Töchterchen träumt

Töchterchen hätte gerne einen Wohnwagen. Keinen von Lego-Friends, den hat sie schon. Zum Glück auch kein fahrtüchtiges Modell, mit dem man in den Süden fahren kann. Aber ein ausgedientes, heruntergekommenes Ding, das man in den Garten stellt, um in lauen Sommernächten drin zu übernachten. An sich keine schlechte Idee, aber wie stellt sie sich das denn vor?

Na, ganz einfach natürlich. Wozu gibt es denn Online-Auktionen? Dort bekommt man so ein Ding schon für einen Franken. „Weisst du“, sagt sie, „das ist ganz einfach. Man muss es nur irgendwie beim Verkäufer abholen, wir könnten ja das Auto vom Grossvater ausleihen, der hat ja so eine Kupplung. Und dann stellen wir es auf den Platz vor der Garage. Aber es muss eine Küche haben, damit man am Morgen Frühstück machen kann. Wie macht man das überhaupt mit dem Strom? Und das WC, funktioniert das dann richtig?“

Töchterchen gerät immer mehr in Fahrt, klingt, als sei sie bereits stolze Besitzerin des Gefährts, obschon ich noch nicht mal „Wir können uns das ja mal überlegen“ gesagt habe. Töchterchen überhört natürlich auch die Einwände von Brüderchen, der nicht will, dass der Garten zu einem Campingplatz verkommt. Töchterchen ist einfach nur Feuer und Flamme für ihre neueste Idee und darum bin ich von Herzen froh, dass sie mein Ricardo-Passwort nicht kennt, denn sonst würden wir schon morgen einen ausgedienten Wohnwagen unser Eigen nennen.

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Schon wieder Mädchenkram

Als vor einigen Monaten die Legosteine für Mädchen auf den Markt kamen, dachte ich, ich könnte diesen neuesten Trend getrost ignorieren. Luise sei der Zielgruppe bereits entwachsen, dachte ich und die Gefahr, dass Zoowärter und Prinzchen zu rosaroten Legosteinen greifen ist äusserst gering. Auch wenn der Papa durchaus einen Hang zum Kitsch hat und somit seinen Söhnen zeigt, dass man auch als Mann die zarten Farben lieben kann. Lego Friends, so war ich mir sicher, geht mich nichts an.

Ich hatte die Rechnung ohne den Einfluss der besten Freundin gemacht. Was der besten Freundin gefällt, gefällt Luise auch, weil die beste Freundin Lego Friends cool findet, findet Luise sie auch cool und weil Luise sich zufällig genügend Taschengeld angespart hat, haben Stefanie, Emma, Nicole & Co. heute samt Wohnmobil bei uns Einzug gehalten. Und weil die Tür des Wohnmobils klemmte, durfte ich zusammenbauen damit Luise spielen kann.

Zugegeben, ich baue lieber mit Gelb, Rosa und Hellgrün als mit Dunkelgrau und Schwarz, aber das ist auch alles, was mir an Legos Mädchenlinie gefällt. Ist ja schön und gut, dass man unseren Töchtern inzwischen auch zutraut, etwas zusammenzubauen, aber warum müssen es schon wieder Schönheitssalons, Beauty Contest fürs Schosshündchen und Traumvillen sein?

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Gute alte Bestechung

Irgendwann ist genug herumgebrüllt, gedroht, gebettelt, an den Verstand – oder gar an das Mitgefühl für die arme, übermüdete Mama- appelliert. Irgendwann hilft nur noch eins,  nämlich Bestechung. Nun ja, so offen gibt das kaum einer zu, aber machen wir uns nichts vor: Wer für zehn Einheiten Wohlverhalten einen Hallenbadbesuch, für zwanzig Einheiten Wohlverhalten einen Museumsbesuch und für dreissig Einheiten Wohlverhalten eine Überraschung verspricht, besticht seine Kinder. 

