Rück meine Tomaten raus!

Es ist wirklich ganz nett, mit einem Mann verheiratet zu sein, der liebend gerne für Ordnung sorgt. Gebt ihm zwei Tage schulfrei und schon macht er sich hinter Küchenschränke, Bücherregale und die Vorratskammer. Dort, wo ich nur unüberwindbare Berge sehe, sieht er Herausforderungen, die ihn dazu anspornen, sein Bestes zu geben. Und so kann es geschehen, dass ich nach einem Freitag im Büro nach Hausse komme und mir erstaunt die Augen reibe. Ist das wirklich die Wohnung, die ich am Morgen verlassen habe, oder habe ich mich im Haus geirrt?

Nun ist das Leben aber leider so, dass keine Sache nur Vorteile mit sich bringt. Jedes Ding hat seine Schattenseiten, auch eine perfekt aufgeräumte Wohnung. In einer solchen kann es nämlich durchaus vorkommen, dass die getrockneten Tomaten für das Risotto, auf das man sich den ganzen Tag gefreut hat, nicht mehr auffindbar sind. Nun gut, man kann natürlich auch ohne getrocknete Tomaten ein köstliches Risotto zubereiten, aber wenn sich meine Geschmacksnerven stundenlang auf eine bestimmte Sache gefreut haben, dann kann ich ziemlich inflexibel werden.

Nun mag man sich fragen, weshalb ich „Meinen“ nicht einfach gefragt habe, wo denn die Tomaten seien, aber so einfach ist es nicht mit diesem guten Mann. Der schafft es zwar im Handumdrehen, das grösste Chaos zu beseitigen, aber das Handy mitnehmen, wenn er ausser Hause geht, das geht nicht. Also konnte ich keinen „Himmel nochmal, wo hast du bloss meine getrockneten Tomaten versteckt?“-Anruf tätigen und es blieb mir nichts anderes übrig, als mit knurrendem Magen auf meinen ordnungsliebenden Herrn Gemahl zu warten.

Der kam dann auch irgendwann nach Hause, nur löste dies mein Problem nicht. Er konnte sich nämlich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wo er die Tomaten versorgt hat. Immerhin aber konnte er mir versichern, dass die Tomaten an ihrem perfekten Platz sein müssen, denn „Weisst du, wir haben jetzt ein System im Vorratsschrank. Hier ganz rechts haben wir Essig und Öl, dann kommt das Salzige, hier links das Süsse und oben die leeren Einmachgläser. Die Tomaten müssten sich also irgendwo in dieser Region befinden, ich weiss bloss nicht mehr wo.“

Glücklichkochen

Nach viel zu wenig Schlaf, einem absolut frustrierenden Tag und einem ausgiebigen Bad im Selbstmitleid habe ich heute nur dies zu sagen: Danke, Mama 007, für die Empfehlung meines neusten Selbsthilfeschmökers, äääähm, ich meine natürlich, der neusten Ergänzung meiner Kochbüchersammlung:

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Ich glaube, ich schliesse mich für die kommenden drei Monate in meiner Küche ein, lasse mir regelmässig frische Zutaten durchs Fenster reichen und komme erst wieder raus, wenn ich mich glücklichgekocht habe.

Eingemacht

Je sommerlicher es draussen wird, umso mehr packt mich die Leidenschaft für die hauseigene Lebensmittelproduktion. Kaum hat das neue Dörrgerät in unserer Küche Einzug gehalten, schaue ich mich nach einem Dampfentsafter um. Vielleicht wäre es auch ganz spannend, wenn ich den alten Einmachautomaten meiner Mutter reaktivieren würde. Weckgläser haben wir ja noch in rauen Mengen im Keller herumstehen. Ach ja, und jetzt, wo die Wachteln so fleissig Eier legen, könnte man vielleicht doch die Vermehrung der Tiere ins Auge fassen. Wo wir doch ganz wider Erwarten einen Hahn im Gehege haben… Und steht da nicht diese mechanische Saftpresse in der Garage? Die könnte mir im Herbst noch gelegen kommen. Neulich habe ich mich schon mal schlau gemacht, ob es eine Weiterbildung im Haltbarmachen von Lebensmitteln gibt. Es gibt sie. Vielleicht wäre das ja ein Projekt für den Winter? 

