Bester Freund

Luise liebt das Theater und so werden Freundinnen, die zu Besuch kommen, meist zu, Theaterspielen verdonnert. Weil aber mit einer oder zwei Freundinnen kein grosses Ensemble zusammenkommt, ist Luise stets auf der Suche nach Statistinnen. Diese sind in unserer Familie aus bekannten Gründen rar, weshalb ab und zu ein kleiner Bruder als Mädchen hinhalten muss. Gestern war das Prinzchen dran. Mit blau lackierten Nägeln, geschminkten Lippen und einem hellgrünen Feenkostüm verwandelte sich unser Jüngster in die kleine Sophia, die nicht so recht wusste, was um sie herum gespielt wurde. Nachdem das Stück zu Ende war, war es bald einmal Zeit zum Schlafen und so blieben die Fingernägel eben blau. Macht ja nichts, in diesem Alter wird man noch nicht ausgelacht, wenn man nicht ganz dem Klischee entspricht, dachten wir.

Nun hat aber das Prinzchen seit einiger Zeit hat er einen richtig guten Freund. Einer, der mit ihm Bauarbeiter spielt. Einer, der sogar einen echten Bauarbeiter zum Papa hat. Einer, mit dem er all das spielen kann, was seine grossen Geschwister schon längst als Kleinkinderkram abtun. Diesen Freund traf er heute im Kindergottesdienst. Freudestrahlend rannten die zwei Jungs einander entgegen, doch plötzlich schlug das Prinzchen peinlich berührt seine Hände mit den blau lackierten Nägeln vors Gesicht. „Nicht auslachen!“, flehte er seinen Freund an „Luise hat mich angemalt.“

Der andere Junge erwies sich als echter Freund, er lachte das Prinzchen nicht aus, sondern schaute ihn nur etwas ratlos an. Da er keine grosse, sondern eine kleine Schwester hat, sind ihm Nagellack & Co. noch fremd und so hiess er das Prinzchen auch mit blauen Nägeln auf der Baustelle willkommen.

Ich fürchte, Luise wird dennoch neue Statistinnen suchen müssen. Ein zweites Mal wird sich das Prinzchen wohl kaum mit lackierten Nägeln in der Öffentlichkeit zeigen.

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Von wem hat er das bloss?

Gut, ich geb’s ja zu: Die Sauerei im Haus war so gross, dass die Kinder wohl geradezu erleichtert waren, dass wir sie heute dazu verknurrten, uns eine Stunde lang beim Aufräumen zu helfen. Was nach dieser Stunde noch nicht erledigt sei, würden wir Eltern dann selber machen, versprachen wir. Nein, wir wollten damit nicht unsere Kinder schonen, sondern unsere Nerven, denn gewöhnlich ist das ewige „Nun macht schon! Nur noch staubsaugen, Wäsche aufhängen, Altglas entsorgen, Spielsachen einräumen, Fenster putzen, Geschirr verräumen und Fussboden fegen, dann sind wir fast fertig…“ anstrengender als die Arbeit an sich. Darum die Zeitlimite.

Für einmal also verlief die Aufräumerei friedlich und ziemlich zackig. An gewissen Stellen konnte man nach einer Stunde bereits den Fussboden wieder sehen. Dann die grosse Überraschung: „Darf ich bitte noch ein wenig weitermachen?“, wollte Karlsson wissen, nachdem sich seine Geschwister im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub gemacht hatten. Nun ja, ein solch einmaliges Angebot sollte man nicht ausschlagen und so erlaubten wir unserem Ältesten ausnahmsweise, etwas mehr Hausarbeit als vorgeschrieben zu erledigen. Und so legte sich Karlsson mit Möbelpolitur, Fensterputzmittel, Mopp und Putzeimer ins Zeug als ginge es darum, einen Pokal zu gewinnen.

