Die letzten Absurditäten des alten Jahres

Bevor ich 2009 ad Acta lege, muss ich noch ein paar Absurditäten loswerden. Es wäre schade, sie mit ins neue Jahr zu nehmen. Hier also sind sie:

Da kaufe ich mir heute eine Amaryllis zum halben Preis und was muss ich auf der Verpackung lesen, als ich mir eine feine Mahlzeit daraus zubereiten will? „Achtung! Nicht zum Verzehr geeignet.“

Wie meine treuen Leserinnen und Leser wissen, ist der Zoowärter wieder auf Windeln umgestiegen, kaum dass er trocken war. Wochenlang habe ich mir  vergeblich den Kopf darüber zerbrochen, warum dies geschehen ist.  Schwiegermama hingegen schaut das Kind zwei Sekunden an und weiss den Grund: „Ha la schiena debole“ – Er habe eben einen schwachen Rücken. Aha, darum also habe ich wieder zwei Wickelkinder.

Bundespräsidentin Doris Leuthard habe ihre Neujahrsansprache mit schwarzen Nägeln und im dunklen Blazer gehalten, erfahre ich heute in der Tageszeitung. Seither zerbreche ich mir den Kopf darüber, welche Farbe die Fingernägel von Hans-Rudolf Merz hatten, als er letztes Jahr die Neujahrsansprache hielt. Auch an die Farbe von Pascal Couchepins Nagellack im Jahr davor kann ich mich nicht mehr erinnern. Oder könnte es gar sein, dass man auch am Ende der Nullerjahren noch immer alleine den Politikerinnen so genau auf die Fingernägel schaut?

In der Migros wollen sie, dass ich schon wieder Fasnachts-Chüechli kaufe. Und dabei habe ich noch immer zwei Christstollen, die darauf warten, verschlungen zu werden. Und die Weihnachtsguetzli sind auch noch nicht weniger geworden. Himmel, warum müssen die einen immer so hetzen?

Karlsson und Luise waren heute mit ihrer Tante bei Starbuck’s, wo es heisse Schokolade und Donuts gab. Danach waren sie noch im Süssigkeitenladen, wo sie auslesen durften, was ihr Herz begehrt. Der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat haben gestern bei Ikea ein winziges Stofftierchen auswählen dürfen. Ratet mal, wer wem aufs Dach gegeben hat, weil die anderen so viel mehr bekommen haben. Kleiner Tipp: Es waren nicht diejenigen, die tatsächlich weniger bekommen haben.

So, nun lasse mich meine geschätzten Leser in Ruhe für dieses Jahr. Es hat mir Spass gemacht, euch hin und wieder den Alltag zu versüssen und es war mir ein Vergnügen, zu lesen, dass ich nicht die einzige durchgeknallte Mama auf diesem Planeten bin. Ich freue mich darauf, auch im neuen Jahr wieder zu bloggen und von euch zu lesen. Allen Mamas & Papas wünsche ich, dass sie Silvester irgendwie hinter sich bringen, ohne von einer Tischbombe erschlagen zu werden, und allen zusammen, auch denen, die nicht Mamas & Papas sind, wünsche ich ein gesegnetes neues Jahr.

Soll ich? – es bleiben lassen?

Weihnachten 2009 ist Geschichte, das Jahr liegt in den letzten Zügen und völlig unerwartet schleichen sich da ein paar gute Vorsätze aus dem Hinterhalt an. Wie wär’s mit weniger essen? Vielleicht gar mit ein wenig abnehmen? Nur die zehn Kilos, die du noch immer mit dir rumschleppst von der letzten Schwangerschaft, mehr nicht. Oder du könntest bis Ostern auf Süsses verzichten. Hat doch letztes Jahr bestens geklappt und an den Geburtstagen der Kinder könntest du ja eine Ausnahme machen. Und dann steht da auf dem Dachboden noch dieser Hometrainer, den du dir im Sommer angeschafft hast. Wie wär’s wenn du den in Zukunft etwas öfter benützen würdest? Nicht jeden Tag. Zwei-, dreimal die Woche wäre immerhin schon besser als gar nie…