Ich nehme mal an, in den kommenden Wochen werde ich mehrheitlich in der Küche, im Garten, auf dem Wochenmarkt und bei Ricardo beim Aufstöbern von Küchengadgets anzutreffen sein. Wo wir gerade bei den Gadgets sind: Da habe ich doch neulich etwas ganz Ausgefallenes entdeckt, etwas, was es in meinem Haushalt noch nicht gibt und was meines Wissens auch nirgendwo im Keller rumsteht. Das Ding nennt sich Küchenwaage und man sagt mir, dass es bei gewissen Gelegenheiten ganz praktisch sein kann, es zur Hand zu haben. Was meint ihr, treibe ich es mit meinem Küchenwahn auf die Spitze, wenn ich mir eine zulege?

Also doch eine Hausfrau

Wer mich kennt und wer hier mitliest, der hat vielleicht schon mitbekommen, dass ich nicht gerade eine begeisterte Hausfrau bin. Die Sache ist mir einfach nicht spannend genug, um über Jahre hinweg meine Aufmerksamkeit zu fesseln. In letzter Zeit aber ist mir bewusst geworden, dass ich die Sache differenzierter betrachten muss. Ich bin einfach keine moderne Hausfrau.

Die moderne Hausfrau nämlich hat dafür zu sorgen, dass Reiheneinfamilienhaus, Wäsche, Kinder und Hund in tadellosem Zustand sind, so dass jederzeit ein Filmteam von Procter&Gamble unangemeldet einfallen könnte, um eine Serie von Werbefilmen zu drehen. Da kann ich leider nicht mithalten – höchstens vielleicht für die abschreckenden „vorher“-Bilder – und ich will es auch nicht.

Mit einem anderen Pflichtenheft hingegen kann ich mich durchaus für den Hausfrauenberuf begeistern, zumindest in einem Teilpensum. Man gebe mir ein paar Pflanzen zu hegen, eine Familie und Freunde, die mit mir die Ernte geniessen, einige Einmachgläser, die ich mit dem Überschüssigen füllen kann, Rezeptbücher und -datenbanken für die Inspiration, die Zeit, herauszufinden, wie man aus wenig viel macht und wie man Lästiges mit natürlichen Mitteln los wird und ich bin der glücklichste Mensch auf Erden.

Da bin ich dann plötzlich bereit, altmodische Bücher mit Tipps zur Haushaltsführung wälzen und das ist wohl genau das Stichwort: altmodisch. Ich bin keine moderne Hausfrau zum Herzeigen, sondern eine altmodische, die mit dem arbeiten will, was die Natur hervorbringt. Kaum etwas macht mich so glücklich wie ein Vorratsschrank voller Köstlichkeiten, die ich selber hergestellt habe, ein einfaches Dessert, das dank einiger im Wald gesammelter Holunderblüten zur Delikatesse wird, ein warmes Brot, das im eigenen Ofen gebacken wurde, das gute Gefühl, von der Quitte sogar die Schalen verwertet zu haben. Also ganz eindeutig altmodisch.

Klingt alles sehr idyllisch, nicht wahr? Nun ja, das ist es auch, bis zu dem Punkt, wo es darum geht, nach der Ernte- und Kochorgie die Ordnung wieder herzustellen. Einen netten Menschen, der hinter mir herräumt und alles wieder einigermassen präsentabel macht, habe ich nämlich noch nicht gefunden. Und so altmodisch, dass ich nach getaner Arbeit die Hühner und Schweine durchs Haus treibe, damit sie das Heruntergefallene beseitigen, bin ich dann auch wieder nicht.

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Nun übertreibt mal nicht

Diese Woche koche ich Österreichisch. Dazu gibt es keinen bestimmten Grund, ausser vielleicht den, dass ich seit einiger Zeit dem Menüplan unter ein bestimmtes Thema stelle  um mir die mühselige Rezeptsuche zu erleichtern und mir diesmal einfach nichts Besseres eingefallen ist. Zur Abwechslung mal Marillenknödel, Zillertaler Krapfen & Co.  War gar nicht so einfach, diesen Menüplan zu erstellen, man kann ja nicht alle Tage Mehlspeisen essen. Oder Wiener Schnitzel.