Oh ja, Belohnungssysteme sind äusserst wirksam. Das beweisen die zahlreichen Kundenkarten, die wir allzeit griffbereit halten. Egal wie klein der Gewinn, wenn man uns eine Belohnung in Aussicht stellt, müssen wir sie haben und zwar so schnell als möglich. Bei den Kindern ist dies nicht anders und so tun sie für ein paar Wochen brav das, was wir uns von ihnen wünschen. Kaum aber sind die Belohnungen eingesackt, ist der alte Schlendrian zurück.

Warum also gestalte ich dennoch für jedes Kind seinen eigenen Plan mit individuell formulierten Zielen? Ich tue es, weil ich eine Verschnaufpause brauche. Weil das Gezerre um jede kleinste Gefälligkeit zu viele Nerven kostet. Weil ich Zeit gewinnen will, um mir Gedanken zu machen, wie wir die Kinder wieder besser begleiten sollen, damit wir in Zukunft auf die billige Bestechung verzichten können.    

Auf die Plätze, fertig….

Der Startschuss in die diesjährige Käfer-Saison ist gefallen. Zu Beginn sah es ganz danach aus, als würde der FeuerwehrRitterRömerPirat allen anderen die Show stehlen. Doch dann entpuppte sich das, was wir als erste Anzeichen einer ausgewachsenen Erkältung ansahen, als Fehlstart. Ein steifer Hals, ein Hauch von Müdigkeit und das war’s dann auch schon. Während sich aller Augen noch auf den FeuerwehrRitterRömerPiraten richteten, machte sich das Prinzchen heimlich in die Startlöcher. Und siehe da, der Jüngste zeigt den anderen, wo es lang geht. Mit Fieber, Triefnase und schlechten Träumen zieht er an allen anderen vorbei. Karlsson, Luise und der Zoowärter, die bisher noch auf den Zuschauerrängen sitzen, reagieren ganz unterschiedlich auf den Erfolg ihres jüngsten Bruders. Während Luise ihn mit „Komm schon, Prinzchen, du schaffst das. Bald bist du am Ziel“, anfeuert, lässt der Zoowärter kein gutes Haar an Prinzchens Auftritt. Zu quengelig, zu nervig, zu wenig lustig. Karlsson hingegen scheint noch gar nicht bemerkt zu haben, dass das Rennen begonnen hat. Sein einziges Ziel ist derzeit ein gelungener Übertritt an die Oberstufe, da hat man keine Zeit für diese läppischen Käfer. Ich hingegen beobachte mit Spannung, was auf der Käfer-Rennbahn abgeht und weil der Wettlauf so viel aufregender ist als das Zuschauen, laufe ich mich schon mal mit Ohrensausen und einem Hauch von Schnupfen warm.

„Meiner“ läuft dieses Jahr ausser Konkurrenz. Es dürfte schwierig sein, mit den gewöhnlichen Feld-Wald-und Wiesenkäfern die gleiche Leistung hinzukriegen wie er. Und ich gehe nicht davon aus, dass ihm einer von uns den Titel als „König der Käfer“ vergönnt.

Hätte ich es ihr sagen sollen?

Sie macht es exakt wie ich damals, investiert ihr gesamtes Erspartes in Spielsachen, die sie schon sehr bald nicht mehr interessant finden wird. Jetzt, wo ihre kleinen Geschwister endlich nicht mehr alles zerstören, möchte sie noch einmal ganz neu anfangen, mit einem wunderschönen Puppenhaus, mit neuen Bewohnern, die noch alle Haare auf dem Kopf haben, mit Möbeln, wie man sie gerne im eigenen Wohnzimmer stehen hätte.

