Offen

Jetzt, wo es offiziell ist, dass ich ab Ende November wieder hauptsächlich Hausfrau sein werde, kommen allmählich Zweifel auf, ob das gut kommen wird. Nein, ich bezweifle nicht, dass es der richtige Entscheid war, meinen Teilzeitjob zu künden. Wenn Familie, Job und Ehrenamt insgesamt mehr von dir abverlangen, als deine Gesundheit verkraften mag, dann ist es an der Zeit, zu ändern, was sich ändern lässt. So viel ist mir inzwischen klar geworden.

Alles andere aber ist momentan ein einziges, grosses Fragezeichen. Wird mir die Decke auf den Kopf fallen, wenn ich wieder mehr zu Hause bin, oder werde ich die neu gewonnenen Freiheiten geniessen können? Finde ich den Weg zurück ins Schreiben? Wird mir das endgültige Loslassen gelingen, oder falle ich zuerst einmal in ein Loch? Suche ich mir einen neuen Job, oder wird mich eine neue Aufgabe finden, wie es in meinem Leben schon so oft der Fall war? Werde ich mich Hals über Kopf in ein neues Abenteuer stürzen, oder bleibe ich meinem Vorsatz treu, zuerst einmal zur Ruhe zu kommen und zu sehen, was daraus entsteht? Ist das Hausfrauendasein noch immer so unerträglich für mich, oder komme ich jetzt, wo die Kinder grösser sind, besser damit klar? Soll ich am Ende gar etwas ganz Neues wagen? Eine Weiterbildung, zum Beispiel?

Oh ja, ich wünschte, zumindest auf eine dieser Fragen bereits eine Antwort zu haben. Gleichzeitig aber bin ich auch froh, dass noch so vieles offen ist – offen für Neues, was auch immer es sein wird.

Helena

Natürlich war mir Helenas Name nicht aufgefallen, als ich die neue Klassenliste durchsah, die der Zoowärter mit nach Hause brachte. Ich habe es mir schon längst angewöhnt, mir die Namen der Klassenkameradinnen meiner Söhne zu merken. Von den Mädchen höre ich nur, wenn es zu Zoff kommt. Also dann, wenn eine erboste Mutter mir weismachen will, ihre engelsgleiche Tochter sei nichts Böses ahnend die Strasse entlang gegangen, als mein barbarischer Sohn sich vollkommen grundlos aus dem Gebüsch auf sie gestürzt und ihr den Arm umgedreht habe. Solche Geschichten kommen zum Glück nur äusserst selten vor und darum begegne ich den Klassenkameradinnen höchstens noch hin und wieder beim Aufräumen der Kinderzimmer, wenn ich in einem verborgenen Winkel den Namen einer Angebeteten an die Wand gekritzelt vorfinde. Mehr gibt’s leider nicht, obschon ich zur Abwechslung ganz gerne mal Mädchenbesuch im Haus hätte.

Bei Helena nun ist alles anders. Aufgefallen ist mir das zum ersten Mal am Elternabend. „Ach weisst du, unserer spielt so gerne mit Helena“, sagte eine Mutter zur anderen. „Ja, die Helena. Unserer ist auch ganz begeistert von ihr. Ich höre den ganzen Tag nur noch von ihr“, sagte die andere Mutter seufzend. „Ich glaube, alle Jungs stehen auf Helena“, meinte die Erste.

Alle Jungs stehen auf Helena? Warum bloss hat mir der Zoowärter noch nie von ihr erzählt? Ob etwas nicht stimmt mit ihm? Mag sie ihn am Ende nicht, meinen süssen kleinen Sohn? Gesagt habe ich natürlich nichts, denn welche Jungen-Mutter will sich schon als Helena-Ignorantin outen, wo offensichtlich alle Jungen keine andere mehr im Kopf haben? Nach dem Elternabend vergass ich Helena für einige Tage wieder. Der Zoowärter ist offensichtlich nicht wie alle Jungs.

Jetzt aber ist das Helena-Fieber auch bei ihm ausgebrochen. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend erzählt der Zoowärter vom Mädchen seiner Träume. Helena kann so toll mit Jungs spielen, sie weiss sogar, wie man Ritter spielt. Zoowärters schönster Dino heisst jetzt Helena, das Lieblingsstofftier wohl auch. Helena war schon bei Roberto zu Besuch und bei Cyrill und gestern hätte sie mit dem Zoowärter bei Armando gespielt, wenn sie nicht irgend einen unsinnigen anderen Termin – Kinderarzt oder so – gehabt hätte. Das wäre soooooo cool gewesen, denn wenn Helena mitspielt, wird auch das langweiligste Spiel zum Abenteuer.