Wobei das mit den Schnitzeln eine ziemlich komplizierte Angelegneheit ist. Was mir als Vegetarierin aus der Schweiz als ganz banales Stück Kalbfleisch in Panade erscheint, ist bei unseren Nachbarn offenbar Staatsreligon Nummer zwei. Das merkt man schon bei der Auswahl des Rezepts.  Mache ich das „Echte Wiener Schnitzel“,  das „Original Wiener Schnitzel“ oder „Wiener Schmitzel – das Original“? Jedem Rezept kann ich entnehmen, dass aus der Sache nur etwas werden kann, wenn man die Anweisungen sklavisch befolgt. Offen gestanden sind von blossem Auge kaum Unterschiede erkennbar, aber was weiss ich denn schon?

Eigentlich könnte mir das mit der Perfektion ja egal sein, denn ich habe nicht im Sinn, von dem Zeug auch zu essen. Aber als auf Transparenz bedachter Mensch will ich keinen Etikettenschwindel begehen und den Kindern etwas auftischen, was den Namen nicht verdient. Ausserdem fürchte ich mich davor, dass plötzlich ein Österreicher in meiner Küche steht – keine Ahnung, woher der kommen soll – und mir eins auf die Finger gibt, weil ich mich nicht genauestens an die Vorschriften gehalten habe.  Oh nein, ich bin nicht vollends durchgedreht, nur leicht eingeschüchtert ob all der Kommentare zu den Rezepten: „Die Panade unter gar keinen Umständen andrücken!“, „Ohne Schweineschmalz wird das gar nichts!“, „Ha! Das soll das Originalrezept sein? Und wo bleibt das Öl, mit dem das Ei vermischt wird?“, „Ihr spinnt ja wohl! Das Salz gehört nie direkt aufs Fleisch.“ So ähnlich geht das endlos weiter und am Ende könnte man meinen, ein Wiener Schnitzel könne nur derjenige zubereiten, der a) in Wien zur Welt gekommen ist, der b) seinen Stammbaum lückenlos bis zur ersten Wiener Türkenbelagerung zurückverfolgen kann und der c) eine Oma hat, die ihn vom ersten Atemzug an mit perfekt gebratenen Schnitzeln vollgestopft hat.

Keine Chance also, das ich die Sache richtig hinkriege. Darum habe ich einfach so getan, als würde ich ganz gewöhnliche panierte Schnitzel zubereiten und man sagt mir, sie seien gar nicht so schlecht gewesen. Aber glaubt bloss nicht, ich würde an dieser Stelle verraten, nach welcher Methode ich vorgegangen bin. Sonst wimmelt es hier schon bald von sehr vielen Kommentaren über die alleinseligmachende  Methode, ein Wiener Schnitzel zuzubereiten.

 

Ertappt

Momentan lese ich ein äusserst sozialkritisches Buch, in welchem unter anderem hart mit den Supermärkten ins Gericht gegangen wird, die lieber Lebensmittel für die Mülltonne produzieren, als den Konsumenten drei Sekunden vor Ladenschluss ein leeres Brotregal zuzumuten. Das Buch ist packend geschrieben und bringt mit treffenden Worten auf den Punkt, was ich für richtig halte, aber nicht zu formulieren vermag, weil mir in solchen Dingen die Gedanken wirr durch den Kopf schwirren und sich dagegen sträuben, sich von mir in Thesen, Grundsätze und Leitgedanken fassen zu lassen. Gut also, dass es Menschen gibt, die das Talent besitzen, solche Dinge so zu formulieren, dass ich nach jedem zweiten Satz seufze „Genau so ist es doch!“ oder „Wie Recht sie hat. Warum sehen das bloss nicht alle ein?“ Endlich jemand, der den Menschen klipp und klar sagt, dass es absoluter Unsinn ist, zu jeder Tageszeit das volle Sortiment zu erwarten.

