Kuchendesaster

Wie viele Stunden meines Lebens habe ich damit vergeudet, den perfekten Geburtstagskuchen herbeizuzaubern? Ich weiss es nicht, aber es waren sehr viele und der Erfolg blieb bescheiden, obschon ich eine leidenschaftliche Kuchenbäckerin bin. Es ging schon an Karlssons erstem Geburtstag in die Hose. Nach stundenlangem Suchen in den zahlreichen Rezeptbüchern meiner Sammlung entschied ich mich für eine Puddingtorte mit Apfelmus, eine wirklich delikate Kombination. Und was tat mein kleiner Junge? Er berührte den Kuchen mit dem Zeigefinger, begann lauthals zu schreien und weigerte sich, auch nur einen einzigen Bissen von seiner allerersten Torte zu probieren. Nun ja, heute liebt er genau diesen Kuchen besonders, aber das tröstet mich nicht über meine damalige Enttäuschung hinweg.

Danach ging es im ähnlichen Stil weiter. Mal klebte der Kuchen an der Form, obschon ich diese perfekt vorbereitet hatte und so gab es anstelle eines Dinosauriers nur eine Ansammlung von Fossilien. Ein anderes Mal verfing sich die Folie, mit der ich die Form ausgekleidet hatte, in der Masse für die Eistorte und so konnte man keinen Bissen geniessen, ohne sich danach die Folienfetzen zwischen den Zähnen herausziehen zu müssen. Dann wieder war der Bienenkorb nicht als Bienenkorb erkennbar und ich musste ihn in aller Eile zum grünen Hügel mit Petterson und Findus, die ich zum Glück noch in irgend einem Küchenschrank fand, umfunktionieren.

Natürlich sind mir nicht sämtliche Geburtstagstorten missraten. So viel Pech kann gar nicht sein, immerhin backe ich doch ziemlich viele davon. Aber auch wenn mir ein Meisterwerk gelungen war, blieb mir der Erfolg verwehrt. Es genügte, dass eines der eingeladenen Kinder fragte: „Hat es in diesem Kuchen Kokosraspel drin?“ und schon ass keiner mehr einen Bissen, weil ich mir die Freiheit herausgenommen habe, dem Teig noch etwas anderes als Mehl, Eier, Butter,  Zucker  und – natürlich – Smarties beizufügen. Einmal wollte eine kleine Rotznase wissen,  ob es in dem Kuchen Zucker hätte und als ich bejahte,  glaubte er doch tatsächlich,  er könne mir weismachen,  dass er keinen Zucker mag. Ein Kind,  das keinen Zucker mag? Für wie doof hielt der mich eigentlich? Aber was soll’s,  auch von diesem Kuchen blieb sehr viel mehr als nur Krümel übrig.

Ja und heute,  als wir mit einer Kinderschar des Zoowärters Geburtstag nachfeierten,  landete ich einen Volltreffer und zwar einen,  der mich in eine tiefe Sinnkrise stürzt. Da hatte ich keine Zeit und „Meiner“ keine Lust zum Kuchenbacken und so blieb mir nichts anderes übrig,  als Schwiegermamas Weihnachts-Panettone in Scheiben zu schneiden,  so dass daraus vier Sterne wurden. Dann noch Schlagrahm,  bunte Zuckerstreusel und Puderzucker drauf und fertig waren die Schneesterne. Ziemlich billig  für mich,  die ich viel Wert auf Selbstgebackenes lege. Doch was geschah? Die Kinder futterten Kuchen bis ihnen die Schlagsahne aus den Ohren kam,  verlangten ein Stück nach dem anderen und ich heimste Lob ein,  als hätte ich gerade die Erfindung des Jahrhunderts gemacht.  

Tja, uns jetzt ist mein Selbstbewusstsein mal wieder im Keller. Alles was es in diesen Tagen dazu dazu braucht, sind ein Panettone, Schlagrahm und ein paar Streusel. 