Zwei Stunden später, als „Meiner“ und ich reif für eine Pause waren, stand Karlsson im Wohnzimmer, putzte Fenster und schnauzte Luise an, die es gewagt hatte, drei Schritte über den noch feuchten Fussboden zu gehen. In mir stieg eine leise Furcht auf, als ich diese Szene beobachtete. Ob die mir damals im Spital das falsche Baby mitgegeben haben? Ich meine, ich motze ja auch, wenn mir jemand Fussabdrücke auf dem frisch geputzten Fussboden macht, aber freiwillig Fenster putzen? Von mir hat er das bestimmt nicht.

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Heute

– 4 Rucksäcke für 4 x Spiel- und Sporttag gepackt und dabei berücksichtigt, dass jeder ein anderes Programm hat: 2 x mit Bräteln, wobei aber nur einer eine Wurst mitnehmen will, die andere sich aber dem obligaten Cervelat verweigert, 1 x ohne Bräteln, dafür mit Schwimmbad, 1 x zwar mit Wurst, aber diese wird von der Schule spendiert, 1 x mit Wanderschuhen, 2 x im Sportdress, 1 x mit geschlossenen Schuhen und langen Hosen, 2 x mit Zeckenspray, 2 x ohne dafür alle mit ausdrücklicher Erlaubnis der Lehrerschaft mit vielen Süssigkeiten im Rucksack.
– 1 Kind zum falschen Treffpunkt geschickt, Kind mit geliehenem Auto zum richtigen Treffpunkt gekarrt und böse Blicke von der Lehrerin geerntet. Dummerweise wurde ausgerechnet dieses Kind vom grossen Bruder zu spät abgeholt, so dass es am Nachmittag auch noch ein böses Telefon von der Lehrerin gab. Nach vielen Jahren vorbildlichen Verhaltens habe ich es geschafft, meinen guten Ruf im Schulhaus an einem einzigen Tag zu ruinieren.
– 1 Kind nach dem Ausflug vorübergehend vermisst, da es sich zu Hause ins Bett legte und einschlief, anstatt in den Hort zu kommen.
– Am Morgen vier gesunde Kinder losgeschickt, am Nachmittag zwei kranke und zwei gesunde Kinder in Empfang genommen.
– Ein Prinzchen glücklich gemacht, weil meine Mutterliebe es nicht zuliess, dass er als Einziger den Tag ohne Chips, Wurst und Süssigkeiten überstehen muss. Abends dann trotzdem Tränen, weil die Müdigkeit nach dem Krippentag so gross war, dass der Cervelat nicht mehr in Angriff genommen werden konnte.
– Zum Feierabend mit den Kindern „Im Dutzend billiger“ geschaut und gedacht, dass es in Sachen Chaos durchaus noch Steigerungsmöglichkeiten gibt.
– Die Bemerkung „Ich wünschte, wir wären auch zwölf Kinder“ geflissentlich überhört. Nun mal nicht übertreiben…

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Nein danke, kein Hahn

Er hätte uns ja gerne einen Wachtelhahn verkauft, aber ich sagte nein. Wir seien blutige Anfänger, erklärte ich, wären vollkommen überfordert, wenn plötzlich kleine Wachteln schlüpfen würden. Es half auch nichts, dass er Luise und mir die herzigen Küken zeigte, die erst vor zwei Wochen geschlüpft waren. Oh ja, sie waren hinreissend, aber eben, die mangelnde Erfahrung. Es blieb bei fünf Hennen, kein Hahn, nein danke. Fünf Hennen, damit die zwei, die der Marder hatte leben lassen, nicht zu einsam werden.

Zu Hause im sichern Stall – mit frisch bepflanzten Blumenkästen, Holzzaun & Co. auf mardersicher umgerüstet – die freudige Begrüssung. Neuankömmlinge und Alteingesessene gefielen sich auf Anhieb. Sehr sogar. Nach einer knappen Minute der erste Paarungsversuch, einige Momente später der zweite. Nein, wir brauchen keinen Hahn, wir haben schon einen.

Zumindest wissen wir jetzt endlich, weshalb Wachtel Elisha noch kein einziges Ei gelegt hat.

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Hoch lebe die Bürokratie!