Sie will noch einmal richtig Kind sein, bevor es zu spät ist dazu. Ich kenne das Gefühl, empfand einst genau das Gleiche, auch wenn meine Spielsachen neu sein mussten, weil von den grossen Geschwistern nichts Anständiges mehr übrig war. Bei ihr waren es die kleinen Geschwister, die ihre heilen Welten nicht unberührt lassen wollten. Sie ahnt wohl, dass sie an der Schwelle zu etwas Neuem steht, die ersten Anzeichen sind da. Wenn die Eltern bezahlen, müssen die Dinge bereits cool sein, nicht mehr romantisch und verspielt, als Souvenir will sie keine Teddybären mehr, sondern Nagellack. Mit ihrem eigenen Geld lässt sie aber lieber Kinderträume wahr werden. Die lassen sich jetzt endlich verwirklichen, weil das Taschengeld höher ist und die Geburtstagsgeschenke von Verwandten immer öfter in Form von Bargeld überreicht werden.

Hätte ich ihr sagen sollen, dass das Puppenhaus für sie wohl schon bald nicht mehr interessant sein wird, dass sie es vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft auf den Estrich räumen wird? Ich weiss ja, dass es zumindest vorübergehend so sein wird; bei mir und meinen Geschwistern war es auch nicht anders. Ich habe nichts gesagt. Nicht nur, weil ich ihr die Freude nicht nehmen wollte, sondern auch, weil es so unglaublich schön war, mit ihr zusammen Mädchenträume wahr werden zu lassen. Wie habe ich es doch genossen, mit ihr auf dem Boden zu kauern, Wände aufzubauen, Fenster einzusetzen und Blumenschmuck anzubringen. Nur einen erwachsenen Rat habe ich ihr gegeben: Dass sie Sorge tragen soll zu dem Haus, damit sie eines Tages, wenn sie mit ihren eigenen Kindern das Haus aufbaut – vielleicht auch mit ihren Neffen und Nichten -, noch einmal Kind sein kann. So, wie ich heute mit ihr Kind sein durfte.

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To Do

  • „Meinen“ anschnauzen,  weil er für einmal nicht den perfekten Hausmann,  sondern den „ist mir doch egal,  wenn alles im Chaos ersäuft“-Ehemann gespielt hat
  • Dafür sorgen,  dass die männlichen Familienmitglieder nicht ohne Zahnpaste und Zahnbürsten nach Italien fahren
  • Alle männlichen Familienmitglieder morgens um sieben zum Bahnhof fahren,  damit sie den Zug nach Milano rechtzeitig erwischen
  • 3 Badezimmer putzen
  • 2 Küchen saubermachen
  • 4 Ladungen Wäsche waschen und aufhängen
  • Zahlreiche Kontrollanrufe an „Meinen“,  damit ich mir auch ganz sicher keine Sorgen um meine lieben Knöpfe machen muss
  • Unzählige Rechnungen bezahlen – Habe ich wirklich keine übersehen?
  • Euro besorgen
  • GPS befragen
  • „Meinen“ befragen,  ob ich morgen wirklich mit dem Auto nach Italien fahren soll
  • Schwiegermamma ver(un)sichern,  dass das schon irgendwie klappen wird
  • Kolumne schreiben
  • 4 mal den Geschirrspüler ein- und wieder ausräumen
  • 2 Kühlschränke putzen – Nein,  glaubt mir,  ihr wollt nicht wissen,  weshalb ich das unbedingt noch vor der Abreise tun musste.
  • So tun als ob ich Zeit hätte für ein Kaffeekränzchen mit Luise und Gast
  • Luise beibringen, dass ich bei diesem Sauwetter wirklich keine Lust habe,  mit ihr aufs Riesenrad zu gehen. Ist mir vollkommen egal,  dass das Ding auch bei Regen in Betrieb ist
  • Gottesdienstmoderation vorbereiten
  • 3 Tassen zerschlagen,  für einmal ganz ohne böse Absichten
  • Scherben von drei Tassen entsorgen
  • Unzählige Versuche,  Luise „Gregs Tagebuch“ zu entwinden,  damit ich endlich weiss,  warum sie das Buch nicht mehr aus den Händen gibt
  • Nur noch ganz kurz ein paar Minuten ins Büro gehen,  weil ich vor meinen Ferien noch eine klitzekleine Sache erledigen muss
  • Vor dem Schrank stehen und darauf warten,  bis der Koffer von selber rausfällt,  damit ich keinen Stuhl holen muss
  • Luise den „Ententanz“ vorsingen und danach erfolglos versuchen,  die Melodie wieder aus dem Ohr zu kriegen
  • Wach bleiben,  damit ich meine To Do-Liste bis zum bitteren Ende abarbeiten kann