Einige Fragen

Trotz langjähriger Mutterschaft gibt es da einige Fragen, auf die ich noch immer keine Antworten gefunden habe. Da ich mir nun lange genug erfolglos den Kopf zerbrochen habe, stelle ich diese Fragen der Leserschaft:

Nun bitte ich euch, diese Fragen mit äusserster Sorgfalt zu beantworten, denn in Zukunft werde ich mich bei der Erziehung unserer Kinder strikte an die Resultate dieser Umfrage halten.

Mein geliebtes Leben

Ich hätte da mal eine kleine Bitte an dich und zwar wünsche ich mir, dass du mir mal eine Verschnaufpause gewährst. Nein, ich meine jetzt nicht ein paar Tage im Ländli oder eine Woche Erholungsferien mit der ganzen Familie. Das alles ist ja ganz nett, aber was hilft es denn, wenn ich, kaum zu Hause angekommen, wieder im selben Schlamassel stecke?

Nein, was ich mir wünsche ist, dass das Karussell mal wieder etwas langsamer dreht. Zum Beispiel, indem das ewige Gezanke in den frühen Morgenstunden aufhört. Ich träume davon, dass wir sieben Vendittis unsere Tage friedlicher beginnen können, denn so allmählich bin ich des ewigen Kämpfens um jede Bagatelle müde.

Ich wünsche mir, dass die Arbeitszeit reicht, um zu erledigen, was getan werden muss. Dass die Pendenzenliste kürzer und nicht stetig länger wird.

Ich wünsche mir mein altes Gedächtnis zurück, denn um so oft am Tag gestehen zu müssen „Mist, das habe ich vergessen!“ bin ich eindeutig noch zu jung.

Ich wünsche mir, dass die Legosteine und Playmobil-Helme, die meinen Weg vom Bad ins Schlafzimmer zum Büsserweg machen, sich von selbst in die Spielkiste begeben.

Ich wünsche mir, dass die nächste Tortenplatte, die ich erstehe, länger als zwei Wochen ganz bleibt.

Ich wünsche mir, dass ich wieder Zeit und Nerven habe, einen Menüplan zu machen. Und vor allem, dass ich mich dann auch an den Plan zu halten, anstatt immer mal wieder Brot und Käse aufzutischen, währenddem die Schwarzwurzeln, auf die wir uns alle so gefreut haben, in der Vorratskammer vergammeln.

Ich wünsche mir, dass das Prinzchen endlich damit aufhört, das Duschgel gleich flaschenweise in die Badewanne zu schütten. Und überhaupt, wenn wir schon beim Baden sind, mein liebes Leben: Könntest du nicht bitte dafür sorgen, dass unsere Söhne endlich begreifen, dass das Wasser in die Wanne gehört und nicht daneben?

Ich wünsche mir, dass ich endlich wieder wie eine ganz normale Frau – eine mit Kindern, Job etc. – unterwegs sein darf und nicht wie ein aufgescheuchtes Huhn, das sich den Mantel falsch zugeknöpft hat.

Ich wünsche mir, dass meine Energie am Ende des Tages für mehr reicht als nur für einige Levels „My kingdom for the Princess“. Die ich übrigens nicht mal in meinem eigenen Namen spiele, sondern im Namen der Kinder, die es trotz aller Anstrengungen nicht schaffen, das Schloss zu erweitern.

Dies alles und noch ein paar Dinge mehr wünsche ich mir, mein geliebtes Leben. Glaubst du, du kriegst das vor meiner Pensionierung hin, oder soll ich mir da erst mal keine Hoffnungen machen?

Familienanalyse

Das Prinzchen schaut mich treuherzig an und meint: „Gell Mama, Karlssons Brüder machen dich manchmal fast wahnsinnig.“

Ja, mein Prinzchen, das tun sie. Aber leider muss ich dich darauf aufmerksam machen, dass du auch einer von Karlssons Brüdern bist.

