichten

  1. dear beautiful ich wechsle nur die bettseite, wenn du 1. mandarintee organisierst; 2. scones bäckst; 3. clotted cream herstellst und erdebeerkonfitüre kaufst; 4. ein weekend zu zweit einfädelst, nur einfädeln, da ich für das programm die besseren ideen habe und 5. och ja fluff, ich liebe fluff, das musst du wieder einmal machen! think abour that your pretty & thank you für die werbung!

  2. Liebe Tamar

    Deine Blogeinträge sind einfach genial. Ich freue mich jeden Tag auf neue spannende und amüsante Episoden aus deinem Familienalltag.
    Uebrigens, kämpfe um deine linke Bettseite! Ich habe sie auch in unserem Ehebett ergattert und hatte auch nicht wirklich Freude, diese meinem Mann zu überlassen. 😉
    Ganz liebe Grüsse
    Katja

    • Liebe Katja
      So schön, von dir zu hören! So ein Blog ist doch einfach eine tolle Sache…
      Wenn wir es schaffen, genügend Frauen zu mobilisieren, die sich die lechte oder rinke Bettseite nicht entreißen lassen, dann schaffen wir es vielleicht gar, eine neue Frauenbewegung ins Leben zu rufen. 😉
      Herzliche Grüsse

      Tamar

  3. Liebe Tamar, ich hätte da einen Trick… erstens, weil ich auch *im-Bett-links* schlafe und zweitens, weil es bei uns genauso ist, der Mann schläft nachts sofort wieder weiter, bei mir ist die Nachtruhe vorüber, wenn ich mal aufstehen musste…
    Daher: Im Bett einfach Kopf- und Fußende vertauschen 🙂
    Du kannst im linken Bett bleiben, die Position ist aber dann die rechte… und Männe bleibt beim Prinzchen…
    Pippi Langstrumpf (mit den Füßen aufm Kopfkissen) lässt grüßen 🙂

    LG anabel

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