Seien wir doch (nicht immer so schrecklich) flexibel

Seitdem ich von zu Hause aus arbeite, bin ich zeitlich sehr flexibel. Viele Menschen in meinem Umfeld sind dies auch und manchmal kommen zwei von uns Flexiblen auf die Idee, uns zum Tee zu treffen. Das läuft dann so:

A: „Wir sollten uns mal zum Tee treffen.“

B: „Gute Idee, das sollten wir wirklich mal tun und zwar bald.“

A: „Ja, unbedingt bald.“

Zwei Wochen später:

B. „Du, wir sollten uns wirklich mal zum Tee treffen.“

A: „Oh ja, das machen wir.“

B: „Irgendwann in den nächsten Wochen.“

A: „Gut, ich melde mich. Ich kann’s mir eigentlich fast immer einrichten.“

B: „Ich auch.“

Drei Monate später: 

A: „Du, wir wollten uns doch mal zum Tee treffen.“

B: „Machen wir! Wann?“

A: „Ich bin flexibel.“

B: „Ich auch.“

A: „Schlag doch mal ein paar Termine vor.“

B: „Ich schau mir mal meinen Terminkalender an.“

Drei Wochen später:

B: „Also, hier meine Terminvorschläge. Mir geht’s eigentlich immer am Mittwochvormittag, am Donnerstagnachmittag oder am Freitag über Mittag. Ich könnte aber auch nächsten Samstag um fünf, am Montag ab zehn Uhr oder übernächsten Sonntag gegen Abend.“

A: „Danke! Ich schau mal, wann es mir geht.“

Vier Tage später:

A: „Hab‘ nachgeschaut. Wie wär’s mit nächstem Mittwoch?“

B: „Tut mir leid, Mittwochvormittag geht eigentlich immer, aber gestern habe ich Bescheid bekommen, dass ich Sitzung habe. Ausnahmsweise nur. Donnerstagnachmittag ist aber immer noch frei.“

A: „Donnerstag ist nicht gut nächste Woche. Sonst immer, aber nächsten Donnerstag muss ich zum Zahnarzt. Nehmen wir den Mittwoch in einer Woche? Der ginge mir auch noch.“

B: „Super, Mittwoch in einer Woche. Neun Uhr. Ich freu mich!“

A: „Ich auch!“

Zwei Tage später:

B: „Du, ich hab total vergessen, dass ich Mittwoch in einer Woche Besuch habe. Können wir eine Woche später?“

A: „Ja, prima, geht auch. Es bleibt bei neun Uhr?“

B: „Ja, übernächsten Mittwoch, neun Uhr. Perfekt!“ 

Übernächster Mittwoch, zwanzig vor neun:

A: „Du, können wir verschieben? Mein Jüngster ist gerade von der Schule nach Hause gekommen und kotzt sich die Seele aus dem Leib.“

B: „Oh je, der Arme. Wir suchen dann einen neuen Termin, wenn er wieder gesund ist. Wir sind ja flexibel.“

ufo; prettyvenditti.jetzt

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4 Kommentare zu “Seien wir doch (nicht immer so schrecklich) flexibel

  1. …völlig aus dem Leben gegriffen und hundertprozentig wahr – dieser Dialog könnte genauso gut von mir und einer zweiten „Ach-so-flexiblen-Person“ sein! Doch wenn man es mal so vor Augen hat, gibt es einem schon zu denken! Ich muss mit miener Flexibilität wohl nochmals über die Bücher oder wenigstens nicht als solche deklarieren, sie ist es nämlich wirklich nicht immer, flexibel! Vielen Dank für den Gedankenanstoss und liebe Grüsse, Carmen (stille Leserin)

    • Ist wohl eine Zeiterscheinung. Früher musste man halt noch richtige Vereinbarungen treffen, weil man nicht immer ein Handy zur Hand hatte, mit dem man alles wieder über den Haufen werfen konnte.

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