Gleiche Geschenke für alle

Endlich haben wir sie erreicht, die Gleichberechtigung. Da stöbere ich heute Nachmittag nach einem ergänzenden Geburtstagsgeschenk für „Meinen“, entdecke, dass einer dieser Öko-Anbieter jetzt auch einen Katalog speziell für Männer hat und denke, dass ich dort vielleicht fündig werden könnte. Und siehe da, man findet alles, was der moderne Mann sich zum Geburtstag wünschen könnte: Saftpressen, Handmixer, Kaffeekocher und Römertöpfe. Endlich können wir uns rächen für all die Jahre, in denen uns die Männer mit praktischen Geschenken für den Haushalt beglückt haben. Wenn der erstaunte Gatte wissen möchte, wie wir auf die Idee gekommen sind, ihm ausgerechnet einen Handmixer zu schenken, dann können wir voller Stolz antworten: „Das habe ich aus einem Katalog, den sie eigens für Männer zusammengestellt haben. Sag‘ Schatz, freust du dich denn nicht? Schau doch mal wie praktisch. Damit wir dir jedes Soufflée gelingen…“

Nun, ich habe dann doch darauf verzichtet, „Meinem“ etwas aus diesem Katalog zu bestellen. Ausser diesem einen Ausrutscher mit dem Brotbackautomaten hat er mich nie mit praktischen Geschenken genervt und deshalb sehe ich keinen Grund, weshalb ich mich mit einem Handmixer oder einer Saftpresse rächen sollte. Wobei, vielleicht sieht er Haushaltgeräte gar nicht als Strafe an. Wenn ich mich recht erinnere, hat er sich vor drei Jahren riesig über die Nähmaschine gefreut.

Ob ich vielleicht doch…

Von wegen nicht weit vom Stamm

Seit heute Nachmittag hängt an unserer Küchentüre ein Zettel mit der schönen Überschrift „Ordnung muss sein… Ordnung im Überblick“. Darunter ist fein säuberlich aufgeführt, wie die vier kleinen Vendittis, die dazu bereits fähig sein sollten, dafür sorgen können, dass mehr Ordnung herrscht. Keine Kleider auf den Fussboden schmeissen, die Schuhe ins Regal räumen, die Jacke an den richtigen Haken hängen und den Wäschekorb im Zimmer regelmässig leeren. Und damit keiner seine Pflichten so schnell vergisst, hängt das Blatt auch in jedem Kinderzimmer. 

Wer nun hofft, „Meiner“ und ich seien auch endlich auf den Zug derjenigen aufgesprungen, die mehr Disziplin in der Erziehung fordern, den muss ich leider enttäuschen. Das Regelwerk ist nämlich nicht auf unserem Mist gewachsen, sondern auf demjenigen der Kinder, allen voran Karlsson. Nun ja, die Forderungen sind eigentlich nicht neu, die haben „Meiner“ und ich immer mal wieder gepredigt, aber dass man bei uns zu Hause jetzt an jeder Ecke eine „Zimmerordnung“ – wie Karlsson das nennt – findet, das ist uns schon eher fremd, neigen wir beide doch eher zu spontan, unkompliziert und aus dem Bauch heraus, ich ein bisschen mehr als „Meiner“.

Aber so ist das halt mit der Jugend von heute, die will immer das Gegenteil von dem, was die Eltern für erstrebenswert halten. Das ist für mich eigentlich soweit okay und solange ich nicht die Einzige bin, die dafür sorgen muss, habe ich auch nichts gegen eine gewisse Ordnung einzuwenden. Ich fürchte mich einzig vor den Auswüchsen, welche die Reglementierwut mit sich bringen könnte. Ich ahne bereits, dass ich demnächst auf meinem Schreibtisch einen Zettel mit dem Titel „Ordnung muss sein… auch im Büro“ finden werde. Darauf wird wohl zu lesen sein: „Keine losen Blätter herumliegen lassen. Stifte und Radiergummis in einem Behälter versorgen. Bearbeitete Unterlagen in einem Ordner ablegen. Ein sinnvolles Ablagesystem für Pendenzen einrichten. Alte Notizzettel gehören ins Altpapier.“ Oder so ähnlich. 

Sollte ich diesen Zettel tatsächlich demnächst unter all den sich türmenden Papieren auf meinem Schreibtisch vorfinden, dann verlange ich einen Mutterschaftstest…

Wer macht hier die Sauerei?