Das Prinzchen fährt fort: „Ich bin dein Bruder und du bist meine Frau, die Mami heisst. Karlsson, der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter sind auch meine Brüder und ich bin Luises Schwester. Papa ist mein Sohn und er ist mein Mann, der Papa heisst. Und ich bin ein grosser Junge, der klein ist. Und der Grossvater wird sich bestimmt freuen, wenn ich ihn Grosspapa nenne.“

Irgendwie so ähnlich ist es, mein Sohn. Einfach das mit den richtigen Bezeichnungen müssen wir noch üben, bevor du in die Schule kommst, wo du deine Familie wirst vorstellen müssen.

Ziemlich genau so ist es, mein Sohn

Archiv der Sentimentalitäten

Am Anfang war es ja noch einfach zu entscheiden, was man als Erinnerung für spätere nostalgische Momente aufbewahrt: Der erste Strampler, die erste abgeschnittene Locke, der erste Versuch des Kindes, mit Stift und Papier umzugehen, vielleicht auch noch die erste Eintrittskarte für den Zirkus. Bei den Fotos wurde es dann schon etwas schwieriger. Welche kommen aufs Papier, welche werden für immer digital bleiben – im vollen Bewusstsein, dass in fünfzig Jahren wohl keiner mehr wissen wird, wie man sie aus diesen altmodischen Computern herausbringt? Ein schwerer Entscheid und vermutlich werden die Kinder später genau die Bilder vermissen, die wir als nicht ausdruckenswert angesehen hatten. Auch bei den Zeichnungen fällt es nicht leicht zu trennen zwischen wertlosem Gekritzel und potentiellem Beweismaterial mit dem man der Welt zeigen kann, dass sich da schon ganz früh eine künstlerische Ader zeigte. Welches Bild gehört an den Kühlschrank gehängt und welches darf man getrost der Altpapiersammlung übergeben?

Mit all diesen Fragen hatten wir ja gerechnet, als wir Eltern wurden. Immerhin waren wir genau im richtigen Alter, um unsere eigenen Eltern zu fragen, weshalb sie denn unseren ersten Strampler nicht aufbewahrt hatten, warum sie die Negative mit den Ferienbildern von 1989 weggeschmissen hatten und ob es denn fair sei, dass vom grossen Bruder noch ein Fütterungsplan da sei, während man für sich selbst keinen einzigen Beleg hatte, dass die Eltern in den erstn Lebensmonaten für ausreichend Nahrung gesorgt hatten. Mal abgesehen von diesem peinlichen Bild mit dem schreienden, pausbackigen Baby.

Nun aber zurück zu meinem eigentlichen Problem: Welche von den Kindern gespeicherten Computerdateien archiviert man? Klar, die irrwitzigen Kurzgeschichten, die sie in die Tasten hauen, behält man. Mir treten ja heutzutage selbst die Tränen der Rührung in die Augen, wenn ich in den „Lenzurger Schulnachrichten“ von 1987 meinen ersten veröffentlichten Text lese und erkenne, dass ich damals schon gebloggt habe. Die Texte der Kinder also bleiben. Bei Karlssons Kompositionen bin ich mir da schon nicht mehr so sicher. Nun ja, er hat sich wirklich grosse Mühe gegeben, aber am Ende sind es doch mehr oder weniger zufällig aneinander gereihte Noten. Wobei, die Namen seiner Werke sind echt kreativ, also bleiben sie vielleicht doch. Bei seiner ersten Power Point Präsentation bin ich nun aber wirklich unsicher. Wenn das erste Kind in der fünften Klasse bereits seine erste Präsentation macht, wie viele Präsentationen werden es dann sein, bis das Prinzchen aus der Schule kommt? So viel Speicherplatz haben wir nie und nimmer. Und wie um Himmels Willen sollen wir noch den Überblick behalten, wo unser Computer bereits jetzt alles Berufliche, Private, Ehrenamtliche und Kreative von „Meinem“ und mir im Kopf behalten muss?

