Dass iss gefährlich! Aber schööön!

Nun ja, vielleicht sind meine Gärtnermethoden etwas unorthodox. Ein wahrer Gartenfreund würde wohl kaum mit spitzen Fingern die Steine aus dem Boden klauben und jedes Mal laut kreischen, wenn eine Schnecke zum Vorschein kommt. Er würde wohl auch keine Kornblumen in Töpfe säen. Und schon gar nicht würde er bei warmem Frühlingsregen 480 Liter Universalerde mit nackten Füssen auf dem Boden verteilen. Macht man einfach nicht. Ein echter Gärtner nimmt dazu einen Rechen oder sonst ein nützliches Gerät, das in der Gartenzeitschrift angepriesen wird. Aber wozu braucht man einen Rechen, wenn man doch beim Wühlen in der weichen frischen Erde so viel Entspannung haben kann?  Entspannung bei der Arbeit. Was will man mehr? Und danach sieht der Garten erst noch wunderbar aus. Und weil die Erde nicht für den ganzen Garten gereicht hat, gibt’s morgen gleich noch einmal Wellness für die Füsse. Ich kann’s kaum erwarten.

Es verderbe mir jetzt bloss keiner den Spass und ermahne mich, ich solle mich nicht wundern, wenn ich mir eine Lungenentzündung hole. Mit nackten Füssen in der kühlen Erde zu wühlen sei gefährlich. Bei derartigen Gefahren halte ich mich an mein grosses Vorbild Obelix: „Dass iss gefährlich! Hicks! Aber schööön!“ (Okay, auf das „Hicks“ verzichte ich lieber. Mama und Besäufnis, das passt in meinen Augen nicht zusammen. Also vielleicht doch kein so grosses Vorbild, dieser Obelix…)

Ach, Pooh Bär!

So schnell werde ich kein Stossgebet mehr gen Himmel schicken, wenn ich nicht weiss, worüber ich bloggen soll. Kaum hatte ich fertig geklönt, stellte ich mit Schrecken fest, dass der Schlüssel zur Vorratskammer weg war. Nicht einfach weg im Sinne von auf dem Fussboden liegend, sondern wirklich weg. Und niemand war Schuld; Karlsson nicht, Luise nicht, der FeuerwehrRitterRömerPirat nicht, der Zoowärter erst recht nicht. Nein, es war Winnie the Pooh, der das Ding zum Verschwinden gebracht hatte und zwar fünf Minuten bevor es Zeit war, zu kochen. Winnie the Pooh hatte das Ding offenbar in den Abfallkübel geschmissen, erzählte mir der FeuerwehrRitterRömerPirat. Er habe es genau gesehen. Dumm war bloss, dass Pooh nirgends zu finden war, denn derjenige, der gewöhnlich Pooh ist, war im Moment ein ganz anderer, nämlich Donald Duck. Und auch wenn Pooh vor dem Abendessen wieder auftauchen würde, hatte ich keine Gewähr, dass er sich noch an den Verbleib des Schlüssels erinnern würde. Man weiss ja, wie vergesslich Pooh ist.

Was also sollte ich tun? Den Abfallsack nach dem Schlüssel durchwühlen? Keine gute Idee. Ich bin eine bekennende Memme und mein Magen hat heute schon einmal rebelliert, als ich Luises eitrige Wunde am Fuss – nicht am Auge, Gott sei Dank! – verarztete. Also blieb mir nichts anderes übrig, als zu warten, bis „Meiner“ nach Hause käme, bevor ich mich weiter um den Schlüssel kümmern konnte. Und so kochte ich für einmal ohne Olivenöl, ohne Bouillon, ohne Zwiebeln und ohne getrocknete Kräuter. Also ja, ohne Zwiebeln koche ich fast immer, weil ich die Dinger hasse, aber weil es heute Fleisch gab und ich das Zeug bekanntlich nicht esse, hätte ich „Meinen“ und Karlsson gerne mit Zwiebeln überrascht. Aber ohne Schlüssel keine Zwiebeln. Und kein Öl. Und keinen Besen, um endlich den Dreckhaufen auf dem Fussboden aufzuwischen, damit ich nicht immer reintrete.