Heute waren wir ganz spontan bei Nachbars zum Mittagessen eingeladen. Nachbars sind sehr nette Menschen und wir haben die Zeit bei ihnen sehr genossen. Die Leute haben nur einen einzigen Fehler: Ihre Wohnung ist aufgeräumt. Damit könnte ich ja halbwegs leben, das Dumme ist nur, dass Nachbars nicht nur eine aufgeräumte Wohnung haben, sondern auch vier Kinder. Und damit gerate ich in Erklärungsnot. Es kommt ja öfters vor, dass wir bei Menschen mit aufgeräumtem Zuhause zu Besuch sind, aber wenn „Meiner“ dann über unser Chaos jammert, dann kann ich sein Gejammer schnell abstellen. „Die haben ja erst ein Kind und das krabbelt noch nicht mal“, kann ich zum Beispiel als Argument anführen. Oder: „Kein Wunder, dass es bei denen aufgeräumt ist. Die haben ja auch schon erwachsene Kinder und sie ist nicht berufstätig.“ Oder: „Die sind beide voll berufstätig und die Kinder sind den ganzen Tag in der Krippe. Die sind so selten zu Hause, dass gar niemand Unordnung machen kann.“ Was aber hätte ich heute sagen sollen? Nachbars haben nur ein Kind weniger als, die meisten ihrer Kinder sind so alt wie unsere, die Eltern sind beide ähnlich beschäftigt wie wir und doch stapeln sich bei ihnen keine ungelesenen Zeitungen und halbfertige Wäscheberge. Für einmal hatte ich rein gar nichts anzubringen zur Verteidigung unserer alltäglichen Unordnung, der wir uns übrigens sehr wohl entgegenstemmen, auch wenn man kaum etwas sieht von unseren Anstrengungen.

Nun, auch wenn ich meiner eigenen Unordnung überdrüssig bin, ich hätte mich wohl damit abfinden können, dass es bei Nachbars ordentlicher aussieht als bei uns. Klar, auch mir gefällt es besser, wenn sich nicht alles stapelt,  aber wir sind nun mal nicht alle gleich. Dass Dumme ist nur, dass „Meiner“ sich von den aufgeräumten Zimmern sogleich hat inspirieren lassen. Kaum waren wir zu Hause, begann er, das Bücherregal auszumisten, Möbel zu verschieben und Vorträge zu halten, wie einfach es doch wäre, ein bisschen mehr Ordnung zu halten, wir hätten das ja jetzt mit eigenen Augen gesehen. Die Kinder, die sonst selten mit „Meinem“ einig gehen, wenn das Thema Ordnung zur Sprache kommt, pflichteten ihm artig bei. Und somit ist klar, wer an all der Unordnung Schuld ist: Ausgerechnet ich, die ich noch immer die Hauptverantwortung für den Haushalt innehabe. Oder innehätte, wenn ich mich denn nach all den Jahren relativ erfolglosen Haushaltens noch dazu aufraffen könnte, einen neuen Anlauf in Sachen Ordentlichkeit zu nehmen. 

Ich habe eine Weile lang darüber nachgedacht, wie ich mit dem neu erwachten Ordnungsfanatismus meiner Familie umgehen soll. Muss ich mich einfach wieder mehr anstrengen? Oder soll ich vollends resignieren, weil der Kampf ohnehin aussichtslos ist? Ich bin dann zu dem folgenden Schluss gelangt: Sie dürfen liebend gern mehr Ordnung haben, wenn sie das so sehr wünschen. Ich stehe ihnen nicht im Weg, ich verlange nur, dass sie sich aktiver daran beteiligen. Denn so sehr sie nach mehr Ordnung schreien, den grössten Teil der Sauerei mache nicht ich, sondern sie. Und der Postbote, der jeden Tag so viel Papier ins Haus bringt.

Trifft (in hohem Mass teilweise nicht) zu

Jetzt muss ich doch noch einmal auf dieses unsägliche Laufbahnreglement zurückkommen, denn die Sache will mir einfach nicht aus dem Kopf. Mit diesem Laufbahnreglement will die Schule ja nicht nur die Leistungen der Schüler bewerten, man möchte auch das „Arbeits-, Lern und Sozialverhalten“ möglichst umfassend beurteilen. Da stellt sich die Lehrkraft unter dem Punkt „Gestaltet Arbeiten sorgfältig und zuverlässig“ zum Beispiel die Frage, ob sich das Kind um eine „exakte und ansprechende Darstellung bemüht“. Unter dem Punkt „Begegnet den Lehrpersonen respektvoll“ wird analysiert, ob das Kind mit Kritik umgehen kann, ob es anständig ist und „sich zu benehmen weiss“. Es gibt einen ganzen Katalog an weiteren Kriterien, welche bewertet werden sollen.