Der Entscheid fällt mir zwar schwer, aber ich glaube, die Präsentationen können wir nicht auch noch archivieren. Wobei, Karlsson hat sich ja wirklich grosse Mühe gegeben…

Warum tun wir uns das an? – Teil III

Nun sind wir also bereits eine Woche ohne Telefon und Internetanschluss. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Inzwischen geht auch bei meiner Mutter, die bei uns im Haus wohnt, das Telefon nicht mehr. Ihr Anschluss läuft über die Swisscom, die Rechnungen erhält sie von econophone, wenn sie einen Anruf tätigen will, heisst es „Willkommen bei Sunrise – Bienvenu chez Sunrise – Benvenuti da Sunrise“ und wenn man auf die Testnummer anruft, um herauszufinden, welche Gesellschaft den Bock geschossen hat, landet man bei der Ansage von Tele4you. Alles ziemlich verwirrend und natürlich will keiner einen Fehler gemacht haben. Aber immerhin weiss ich nun, welcher Anbieter den nettesten Kundendienst hat, wo sie nicht die geringste Ahnung haben und wo man am längsten in der Warteschleife hängt. Wer sich darum kümmern wird, dass meine Mutter wieder telefonieren kann, haben wir allerdings noch nicht herausgefunden.

Dafür aber wissen wir seit heute, dass unser Internetanschluss frühestens am kommenden Freitag installiert wird, dass wir die neue Telefonnummer, die sie uns zugeteilt haben, behalten können und dass man uns irgendwann einen Techniker ins Haus schicken wird. Das ist doch immerhin schon mehr als vor zwei Tagen.

Und die Zeit ohne Telefon hat ja durchaus auch ihre VorteDur. Keine lästigen Werbeanrufe beim Mittagessen, keine Möglichkeit, von der Lehrerin zu erfahren, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat schon wieder zu spät zur Schule gekommen ist, keine geschäftlichen Telefonate ausserhalb der Arbeitszeit. Das Allerbeste aber ist, dass die Nachbarn vorbeikommen müssen, wenn sie etwas von einem wissen wollen. Und wo sie schon mal da sind, kann man doch gleich ganz spontan einen netten Filmabend veranstalten.

Nun gut, irgendwann möchte ich dann schon gerne wieder telefonieren können. Ich weiss ja nicht, ob der ewige Junggeselle in unserem Quartier den gleichen Filmgeschmack hat wie wir. Was also müssten wir tun, wenn plötzlich er vor unserer Haustüre stünde, weil wir telefonisch nicht erreichbar sind?

Das alte Spiel

Geschwister bleiben Geschwister, auch wenn sie längst erwachsen sind. Man kommt zusammen als reife, lebenserfahrene Menschen, denen es nicht im Traum in den Sinn käme, einander als „blöde Kuh“ und „Stinkfuss“ zu beschimpfen. Man lacht zusammen über die unsäglichen Kämpfe, die man sich damals geliefert hat, man bewundert offen, worauf man früher neidisch war. Man geniesst es, mit Menschen zusammen zu sein, die einen schon kannten, bevor man war, was man heute ist.

Doch dann ein falsches Wort zum falschen Zeitpunkt und plötzlich mutiert die eine wieder zur Heulsuse, der andere zum Besserwisser, die Dritte zur Vermittlerin. Unvermittelt findet man sich in der alten Rolle wieder und man staunt, dass in den netten Erwachsenen Menschen, die man um nichts in der Welt missen möchte, noch immer ein kleiner Überrest von der blöden Kuh, vom Stinkfuss steckt. Für einen kurzen Moment spielt man wieder das gleiche Spiel wie vor Jahren, zuweilen steht man gar in Versuchung, zu testen, ob der rote Knopf von damals noch immer funktioniert, ob man es noch immer fertig bringt, den anderen mit einem kleinen, fiesen Trick zum Explodieren zu bringen.