Was soll ich bloss tun? Die Vorsätze klingen ja ganz vernünftig. Aber ist es nicht grundsätzlich so, dass man gute Vorsätze nie einhält und sie deshalb am besten gar nicht erst fasst? Andererseits kann man nie wissen, was man schaffen könnte, wenn man es gar nicht erst probiert. Ich glaube, ich mache mich jetzt erst mal mit all den Christstollen und „After Eight“ zu schaffen, die noch in der Küche vor sich hingammeln. Sollte ich mich danach unwohl fühlen, kann ich mir ja den einen oder anderen Vorsatz etwas genauer anschauen…

Weihnachtsmenu

Während andere Bloggerinnen bereits vor Wochen ihr Weihnachtsmenu bekannt gegeben haben, habe ich mal wieder bis zur letzten Minute gewartet, um mir den Kopf darüber zu zerbrechen, was heute Abend auf den Tisch kommt. Und weil ich zu faul war, Kochbücher zu wälzen und dennoch nicht Jahr für Jahr das Gleiche kochen will, habe ich meine Familie gefragt, was es denn geben soll. Und deshalb sieht unser Menu für heute so aus:

Erste Vorspeise: Crêpes mit Räucherlachs und Frischkäse und zwar in Form einer Torte, „weisst du, so eine wie Petterson für Findus macht, aber nicht mit Beeren sondern mit Lachs“ (Wunsch von Karlsson und Luise)

Zweite Vorspeise: Riesencrevetten (Wunsch von „Meinem“ und Karlsson) – Und ich habe die schwierige Aufgabe, die Dinger in Bio-Qualität und garantiert frei von Kinderarbeit und dergleichen aufzutreiben…

Hauptspeise: Hausgemachte Chnöpfli mit Käse (Wunsch des FeuerwehrRitterRömerPiraten)

Dazu: Morchelsauce, „weil ohne Morchelsauce nicht Weihnachten ist“ (Wunsch von Karlsson)

Dazu auch noch: „Nein lieber Champignonssauce. Ich hasse Morcheln!“ (Wunsch von Luise)

Dessert: Sahnetorteund zwar genau so eine, wie sie Karlsson vom Dach mag“ (Wunsch von Luise)

Das also ist unser Weihnachtsmenu. Passt doch alles perfekt. So perfekt, wie die Faust aufs Auge, nicht wahr?

Wie? Ob ich denn keine Wünsche angebracht habe? Aber klar doch. Ich habe mir gewünscht, was sich die Mamas immer wünschen: „Brave Kinder und dass ihr alle zufrieden seid.“ Das ist es doch, was sich Mamas zu wünschen haben, oder?

Guten Appetit!

Man nehme einen Stapel Pfannkuchen, fünf eigene Kinder, zwei Tageskinder, eine überforderte Mama und dazu noch Karlssons besten Freund, der noch immer an der Illusion festhält, dass das Essen bei Vendittis immer gut ist. Wenn man dies alles vor seinem inneren Auge sieht, male man sich dazu aus, wie eine Küche aussieht, in der ein kleines süsses Prinzchen einen Wasserkrug verschüttet hat. Dann führe man sich die Tischmanieren von zwei völlig überdrehten Neunjährigen vor Augen, erinnere sich an den Duft voller Windeln und an das wohlige Gefühl von Reibkäse, der an feuchten Socken kleben geblieben ist. So etwa sah heute meine Mittags“pause“ aus.