Aber wie bewertet man denn? Ähnlich wie in einer Marktforschungs-Umfrage, wie mir scheint. Die Lehrkraft kann nämlich ankreuzen: „Trifft in hohem Mass zu“, „Trifft zu“, „Trifft teilweise zu“ und „Trifft nicht zu“. Soweit so einfach. Was mich an der Sache aber beunruhigt ist, dass die Spalte „Trifft zu“ gelb unterlegt ist, denn, so hat es die Schulleitung erklärt, man wünscht sich, dass sich alle Kinder in möglichst allen Punkten in dieser Spalte befinden. Nun kann ich ja ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, dass man nicht gerade erfreut ist darüber, wenn ein Schüler in allen Bereichen ein „Trifft nicht zu“ erreicht. Ist ja nicht gerade angenehm, einen Querschläger in der Klasse zu haben, der weder mit Mitschülern noch Lehrern klarkommt und der jeden Tag die Hausaufgaben vergisst.

Was aber ist so schlimm daran, wenn man mal sagen muss, dass eine Sache nur teilweise zutrifft? Ich meine, würde man mein Arbeits- und Sozialverhalten genauer unter die Lupe nehmen, man würde wohl öfters mal ein „Trifft teilweise zu“ ankreuzen. Hätte man zum Beispiel gestern beurteilen müssen, ob ich mich „durch Erwartungen / Anforderungen unter Druck setzen lasse“, man wäre ganz klar zum Schluss gekommen, dass dies sehr wohl zutrifft. Vor allem, wenn ich nachts um eins noch immer verbissen und den Tränen nahe an dieser Broschüre arbeite, die doch endlich in Druck gehen sollte. Würde man an einem ganz gewöhnlichen Tag untersuchen, ob ich anständig bin und mich zu benehmen weiss, man könnte bestätigen, dass dies durchaus zutrifft. Aber glaubt mir, das Urteil würde ganz anders ausfallen, wenn man mich zufällig an einem Hausfrauenfrusttag kombiniert mit quengeligen Kindern und PMS erlebte. An solchen Tagen ist ein „Trifft teilweise zu“ eine Glanzleistung, die nicht zu verachten ist. Unter Erwachsenen akzeptiert man, dass es im Leben gute und schlechte Tage gibt und solange einer nicht komplett ausfällig wird, drückt man schon mal ein Auge zu, auch wenn der Tonfall etwas gehässiger als gewöhnlich war. Warum aber erwartet man von den Kindern eine Ausgeglichenheit, die wir selber nicht hinkriegen? Haben die Kinder kein Recht auf „Trifft teilweise zu“-Tage? Oder gar auf „Trifft nicht zu“-Tage?

Ja, dann wäre da natürlich noch die Spalte „Trifft in hohem Mass zu“. Auch die ist offenbar unerwünscht. Zumindest verstehe ich das so, denn wäre sie erwünscht, wäre sie bestimmt auch gelb eingefärbt. Wenn ich ganz nett und gnädig gestimmt bin, erkläre ich mir dies damit, dass man Kinder und Eltern nicht zu sehr unter Druck setzen will. Vermutlich will man uns sagen, dass gut schon ausreichend ist und dass es nicht nötig ist, sich abzukämpfen, um es auf Stufe „sehr gut“ zu bringen. Wenn ich weniger gnädig gestimmt bin – und das kann durchaus vorkommen, wenn man mir beim Schulbesuch sagt, der FeuerwehrRitterRömerPirat hätte zwar eine geniale Zeichnung gemacht, hätte dafür aber viel zu viel Zeit gebraucht -, dann sehe ich darin eine andere Aussage: „Du darfst gut sein, ja, du musst sogar. Aber bitte sei nicht zu gut, denn damit bringst du unser Programm durcheinander und das ist anstrengend.“