Wie gut, dass die Bürokratie im deutschsprachigen Europa läuft wie geschmiert. Worüber sollte ich denn sonst bloggen? Als wir im Februar in Österreich waren, war „Meiner“ eines Morgens mit dem Auto zu schnell unterwegs. Nicht viel zu schnell, aber schnell genug, um eine Busse von 35€ zu kassieren. Ach was, es war keine Busse, sondern eine „Strafverfügung“ für eine „Verwaltungsübertretung“, die wir per Post zugestellt bekamen. „Meiner“ – in solchen Dingen ganz Südländer – schmiss den Brief ins Altpapier, obschon es darin hiess, dass „im Falle der Uneinbringlichkeit der Geldstrafe an deren Stelle die Ersatzfreiheitsstrafe“ tritt. Weniger gewunden würde man wohl von 12 Stunden Gefängnis reden.

Die Österreicher liessen sich diese Gleichgültigkeit natürlich nicht bieten und beauftragten die Kantonspolizei Solothurn, uns den Brief beim zweiten Mal persönlich zu übergeben. „Meiner“ wurde brieflich dazu aufgefordert, an einem bestimmten Datum in Olten zu erscheinen, um die „Strafverfügung“ aus dem Nachbarland abzuholen. Zu dumm, dass wir gerade unser verlängertes Wochenende genossen, als wir eigentlich in Olten hätten antraben müssen. „Meiner“ war aber immerhin freundlich genug, die Polizisten über unsere Abwesenheit zu informieren und hoch und heilig zu versprechen, dass er den Brief nach dem Auffahrtswochenende abholen würde.

Nun ist es aber leider so, dass „Meiner“ den ganzen Montag keine Zeit hatte, nach Olten zu fahren und auch heute früh vor der Arbeit hätte er es nicht geschafft, wenn er denn daran gedacht hätte. Irgendwann zwischen Schichtbeginn und Znünipause platzte den Polizisten offenbar der Kragen und so schickten sie einen Beamten los, um dem renitenten Herrn Venditti den Brief persönlich zu überreichen.

Zum Glück stand Frau Venditti nicht mehr unter der Dusche, als der Beamte an die Tür klopfte. Und zum Glück schaut Frau Venditti keine Krimis, sonst wäre sie wohl vor Schreck in Ohnmacht gefallen, als sie den Polizisten in voller Montur vor der Türe stehen sah. So aber konnte sie dem Beamten ganz ruhig sagen, dass er ihr Leid tue, wenn er seine Arbeitszeit damit verbringen müsse, 35€-Bussen aus Österreich zu überbringen, anstatt Verbrecher zu jagen.

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Ertappt

Momentan lese ich ein äusserst sozialkritisches Buch, in welchem unter anderem hart mit den Supermärkten ins Gericht gegangen wird, die lieber Lebensmittel für die Mülltonne produzieren, als den Konsumenten drei Sekunden vor Ladenschluss ein leeres Brotregal zuzumuten. Das Buch ist packend geschrieben und bringt mit treffenden Worten auf den Punkt, was ich für richtig halte, aber nicht zu formulieren vermag, weil mir in solchen Dingen die Gedanken wirr durch den Kopf schwirren und sich dagegen sträuben, sich von mir in Thesen, Grundsätze und Leitgedanken fassen zu lassen. Gut also, dass es Menschen gibt, die das Talent besitzen, solche Dinge so zu formulieren, dass ich nach jedem zweiten Satz seufze „Genau so ist es doch!“ oder „Wie Recht sie hat. Warum sehen das bloss nicht alle ein?“ Endlich jemand, der den Menschen klipp und klar sagt, dass es absoluter Unsinn ist, zu jeder Tageszeit das volle Sortiment zu erwarten.

Ja, und dann schickte heute „Meiner“ den FeuerwehrRitterRömerPiraten zwanzig Minuten vor Ladenschluss in die Bäckerei um Brot zu holen. Unser Sohn kam mit einer einzigen Baguette zurück. Auf der Verpackung klebte eine Botschaft der Bäckerin:

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Und was sagte Mama Venditti, als sie den Zettel sah? „Himmel nochmal, soll das eine Bäckerei sein? Wenn die so weitermachen, kaufen wir nicht mehr bei denen ein.“ Tja, und jetzt ist es mir ein wenig peinlich, dass ich mich mal wieder dabei ertappt habe, wie ich mich für eine Wasserpredigt begeistere und Wein trinken will, wann immer mir gerade danach steht.