Und so, liebe Frau Klum, äh, Pardon, Frau Samuel, so schaffen wir normalen Mütter es irgendwann, viele Monate nach der letzten Geburt, ein paar unserer überflüssigen Kilos loszuwerden. Denn wie ich nach geschlagener Schlacht mit leerem Blick auf den Ort des Grauens starrte, wurde mir bewusst, dass mein Appetit verflogen war, obschon ich noch kaum einen Bissen im Magen hatte. Ich kann mir gar nicht erklären, warum…

Happy Birthday, Karlsson!

Wenn wir mit anderen Leuten über unsere doch eher grosse Familie reden, bekommen wir immer etwa das Gleiche zu hören: „Wahnsinn! Da habt ihr aber viel Arbeit.“ Auch wir selber denken meistens daran, dass unsere Wäscheberge höher, unsere Einkaufswagen und Abfallsäcke voller, unsere Konti hingegen leerer sind. Auch wir sind uns dessen bewusst, dass wir viele viele Stunden unseres Lebens aufopfern um zu wickeln, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, Zimmer aufzuräumen, aufgeschürfte Knie zu verarzten und so weiter. Was man bei alldem so leicht vergisst: Wir feiern auch mehr. Kaum sind die Girlanden des letzten Geburtstags verschwunden, hängen schon wieder die nächsten. Kaum haben wir die letzte Torte verdaut, steht schon die nächste auf dem Tisch. Und das ist doch einfach schön. Auch wenn es unserer schlanken Linie nicht sonderlich gut bekommt. Aber wer will denn schon an sowas denken, wenn gefeiert wird?

Und gefeiert wird, trotz Schweinegrippe, Halsschmerzen und Müdigkeit. Denn am Geburtstag soll das Geburtstagskind spüren, dass es nicht einfach Eines von Vielen ist, sondern dass es etwas ganz Besonderes ist. Es soll so richtig schwelgen in Liebe und Anerkennung. Es soll wissen, dass es eine grossartige Sache ist, dass ausgerechnet er oder sie Teil unserer Familie geworden ist.

Wie das konkret aussieht? Nun, bei jedem Kind etwas anders, je nach Vorlieben. Bei Karlsson zum Beispiel bedeutet es, dass Mama morgens um sechs aufsteht, um Berliner zu backen für die Schulklasse. Dass am Mittag Morcheln auf dem Tisch stehen und Süssigkeiten in rauhen Mengen konsumiert werden dürfen. Und natürlich bedeutet es auch, dass es frische Leberpastete gibt, auch wenn Mama dies zu verdrängen versucht. Wenn Karlsson seinen grossen Tag hat, wird nicht geknausert, denn der Junge ist ein Feinschmecker durch und durch. Und weil wir alle uns so sehr freuen, dass Karlsson ist wie er ist, werden wir tüchtig mitfeiern. Und mitschlemmen.

Nur auf die Leberpastete verzichten wir gerne. Die darf er alleine essen.

Das muss Mutterliebe sein

Was treibt eine eingefleischte Vegetarierin, – oder müsste es vielleicht die „ausgefleischte“ heissen? – dazu, am Montagmorgen die Läden nach Kalbsleber abzuklappern? Was veranlasst sie, das Zeug ohne Handschuhe an den Händen in den Einkaufskorb zu legen? Was bringt sie dazu, am Nachmittag Sophie oder Charlotte, – welche der beiden Damen das zweifelhafte Vergnügen haben wird, ist noch nicht entschieden, –  den Fleischwolf aufzusetzen? Das Zeug mit Rahm zu vermischen, mit Eiern, Speck und Zwiebeln?

Nun, es ist ganz einfach: Wenn Karlsson zu seinem neunten Geburtstag Leberpastete will, dann bekommt er Leberpastete. Und wenn Karlsson findet, das Zeug aus der Tube sei niemals so gut wie das Hausgemachte, dann macht sich die Mama eben an die Arbeit. Möge sie sich noch so sehr ekeln vor dieser schmierigen Angelegenheit.

