Verstaubt

Als sie neun war, war sie über alle Massen beeindruckt von Facebook. So viel Privates über so viele Menschen, die sie ja auch irgendwie kannte, war für sie, die ein ausgesprochen sozialer Mensch ist, unglaublich spannend.

Als sie zehn war, liess sie keine Gelegenheit aus, mein Facebook-Profil zu durchforsten,  sich durch die Fotos meiner Freunde zu klicken und manchmal in meinem Namen ein „gefällt mir“ zu hinterlassen, wo ich keines hätte hinterlassen wollen.

Als sie elf war, war sie der festen Überzeugung, es werde nun allmählich Zeit, dass sie auch dabei sein darf. Hätten wir es nicht ausdrücklich verboten, sie hätte sich wohl ganz ohne unsere Hilfe ein Profil angelegt. 

Kurz vor ihrem zwölften Geburtstag kam es zu einem erbitterten Streit mit Karlsson, weil sie sich selber die Erlaubnis erteilte, bei Instagram mitzumachen und natürlich kam in diesem Zusammenhang wieder die Frage auf, warum wir kleinkarierten Eltern nicht dazu bereit waren, ein Auge zuzudrücken, um ihr einen verfrühten Einstieg bei Facebook zu gestatten.

Inzwischen ist sie dreizehn und jetzt, wo sie endlich dürfte, käme es ihr nicht im Traum in den Sinn, bei Facebook mitzumachen. Ist doch alles längst Schnee von gestern. Abgesehen von den verstaubten Alten, die sich über Kochrezepte, Erinnerungen an längst vergangene Tage und Politik austauschen, treibt sich doch kein Mensch mehr dort rum.

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