Ja, und dann schickte heute „Meiner“ den FeuerwehrRitterRömerPiraten zwanzig Minuten vor Ladenschluss in die Bäckerei um Brot zu holen. Unser Sohn kam mit einer einzigen Baguette zurück. Auf der Verpackung klebte eine Botschaft der Bäckerin:

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Und was sagte Mama Venditti, als sie den Zettel sah? „Himmel nochmal, soll das eine Bäckerei sein? Wenn die so weitermachen, kaufen wir nicht mehr bei denen ein.“ Tja, und jetzt ist es mir ein wenig peinlich, dass ich mich mal wieder dabei ertappt habe, wie ich mich für eine Wasserpredigt begeistere und Wein trinken will, wann immer mir gerade danach steht.

Ertappt

Momentan lese ich ein äusserst sozialkritisches Buch, in welchem unter anderem hart mit den Supermärkten ins Gericht gegangen wird, die lieber Lebensmittel für die Mülltonne produzieren, als den Konsumenten drei Sekunden vor Ladenschluss ein leeres Brotregal zuzumuten. Das Buch ist packend geschrieben und bringt mit treffenden Worten auf den Punkt, was ich für richtig halte, aber nicht zu formulieren vermag, weil mir in solchen Dingen die Gedanken wirr durch den Kopf schwirren und sich dagegen sträuben, sich von mir in Thesen, Grundsätze und Leitgedanken fassen zu lassen. Gut also, dass es Menschen gibt, die das Talent besitzen, solche Dinge so zu formulieren, dass ich nach jedem zweiten Satz seufze „Genau so ist es doch!“ oder „Wie Recht sie hat. Warum sehen das bloss nicht alle ein?“ Endlich jemand, der den Menschen klipp und klar sagt, dass es absoluter Unsinn ist, zu jeder Tageszeit das volle Sortiment zu erwarten.

Ja, und dann schickte heute „Meiner“ den FeuerwehrRitterRömerPiraten zwanzig Minuten vor Ladenschluss in die Bäckerei um Brot zu holen. Unser Sohn kam mit einer einzigen Baguette zurück. Auf der Verpackung klebte eine Botschaft der Bäckerin:

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Und was sagte Mama Venditti, als sie den Zettel sah? „Himmel nochmal, soll das eine Bäckerei sein? Wenn die so weitermachen, kaufen wir nicht mehr bei denen ein.“ Tja, und jetzt ist es mir ein wenig peinlich, dass ich mich mal wieder dabei ertappt habe, wie ich Wasser predige und Wein trinken will, wann immer mir gerade danach steht.

Buddelfreuden

Wie haben wir Kinder uns jeweils über unsere ökologisch angehauchten Eltern genervt. Gebadet wurde mit Kleiesäcklein und „Kaiser Borax“, das Brot kam nicht vom Bäcker, sondern aus dem eigenen Ofen – am besten aus selbst gemahlenem Mehl, im Holzofen gebacken -, das Gemüse stammte aus dem Garten, der Sirup im Frühling aus Holunderblüten, im Sommer aus Holunderbeeren, das Pfefferminz-Eis selbstgemacht und das Fleisch von der eigenen Weide. Wie hasste ich jenes fade illustrierte Buch – ich glaube, es trug den Titel „Leben auf dem Lande“ -, aus dem sich unsere Eltern Ratschläge für den Naturgarten und die Tierhaltung holten. Wie peinlich war es mir ab einem gewissen Alter, die Strickjacken aus handgesponnener Schafwolle zu tragen. Wie mühsam war es, wenn die ganze Familie zum Auftürmen der Holzscheite aufgeboten wurde, damit im Winter genügend Brennholz für die Holzheizung da war. Warum nur musste bei uns alles selbstgemacht sein, naturnah und anders als bei den anderen?

Oh ja, wir liebten es, wenn der frische Honig aus der Schleuder floss, wir fanden es grossartig, dass wir nach dem Mittagessen die Erdbeeren noch sonnenwarm von der Staude in den Mund stopfen konnten, wir waren begeistert, dass wir jedesmal Schokolade geschenkt bekamen, wenn wir der Nachbarin die Hühnereier, die sie bei uns bestellte, bringen mussten. Aber warum nur mussten unsere Eltern diesen Lebensstil derart konsequent durchziehen? Ein klein wenig cooler wäre eben schon cool gewesen.