Weil sie gestern nicht dabei sein konnte, muss Helena am Montag zu uns kommen. Sie weiss zwar noch nichts von ihrem Glück, aber immerhin ist des Prinzchens Skepsis bezüglich Damenbesuch bereits überwunden. Seitdem er weiss, dass Helena Spielzeugtraktor fährt, fiebert er dem hohen Besuch fast ebenso sehr entgegen wie der Zoowärter. Falls Helena in ihrem randvollen Terminkalender ein freies Zeitfenster für den Zoowärter hat, darf auch ich mich endlich mal wieder über Mädchenbesuch freuen. Ob sie sich erweichen lässt, eine halbe Stunde mit Luise und mir über Mädchenkram zu quatschen?

Ach ja, natürlich heisst Helena nicht wirklich Helena, Roberto nicht Roberto, Cyrill nicht Cyrill und Armando nicht Armando. Und der Zoowärter nicht Zoowärter, aber das habt ihr ja wohl bereits geahnt.

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Katzenwünsche

„Zum Geburtstag wünsche ich mir ein Kätzchen“, verkündete Karlsson gestern, nachdem wir einen Nachmittag mit lieben Menschen und herzigen Kätzchen verbracht hatten. “ Aber wir haben doch Henrietta und Leone“, wandte ich ein. „Ich will aber ein eigenes Büsi, ein Weibchen, damit sie Junge bekommen kann“, beharrte Karlsson. „Ich will auch eine eigene Katze zum Geburtstag, auch ein Weibchen“, meldete sich Luise zu Wort. „Ich auch. Eine, die mir ganz alleine gehört“, erklärte der Zoowärter. „Ich werde jeden Samstag das Kistchen leeren“, versprach Karlsson.

Ich seufzte tief und erinnerte mich an die seligen Zeiten, als ich solch irrwitzige Geburtstagswünsche mit einem müden Lächeln und einem „Wir werden dann sehen“, abtun konnte. Heute, wo die Kinder den Wert ihres Geburtstagsgeldes, das ihnen die Grossmütter jeweils zustecken, erkannt haben, dürfte es schwierig werden, sie davon abzuhalten, sich ihre Wünsche einfach selber zu erfüllen. Ich war es ja, die ihnen vollmundig versprochen hatte, über ihr eigenes Geld dürften sie frei verfügen, solange sie es nicht für Dummheiten ausgeben. Und da ich es nie wagen würde, eine Katze als Dummheit zu bezeichnen, werde ich wohl oder übel davon ausgehen müssen, dass es nicht bei zwei Katzen bleibt.

Nun ja, wer nach dem zweiten Kind nicht aufhört, kann wohl auch nicht davon ausgehen, dass nach Haustier Nummer zwei schon Schluss ist.

 

Fotoromanzo

Nach einem himmeltraurigen Regensamstag voller Missgeschicke zum Tagesabschluss eine herzerwärmende Foto-Lovestory:

Die Hauptdarsteller:

Bio-Milch und vegetarisches Lab &  

Dass die zwei zusammenkommen mussten, war natürlich schon von Anbeginn klar, doch wie so oft in der Liebe, ging es auch hier nicht ohne einige hitzige Phasen…

 

… Zerreissproben…

 

…  und schmerzhafte Veränderungsprozesse.

 

Schliesslich aber fanden die beiden zueinander…

 

und am Ende vermählten sie sich zu einer zart schmelzenden Burrata:

 

Und wenn sie „Meiner“ inzwischen nicht verspeist hat, schwelgen sie noch immer in ihrer himmlischen Zweisamkeit.

 

Auch ein blindes Huhn…

Eigentlich hätte ich ja Mandarinen-Joghurt machen wollen, weil mir gerade dieses unwiderstehliche Mandarinen-Purée in die Finger gekommen ist. Nun ist es eben Mandarinen-Frischkäse geworden, inklusive durchaus trinkbarer Mandarinen-Molke. Somit erkläre ich mich zur stolzen Erfinderin der halbwegs gesunden Alternative zu diesen unsäglichen Petit Suisses, Fruchtzwergen & Co.

