Gerätevermehrung

Am Anfang war da nichts. Na ja, fast nichts. Die Überzeugung, dass wir auch ohne können, die war da, felsenfest. Irgendwann kamen dann doch die ersten Gehversuche, unfreiwillig noch, ziemlich mühsam obendrein, aber ein paar Vorteile liessen sich erahnen. Er blieb bei seinem klaren Nein, ich meinte, vielleicht, irgendwann, später einmal könnte das schon noch interessant werden. Zwei oder drei Jahre später der Einstieg ins Uni- und Berufsleben, bei mir verbunden mit der Pflicht, mich in die Sache einzuarbeiten, bei ihm blieb es freiwillig, also blieb auch seine Überzeugung, dass er es nicht braucht. Mir fing es derweilen an, Spass zu machen, die Empörung, als die Professorin verlangte, dass jeder Student sich eine E-Mail-Adresse zulegt, war dennoch riesig. In unsere erste Wohnung zog also auch ein Computer ein. Ein grosses Ding, mit klotzigem Monitor und schwerem Tower. Er blieb skeptisch, war dann aber auch der Meinung, ein Internetanschluss könnte vielleicht ganz praktisch sein. Der Computer war meine Domäne, er gab sich nur damit ab, wenn es sich nicht vermeiden liess. 

Zeitgleich stellte sich die Frage, ob man so ein Handy, das plötzlich alle hatten, braucht. Wir waren uns einig: Braucht man nicht. Wir blieben uns einig, bis sich Nachwuchs ankündigte und er erreichbar sein wollte, auch während der Schulstunden. Diesmal war ich skeptisch, doch eine Aktion bei der Migros – zwei für eins oder so – setzte meinem Widerstand ein Ende. 

Irgendwann zog Apple bei uns ein, die sperrigen Computerdinger mir Tower und Kabelsalat verschwanden, die durchwachten Nächte, während derer ich versuchte, Probleme zu lösen und Viren zu vertreiben, gehörten der Vergangenheit an. Jetzt fiel es auch ihm leichter, sich mit dem Zeug anzufreunden. Steuererklärungen, E-Banking und Pannen blieben aber ganz klar meine Aufgabe. Dann sah ich zum ersten Mal ein Tablet und war hin und weg, was ihn dazu bewog, mir eines zur Veröffentlichung des ersten Buches zu schenken. Das Gerät gehörte mir ganz alleine, wurde aber doch von allen Familienmitgliedern – inklusive dem Jüngsten, der damals gerade mal zwei war – eifrig genutzt, bis es den Geist aufgab. Ein Ersatz musste schnell her, wieder sollte er mir alleine gehören, denn die anderen hatten ja den neuen Computer, den Laptop und den alten Computer.

Als er sich trotzdem immer und immer wieder an meinem Tablet vergriff, schenkte ich ihm sein eigenes Mini-Tablet. Der Älteste hatte da schon sein erstes Smartphone, die Tochter einen iPod. Dann fing er an, Kurse zu erteilen, wollte nicht immer den Laptop mitschleppen, hatte auf dem Mini-Ding aber kein Platz für die benötigte Software. Er bekam ein grosses Tablet, das Mini-Ding wurde mit Lern-Apps für die Kinder vollgestopft, die Tochter bekam ein Smartphone, ich gewann beim Wettbewerb ein Fairphone und musste mir einen neuen Laptop anschaffen, der Dritte durfte den iPod des Cousins übernehmen, der Älteste ersteigerte sich mit seinem Geburtstagsgeld sein eigenes Tablet…

Plötzlich überall Geräte, Kabelsalat, weil jetzt jeder immer irgend etwas am Aufladen ist und manchmal die erstaunte Frage, ob wir wirklich mal im Ernst geglaubt hatten, wir könnten uns dieser Sache entziehen. 

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