Wenn ich meine Kinder so anschaue, an all die unzähligen Hochs und Tiefs unseres Zusammenlebens denke, mir überlege, mit welchen Stärken sie brillieren und mit welchen Schwächen sie an ihre Grenzen stossen, dann wird mir klar, dass sie keine „Trifft zu“-Kinder sind. Das Spektrum reicht von „Trifft in hohem Masse zu“ bis zu „trifft überhaupt nicht zu“ und zwar bei jedem Kind, an jedem Tag. Natürlich, so, wie ich sie kenne, werden sie sich ernsthaft darum bemühen, ins „Trifft zu“-Schema zu passen, sie nehmen die Schule ja ernst und das ist soweit okay. In meiner Erfahrung ist es aber so, dass sie vor lauter Anstrengung, in der Schule in die gelbe Spalte zu passen, zu Hause so ausgelaugt sind, dass sie in den Bereichen „Kann sich mühelos entspannen und fröhlich sein“ nur noch ein „Trifft teilweise zu“ erreichen würden. Und an ganz anstrengenden Schultagen müsste ich beim Bereich „Geniesst das Zusammenleben mit Eltern und Geschwistern und trägt zu einem friedlichen, hilfsbereiten Familienklima bei“ ein „Trifft nicht zu“ eintragen.

Ich schreibe „würde“ und „müsste“, weil wir bei uns in der Familie davon absehen eine „Verbindliche Regelung zur Beurteilung des Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens“ zu erarbeiten. Ziemlich unprofessoinell, ich weiss, aber deutlich lebensnaher, wenn ihr mich fragt.

Sinnkrise abgewendet

Unser Planungswerk schreitet munter voran. Legten wir vergangenen Sonntag bloss fest, was wann getan werden muss und wer zu welchem Zeitpunkt überhaupt nichts tun muss/darf, so sind wir heute einen Schritt weiter gegangen: Wir haben zumindest auf dem Papier die ärgsten Stressfallen eliminiert. Jetzt wissen wir also nicht bloss, an welchen Tagen die Kinder bei der Wäsche helfen müssen und wann und bei welchen Lehrerinnen der erste Elternabend der diesjährigen Saison stattfindet, wir haben jetzt auch festgelegt, an welchen Tagen „Meiner“ das Prinzchen in die Krippe bringt und an welchen Abenden das Mittagessen vorgekocht werden muss. Damit ich morgens nicht mehr wie eine Furie mit Kindergarten- und Kleinkind durchs Dorf hetzen muss und sich mittags nicht mehr sieben hungrige und genervte Vendittis gegenseitig die wohlverdiente Pause verderben. Wenn das so weitergeht mit uns – und wenn wir es hinkriegen, die Pläne vom Papier in den Alltag zu übertragen – dann werden wir am Ende noch eine ganz gewöhnliche Grossfamilie, die ohne viel Drama ihren Alltag meistert. 

Eigentlich bin ich ja ganz froh, wenn wir das Chaos zumindest ansatzweise in den Griff kriegen. Und doch kam heute Abend, als ich den Dampfnudelteig für morgen Mittag knetete, eine leise Angst in mir hoch. „Entwickelst du dich jetzt allmählich zu einer jener Hausfrauen, die einmal im Monat drei oder vier Gerichte in riesigen Mengen vorkochen und dann einfrieren, damit sie nicht mehr zu oft in der Küche stehen müssen?“, fragte ich mein müdes Selbst, das sich eigentlich viel lieber mit der Zeitung aufs Sofa verzogen hätte. „Kommt es tatsächlich noch so weit, dass du, die du so gerne kochst und noch lieber isst, deine Familie und dich selber mit dem immer gleichen Futter abspeist, nur damit dein Alltag etwas beschaulicher wird?“ Ich war auf dem besten Weg, mich in eine uferlose Sinnkrise zu stürzen, die wohl darin geendet hätte, dass ich den wahnwitzigen Entschluss gefasst hätte, wieder Vollzeithausfrau zu werden. Zum Glück fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, dass hausgemachte Dampfnudeln wohl kaum in die Kategorie der „im Handumdrehen zubereitet“-Rezepte gehören und dass ich somit weiterhin von mir behaupten darf, zwar eine miserable Hausfrau, dafür aber immerhin eine leidenschaftliche Köchin zu sein. 