Hätte man mir damals, vor neun Jahren, vorausgesagt, dass mich dieses kleine Bündel Mensch, das ich zum ersten Mal in den Armen hielt, dazu bringen würde, Leberpastete zu machen, ich hätte nur mitleidig den Kopf geschüttelt. Ich doch nicht! Wenn mein Kind solche Scheusslichkeiten essen will, muss er eine Dümmere finden, die das macht für ihn, hätte ich gesagt. Und heute muss er mich nur treuherzig anschauen aus seinen braunen Samtaugen und schon renne ich ins Dorf und kaufe Kalbsleber. Wenn das nicht Mutterliebe ist, was dann?

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Sniff!

„Leider gibt es zur VarioTronic profi überhaupt keine Ersatzteile mehr, nicht einmal mehr die Rührschüssel“, muss ich heute Morgen beim Abrufen meiner Mails lesen. Die „VarioTronic profi“, das wäre dann die Sophie. Und die soll jetzt keine neue Rührschüssel mehr bekommen! Warum stellen die Küchengeräte für die Ewigkeit her und haben dann keine Ersatzteile an Lager? Und wie soll ich das bloss Sophie beibringen? Ich sehe ihr doch an, dass sie arbeiten möchte, Teig kneten, Rahm schlagen, dafür sorgen, dass Vendittis schön rund bleiben. Ich weiss doch, dass sie sich so drauf gefreut hat, auszuprobieren, ob man Luxemburgerli auch in der heimischen Küche herstellen kann. Und jetzt soll nichts daraus werden. Ein trauriger Tag also. Aber ich gebe erst auf, wenn ich das ganze Internet nach einer neuen Rührschüssel abgeklappert habe, wenn ich wirklich sicher bin, dass sich die Schüssel nicht reparieren lässt. Sophie muss bleiben!

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Bleib bei uns, Sophie!

Man sollte doch meinen, eine Küchenmaschine wäre froh darüber, dass sie gebraucht wird. So ein Gerät will doch auch nicht einfach in der Ecke rumstehen. Aber nein, die faulen Dinger machen schlapp, sobald sie mal etwas mehr Teig kneten müssen, als ihnen lieb ist. Ich weiss nicht, wie viele Küchenmaschinen in meiner Küche die Arbeit aufgenommen haben und nach kurzer Zeit wieder weg waren, weil sie den Anforderungen im Hause Venditti nicht gewachsen waren. Memmen waren das, allesamt.

Mit Sophie wird sicher alles anders, dachte ich, als sie eines Tages bei uns einzog. Denn Sophie ist nicht irgend eine dahergelaufene Küchenmaschine, Sophie hat mehr als ein Jahrzehnt lang einen tadellosen Dienst bei Linders verrichtet. Wer schon bei Linders gespiesen hat, weiss, dass Sophie dort keine ruhige Kugel schieben konnte und deswegen traute ich ihr die harte Arbeit in meiner Küche zu. Und ich hatte mich nicht getäuscht. Sophie ist die erste Küchenmaschine, die nicht zusammenzuckt, wenn ich mit meinen Teigzutaten anmarschiert komme. Die Erste, die klaglos knetet, ohne zu stinken, ohne heiss zu laufen, ohne irgendwann entnervt den Geist aufzugeben. Eine wahre Perle, diese Sophie.

Aber Sophie ist eine Frau und Frauen müssen bekanntlich zuweilen ein wenig gehätschelt werden, damit sie ihren Dienst weiter tun. Die einen brauchen ein Wellness-Weekend, um wieder neue Kräfte zu schöpfen, andere lassen sich mit einem ausgiebigen Shopping-Trip neu motivieren, wieder andere sind im siebten Himmel, wenn sie einen Abend lang ungestört lesen dürfen. Sophie, so haben wir feststellen müssen, braucht eine neue Teigschüssel, sonst macht sie nicht mehr mit. Klar wäre die alte noch gut genug, aber nicht für eine Perle, wie Sophie eine ist. Und deshalb hat Sophie einfach eines Tages ihre Schüssel in alle Einzelteile zerfallen lassen, als ich den Teighaken, ganz sachte und mit viel Fingerspitzengefühl,  entfernte. Hat sich einfach so gehen lassen, ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl: „Ich bin bereit, für euch zu arbeiten, aber nur, wenn ich eine neue Rührschüssel bekomme.“ Und seither befindet sich Sophie im Streik, denn ohne Rührschüssel nützen alle anderen herausragenden Fähigkeiten nichts. Wenn sie nicht sofort eine neue Schüssel bekommt, macht sie keinen Wank mehr, auch wenn ihr Motor noch längst stark genug wäre.