Und heute? Heute macht mich kaum etwas glücklicher, als wenn ich einen Hefeteig kneten kann, bis er so glatt und weich ist wie ein Babypo. Ich streife mit den Kindern durch Wald und Wiesen, um Waldmeister, Holunder und Sauerampfer zu sammeln. Ich nerve Luise, weil ich vom Wochenmarkt nicht mehr wegzulocken bin, wenn es eine unfassbare Vielfalt an Tomatensetzlingen zu kaufen gibt. Ich sehe voller Rührung dabei zu, wie das Prinzchen in heiligem Ernst einen Setzling giesst, den er in die Erde gepflanzt hat. Mir wird es warm ums Herz, wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat beim Setzen der „goldenen Königin“, des „schwarzen Prinzen“ und der „gelben Birne“ Geschichten über die von ihm auf dem Teller verschmähten aber im Garten geliebten Tomaten spinnt.

Ganz klar, was meine Eltern damals gesät haben, geht allmählich auf. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass es ganz nett wäre, ein paar Hühner oder Enten zu halten, ich beneide meinen Schwager, der unter die Imker gegangen ist und neulich habe ich bei Ricardo nach einem Holzofen gesucht, weil es doch so nett wäre, das Brot darin zu backen, oder zumindest im Herbst Marroni über dem Herdfeuer zu rösten. Natürlich schwingt bei alldem ein Hauch von Nostalgie mit, wie das bei Menschen in meinem Alter üblich ist. Hauptsächlich aber habe ich entdeckt, wie viel Lebensfreude es bringt, in der Erde zu buddeln, zu ernten, was man gesät hat, alten Küchengeheimnissen auf die Spur zu kommen, Bäume zu pflanzen, Einmaliges zu erschaffen, anstatt Massenware im Laden zu kaufen, Geschmacksrichtungen zu kombinieren…

Nun ja, ich werde wohl damit leben müssen, dass unsere Kinder das alles demnächst nicht mehr cool finden werden. Aber was soll’s? Früher oder später werden auch sie die Freude am Buddeln entdecken.

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Noch ein paar Alltagsfreuden

Vielleicht werde ich ja allmählich sentimental, aber ich habe schon wieder ein paar Freuden im oft so anstrengenden Alltag entdeckt:

1. Am Morgen mit den Kindern zur Mühle fahren, Mehl in allen möglichen Varianten kaufen, auf dem Heimweg Dinkelherzen mit Schokoladenüberzug auf der Zunge zergehen lassen und mich an den Kommentaren der Kinder freuen: „Die sind ja wirklich besser als Maltesers!“ oder „Mama, findest du nicht auch, dass die einen leichten Anis-Geschmack haben?“ oder – meine persönlicher Favorit – „Mama, willst du noch eins?“

2. Miterleben, wie sich der am Morgen gekaufte Hartweizendunst mit nur wenig Wasser vermischt in frische Pasta verwandelt. Das Surren der Teigwarenmaschine im Ohr, die warmen, geschmeidigen Spaghetti in der Hand, der Anblick eines Lebensmittels, das so viel schöner und unregelmässiger ist, als die Industrieware. 

3. Die frische Pasta im Teller. So unbeschreiblich gut, dass auch die Katze nicht widerstehen kann, ja, nicht einmal das Prinzchen.

4. Vier Kinder, die vergnügt im Auto sitzen und einander sagen, wie froh sie doch sind, Geschwister zu haben, denn ein Leben ganz ohne Brüder und Schwester, das kann man sich doch einfach nicht vorstellen. Ich meine sogar aus dem Mund des FeuerwehrRitterRömerPiraten den Satz „Ich hab‘ euch gern“ gehört zu haben, aber vielleicht bilde ich mir das bloss ein. 