Und ich grenzenlos naiver Mensch hatte doch tatsächlich geglaubt,  ich könnte mir heute einen netten Frauensamstag mit Luise gönnen…

Garderobe

Für das Prinzchen bitte nur Kleidung, die wie angegossen passt, auf gar keinen Fall Pullis, die zu lang sind. Bitte auch nicht zu weich. Und schon gar nicht zu warm. Als Aufdruck kommen einzig Bob der Baumeister, Elefanten, Mickey Mouse und kleine Monster in Frage. Die Hose nur mit Knopf und Reissverschluss, Bändel sind streng verboten, zu lange Hosenbeine auch. Und um Gottes Willen keine Socken! Auch nicht in die Gummistiefel.

Der Zoowärter setzt auf cool, am besten Ton in Ton mit weissen Turnschuhen dazu. Wenn ein anderer im Kindergarten das Gleiche hat, ist das eine Auszeichnung, kein Grund, den Pullover im hintersten Winkel des Kleiderschranks zu verstecken. Neu ist immer gut, am liebsten jeden Tag, vom grossen Bruder nachtragen lieber nicht. Dann schon eher die vom kleinen Bruder verschmähten Stücke. Vor allem die gestreifte Kapuzenjacke, die Komplimente anzieht wie ein Magnet.

Rot, neu und einzigartig muss es für den FeuerwehrRitterRömerPiraten sein. Wenn das nicht zu haben ist, dann eben das Gegenteil: abgetragen, ausgefranst und zahnpastabefleckt. Dazu ein trauriges Gesicht, denn der ungepflegte Aufzug ist ein Statement. „Nie bekomme ich etwas Neues. Den anderen bringst du immer schöne Sachen nach Hause, nur mir nicht.“ Das Statement lässt sich mit einem kurzen Wühlen im Wäscheberg leicht widerlegen. Sind die zu Tage beförderten Kleidungsstücke sauber, strahlt einen bald schon ein wie aus dem Ei gepellter Zweitklässler an. Müssen die schönen Sachen zuerst in die Waschmaschine, bleibt das traurige Gesicht. Und wer ist Schuld daran, dass der Wäscheberg den Weg in die Waschmaschine nicht von selbst gefunden hat?

Luises Schrank ist vollgestopft mit Geblümtem, Gerüschtem und Romantischem. Wunderschöne Sachen, die sie unbedingt haben wollte. Sachen, die nicht für den Alltag gedacht sind, auch wenn Luise beim Kauf hoch und heilig versprochen hat, sie zu tragen. Dafür alle drei Tage das gleiche Drama, weil die einzige für den Schulgebrauch zugelassene Kluft in der Wäsche ist. Das Gremium, welches über die Schultauglichkeit der Kleidung befindet, nennt sich „die anderen“ und ist äusserst gnadenlos. Die Höchststrafe nennt sich „Auslachen“ und wird offenbar immer dann angewendet, wenn Luise – oder ein anderes Mädchen – das trägt, was ihr wirklich gefällt.

Für Karlsson ist alles ganz einfach: Bei Temperaturen unter dreissig Grad trägt man Hemd, Krawatte und Jackett, bei Temperaturen über dreissig Grad knielange Hose – vorzugsweise kariert – und unifarbenes T-Shirt. Daran wird nicht gerüttelt. Versucht man es trotzdem, stösst man im besten Fall auf wenig Verständnis, im schlimmsten Fall fliegt die Zimmertür ins Schloss. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, ausser vielleicht dies, dass Karlsson auf unerklärliche Weise immer mal wieder die sauberen Kleider ausgehen. Oft tauchen sie erst wieder auf, nachdem sich „Meiner“ Zugang zu Karlssons Zimmer verschafft hat, um den Wäscheberg aus der Gewalt unseres Ältesten zu befreien.

