Die Kohl-Affäre

„Ein Weisskohl wird ja wohl reichen. Ausser mir und dem Zoowärter wird kaum einer essen davon“, sagte ich zu mir selber, als ich heute Abend zum Gemüsemesser griff, um eine Beilage zu den Ofenkartoffeln zuzubereiten. Das Rezept aus meinem neuen Schweden-Kochbuch war so simpel, dass ich nichts Besonderes davon erwartete: Weisskohl in Bouillon weich dämpfen, in Butter anbraten, Doppelrahm, Salz und Pfeffer hinzu und dann alles kurz köcheln lassen. So einfach, aber das Resultat war köstlich.

„Zoowärter, das musst du probieren“, rief ich unseren Gemüseliebhaber herbei. Der Zoowärter probierte, verdrehte genüsslich die Augen und versprach, wenn er ganz viel von diesem Kohl essen dürfe, würde er ohne Widerstand sein Zimmer aufräumen und brav zu Bett gehen. Drei Portionen später war der Zoowärter halbwegs satt, die Pfanne nahezu leer. „Probiert doch auch noch ein bisschen“, sagte ich zu den anderen Kindern. Erst rümpften sie die Nase, doch dann liessen sie sich einen Löffel voll aufschwatzen.

Augenblicke später brach ein Tumult los: „Warum hast du nicht mehr davon gekocht?“, wollte Karlsson wissen. „Das musst du morgen noch einmal machen“, forderte Luise. „Kann ich noch mehr haben?“, bat die Cousine unserer Kinder, die mit uns ass. „Wenn ich keinen ganzen Teller voll davon kriegen kann, esse ich überhaupt nichts heute Abend“, protestierte das Prinzchen. Ja, genau, das gleiche Prinzchen, das gewöhnlich nur Verachtung übrig hat für Kohl und anderes Gemüse. Einzig der FeuerwehrRitterRömerPirat blieb stumm, aber wohl nur, weil er gerade wegen irgend einer Sache sehr eingeschnappt war und unter dem Esstisch schmollte. Sonst hätte er bestimmt gejammert, der Zoowärter hätte viel mehr Kohl bekommen als er und das sei ganz schrecklich unfair. Erst als ich versprach, ich würde morgen noch einmal genau das Gleiche kochen und dann so viel, dass es für alle reicht, beruhigte sich die aufgebrachte Meute wieder. 

Was bin ich froh, dass die Kohl-Affäre zwei Stunden später wieder vergessen war. Sonst wäre bestimmt erneut ein Tumult ausgebrochen, als der von mir in Sachen Kohl schamlos bevorzugte Zoowärter sein ganzes Abendessen wieder von sich gab. 

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3 Kommentare zu “Die Kohl-Affäre

  1. Grüezi Frau Venditti Betreffend der Kohl-Affäre wollte ich nur sagen, habe das Rezept auch probiert – ich fands den Hammer – mein Mann auch!! bei den Kindern hatte ich weniger Glück aber ich versuchs weiter….. der Winter kommt erst und es gibt noch manche Möglichkeit Kohl aufzutischen…….

  2. Pingback: Rundumschlag – Aktuelles, Links, Termine und ganz viel Liebe | i.Lilly

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