Aus dem Gröbsten raus…

Wenn du kleine Kinder hast, so zwei, drei Jahre alte, dann sitzt du manchmal seufzend da und betrachtest die Scherbenhaufen, die sie angerichtet haben, währenddem du zwei Minuten auf dem WC warst. „Wenn sie erst mal grösser sind“, sagst du zu dir selber, „dann wird es ruhiger und es wird kein Problem mehr sein, sie mal eine Weile lang unbeaufsichtigt zu lassen.“ Eine nette Überzeugung, die ich auch lange für richtig gehalten habe. Hier ein paar Gründe, weshalb ich inzwischen daran zweifle:

  • Ein Spiegel, der bei dem ewigen Gerenne durch den Flur in die Brüche gegangen ist.
  • Eine Tube Badeschaum, vorgesehen als Geschenk für ein Patenkind, deren gesamter Inhalt grundlos auf Wände und Fussboden verteilt wurde.
  • Eine Flasche wertvolles Koffeingesöff – vorgesehen für Mamas und Papas Nerven -, die auf dem Heimweg vom Einkauf auf der Strecke bleibt und eine zweite, die ohne Kohlensäure, dafür mit Loch und folglich mit reduziertem Inhalt zu Hause ankommt. Das alles nur, weil man verbotenerweise mit dem Trottinett in die Migros gefahren ist (und den kleinen Bruder, der hätte mitkommen wollen, schluchzend und schniefend zu Hause gelassen hat). 
  • Ein mit Rosenblütenblättern verstopfter Badewannenabfluss. 
  • Eine löchrige Giesskanne. Der FeuerwehrRitterRömerPirat hat neun Löcher gezählt, jedoch keine Ahnung, wie sie entstanden sind.
  • Eine Nachbarin, die mit zitternden Knien im Treppenhaus steht und darauf hinweist, dass sich gerade drei Kinder gefährlich weit aus dem Dachfenster gelehnt haben. 
  • Ein Stilleben auf der Küchenkombination: Angebranntes Porridge, daneben ein fast leerer Beutel mit matschigen Tiefkühlerdbeeren, diverse verklebte Löffel und Löffelchen, das Ganze umflossen von gut einem Liter teurer Bio-Milch. Und natürlich keiner in Sicht, der etwas von der Sache weiss.
  • Ein hartgekochtes Ei, das auf dem Kopf der einzigen Schwester landet. Nein, nicht zufällig.
  • Eine am Morgen noch volle Flasche Shampoo speziell für langes Haar, die abends leer ist und das ohne dass eine der beiden Langhaarigen an diesem Tag die Flasche in den Händen gehabt hätte. Und auch von den anderen hat keiner die Haare gewaschen.
  • Rasant schwindende Schokoladenvorräte. 
  • Karottenschalen unter dem Küchentisch. Keiner war’s, aber wie sollte man dagegen etwas einwenden können? Immerhin haben sie Karotten gegessen und nicht Schokolade.
  • Stofftiere im Regen. Tagelang.
  • Fehlende Latten im Bettrost, die lange Zeit unauffindbar bleiben und später auf wundersame Weise als Waffen wieder auferstehen. Leider nicht mehr ganz  in Form, so dass eine Wiedereingliederung in den Lattenrost nicht möglich ist.
  • Ein verstörter Kater namens Gottegris in Mamas Handtasche, die an einem Kinderarm baumelt.
  • Ein halb voller Beutel Katzenfutter im Kühlschrank. Die Erklärung: „Weisst du, ich hab Gottegris auf Diät gesetzt und jetzt bekommt er immer nur noch einen halben Beutel.“ 

Dies nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Alltag einer Familie, in der sämtliche Kinder „aus dem Gröbsten raus sind“, wie man so gerne sagt. Ruhiger? Von wegen! Aber ganz sicher schwerer zu verstehen, warum die noch immer solchen Mist anstellen, kaum dreht man ihnen den Rücken zu. Als sie kleiner waren, konnte man sich immerhin der Illusion hingeben, sie wüssten es eben nicht besser…

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4 Gedanken zu “Aus dem Gröbsten raus…

  1. Geschirr? Wächst bei uns glaub ich auf den Bäumen. Meinen unsere Kinder zumindest…

    Das mit Königsfelden klingt tatsächlich ganz verlockend, aber ich versuch’s zuerst mal mit zwei einsamen „Mama ist dann mal weg-Tagen“ in Bern, bevor ich diese Option in Betracht ziehe. 😉

  2. Also ich fürchte manchmal, die Verdrängungstaktik ist das einzig wirksame Mittel das mich davor bewahrt direkt in Königsfelden einzuziehen – ein sauberes Zimmer, 3 Mahlzeiten täglich und Verständnis ohne Ende, wie verlockend ist das denn 😛

    Was ich auch sehr interessant finde ist der Punkt Geschirr. Als die Jungs klein waren, dachte ich, teures Geschirr ist Geldverschwendung, die lassen eh alles fallen. Wenn sie dann aus dem Gröbsten raus sind, habe ich dann Geschirr bis genug und! Geschirr, das mir gefällt im Schrank. Fehlanzeige. Nun müssen meine Gäste zwar nicht mehr gestaffelt erscheinen, weil ich nicht genug ganzes Geschirr habe. Jetzt siehst Du mich in den Teeangerzimmern unter den Betten rumkriechen und all die angebrauchten Tassli, Teller, Löffeli, Gläser hervorholen, damit ich überaupt Geschirr im Schrank habe…. (Und den Originalgeschirrbestand einer 7köpfigen Familie mit Mutter die leidenschaftlich gerne kocht und bäckt, kennst Du ja wahrlich selber)

  3. Glaub mir, ich weiss ziemlich genau, wovon du redest. Mir ist gestern beim Schreiben nur nicht mehr alles eingefallen. Hab wohl ein paar Dinge verdrängt… 😉

    Wünsche dir eine gute Portion Nerven für weitere Punkte auf der tatsächlich beliebig erweiterbaren Liste.

  4. – 13jährige die trotz wiederholtem Erklären, hinterher von Hand abwaschen, Abwaschmaschine selber putzen, den gesamten Abwasch von Hand erledigen müssen, eine Woche lang täglich von Hand abwaschen (und sonstigen diversen Massnahmen) etc etc stur Pfannen (mit Essen drin), Kellen (mit Essen dran) Schneidebretter (hochkant) nebst den erlaubten Gläsern, Tellern (die unerlaubt auch noch Essen drauf haben) in die Abwaschmaschine stopfen

    – Pubertiere, die sich morgens ihre Kleider aus dem Schrank aussuchen und mangels Interesse die nicht genehmen Kleidungsstücke wieder zusammengefaltet in den Schrank zu legen, dieselben einfach auf den Haufen mit Dreckwäsche schmeissen.

    – merkwürdige Gerüche in Pubertierzimmern, denen Du erst auf die Spur kommst, wenn der Hund, der sonst immer kommt, wenn man ihn ruft, einfach nicht aus dem Zimmer zu locken ist, und der selig ein total vergammeltes Znünisandwich verspeist, wenn Du nachschauen gehst.

    die Liste liesse sich beliebig fortsetzen….

    ….aber sowas kennst Du Glückliche wohl noch nicht

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