Hoffentlich hat der Hersteller noch irgendwo eine verstaubte Sophie-Schüssel auf Lager. Denn Sophie ist die erste Küchenmaschine, die ich erst dann ziehen lasse, wenn wirklich Hopfen und Malz verloren sind.

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Fast-Food-Stress

Heute ist es mal wieder so, dass ich die ganze Zeit dem Tag hintendrein renne und ihn nicht erwische. Immer, wenn ich glaube, ich hätte ihn, kommt etwas dazwischen und weg ist er wieder. Hätte Karlsson mich nicht um Viertel nach sieben geweckt, ich würde wohl jetzt noch in den Federn liegen. Und so geht es weiter. Luise kommt beinahe zu spät zur Schule, weil ich ihr das Haar zu spät kämme, der FeuerwehrRitterRömerPirat kommt beinahe zu spät in den Kindergarten, weil ich ihm keinen Znüni bereitgelegt habe, der Zoowärter kommt, nicht nur beinahe, zu spät in die Spielgruppe, weil ich unbedingt noch eine Seite zu Ende lesen musste, als ich auf dem WC sass.

Weil der Rest des Vormittags ähnlich verläuft, ringe ich mich irgendwann dazu durch, den für heute geplanten Milchreis nicht selber zu kochen. Ich verabscheue Fertigprodukte. Aber es gibt Tage, an denen es nicht anders geht und so irre ich, nachdem ich den Zoowärter zu spät von der Spielgruppe abgeholt habe, mit den beiden Jüngsten im Coop herum und suche verzweifelt den Milchreis. Und weil ich mich a) im Coop nicht auskenne, weil ich, wie alle Welt weiss, Migroskundin bin, und b) keine Ahnung habe, wo man die Fertigprodukte findet, weil ich normalerweise keine kaufe, irre ich lange, sehr lange herum. Als mir bewusst wird, dass ich in der Zeit, die ich mit Suchen vergeudet habe,  längst den Milchreis aufgesetzt, die Äpfel für das Kompott gerüstet und einen Kaffee getrunken hätte, ringe ich mich durch, eine Verkäuferin zu fragen. Und versinke dabei fast im Boden vor Scham: Frau Venditti, die an gewöhnlichen Tagen ihr Brot selber backt, hausgemachte Teigwaren auftischt, die Suppe prinzipiell nicht aus dem Päckchen kauft, verlangt Fertig-Milchreis! Kann ich noch tiefer sinken?

Ich kann. Nachdem ich möglichst unauffällig die drei Beutel in den Einkaufskorb gelegt habe, bringt mich der Zoowärter dazu, ihm vier bunte Badefischchen zu kaufen. Weil wir so dringend nach Hause müssen, habe ich einfach keine Zeit mehr, mir Gegenargumente zu überlegen, um den flehenden Blick in seinen Augen abzustellen. Und was ist der Dank dafür? Der Kleine lässt alle Welt wissen, dass seine Mama ihm einen Nemo gekauft habe!  Wie oft habe ich dem Kind denn schon gesagt, die orange-weissen Fische heissen Anemonenfische?  Im schlimmsten Fall dürfe er sie auch Clownfische nennen. Und er nennt sie Nemo. Als würde der den ganzen Tag vor der Glotze hocken und „Finding Nemo“ schauen.

