Gewürzfragen

Einmachgewürz – spezieller Einmachessig und Einmachgurken übrigens auch – sind hierzulande gar nicht so einfach aufzutreiben. Keine Ahnung, warum das so ist, aber solange meine Mitbürger aus Deutschland nicht lautstark nach dem Zeug verlangen, wird sich daran wohl nicht so schnell etwas ändern. Dennoch überkommt mich jedes Jahr im Spätsommer der unwiderstehliche Drang, Gurken einzumachen, was meistens zu einer ziemlich komplizierten Angelegenheit wird, weil ich mich weigere, zig Kilometer nach Deutschland zu fahren, um dort einzukaufen, was ich für mein Unterfangen brauche. 

Die Gurken waren diesmal erstaunlich leicht zu finden. Gut, drei Händler auf dem Wochenmarkt standen nach meinem Besuch ohne Einmachgurken da, aber das war mir egal. Habe ja auch einen stolzen Preis bezahlt. Fehlte also nur noch das Gewürz, speziellen Einmachessig brauche ich nämlich nicht unbedingt. „Kein Problem“, sagte ich zu mir selber, „die haben doch vor einiger Zeit eine Gewürzhandlung eröffnet. Wenn sie keine Mischung haben, werden sie mir bestimmt sagen können, was ich alles brauche, um sie selber herzustellen. Die sind ja Experten.“ 

Was es denn sein dürfe, fragte mich die Verkäuferin in der Gewürzhandlung, kaum hatte ich den ersten Fuss über die Schwelle gesetzt. „Einmachgewürz“, antwortete ich. Die Frau sah mich fragend an. „Na ja, Gewürze, die man verwenden kann, um Essiggurken einzumachen“, erklärte ich. Die Frau überlegte. „Hmmmm, also wir haben Dill. Das passt glaub‘ ich ganz gut zu Gurken…“, sie schaute sich im Laden um. „Wacholder vielleicht?“, sagte sie nach einer Weile. „Nein, Wacholder eher nicht. Das passt besser zu Sauerkraut“, sagte ich. „Ja, da haben Sie vielleicht recht“, meinte die Verkäuferin und überlegte weiter. „Senfkörner könnte man noch nehmen, aber die haben wir gerade nicht…“ Wieder schaute sie sich um und murmelte dann: „Gewürzmischung zum Beizen hätten wir noch. Na ja, das ist eigentlich für Fleisch…“

Zwei Kunden betraten den Laden und ich spürte, dass die Verkäuferin sich jetzt lieber ihnen zuwenden wollte. War mir auch recht, dann konnte ich endlich richtig schauen, ob ich vielleicht doch noch finden würde, was ich suchte. Ich fand. Kleine Chilis zum Beispiel, 13 Franken das Päckchen. Oder Koriander, 8 Franken das Döschen. Oder Pfefferkörner in allen Farben,  etwa dreimal so teuer wie an anderen Orten. Mit etwas Mühe hätte ich wohl die Zutaten für mein Einmachgewürz zusammenbekommen, aber ich schätze, dass ich dafür etwa 50 Franken liegen gelassen hätte. Das war mir dann doch etwas zu teuer, also verliess ich die Gewürzhandlung mit leeren Händen.

In Zusammenarbeit mit Reformhaus, Migros, Coop und meinem Gewürzschrank bekam ich meine Würzmischung schliesslich doch noch zusammen. Inzwischen sind die Gurken im Glas, die Küche ist wieder sauber und in meinem Kopf geistert die Frage herum, weshalb man eine Gewürzhandlung führt, wenn man sich nicht mal ganz sicher ist, womit man Gurken würzt.

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3 Gedanken zu “Gewürzfragen

  1. Bei uns werden die Hausgemachten heiss geliebt. Wenn ich nicht aufpasse, sind sie weg, bevor ich sie habe ziehen lassen können.
    Das mit dem Rezept ist eine gute Idee. Sobald ich probiert habe, ob meine Gewürzmischung gelungen ist, mache ich das.

  2. Das mit den Gurken kenn ich! Meine Mutter hat auch selber welche eingemacht, aber sie haben niemandem von uns geschmeckt, ausser meinem Vater… 😉
    Hast du vielleicht Lust, dein Rezept online zu stellen? Das fände ich sehr interessant 🙂

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