Natürlich drückt man den roten Knopf nicht, auch wenn man ahnt, dass er noch immer am gleichen Ort sitzt. Man ist ja inzwischen erwachsen geworden und weiss, dass solche Kinderspiele sich leicht zu grösseren Konflikten auswachsen können, die sich nicht mehr so leicht lösen lassen, weil inzwischen Partner, Kinder, Häuser, Autos… dazugekommen sind. Deshalb tut man das, was man bereits als Kind getan hatte, diesmal einfach bevor es zur Explosion kommt und nicht erst danach: Man schluckt seinen Ärger hinunter, besinnt sich darauf, dass man die Geschwister trotz all ihrer Macken liebt und versöhnt sich wieder. Und hier zeigt sich zum ersten Mal, dass man doch nicht mehr Kind ist. Denn man sagt nicht mehr: „Du hast zwar angefangen, aber ich bin nicht mehr sauer auf dich“, sondern „Ich bin noch immer das gleiche Schaf wie damals. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel.“

Hamsterrad-Tag

Heute hatte ich mal wieder einen jener schrecklichen IchKannNichtsBinBlödUndHässlichUndÜberfordert-Tage. Das Schreiben meiner neuen Kolumne ein stundenlanges Ringen um Wörter, die sich gestern in meinem Kopf noch so schön zu netten Sätzen zusammengefügt hatten, jeder Blick in den Spiegel ein Ärgernis, jeder zweite Gedanke negativ. Ein Tag wie in einem Hamsterrad.

Wie gut, dass sich das Prinzchen von meiner miesen Stimmung nicht anstecken liess. Abends, als ich mich eigentlich gerne in meine Höhle zurückgezogen hätte, bat er mich, ihn zum Spiegel hochzuheben, damit wir uns gemeinsam bewundern könnten. „Muss das sein?“, dachte ich, aber ich tat trotzdem, was er von mir wünschte. Im Spiegel sah ich zwei Gesichter, das eine hübsch und pausbackig, das andere müde und verkniffen. Das Prinzchen sah offenbar etwas ganz anderes als ich. „Du bist so toll und ich bin so speziell“, sagte er vollkommen zufrieden mit sich selbst und der Frau, die ihn geboren hatte.

Ach, Prinzchen, dein Selbstbewusstsein und deinen rosaroten Blick auf deine Mama möchte ich haben.

Ein wenig leiser, wenn’s geht

Kinderstimmen, etwas Schöneres gibt es kaum auf der Welt. Darin sind wir kinderlieben Menschen uns wohl einig. Und doch gibt es Momente, da würde ich lieber den entnervenden Ton einer Kreissäge hören anstatt das süße Geplapper eines Kindes. Zum Beispiel nachts um Viertel nach eins, wenn das Prinzchen neben unserem Bett steht und verkündet, er brauche eine frische Windel, er sei ganz nass. Eine Kinderstimme lässt sich natürlich nicht ignorieren, auch wenn man genau dies gerne tun und weiterschlafen möchte. Wenn sich dann beim Wickeln herausstellt, dass gerade mal drei Tröpfchen Urin in die Windel geflossen sind, dann wünscht man sich natürlich, man hätte sich dennoch für das Ignorieren entschieden, aber eben, welcher Unmensch ignoriert schon ein Kind, das gewickelt werden will?

Auch abends um halb zehn, wenn eigentlich alles schon längst schlafen sollte, zerren die feinen Stimmchen ganz gewaltig an meinen überreizten Nerven. So sehr, dass ich mich zuweilen geradezu anstrengen muss, den Inhalt des Gesagten überhaupt noch wahrzunehmen. Natürlich ist es herzerwärmend, wenn ein schlafloser Karlsson mir zu später Stunde anbietet, die Küche für mich aufzuräumen, weil ich mir heute bei einem Treppensturz ziemlich weh getan habe und deshalb die Aufräumerei nur unter Jammern und Stöhnen erledigen kann. Oh ja, sein Angebot ist unglaublich lieb, aber hätte er mir dieses nicht schriftlich unterbreiten können? Ich hätte es auch so mit Freuden angenommen.