Kurz vor dem Abendessen tauchte Winnie the Pooh wieder auf. Ist mir noch gar nicht aufgefallen, wie ähnlich sich Pooh und unser Zoowärter sind…  Wie ich vermutet hatte, konnte Pooh sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, ob er den Schlüssel in den Abfallsack, auf die Strasse oder auf den Baum geschmissen hatte. Nun, „Meiner“ hat das Ding dann wieder gefunden. Es lag tatsächlich im Abfallsack. Und deshalb kann ich ab morgen zusammen mit der Frau von Costa y Bravo wieder getrost sagen: Hombré! Ich koche nur mit Olivenöl.

Und wer meinen Schlusssatz nicht verstanden hat, soll gefälligst mal wieder seine Asterix-Sammlung entstauben!

In den See, mit einem Gewicht an den Füssen

„Machen wir uns doch wieder mal einen gemütlichen Fondue-Abend“, sagte ich heute zu meiner Familie. Man weiss ja nie, wie lange der Winter noch dauert und plötzlich ist es zu warm für geschmolzenen Käse. Ausserdem hatte ich heute keine Lust auf eine komplizierte Kocherei. Also schnell Schwarztee gekocht, „Meinen“ zum Brotschneiden abkommandiert, den Käse bereitgestellt – und festgestellt, dass sowohl der Weisswein als auch die Maisstärke fast leer waren. Macht ja nichts, dachte ich mir und machte mich ans Käseschmelzen. Man kann ja so ein Fondue auch mit Apfelsaft zubereiten. Habe ich als Kind beim „Blauen Kreuz“ gelernt.

Bald schon sass die hungrige Horde am Tisch, doch das Fondue wollte nicht binden. Also schnell Karlsson nach unten zur Grossmama geschickt, um Maisstärke-Nachschub zu holen. Der perfekte Moment für den Zoowärter, um seinen Schwarztee über den ganzen Tisch zu giessen. Zugleich auch der perfekte Moment für das Prinzchen, um aus dem Trip Trap zu stürzen. Und natürlich auch der perfekte Moment für Karlsson, um den Maisstärke-Nachschub auf dem Fussboden zu verschütten. Schon mal Maisstärke aufgeputzt? Ist ein wahres Erlebnis. Muss man unbedingt mal ausprobiert haben. Besonders dann, wenn zwei Elternteile verzweifelt versuchen, ein Prinzchen zu trösten, Schwarztee aufzuwischen, eine heulende Luise, einen heulenden FeuerwehrRitterRömerPiraten und einen heulenden Karlsson zu beruhigen und dazu noch zu verhindern, dass das Fondue anbrennt. Wahrlich gemütlich, dieser Fondue-Abend! So gemütlich, dass mir eine ganz böse Beleidigung über die Lippen rutschte, für die ich mich danach etwa zehnmal entschuldigte. Bis Karlsson mich fragte: „Mama, findest du es schlimm, wenn ich dir sage, dass es gar nicht so schlimm war, was du gesagt hast?“ Hä?

Nun, irgendwie schaffte ich es in all dem Chaos das Fondue mit dem Rest Maisstärke zu binden. Und zwar so sehr, dass es bei uns am Tisch schon bald aussah wie bei „Asterix bei den Schweizern“. Endlose Käsefäden überall. Und natürlich verlangte Luise alsbald nach Stockhieben, weil sie ihr Brot in der zähen Käsesuppe steckengeblieben war. Und bald schon wollte sie die Peitsche. Und dann in den See, mit einem Gewicht an den Füssen. Was wir ihr natürlich alles verweigerten. Wir sind doch keine Barbaren, … ähm, pardon, wollte sagen: Wir sind doch keine Römer. Auch wenn man es zuweilen meinen könnte.

Bildung

Eigentlich hätte ich heute Abend ja nichts mehr schreiben wollen, aber nach dem „Meiner“ und ich uns nun eine Stunde lang köstlich amüsiert haben, muss ich meine Leserinnen und Leser auch an unserem Spass teilhaben lassen. Wir haben nämlich Schularbeiten von Fünftklässlern korrigiert. Arbeiten, mit denen getestet wird, wie fit die Kinder für die Oberstufe sind. Hier ein paar Muster, wie fit sie sind:

Frage: Wie nennt man die Zähne, die dir schon ausgefallen sind?

