So doof sind wir nun wirklich nicht

Eigentlich sollte es ja witzig sein, aber allmählich nerven mich diese blöden Beiträge auf Social Media, mit denen man sich darüber lustig macht, wie unbeholfen wir Mütter uns angeblich mit Handy, iPad und Laptop herumschlagen. Meistens sieht man da eine verstaubte Alternde, die verzweifelt auf einen Bildschirm starrt und doofe Fragen stellt, die dann von einem leicht genervten Halbwüchsigen in Karlssons Alter beantwortet werden.

Was mich daran so nervt?

Nun, erstens einmal, dass die Mütter der heutigen Sechzehn- bis Fünfundzwanzigjährigen in diesen Filmchen dargestellt werden, als wären sie Frauen, die knapp vor der Pensionierung stehen oder diese bereits hinter sich haben. Ja, wir sind nicht mehr taufrisch, aber muss man uns deswegen aussehen lassen, wie in der Realität die Urgrossmütter unserer Kinder aussehen?

Zweitens bewegen sich heutzutage wohl die meisten Mütter ziemlich gewandt in den Welten von Internet & Co. Zwar lassen wir  – aus gutem Grund – die Finger von snapchat und vielleicht tippen wir unsere Nachrichten nicht ganz so schnell ins Handy wie unsere Kinder. Doch im Grossen und Ganzen sind wir durchaus in der Lage, mit dem Geräten umzugehen. Wir verbringen den grössten Teil unserer Arbeitszeit am Bildschirm, erledigen unsere Zahlungen online, buchen die Familienferien im Netz, verabreden uns via WhatsApp mit Freundinnen, teilen unser halbes Leben auf allen möglichen Kanälen und manche von uns treiben sich stundenlang in online-Foren rum, um sich mit andern über ihre Sorgen auszutauschen. Die Mutter, die heute noch entsetzt fragt, ob sie mit dem Drücken der falschen Taste das Internet gelöscht habe, muss man mir erst noch zeigen. 

Drittens finde ich es eigentlich ganz beachtlich, was wir in den vergangenen 30 Jahren alles gelernt haben. Immerhin gehören wir noch zu denen, die im Informatikunterricht vor riesigen Monitoren sassen und verzweifelt versuchten, das Zeug zu programmieren, das der Lehrer, der von der Sache auch nicht viel mehr verstand als wir, uns langfädig erklärt hatte. Wenig später verdiente ich einen Sommer lang ziemlich viel Geld damit, Disketten mit Kundendaten ins Laufwerk zu schieben, darauf zu warten, bis auf dem Bildschirm der Asterisk erschien und dann „delete“ zu drücken. Irgendwie haben wir es von diesen rudimentären Anfängen ganz gut ins Heute geschafft, finde ich. 

Viertens geht es mir auf den Geist, wenn man sich über Menschen lustig macht, die mit der digitalen Entwicklung überfordert sind. Es mag nicht meine Generation sein, die hier an die Grenzen kommt, aber die Generationen davor haben meiner Meinung nach jedes Recht dazu, nicht alles zu verstehen, was sich da so rasend schnell entwickelt hat. 

Aus all diesen Gründen bringe ich nicht mal mehr ein müdes Lächeln zustande, wenn wieder eines dieser doofen Filmchen auf meiner Timeline erscheint. Himmel, ich mache mich ja auch nicht über die Jugend von heute lustig, weil sie keine Ahnung davon hat, wie man ein Stofftaschentuch umhäkelt.

Nicht dass ich mich noch daran erinnern würde, wie das geht, aber ich kann mir ja demnächst einmal ein Tutorial auf youtube anschauen…

blüemli

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