Auch so ein Moment, in dem ich auf kindliches Geplapper verzichten könnte: „Meiner“ und ich möchten planen, wer wen zu welchem Zeitpunkt wohin karrt und wieder abholt. Eine unglaublich komplizierte Angelegenheit. So kompliziert, dass der süße Kang von „Mama, ich habe alle meine Hausafugaben schon fertig“ nur noch als Lärmbelästigung und nicht als die freudigste Nachricht des Tages wahrgenommen wird. Und auch wenn ich mir stets eine lebhafte Runde am Esstisch gewünscht habe, komme ich nicht umhin, hin und wieder zu brüllen: „Jetzt seid mal alle einen Augenblick lang still, man kann ja sein eigenes Kauen nicht mehr hören!“

Ziemlich kleingeistig von mir, wegen solcher Banalitäten ungeduldig zu werden, ich weiss. Im Gegenzug zeige ich mich aber bei Trotzen und Heulen erstaunlich tolerant. Denn dass die Kinder manchmal einfach nicht anders können, habe ich schon längst akzeptiert. Und ich nehme es ihnen nicht übel, auch wenn sie dabei meist ziemlich laut werden.

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Ferienbilanz

Bevor es morgen wieder losgeht mit Schule, Kindergarten und Jobs, ein kurzer Rückblick, ob wir auch wirklich alles getan haben, was wir uns vorgenommen hatten.

– Mindestens fünfmal ausschlafen (Ziel deutlich übertroffen)
– Nie nach Mitternacht zu Bett gehen (Ziel deutlich verfehlt)
– Zeit nicht verplanen (Ziel erreicht)
– Alle drei Etagen sauber aufräumen (Ziel beinahe erreicht. Hätte ich „Meinem“ etwas mehr unter die Arme gegriffen, wir hätten es geschafft.)
– Saunaelemente, die seit einem Jahr auf ihren Einsatz warten a) von der Garage in die Waschküche befördern, b) zu einer Saunakabine aufbauen und c) Sauna in Betrieb nehmen (Ziel a) erreicht, aber nur, weil mir eines Tages der Kragen geplatzt ist und ich die saumäßig schweren Dinger eigenhändig vor die Haustüre geschleppt habe, damit „Meiner“ gezwungen war, sie vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. Ziel b) ebenfalls erreicht, bis auf das klitzekleine Detail, dass die Tür noch nicht aufgeht, weil der Waschtrog im Wege steht, Ziel c) verfehlt, aber immerhin in Sichtweite.)
– Das beschauliche Familienleben geniessen (Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Beschaulichkeit und Grossfamilie nicht so richtig zusammenpassen wollen, sind wir diesem Ziel dennoch erstaunlich nahe gekommen.)
– Das Haus nur verlassen, wenn es unbedingt sein muss (Ziel deutlich übertroffen)
– Klarheit in den grossen Fragen unseres Lebens erlangen (Ziel deutlich verfehlt. Wir haben jetzt noch ein paar Fragen mehr.)
– Möglichst wenig an SchuleKindergartenArbeits-Fragen denken (Ziel deutlich verfehlt, was aber nicht verwundert, hängen doch einige unserer grossen Fragen des Lebens genau damit zusammen.)
– „Meinem“ und den Kindern wieder näher kommen (Ziel erreicht, auch wenn die größere Nähe zu den Kindern die eine oder andere Reiberei erzeugt hat.)
– Viel schreiben (Ziel deutlich verfehlt)
– Schokolade, Weihachtsguetzli und andere süße Versuchungen so schnell als möglich aus dem Weg schaffen (Ziel erreicht, leider)
– Von einem stressfreieren Leben träumen (Ziel deutlich übertroffen)
– Daran denken, dass man mindestens bis zum 4. Januar den Leuten ein gutes neues Jahr wünschen sollte (Ziel zum ersten Mal überhaupt erreicht)

Nun ja, das eine oder andere Ziel haben wir verfehlt, aber im Grossen und Ganzen dürfen wir wohl ganz zufrieden sein mit unseren erfolgreichen Weihnachtsferien.