(Frei)zeitmanagement

Meine erste Reaktion war ziemlich ablehnend, als „Meiner“ neulich vorschlug, dass wir jeweils am Sonntag die wichtigsten Aufgaben und Termine der Woche planen. Das Wichtigste, damit meinte er nicht alleine die unzähligen Elterngespräche, die er jeweils ausserhalb der Schulzeit führt oder die zahlreichen Termine, die ich ausserhalb der regulären Arbeitszeiten einplane, nein, er wollte auch Zeiten festlegen, wann wir mit den Kindern Wäsche falten und versorgen, wann wir uns mit unserem Kontostand und den zu bezahlenden Rechnungen befassen und – für mich am schwierigsten zu akzeptieren – wann jeder von uns ein paar Stunden ganz für sich alleine hat. „Warum um Himmels Willen willst du denn jetzt auch noch unseren Alltag durchplanen? Sind wir denn nicht bereits genug eingespannt mit Stundenplänen, ausserschulischen Aktivitäten der Kinder, Arztbesuchen und all dem elenden Kram?“, protestierte ich. Aber klar seien wir das, entgegnete „Meiner“ und genau darum wolle er unseren Alltag besser strukturieren denn „wenn wir immer und überall spontan sind, dann reagieren wir am Ende nur noch auf das, was an uns herangetragen wird und dann sind wir gefangen in unserer Spontaneität.“

Ich weiss nicht, ob mich der Inhalt seiner Aussage überzeugt hat, oder ob ich einfach nur baff war, dass der Mann, der allem theoretischen Geschwätz abgeneigt ist, mir auf einmal einen Sachverhalt so sec und unumstösslich darlegte, dass mir keine Gegenargumente einfielen. Gewöhnlich bin ich diejenige, die ihn mit knapp gehaltenen, aus meiner Sicht absolut logischen Argumenten derart nerve, dass er sich beeilt, mir Recht zu geben, bevor ich ihn mit einer einschläfernden Predigt über die Richtigkeit meiner Überlegungen langweile. Diesmal waren die Rollen vertauscht und mir blieb nichts anderes übrig, als bei dem Spiel mitzumachen, obschon mir nicht so ganz wohl war dabei. Wie bereits angetönt, hatte ich meine grössten Bedenken bei der Freizeit, die wir ab sofort fest einplanen sollten.

Warum ausgerechnet bei der Freizeit? Müsste denn eine fünffache Mama, die obendrein noch Teilzeit arbeitet, beim Gedanken an fest eingeplante Freizeit nicht glänzende Augen kriegen? Nun, das war einmal so, vor langer Zeit, als ich mir noch Illusionen machte. „Morgen Nachmittag nehme ich mir zwei Stunden frei und dann lege ich mich mit einem dicken Schmöker in die Badewanne, komme was wolle“, nahm ich mir jeweils vor. Natürlich kam tatsächlich, was wollte. Die Kinder kotzten, eine in Tränen aufgelöste Freundin brauchte Beistand, „Meiner“ wurde bei der Arbeit aufgehalten und verspätete sich, ich musste eine Stellvertretung übernehmen – damals unterrichtete ich noch -, ein Vertreter schneite herein und liess sich nicht abwimmeln oder vielleicht packte mich auch nur das schlechte Gewissen, weil ich mit einem Ohr mitbekam, wie „Meiner“ versuchte, allen Kindern gleichzeitig gerecht zu werden. Es blieb beim Träumen von Badewanne und Schmöker und die Realität des Alltags behielt mich weiterhin fest im Griff. Die ersten drei oder viermal, als mir so etwas passierte, war ich bitter enttäuscht, später dann nahm ich die resignierte Haltung ein, dass es eben kein Recht auf Freizeit und Erholung gibt, auch wenn in der Erklärung der Menschenrechte genau dies festgeschrieben ist. Mag ja sein, dass einem die Freizeit hin und wieder ganz unvermittelt in den Schoss fällt, aber planen lässt sie sich nicht, sagte ich mir. 

Ob das inzwischen anders ist? Ich bezweifle es, auch wenn ich heute Abend, als wir uns nun zum ersten Mal hinsetzten, um die wichtigsten Fixpunkte der kommenden Woche festzulegen, nichts dagegen unternahm, als „Meiner“ für den Mittwochnachmittag ein paar Stunden Zeit für mich ganz alleine einplante. Nun ja, ein wenig muckte ich natürlich schon auf, als er vorschlug, dass ich erst nach dem Abendessen wieder erscheinen sollte. „Das kann ich den armen Kindern doch nicht zumuten“, wehrte ich ab und so werde ich nun am Mittwoch um 19 Uhr wieder bei Mann und Kindern erwartet. „Meiner“ wollte sogar noch weiter gehen in der Planung und fragte, was ich denn vorhätte, ob ich lieber zu Hause bleiben und schreiben oder in den Wald gehen wolle, aber diese Frage beantwortete ich nicht. Wo bliebe denn die Spontaneität, wenn wir auch noch die geplante Freizeit verplanten? Obschon, wenn ich höre, wie das Prinzchen im Nebenzimmer vor sich hin fiebert und wenn Luise sehe, die gerade über Schwindel und Übelkeit klagend auf dem Fussboden liegt, dann scheint mir, dass meine „Freizeit“ von Mittwochnachmittag bereits bis auf die letzte Minute verplant ist.