Dabei hat er den Film gar nie gesehen. Als wir ihn nämlich vor zwei Jahren einmal ausgeliehen hatten, kamen Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat nach zwanzig Minuten heulend aus dem Wohnzimmer gerannt, weil sie „diesen brutalen Streifen“ nicht sehen wollten. Seither ist Nemo bei uns erst ab 16 Jahren freigegeben.

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Sind sie nicht lieb?

Meine Kinder sind doch einfach die liebsten Menschen auf diesem Erdboden – mal abgesehen davon, dass sie mich jeden Morgen zum Wahnsinn treiben. Aber wie sie heute Mittag meinen missratenen Kaiserschmarrn in sich herein geschaufelt haben und das klebrige Zeug sogar noch gelobt haben, war einfach herzerwärmend. Man kann sich ja fragen, ob jemand, in dessen Adern kein einziges Tröpfchen Österreichisches Blut fliesst, überhaupt Kaiserschmarrn kochen kann, geschweige denn kochen darf, aber ich habe es dennoch getan. Und tüchtig versagt dabei. So sehr, dass ich zur Sicherheit noch eine Ladung Pasta kochte. Aber eben: Meine lieben Kinderlein haben mich über allen grünen Klee gelobt, obschon ich dies mit diesem Essen bestimmt nicht verdient habe.

Oder nehmen wir Luise. Das Kind hat heute nicht nur allen Mut zusammengenommen und ist vom Sprungbrett gesprungen, – und will jetzt, nebenbei gesagt, nichts anderes mehr tun, – nein, sie hat heute auch gleich noch meine alten Sasha-Puppen adoptiert. Wie sie die beiden liebevoll umsorgt, ihnen ihre geheimsten Geheimnisse anvertraut und sich von der Grossmama Kleidchen stricken lässt rührt mich zutiefst. Denn habe ich nicht immer heimlich davon geträumt, dass mein kleines Mädchen meine  Rahela und meine Dido  eines Tages auch so lieben würde wie ich dies einst tat? Nur mit dem Namen Dido hat sich Luise noch nicht anfreunden können. Es hat auch nichts genützt, dass ich ihr gesagt habe, dass Dido eine Königin war. Ist aber nicht weiter schlimm: Soll sie die Puppe doch Manuela nennen, oder Hildegard, oder Rotraut. Hauptsache, sie liebt sie.

Oder nehmen wir den FeuerwehrRitterRömerPiraten. Der harte Junge, der schon mit drei Jahren verkündet hatte, er sei kein kleiner Macho, sondern ein Grosser, hat mir heute verraten, dass er einmal Arzt werden will, wenn er gross ist. Kinderarzt, um genau zu sein. Nun ja, offen gestanden kann ich mir noch nicht so recht vorstellen, wie er dereinst das Vertrauen seiner kleinen Patienten gewinnen will, indem er  ihnen sagt, er werde sie verprügeln, wenn sie jetzt nicht gleich still sitzen würden. Doch zumindest träumt er nicht mehr von einer Karriere als Gladiator. Oder als Cowboy. Oder als Goliath. Und vielleicht ändern sich seine Überzeugungsmethoden auch noch.

Oder nehmen wir Karlsson. Wie stolz er war, als Luise den Sprung ins nicht allzu kalte Wasser gewagt hatte! So stolz, als hätte er selber eine riesige Leistung erbracht. Hat er ja eigentlich auch: Er hat seine kleine Schwester nicht ersäuft vor Neid, weil sie von mir überschwenglich gelobt wurde. Vor einem Jahr wäre er ihr deswegen bestimmt noch an die Gurgel gesprungen.

Ja, die drei waren so überaus lieb heute, sagten so viele schöne Dinge, dass ich langsam Verdacht schöpfe: Ob ihnen bewusst wird, dass es  langsam Zeit wird, an Wunschzettel zu denken?

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