Antwort: Mehlzähne

Frage: Warum stehen Atomkraftwerke meist am Wasser?

Schüler 1: Weil so weiss man, wenn ein Schiff kommt.

Schüler 2: Damit sie nicht fallen.

Schüler 3: Weil in der nähe Militär ist.

Frage: Wie heissen junge Wildschweine?

Antwort: Eber

Wie heisst die männliche Ente?

auch Eber

Junge Wildschweine heissen übrigens wahlweise auch Kalb oder Wildferkel, männliche Enten auch Papa oder Gans.

Frage: Welches ist die grösste Stadt der Schweiz?

Antwort: Deutschland

Frage: Welchen Erdteil hat Kolumbus entdeckt?

Antwort: Bö (Wahlweise auch Spanien)

Frage: Welche Kraft macht, dass Dinge auf den Boden fallen, wenn man sie loslässt?

Schüler 1: Erdenergy

Schüler 2: Kran

Schüler 3: Blanet

Schüler 4: sie Fahren

Frage: In welche Richtung fliegen Zugvögel im Winter?

Antwort: Noders

Frage: Zu welchem Volk gehören Asterix und Obelix?

Schüler 1 – 10: Römer (Da kann man nur sagen: „Die spinnen, die Schüler!“)

Schüler 11: Comiks

Aufgabe: Nenne drei Lebensmittel, die man kühl lagern muss.

Lösung: Milch, Cola, Mineral

Frage: Was ist ein Vegetarier?

Schüler 1: Gemüse

Schüler 2: Lebensmittel (Hoffentlich laufe ich dem nie über den Weg, sonst frisst er mich mit Haut und Haar…)

Frage: Wer erbaute das Amphitheater in Windisch?

Antwort: Julius Cäsar (Und zwar ganz alleine. Gestorben ist er dann wegen der vielen Schwielen, die er an den Händen hatte.)

Frage: Was brauchst du noch zum Spaghettikochen?

Antwort: Nein

Frage: Woraus bestehen Wolken?

Schüler 1: getrocknetem Regen

Schüler 2: Himmel

Frage: Spitzname für ein Kind, das sehr viel liest?

Schüler 1: Spitzbub

Schüler 2: Härry

Schüler 3: dicke

Frage: Womit wird eine Dampflokomotive betrieben?

Antwort: Mit Steinen

Frage: Wie nennt man einen Musiker, der neue Musikstücke schreibt?

Antwort: Kopietnierer

Frage: Was muss ein Musicaldarsteller können?

Schüler 1: schreiben, denken

Schüler 2: spielen, komunieren

Frage: Eine halbe Glatze hat 100 Haare. Wie viele hat eine ganze Glatze?

Antwort: 1 Million

Aufgabe: Schreibe drei Mannschaftssportarten auf.

Schüler 1: Basel, YB, Zürich

Schüler 2: Juventus, Galastaray, Young Boys (Für Schreibfehler stehe ich nicht gerade. Ich habe alles so abgeschrieben, wie es da stand. Im Gegensatz zu den Schülern kenne ich mit Mannschaftsspotrarten nämlich nicht so aus…)

Bei solchen Antworten muss man sich doch wirklich keine Sorgen machen um den Bildungsstand der heutigen Jugend. Zumindest an Originalität sind sie kaum zu übertreffen. Und atmen tun die Kinder übrigens wahlweise mit der Leber, der Luftröhre oder dem Herzen. Wie schon Antoine de Saint-Exupéry wusste:Man atmet nur mit dem Herzen gut.“

Schlechter Einfluss

So langsam müssen wir uns darüber Gedanken machen, ob wir nicht sämtliche Asterix-Bände auf den familieninternen Index setzen müssen. Der schlechte Einfluss ist einfach bedenklich. Zum Glück sind bis jetzt noch keine Römer durch die Luft geflogen, doch das ist bald das Einzige, was unsere Bande noch nicht ausprobiert hat.