Paradiesisch

Du weisst, dass es wieder aufwärts geht, wenn die Putzfrau endlich wieder aus den Ferien zurückkommt. Wenn sie dann ganz besorgt nachfragt, wie es deinem Haushalt so gehe und ob sie vielleicht bereits morgen, anstatt erst am Montag vorbeikommen solle, dann weisst du nicht so recht, ob du wach bist oder träumst. Etwas später kommst du von der Arbeit nach Hause und „Deiner“ verkündet, dass er nur gerade zwei Tage, nachdem die Waschmaschine in Streik getreten ist, die Zeit gefunden hat, um die Unterhose, welche den Streik verursacht hatte, aus den Eingeweiden der Maschine zu entfernen. Wieder fragst du dich, ob das alles nur ein schöner Traum ist, aber dann hörst du das regelmässige Summen aus der obersten Etage und dir wird klar, dass die Maschine tatsächlich wieder schleudert, ausnahmsweise schon tagsüber, weil sie nach zwei Streiktagen einiges an Arbeit nachzuholen hat. Vollends im siebten Hausfrauen-Himmel fühlst du dich, als dir in den Sinn kommt, dass deine Küche morgen den ganzen Tag sauber bleiben wird, weil du mit den Kindern am Mittagstisch essen wirst.

Warum bloss sind diese paradiesischen Zustände die Ausnahme? Und das hier die Regel:

Inflation auf dem Punktekonto

Glaubt man den Schlagzeilen, so bewegt sich die Welt derzeit auf den Abgrund zu, aber bis anhin blieb die heile Hausfrauenwelt noch mehr oder weniger unbehelligt von dem sich ausbreitenden Ungemach. Klar, es ist ungerecht, dass die Importeuere die Milchschnitte dank dem billigen Euro zu Ramschpreisen einkaufen und uns zum unverändert hohen Preis weiterverkaufen können, aber davon bin ich nicht betroffen; ich habe schon immer gesagt, dass Milchschnitten Mist sind und sie schon damals nicht gekauft, als Coop sie noch im Regal hatte. Natürlich schmeckt der Frühstückstee bei düsterer Zeitungslektüre weniger gut, aber schlechte Nachrichten las man ja auch schon, als die Welt noch halbwegs in Ordnung schien. Und zudem haben Hausfrauen ohnehin kaum einmal Zeit für Frühstückstee und Zeitungslektüre, auch wenn sich das Klischee der gemütlich frühstückenden Hausfrau hartnäckig hält, fast so hartnäckig wie jenes der kaffeeklatschenden Hausfrau.

Aber kommen wir zurück zum Thema. Die Welt der Schweizer Hausfrau ist also trotz aller beunruhigenden Nachrichten bis heute Abend um 19:24 Uhr mehr oder weniger heil geblieben. Doch dann, um 19:25 Uhr änderte sich mit einem Schlag alles. Grund dafür ist die folgende äusserst beunruhigende Nachricht, die wohl unzähligen Hausfrauen gesendet wurde: „Der enorme Erfolg der E-Punkte brachte nun eine wahre Punkte-Inflation mit sich. Und damit, wie bei einer richtigen Inflation, leider auch einen gewissen Werteverlust.“ Um diesen Werteverlust zu bremsen, heisst es in der Mail weiter, würden die Punkte nicht mehr im Verhältnis 1:1, sondern im Verhältnis 1:10 vergeben. Wo wir heute also für hundert Franken hundert Punkte bekommen, werden uns ab Oktober nur noch zehn Punkte gutgeschrieben, damit unserer Punkte, die wir so brav gesammelt haben, nicht plötzlich ohne Wert sind.