5. Karlsson, der am Mittag verschwitzt und glücklich vom Training mit den Pontonieren nach Hause kommt und es kaum erwarten kann, am Dienstag wieder auf den Fluss zu gehen. Jawohl, die Rede ist hier von Karlsson „Ich hasse jede Art von sportlicher Betätigung“ Venditti!

6. Ein sehr müder Zoowärter, der nach einem Wutanfall fast in meinem Arm einschläft. Gibt es ein schöneres Gefühl? Nun ja, ohne vorangehenden Wutanfall wäre es noch etwas schöner gewesen…

7. Macadamianüsse.

8. Ein Prinzchen, das vor lauter Freude quietscht, weil ich mal wieder etwas zu schnell war in der Kurve.

9. Luises erstes Wachtelei, noch ganz warm, leicht klebrig und offenbar so gut, dass sie es gegessen hat, obsch0n sie gar keine Eier mag.

Nun möchte ich natürlich nicht, dass meine Leserschaft glaubt, bei uns sei plötzlich über Nacht die Idylle eingekehrt. Im Gegenteil, auch heute habe ich herumgebrüllt, auch heute hatten wir ein paar ziemlich heftige vorpubertäre Ausbrüche – oder waren die vielleicht schon pubertär? -, auch heute habe ich den Tag nicht ohne Mittagsschlaf und einigen tiefen Seufzern überstanden und zudem habe ich heute nach elfeinhalb Jahren Mutterschaft Bekanntschaft mit der Kinderkrankheit Ringelröteln geschlossen und dies gleich in dreifacher Ausführung. Bei weitem nicht perfekt also, aber immerhin so schön, dass ich mich das eine oder andere Mal dabei ertappt habe, wie ich lauthals gelacht habe. 

 

 

So geht das nicht, Mama Venditti

Ein paar Tage lang mag es völlig okay sein, dass die Arbeit an erster Stelle steht. In Krisensituationen, oder wenn ein wichtiger Anlass bevorsteht, oder wenn man eine Sache auf einen bestimmten Termin hin abschliessen muss. Irgendwann aber muss wieder Schluss sein damit und die Familie muss wieder oberste Priorität haben. Bei mir dauert es jeweils ziemlich lange, bis mir dämmert, dass es jetzt wieder Zeit zum Umdenken ist. Meist braucht es ein einschneidendes Erlebnis, das mich aufrüttelt. 

Heute, zum Beispiel, als ich am Vormittag mit dem Prinzchen Griesspudding für die Kinder, die jeweils am öffentlichen Mittagstisch essen, zubereitete. In meiner eigenen Küche, mit Milch, Butter und Eiern aus unserem Kühlschrank, mit Griess, Salz und Zucker aus unserem Vorratsschrank, mit Zitronenschale aus unserer Obstschale – und mit zwei Zimtstangen, die der Arbeitgeber bezahlt hat. Was ja nicht weiter schlimm ist, denn es macht viel mehr Spass, mit dem Prinzchen gemütlich am Herd zu stehen und zu kochen, als an einem freien Tag zur Arbeit zu hetzen und dort in der Küche alle nervös zu machen mit meinem Chaos. Dass die Zutaten aus dem eigenen Vorrat stammen, stört mich auch nicht, denn bei den Mengen, die wir verbrauchen, fällt das nicht ins Gewicht. Was mich aber ernsthaft beunruhigt, sind die Gedanken, die mir durch den Kopf gingen. Ist es okay, wenn ich einen Teil des Puddings unseren eigenen Kindern serviere? Wäre es nicht anständiger, das Überschüssige meinen Arbeitskolleginnen zu überlassen? Und warum erkläre ich schliesslich dem Prinzchen laut und deutlich, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn wir auch von dem Pudding essen, da die Zutaten ja aus unserer Küche stammen? Gerade so, als müsste ich mich gegenüber einem unsichtbaren Beobachter rechtfertigen. 

Nein, so kann das nicht weitergehen, Frau Venditti. Zuallererst bist du Mutter und alles andere kommt nachher. Und wenn du das vergessen hast, dann ist es jetzt höchste Zeit, dich wieder daran zu erinnern. Denn wenn du deinen Kindern den Griesspudding nicht gibst, dann holen sie ihn sich anderswo…