Ertappt

Momentan lese ich ein äusserst sozialkritisches Buch, in welchem unter anderem hart mit den Supermärkten ins Gericht gegangen wird, die lieber Lebensmittel für die Mülltonne produzieren, als den Konsumenten drei Sekunden vor Ladenschluss ein leeres Brotregal zuzumuten. Das Buch ist packend geschrieben und bringt mit treffenden Worten auf den Punkt, was ich für richtig halte, aber nicht zu formulieren vermag, weil mir in solchen Dingen die Gedanken wirr durch den Kopf schwirren und sich dagegen sträuben, sich von mir in Thesen, Grundsätze und Leitgedanken fassen zu lassen. Gut also, dass es Menschen gibt, die das Talent besitzen, solche Dinge so zu formulieren, dass ich nach jedem zweiten Satz seufze „Genau so ist es doch!“ oder „Wie Recht sie hat. Warum sehen das bloss nicht alle ein?“ Endlich jemand, der den Menschen klipp und klar sagt, dass es absoluter Unsinn ist, zu jeder Tageszeit das volle Sortiment zu erwarten.

Ja, und dann schickte heute „Meiner“ den FeuerwehrRitterRömerPiraten zwanzig Minuten vor Ladenschluss in die Bäckerei um Brot zu holen. Unser Sohn kam mit einer einzigen Baguette zurück. Auf der Verpackung klebte eine Botschaft der Bäckerin:

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Und was sagte Mama Venditti, als sie den Zettel sah? „Himmel nochmal, soll das eine Bäckerei sein? Wenn die so weitermachen, kaufen wir nicht mehr bei denen ein.“ Tja, und jetzt ist es mir ein wenig peinlich, dass ich mich mal wieder dabei ertappt habe, wie ich Wasser predige und Wein trinken will, wann immer mir gerade danach steht.

Bauchlandung

Das Wochenende war ein Höhenflug, wie man ihn nur selten erlebt. Traumhafte Umgebung, angenehmes Wetter, viel Zeit, um sich mit lieben Freunden auszutauschen, wertvolle Denkanstösse, Ausspannen, glückliche Kinder… Okay, alles war natürlich nicht perfekt, wir waren ja nicht im Paradies. Auf die strikten Hausregeln und das Gezänke mit den Kindern, weil sie immer noch mehr aus dem Süssigkeitenautomaten haben wollten, hätte ich gerne verzichtet, aber ansonsten fühlte ich mich nach diesen vier Tagen rundum glücklich und zufrieden.

Umso härter dann die Landung im Alltag: Übermüdete Kinder, übermüdete Eltern, eine Rechnung zu viel im Briefkasten, dann noch eine falsche Bemerkung und der Ehekrach des Jahres war in vollem Schwung. Zerschlagenes Geschirr, böse Worte, Tränen und grosser Frust, dass wir einmal mehr gescheitert sind bei dem Versuch, den Höhenflug in den Alltag hinüberzuretten. Nun ja, immerhin haben wir uns wieder versöhnt vor dem Schlafengehen…

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Kostbar

In den vergangenen Jahren ist etwas passiert in meinem Inneren. Ich habe meine Religiosität Schritt für Schritt abgelegt – und als Ersatz den Glauben gefunden. Man mag sich fragen, wo der Unterschied liegt und offen gestanden fällt es mir nicht leicht, in Worte zu fassen, was dies genau bedeutet. Vielleicht lässt es sich am besten mit einem Beispiel erklären.

Früher, zum Beispiel, gab es für mich keine Mahlzeit ohne Tischgebet, so etwas ging einfach nicht. Heute geht das Tischgebet im Alltagstrubel meist unter, aber ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit für die unendliche Vielfalt an Geschmacksrichtungen, für die Fülle an Lebensmitteln, für das Geschenk, dass ich die Mahlzeiten mit Menschen teilen darf, die mir alles bedeuten. Aus dieser Dankbarkeit erwächst aber auch die Frage, was mit all den Menschen ist, die nicht haben, was ich im Überfluss geniessen darf und wo sich in meinem Leben Möglichkeiten bieten, dies zumindest im Kleinen zu verändern. Es ist eine Entwicklung weg vom Reden und hin zum Tun.