Sämtliche dieser Kleidervorschriften sind von der Mutter unbedingt zu berücksichtigen und zwar innerhalb der ersten dreissig Minuten des Tages. Wie, hat da jemand gefragt, warum ich selber jeweils kurz vor Mittag noch immer im Pyjama anzutreffen bin?

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Endlich redet mal einer

Vor acht Jahren:
Mama: „Karlsson, wie war es denn in der Spielgruppe?“
Karlsson: „Weiss nicht.“
Mama: „War es schön?“
Karlsson: „Weiss nicht.“
Mama: „Was habt ihr denn gemacht?“
Karlsson: „Alles.“
Mama: „Was denn alles?“
Karlsson: „Weiss nicht.“

Vor vier Jahren:
Mama: „FeuerwehrRitterRömerPirat, wie war es denn in der Spielgruppe?“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Schön.“
Mama: „Was habt ihr denn gemacht?“
FRRP: „Weiss nicht.“
Mama: „Habt ihr eine Geschichte gehört?“
FRRP: „Ja“
Mama: „Welche denn?“
FRRP: „Weiss nicht.“
Mama: „Was habt ihr sonst noch gemacht?“
FRRP: „Weiss nicht.“

Vor zwei Jahren:
Mama: „Zoowärter, wie war es denn in der Spielgruppe?
Zoowärter: „Weiss nicht.“
Mama: „Hat es dir gefallen?“
Zoowärter: „Ja.“
Mama: „Was habt ihr denn gemacht?“
Zoowärter: „Alles.“
Mama: „Was hat dir denn am besten gefallen.“
Zoowärter: „Weiss nicht. Alles.“

Heute:
Mama: „Prinzchen, wie war es denn in der Spielgruppe.“
Prinzchen: „Toll. Wir haben gesungen, eine Geschichte gehört, Znüni gegessen, Wasser getrunken und gespielt.“
Mama: „Hat es dir gefallen?“
Prinzchen: „Ja, aber wir haben kein Feuer gemacht. Machen wir nächstes Mal ein Feuer?“
Mama: „Ich weiss es nicht.“

Okay, ich weiss, ein Kind fehlt. Aber ihr glaubt doch nicht etwa, ich könnte mich nach all den Jahren noch an die vielen Details aus Luises Spielgruppenberichten erinnern?

Unaufhaltsam

Nein, ich freue mich nicht auf den 12. August 2013. Ja, ich weiss, ich sollte mich darauf freuen, denn das Prinzchen wird dann seinen ersten Kindergartentag haben, der Zoowärter seinen ersten Schultag. „Stell dir mal vor, wie viele Freiheiten du dann haben wirst“, sagen die Mütter, die schon länger keine kleinen Kinder mehr zu Hause haben. Und ich versuche ernsthaft, mir vorzustellen, wie schön das sein wird. Das Dumme ist nur, dass es mir nicht so richtig gelingen will.

Nein, ich habe keine Angst, ich wüsste nichts mit meiner Zeit anzufangen. Mir wird ganz bestimmt nicht langweilig. Es ist nur so, dass ich die Freiheit mit nur einem Kind im Haus so sehr geniesse. Wie schön, wenn man mal für ein Kind alle Zeit der Welt hat, wenn man ganz spontan in die Stadt fahren kann, weil man nicht eine ganze Herde zusammentreiben muss.

Ich habe übrigens auch kein Problem damit, dass unsere Kinder grösser werden. Nun ja, zumindest kein grosses Problem. Mein Problem ist, dass da keiner mehr nachkommt, wenn alle mal draussen sind. Kein kleiner Mensch mehr, der mich mit Fragen löchert, der voller Stolz den viel zu grossen Kochlöffel schwingt, der mich mit dem Wunsch, eine Geschichte erzählt zu bekommen, von meinen Pflichten abhält.

