Wie sehr liebst du mich, Mama?

Seit Tagen schon hörte ich von nichts anderem mehr als vom Besuchsmorgen an Schule und Kindergarten. „Mama, kommst du am Freitag?“, wollte der FeuerwehrRitterRömerPirat wissen. „Mama, zu wem gehst du zuerst? Zu mir? Versprichst du mir, dass du zuerst zu mir kommst? Bitte bitte bitte! Sonst werde ich wütend!“, liess mich Karlsson immer und immer wieder wissen. „Mama, bleibst du bei mir am längsten?“, säuselte Luise. Zwar sprach es keines der Kinder so aus, aber was sie wirklich von mir wissen wollten war dies: „Mama, liebst du mich mehr als die anderen? Oder zumindest ebenso sehr?“ Da mochte ich noch hundertmal erklären, dass es keine Rolle spiele, zu wem ich zuerst ginge, weil ich ohnehin alle drei unendlich liebe. Da mochte ich immer und immer wieder betonen, dass ich nicht zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein könne, da ich mich ja unmöglich dreiteilen könne, es sei denn, sie wollten die Mama loswerden.

Die kleinen Kinderköpfe wollten einfach nicht begreifen, dass es schon Liebesbeweis genug ist, wenn Mama an einem Freitagmorgen ihre angefangene Geschichte liegen lässt, sich so früh als möglich aus dem Haus begibt und von Schulzimmer zu Schulzimmer zieht, um mit eigenen Augen zu sehen, dass die Schule trotz aller hitzigen bildungspolitischen Debatten noch immer die Gleiche ist wie vor dreissig Jahren. Sie konnten einfach nicht verstehen, dass es nichts mit Bevorzugung zu tun hat, wenn ich zuerst bei Karlsson reinschaute, weil die Tür zum Werkraum gerade offen stand und dass ich den FeuerwehrRitterRömerPiraten nicht weniger liebe, bloss weil ich mir den Kindergartenbesuch bis zuletzt aufgespart habe, weil ich keine Lust hatte, am frühen Morgen beim Turnunterricht zuzuschauen. Es reicht doch eigentlich, dass ich bei jedem Kind exakt dreissig Minuten geblieben bin, dass ich den Lehrerinnen bewiesen habe, dass ich trotz meiner fünf Kinder Zeit finde für jedes Einzelne. Und ist es nicht der grösste Beweis für die Mutterliebe, dass Mama bei allen aufgehängten Kinderzeichnungen immer nach der Schönsten sucht, weil Mama felsenfest davon überzeugt ist, dass die eigenen Kinder am schönsten zeichnen?

Für dieses Jahr ist der Besuchsmorgen überstanden. Wie aber schaffe ich das in zwei Jahren, wenn auch der Zoowärter im Kindergarten ist? Und wie in vier Jahren, wenn ich an einem einzigen Morgen fünf Kinder besuchen soll? Vielleicht bilde ich mich bis dahin in Zeitmanagement weiter…

2 Kommentare zu “Wie sehr liebst du mich, Mama?

  1. Das Gute ist wohl, dass in 4 Jahren, der Grosse wohl gar nicht mehr will, dass du zu ihm in die Schule kommst 😉 … Wenn ich mich recht erinnere kommt da ein Alter in dem Eltern peinlich sind 😛

    • Stimmt, aber dann werde ich unbedingt gehen wollen, denn das ist ja das Alter, in dem Mama hin und wieder Präsenz markieren muss, damit nicht irgend eine Tussi glaubt, sie spiele die wichtigste Rolle im Leben meines Sohnes… 😉

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