Und bei dieser bahnbrechenden Erfindung ist nicht mal die Küche dreckig geworden…

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Ich bleibe draussen – oder so

Wie ist das eigentlich mit den Katzen? Darf man die auch mit in ein Geschäft nehmen? Bei den Hunden ist das ja eindeutig geregelt. Wenn es erlaubt ist, steht nichts, wenn es verboten ist, hat es ein Verbotsschild und einen Haken, an dem der Hund angeleint werden kann.

Ob für Katzen das gleiche gilt? Ich hätte es zu gerne gewusst, heute Morgen, als das Prinzchen und ich am Bankschalter standen und plötzlich von draussen her ein klägliches Miauen hörten. So kläglich miaut nur einer, das war mir sofort klar und deswegen war ich keineswegs erstaunt, als ich Kater Leone vor der automatischen Türe stehen sah. Einen äusserst verzweifelten Kater Leone, denn wenn er mich sieht und doch nicht zu mir gelangen kann, dann dreht der Arme fast durch.

Seitdem er mich an seinem ersten Tag bei uns zu seiner Mama erkoren hat, jammert er wie ein kleines Kind, wenn ich mich zu weit von ihm entferne. Nun gut, er darf natürlich gehen, wie ihm beliebt, er ist ja ein Kater. Ich aber soll gefälligst bleiben, wo ich bin, jederzeit verfügbar für traute Zweisamkeit auf Mamas Kopfkissen. Wenn ich nicht bin, wo ich seiner Meinung nach sein sollte – haben Katzen überhaupt eine Meinung? -, dann sucht er mich eben. Im Garten, im Büro, an der Bushaltestelle, bei Nachbars oder eben in der örtlichen Filiale einer sehr verrufenen Schweizer Bank.

Gewöhnlich lasse ich mich von ihm finden, aber heute liess ihn dann draussen warten, obschon es mir fast das Herz zerriss, als er so kläglich nach mir rief. Weil ich aber nicht den Verdacht erwecken wollte, Kater Leone sei mein Komplize bei einem auf unschuldig getrimmten Banküberfall – „Kaltblütige Mama im rosa Kleidchen mit herzigem Kleinkind und anhänglichem Kater übertölpelt unbescholtene Bankangestellte“ -, unterdrückte ich meinen Katzenmutter-Instinkt. Ich glaube, Kater Leone war ziemlich eingeschnappt. Erst ein heftiges Gewitter am sehr späten Abend konnte ihn dazu bewegen, heim zu Mama zu kommen.

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Endlich redet mal einer

Vor acht Jahren:
Mama: „Karlsson, wie war es denn in der Spielgruppe?“
Karlsson: „Weiss nicht.“
Mama: „War es schön?“
Karlsson: „Weiss nicht.“
Mama: „Was habt ihr denn gemacht?“
Karlsson: „Alles.“
Mama: „Was denn alles?“
Karlsson: „Weiss nicht.“

Vor vier Jahren:
Mama: „FeuerwehrRitterRömerPirat, wie war es denn in der Spielgruppe?“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Schön.“
Mama: „Was habt ihr denn gemacht?“
FRRP: „Weiss nicht.“
Mama: „Habt ihr eine Geschichte gehört?“
FRRP: „Ja“
Mama: „Welche denn?“
FRRP: „Weiss nicht.“
Mama: „Was habt ihr sonst noch gemacht?“
FRRP: „Weiss nicht.“

Vor zwei Jahren:
Mama: „Zoowärter, wie war es denn in der Spielgruppe?
Zoowärter: „Weiss nicht.“
Mama: „Hat es dir gefallen?“
Zoowärter: „Ja.“
Mama: „Was habt ihr denn gemacht?“
Zoowärter: „Alles.“
Mama: „Was hat dir denn am besten gefallen.“
Zoowärter: „Weiss nicht. Alles.“

Heute:
Mama: „Prinzchen, wie war es denn in der Spielgruppe.“
Prinzchen: „Toll. Wir haben gesungen, eine Geschichte gehört, Znüni gegessen, Wasser getrunken und gespielt.“
Mama: „Hat es dir gefallen?“
Prinzchen: „Ja, aber wir haben kein Feuer gemacht. Machen wir nächstes Mal ein Feuer?“
Mama: „Ich weiss es nicht.“

Okay, ich weiss, ein Kind fehlt. Aber ihr glaubt doch nicht etwa, ich könnte mich nach all den Jahren noch an die vielen Details aus Luises Spielgruppenberichten erinnern?

Wer braucht denn schon Hitzeferien?

Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat abends um halb acht fragt, ob er ins Bett gehen dürfe, das Prinzchen den lieben langen Tag in Gummistiefeln und Velohelm herumrennt, der Zoowärter nicht heult, wenn es keinen Blumenkohl mehr hat, Luise ein ganzes Kapitel der „Unendlichen Geschichte“ hört, ohne ein einziges Mal aufzuspringen, „Meiner“ auf dem Sofa einschläft, bevor die Wohnung blitzblank ist, Karlsson ohne Hausaufgaben von der Schule nach Hause kommt und ich dreimal am Herd stehe und darauf warte, bis das Wasser siedet, ohne zu bemerken, dass die Herdplatte ausgeschaltet ist, dann sind dies untrügliche Anzeichen, dass Hitzeferien angesagt wären. Nur macht man sowas heutzutage natürlich nicht mehr. Wo kämen wir denn hin, wenn wir uns von der Natur vorschreiben liessen, wann wir den Fuss vom Gaspedal nehmen sollen?

Keine Zeit

Für das Prinzchen ist Essen reine Zeitverschwendung. „Wozu Essen, wo man sich den Bauch ebenso gut mit Flüssigem füllen kann?“, scheint er sich zu sagen. „Solange Mama genügend Milch einkauft, kann ich auf diese ganze Esserei verzichten.“ Und so lässt er sich jeweils fünf – oder zehnmal bitten, bevor er zu Tisch kommt, wo er lustlos imTeller herumstochert und bei der erstbesten Gelegenheit wieder nach draussen flüchtet.

Heute Nachmittag verbrachte er Stunden auf seiner Baustelle. Um die Sonntagsruhe scherte er sich einen Dreck und für Nahrungsaufnahme hatte er keine Zeit. Als wir abends alle am Tisch sassen und er noch immer nicht auftauchte, rief ich aus dem Fenster. „Prinzchen, wir essen!“ Er schaute nicht mal auf von seiner Arbeit, brummte „Ich hab‘ dir doch gesagt, dass es mir nicht schmeckt“ und baute weiter an seiner Hütte. Es half nichts, dass ich beteuerte, Brot, Joghurt und Würstchen hätte er schon immer gemocht, er verzichtete dennoch auf sein Abendessen. Und kippte vor dem Schlafengehen einen Liter Milch in sich hinein.

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Aber doch nicht jetzt

Liebe Katholiken, nehmt mir es bitte nicht übel, wenn ich mit einer kleinen Frage an euch herantrete: Würde es euch vielleicht etwas ausmachen, eure Heilige Jungfrau in Zukunft nicht mehr am 15. August in den Himmel auffahren zu lassen? Glaubt mir, ich respektiere es, dass euch dieser Tag heilig ist, auch wenn ich Maria etwas weniger verklärt sehe als ihr. Aber müsst ihr sie ausgerechnet am 15. August feiern?

Dieser Tag ist denkbar ungeeignet für einen Feiertag. Kaum hat die Schule angefangen, haben unsere Kinder wieder frei und ich weiss beim besten Willen nicht, wie ich die Wohnung nach fünf Wochen ohne Putzfrau auf Vordermann bringen soll, wenn schon wieder alle den halben Tag im Pyjama herumlungern und mich anflehen, endlich ins Schwimmbad zu kommen. Und nächstes Jahr wird’s noch mühsamer, weil der 15. ein Donnerstag sein wird und dann machen die bestimmt gleich wieder ein verlängertes Wochenende draus. Wer braucht denn so kurz nach den Ferien so viel Erholung? Nun ja, wir Mütter vielleicht, die wir fünf Wochen lang für Unterhaltung gesorgt haben. Wie aber sollen wir uns erholen, wenn schon wieder alle unterhalten werden wollen?

Gut, man könnte vielleicht auch anregen, dass die Schule die Sommerferien so legt, dass Mariä Himmelfahrt in die schulfreie Zeit fällt. Das Problem ist nur, dass sich die Schule ziemlich schwer tut mit solch einschneidenden Veränderungen. Ihr aber, meine lieben Katholiken, seid bestimmt flexibel genug, euren Feiertag in Zukunft an einem günstigeren Datum zu begehen. Am liebsten irgendwann zwischen September und März, wenn weit und breit kein Feiertag in Sicht ist, der als kleine Verschnaufpause taugt. (Nein, Weihnachten zählt nicht, denn da kann von verschnaufen nicht die Rede sein.)