So wird das sein in einem Jahr und davor graut mir schon heute. Verhindern kann ich es dennoch nicht und so bleibt mir nichts anderes übrig, als der kleine Rest an Kleinkinderzeit, der mir noch bleibt, zu geniessen. Mal sehen, ob ich das schaffe…

 

Bilanz nach vier Tagen Strasbourg

  • Strasbourg ist wunderschön.
  • In Frankreich gibt es eine überwältigende Auswahl an unglaublich coolen,  schönen und sinnvollen Küchengadgets.
  • Auch wenn mir der Konsumwahn immer mehr zu schaffen macht,  wenn ich eine überwältigende Auswahl an unglaublich coolen,  schönen und sinnvollen Küchengadgets vor mir habe,  bringe ich es nicht fertig,  zu widerstehen.
  • Wenn der Euro für uns Schweizer so billig zu haben ist,  ist das seeeeeehr gefährlich für unser Familienbudget.
  • Unsere Kinder mögen kein Pain au Chocolat. Als ich in ihrem Alter war,  hätte ich für einen Bissen Pain au Chocolat mein letztes Hemd hergegeben. 
  • Die Franzosen mögen unsere Kinder nicht. Ob das damit zusammenhängt,  dass unsere Kinder kein Pain au Chocolat mögen,  oder ob es für diese Abneigung einen anderen Grund gibt,  weiss ich nicht. Tatsache ist,  dass unsere Kinder noch nie so oft vollkommen grundlos von wildfremden Personen ermahnt worden sind. Für grundlose Ermahnungen sind gewöhnlich wir Eltern zuständig und ich bin zutiefst beleidigt,  wenn ein anderer meine Aufgabe an sich reisst. Zumal die Ermahnungen wirklich grundlos waren.
  • Muss das Prinzchen ein paar Tage ohne seine Milch auskommen,  isst er plötzlich mit grossem Genuss Chicken Korma,  Madras Reis,  Samosas,  Mint Raita und sogar rohe Tomaten. Ich Rabenmutter hatte stets behauptet,  das Kind sei heikel,  dabei war es einfach pappsatt von der vielen Milch,  die es gewöhnlich in sich hineinschüttet. 
  • Luise gefällt es in Prag besser als in Strasbourg. Hat sie mir nur ca. 127 mal gesagt in diesen vier Tagen.
  • Babybel gibt es in verschiedenen Farben,  die für verschiedene Geschmacksrichtungen stehen. Während der Farbunterschied relativ einfach festzustellen ist,  versuche ich weiterhin herauszufinden,  wo sich der Geschmacksunterschied versteckt hat.
  • Während es die Franzosen problemlos fertigbringen,  bequeme Zugabteile für acht Personen zu bauen,  bringt die Deutsche Bahn auf einer ähnlich grossen Fläche gerade mal sechs Personen unter. 
  • Der Zoowärter scheint ein Ohr für die Französische Sprache zu haben. 
  • Karlsson und Luise scheinen derzeit ein Ohr für all jene Wörter zu haben,  die in ihrem Wortschatz nichts verloren haben. 
  • Egal wie perfekt ein Hotel sein mag,  auf TripAdvisor findet sich immer einer,  der eine schlechte Bewertung abgibt. Vielleicht,  weil ihm die Farbe des Teppichs nicht gepasst hat,  oder weil die Blumen an der Reception etwas welk waren. Hauptsache,  man kann sich über etwas beklagen.
  • Wenn ich „Meinem“ lange genug nichts schenke,  dann freut er sich auch, wenn er von mir einen Regenschirm bekommt. Nun gut,  der Regenschirm war ein Designstück…
  • Wenn man mit einer Europa-Fahne im Gepäck in die Schweiz reist,  lassen sie einen dennoch über die Grenze. Der FeuerwehrRitterRömerPirat hat’s getestet. Es gibt keinen Detektor,  der das Reisegepäck nach Europäischer Propaganda durchleuchtet.
  • Egal,  ob man lange oder kurz weg war,  wieder nach Hause zu kommen ist jedes Mal gleich schwierig.