Was im Inneren geschieht und so schwer fassbar ist, ist mir unendlich kostbar geworden und ich möchte es um keinen Preis verlieren. Meine aufgewühlte Seele kommt darin zur Ruhe, mein Versagen und meine Ängste, aber auch meine Leidenschaften und Begabungen finden darin einen sicheren Raum. Dafür aber habe ich geradezu eine Allergie entwickelt gegen alles, was nach hohlen Ritualen und leeren Floskeln riecht. Ein Hauch zu viel von „Du sollst“ und meine Tür ist zu. Eine Prise von „der Herr hat gesagt“ und ich mag nicht mehr hinhören. Zwei oder drei religiös verbrämte Verhaltensregeln und mich überkommt der unbändige Drang, mich dagegen aufzulehnen. Meine Abneigung dagegen ist so gross, dass es mit schwer fällt, Menschen zu mögen, die in darin Halt finden und für die das alles keine leeren Floskeln, sondern wichtige Stützen im Leben sind. Und doch ist es genau das, was ich lernen möchte, denn so lange ich mich noch über diese Menschen ärgere, bin ich selbst nicht ganz frei von dem, was ich vollends loslassen will.

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Drei Bläschen

Momentan stecke ich in einer intensiven „Zurück zur Natur, zum alten Küchenwissen und zur Langsamkeit“-Phase. Hin und wieder kommt das einfach über mich und dann kann ich Stunden damit zubringen, geistesabwesend in einem Kochtopf zu rühren oder ein altes Brotrezept auszugraben, bei dem der Teig über Stunden und Tage hinweg immer wieder gehätschelt werden will. Ich liebe diese zeitaufwendige und doch sehr entspannende Geschäftigkeit wohl vor allem deshalb, weil sie den perfekten Ausgleich zu meinem viel zu hektischen Alltag bietet.

Zudem bieten sich dadurch unzählige Möglichkeiten, den Kindern Wissen weiterzugeben. Welche Pflanzen sind essbar und wovon muss man die Finger lassen? Wie entsteht aus ganz banalen Zutaten ein köstlicher Caramel-Brotaufstrich? Was geschieht, wenn Zucker und Hefe zusammenkommen? Meistens sind die Kinder mit grosser Begeisterung dabei, sie riechen, probieren, fragen nach und experimentieren selber. Neulich aber habe ich es wohl ein wenig übertrieben mit meiner Begeisterung. Ich setzte mich gerade intensiv mit der Blasenbildung beim Backferment auseinander und starrte immer wieder minutenlang ins Glas um zu überprüfen, ob sich eine Veränderung erkennen liesse.

Endlich, nach vielen Stunden zeigten sich die ersten drei Bläschen. „Kinder, kommt mal her“, rief ich begeistert. „Schaut euch mal diese Bläschen an.“ Die Jüngsten drei hörten gar nicht erst hin, aber immerhin folgten Karlsson und Luise meinem Ruf. Sie hatten wohl gerade nichts Besseres zu tun und so kamen sie in die Küche geschlurft, um mit ihrer Mama ins Glas zu starren. Viel wussten sie zu meinen Bläschen nicht zu sagen, aber in ihrem Blick las ich, dass sie mich für vollkommen durchgeknallt hielten. Mein Verdacht wurde heute Nachmittag bestätigt, als sie von jemandem sprachen, den sie für ziemlich irr halten: „Weisst du, Karlsson, das ist wie bei der Mama mit ihren Bläschen…“, sagte Luise und die zwei warfen sich einen vielsagenden Blick zu.

Mist, ich glaube, meinen Status als allerbeste, unfehlbare, bewundernswerte und allwissende Mama habe ich eingebüsst. Früher oder später musste es wohl so kommen…

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