Ja, und jetzt ergreift mich natürlich die Panik. Die Pukte, die wir uns unter Preisgabe vertraulichster Daten sauer verdient haben, sind in Gefahr. Was, wenn die Punkte trotz dieser Massnahme weiter an Wert verlieren? Was, wenn ich für das Buch „Detox ypur Life“ auf einmal nicht bloss 100, sondern 10’000 Punkte abgeben muss? Was, wenn die anderen Punktesammler zu hamstern beginnen und ich keinen Hello-Kity-Koffer mehr bekomme? Oder wenn ich am Ende nicht mehr genug Punkte auf dem Konto habe, um mir den Bastelratgeber „Faszinierende Origami-Tiere“ zu gönnen? Wahrlich beunruhigende Neuigkeiten, die mir wohl einige schlaflose Nächte bereiten werden. Vielleicht nütze ich die schlaflose Zeit, um so viele Bestellungen wie möglich aufzugeben. Bevor die Punkte noch mehr von ihrem Wert einbüssen und meine heile Hausfrauenwelt vollends in sich zusammenfällt.

 

Neues aus dem Haushalt

Reisen bildet, sagt man und wie es sich gehört, habe auch ich in diesen Ferien Weisheiten gesammelt. Die weiseste dieser Weisheiten möchte ich meiner Leserschaft nicht vorenthalten, zumal es sich dabei um einen Haushaltstipp handelt, den ich gerne schon vor Jahren gekannt hätte.

Also, hier kommt er endlich, nach mehr als zwei Jahren Bloggerei, mein allererster Haushaltstipp: Flecken von Babybel-Wachs auf Kachelböden – es kann auch das Wachs vom Edamer-Käse sein – entfernt man am einfachsten mit einem Baby-Feuchttuch. Das funktioniert übrigens auch bestens bei versiegeltem Parkett. Habe ich heute Morgen beim Aufräumen der Ferienwohnung festgestellt, nachdem ich die hartnäckigen Wachsflecken einfach nicht wegbkriegen konnte.

Weshalb ich diesen Tipp hier weitergebe? Erstens, weil ich keinen Bedarf dafür habe, da wir weder Kachelböden noch versiegelte Parkettböden haben. Und zweitens, weil man von einer bloggenden Teilzeithausfrau doch Haushalttipps erwartet und ich möchte meine Leserschaft nicht enttäuschen.

Wie, ihr wollt hier gar keine Haushaltstipps lesen? Umso besser. Das mit dem Babybel-Wachs ist nämlich der Einzige, den ich auf Lager habe. Aber vielleicht ist ja dennoch die eine oder andere verzweifelte Mama, die eine Ferienwohnung in halbwegs anständigem Zustand hinterlassen möchte, froh darum.

Es gäbe da natürlich noch eine andere Möglichkeit: Sich konsequent weigern, Babybel-Käse zu kaufen, wenn die Kinder wieder unbedingt welchen haben wollen. Dies allerdings erfordert ziemlich starke Nerven und wer diese nicht hat – wie ich zum Beispiel -, der sollte sich zusammen mit dem Käse auch gleich noch eine Packung Feuchttücher kaufen.

Antworten auf nicht gestellte Fragen

In letzter Zeit habe ich öfters mal drauflos gebloggt, ohne meinen Lesern später auch die Fortsetzung oder das Ende der Geschichte zu liefern. Mein Leben rast weiter, bringt mir weitere Absurditäten, Tiefschläge, Höhenflüge und Stolpersteine über die ich schreiben will und ich denke nicht weiter an die losen Enden, bis jemand aus meinem Leserkreis mich auf diese oder jene Geschichte anspricht und wissen möchte, wie die Sache denn ausgegangen sei. Heute also ein kleiner Aufwisch über Ferienlager, Rattenbesuche und dergleichen:

  • Ja, wir haben das Schuljahresende mehr oder weniger schadlos überstanden, die Lehrerinnen haben alle ihr Geschenk gekriegt, Luises Brille ist wieder aufgetaucht und ihr Schmusetier auch. Soweit ist also alles wieder in Butter, wir müssen jetzt nur noch endlich all die Schulhefte und Kinderzeichnungen archivieren, die ausgelatschten Finken – nein, nicht die Vögel, die Hausschuhe – entsorgen und die Turnkleider aussortieren, dann können wir das Schuljahr 2010/11 endgültig abschliessen und uns dem Schuljahr 2011/12 widmen, d. h. neue Finken kaufen, zu klein gewordene Turnkleider durch grössere Turnkleider ersetzen und das, was noch brauchbar ist, dem kleinen Bruder weiterreichen, Stundenpläne aktualisieren, mit Musiklehrern und Therapeuten verhandeln, welches Venditti-Kind wann noch ein freies Zeitfenster für den Unterricht hat, Karlsson davon überzeugen, dass ihm der neue Lehrer nicht den Kopf abreissen wird, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten versichern, dass er mit seinen Lehrerinnen bestimmt gut klarkommen wird, auch wenn Luise in ihrem Temperament nicht nur nette Dinge über sie gesagt hat, dem Zoowärter klarmachen, dass der Kindergarten eine ganz tolle Sache ist, auch wenn er jetzt zwei Jahre lang jeden Tag miterleben musste, wie die Mama den widerstrebenden FeuerwehrRitterRömerPiraten aus dem Haus getrieben hat… Aber was erzähle ich da von all den Dingen, die noch vor uns liegen? Ich wollte doch Altes aufwischen, nicht Neues anreissen. Dann also weiter mit den losen Enden:
  • Ja, Karlsson und Luise sind gut zu Hause angekommen. Okay, der eine oder andere Kratzer sieht etwas schlimm aus, aber was wäre ein Zeltlager ohne ein paar blaue Flecken und Kratzer? Karlsson hatte hin und wieder Heimweh, Luise nicht. Dafür zieht sich Karlsson jetzt, wo er uns wieder hat, gerne in die Ruhe seines Zimmers zurück, während Luise die Nähe, die sie nicht vermisst hat, jetzt umso mehr sucht. Also alles bestens, die beiden lieben uns noch immer, einfach jeder auf seine eigene Art. Die Glucke hat die Woche übrigens auch ziemlich gut überstanden, sie scheint sich so langsam mit dem Gedanken anzufreunden, dass Kinder gewöhnlich keinen Schaden nehmen, wenn sie einmal ein paar Tage ohne Mama und Papa auskommen müssen. Oder dürfen.
  • Die Ratte ward seit einigen Wochen nicht mehr gesehen. Was noch lange nicht heissen muss, dass sie nicht mehr da ist. Aber seitdem wir kein Au Pair mehr haben, ist auch niemand mehr im Haus, der sie sehen könnte, denn meistens kam das Vieh ja vormittags. Ich rede mir jetzt einfach mal ein, sie habe sich aus dem Staub gemacht und hoffe, dass ich eines Morgens nicht eines Besseren belehrt werde. Wie? Ihr fragt, ob denn der Kammerjäger nichts habe ausrichten können? Ach ja, der Kammerjäger. Den hätte ich beinahe vergessen. Der kam mal schnell, schaute sich unseren Balkon an, lief einmal um unser Haus, brummte dann, da könne er nun wirklich nichts tun und weg war er. Nun ja, zumindest hat er keine Rechnung geschickt…
  • Ach ja, und dann war da noch die Sache mit den Katzen, die der Ratte den Garaus machen sollten. Inzwischen habe ich mir sagen lassen, dass sich Ratten einen Dreck um die Anwesenheit einer Katze scheren, aber wir haben dennoch beschlossen, uns zwei anzuschaffen, denn eigentlich war das mit dem Rattenvertreiben  ohnehin nur ein Vorwand, um endlich eine Ausrede zu haben, uns Katzen zuzulegen. Morgen gehen wir sie zum ersten Mal besuchen. Luise und ich können den Augenblick kaum erwarten, die anderen sehen das etwas gelassener, aber sogar „Meiner“ musste gestehen, dass sie auf den Bildern wirklich zum Anbeissen aussehen.
  • Und dann noch kurz dies: Nein, die Kinder gönnen uns die Nachtruhe noch immer nicht, in diesem Moment schlafen drei Stück in unserem Schlafzimmer, nur zwei in ihren eigenen Betten, nein, das Schreiben kommt leider nicht so voran, wie ich mir dies wünschen würde und unser Umbauprojekt „neue Arbeitsteilung“ stockt weiterhin,  ja, die Ferien sind inzwischen mehr oder weniger fertig geplant und wenn alles gut kommt, reisen wir am Samstagmorgen ab, nein, der Zoowärter hat noch nicht vergessen, dass er in Prag ein neues Schwert bekommen soll und ja, in unserer Wohnung herrscht noch immer das pure Chaos, aber wir arbeiten dran, ohne Unterbruch und man sieht dennoch nichts davon…
Damit bin ich am Ende meines Aufwisches angelangt. Sollte ich etwas nicht erwähnt haben, fragt bitte nicht nach, denn wahrscheinlich habe ich nichts davon geschrieben, weil ich die Sache verdrängt habe…