So zelebrierten die drei Älteren am Samstagnachmittag, als die Eltern mal wieder im Garten am Graben waren, eine Heisswasserstunde wie sie im Buche steht. Dass dazu auch „ein Tropfen von Milch“ ins heisse Wasser gehörte, versteht sich von selbst. Zum Glück konnte man im Nachhinein nicht mehr genau eruieren, wie viele Tropfen von teurer Bio-Milch bei der Fete draufgegangen waren. Die riesige Lache auf dem Fussboden liess aber auf eine ziemliche Menge schliessen.

Oder nehmen wir die Fische. Jeder weiss, dass man Forellen nicht schuppt, wenn man sie blaukochen will. Aber Verleihnix schuppt seine Fische, Fische schuppen sieht cool aus, folglich müssen die Forellen auch geschuppt werden. Alle Einwände, Verleihnix verstehe nichts von Fischen, sind zwecklos. Noch Tage später kleben überall winzige Schüppchen, die sich kaum mehr wegkratzen lassen.

Und dann erst der Zaubertrank! Was da alles schon verschwendet wurde! Ekliges Gebräu aus Ketchup, Schwarztee, Orangenjus und Salz. Mist, jetzt habe ich das Rezept verraten. Aber hätten die Gallier dieses Zeug gesoffen, wären ihre Abenteuer schon nach der ersten Seite zu Ende gewesen.

Was aber an der ganzen Asterix-Euphorie am ungerechtesten ist, ist dass sie mich nicht mitmachen lassen.  Als ich am Muttertag frühmorgens an den gedeckten Frühstückstisch geschlurft kam und brummte „Schalut schuschammen! Gibtsch hier wasch schu Trinken?“, starrten mich alle entgeistert an. Die wollen mich also nur, weil ich so dekorativ bin und deshalb halte ich jetzt die Luft an, bis sie mich auch mitspielen lassen. Sonst fliegen die Abenteuer von Asterix dem Gallier aus dem Fenster.

Cäsar, Obelix & Co.

Langsam wird es etwas zuviel mit diesem Cäsar. Anfangs ging es ja in erster Linie noch um Fakten. Wer war er denn? Wie und wo lebte er? War er ein "Guter" oder ein "Böser"? Warum wurde er ermordet? Und so weiter. Irgendwann dann zog er bei uns ein und seither will der Zweitjüngste mit "Tschüss Cäsar" verabschiedet werden, wenn er zu Bett gehen sollte. Ruft man den Jungen zum  Essen, muss er sich "zuerst noch um Cäsar kümmern", müsste er gehorchen, kann er nicht, weil Cäsar "keine Lust hat". Als Mutter müsste man da eigentlich Verständnis haben, hat man doch selber jeweils nach dem Dreikönigstag Napoleon gespielt und den zahlreichen Geschwistern eroberte Ländereien zugesprochen. Doch das war eine Phase während der Pubertät. Was aber wird aus einem Kind, das sich bereits als Vierjähriger für Cäsar hält?

Neben Cäsar wohnt neuerdings auch Obelix bei uns. Die Mischung ist nicht mal so explosiv, wie man denken würde. Eigentlich verstehen sich Obelix und Cäsar glänzend. Nur uns gehen sie zuweilen auf die Nerven. Nachdem man am selben Tag zum hundertsten Mal den Dialog "Falbala!" – "Psst, sie könnte uns ja hören." und danach prustendes Gelächter mitangehört hat, verspürt man den  fast unwiderstehlichen Drang, sich Petersilie in die Ohren zu stopfen und "Hihi, er ist entfesselt!" zu brüllen. 
Zu dumm nur, dass man mit Petersilie in den Ohren nicht hören würde, wann es mal wieder Scherben gibt. Der Jüngst hat sich nämlich in den letzten Tagen angewöhnt, auf den Esstisch zu klettern und mit Geschirr um sich zu werfen. Keine Ahnung, wofür er sich hält, aber der Druide Amnesix wüsste bestimmt eine Therapie für ihn. 
Wenigstens eine ist noch auf dem Boden geblieben. Unsere Tochter muss  jedesmal fragen, ob Obelix nun der Dicke sei (worauf der Älteste einwendet, Obelix sei nicht dick, sondern höchstens dick angezogen) und überhaupt gibt es bei Asterix zu wenig Frauen. So widmet sich wenigstens ein Familienmitglied den wichtigeren Dingen des Lebens und übt fleissig, auf dreissig zu zählen.