Betrugssimulator

Ich war blauäugig, das gebe ich offen zu. In einem Bereich, in dem ich gewöhnlich skeptisch bin, habe ich mich blind auf das Urteil anderer verlassen und den grossen Kindern etwas erlaubt, was ich nun wieder rückgängig machen muss. Ja, es war falsch, nicht auf die Alterslimite zu achten. Ich habe einfach darauf vertraut, dass unseren Kindern nicht schaden kann, was für andere, mir äusserst sympathische Kinder, okay ist. Ganz klar, ich habe meine Aufsichtspflicht nicht so wahrgenommen, wie ich dies von mir erwarten würde. Immerhin aber habe ich das Spiel gespielt, um zu wissen, was unsere zwei Ältesten so in Bann zieht.

Tja, und dann war ich schockiert. Da wird hemmungslos herumgezickt, dreingeschlagen, angemacht und betrogen. Die Figur im Spiel ist bereits liiert? Na und, man kann’s ja trotzdem mal versuchen. Wenn die Partnerin etwas dagegen hat, kann man sie zur Not ja demütigen und verprügeln. Je mehr du betrügst, den Arbeitgeber bestiehlst und Mülltonnen umwirfst, umso grösser ist das Wohlbefinden deines Alter Ego. Klar, du kannst auch brav und strebsam sein, kannst auf ganz seriösem Weg Karriere machen, aber dann dauert es nicht allzu lange, bis der Computer dich daran erinnert, dein Alter Ego langweile sich. Um dies zu verhindern, könnte man ja vielleicht versuchen, drei Affären gleichzeitig am Laufen zu haben. Wo man schon dabei sei, könne man noch kurz ins Nachbarhaus eindringen, den Kühlschrank plündern und die Dusche benutzen. Und wie wär’s wenn man mal versuchte, mit allen Stadtbewohnern gleichzeitig zerstritten zu sein? Falls du die Mittelalterversion des Spiels wählst, kannst du auch mal mit einer rostigen Axt einen Hühnerdieb umlegen. Einfach so, weil er es ja nicht besser verdient hat. Das alles unter dem Hinweis, Gewalt und sexuelle Inhalte seien nur „schwach ausgeprägt/angedeutet“.

Ja, ich war naiv und habe vorher nicht gut genug kontrolliert, ob es okay ist, wenn Luise das Spiel spielt, das Gleichaltrige mit dem Segen ihrer Eltern auch spielen. Darum werde ich mich jetzt unbeliebt machen müssen, ich werde zurückrudern und es nachträglich verbieten müssen. Laut Altersfreigabe sollte aber zumindest Karlsson nicht mehr um meine Erlaubnis bitten müssen. Ich werde ihm dennoch erklären müssen, warum ich es nicht goutiere, wenn er am Betrugssimulator trainiert.

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Pause! Ruhe! Jeder für sich!

Es mag vorkommen, dass jemand an unserem Haus vorbeigeht und lautes, mehrstimmiges Geheule hört. Wenn der Passant so tickt, wie die meisten Erwachsenen hierzulande, wird er denken, dass hier wohl ganz grausame, ungerechte Eltern wohnen, die ihre Kinder hungern lassen und ihnen die Ohren lang ziehen. Dies zumindest stelle ich mir vor, wenn mal wieder alle zusammen wehklagen, als hätte man sie geschlagen und ihnen für die kommenden zwei Jahre sowohl Taschengeld als auch Dessert gestrichen. 

Ich möchte ja nicht behaupten, „Meiner“ und ich seien unfehlbar; selbstverständlich gibt es hin und wieder mal Tränen, weil wir eine Situation falsch eingeschätzt und darum den Falschen zurechtgewiesen haben. Manchmal sind wir auch schlecht gelaunt und werden deshalb schneller laut, als eigentlich angebracht wäre. In den meisten Fällen aber, wenn mal wieder das mehrstimmige Geheule einsetzt, haben die Kinder einfach zu viele Stoppsignale übersehen. 

Ein Beispiel gefällig? Da verkünden „Meiner“ und ich nach dem Mittagessen für alle vernehmlich, wir würden einen Mittagsschlaf halten und wollten nicht gestört werden. Eine halbe Stunde, mehr nicht und für jene, die noch nicht wissen, was eine halbe Stunde ist, stellen wir den Wecker. Die Kinder sollen derweilen auch eine Pause machen und zwar jeder für sich. Eine eindeutige Ansage, nicht wahr?

Der FeuerwehrRitterRömerPirat hat sie offenbar trotzdem nicht verstanden, denn kaum haben wir uns hingelegt, steht er mit der Trompete im Schlafzimmer. Freundlich, aber bestimmt machen wir klar, dass wir jetzt kein Ständchen wünschen. Fünf Minuten später ist er wieder da, diesmal mit einem Asterix-Band, in dem er einen besonders amüsanten Witz entdeckt hat. Nur noch halb so freundlich, dafür umso bestimmter erinnern wir ihn an unsere Pause. Augenblicke später heult im Wohnzimmer einer, bald rennen der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter aufgebracht im Zimmer. Der eine will Knete haben, der andere rückt sie nicht heraus und wir sollen schlichten. Wir wollen aber nicht schlichten, weil die zwei den Auftrag bekommen hatten, getrennt Pause zu machen. Also noch einmal die klare Ansage: Pause! Ruhe! Jeder für sich! 

Kaum haben die Streithähne das Zimmer verlassen, erscheint Luise. Sie will nur mal kurz Bescheid geben, dass ihre Wachteln – Überlebende eines Marderangriffes, denen ich in meinem Büro Asyl gewährt habe – wohlauf sind. „Meiner“ gibt im Gegenzug Bescheid, dass wir nicht wohlauf sind, weil die vereinbarte Pausenzeit bald um ist und wir noch kein Auge zugetan haben. Eingeschnappt zieht Luise sich zurück, macht Platz für den Zoowärter, der bestätigt haben will, dass sein Pinguin, den er geknetet hat, unversehrt bleiben darf, auch wenn wir gesagt haben, er müsse dem FeuerwehrRitterRömerPiraten etwas von der Knete abgeben. Wir knurren unser Einverständnis. Jetzt bloss nicht explodieren… Bloss wie, wenn jetzt das Prinzchen heulend angerannt kommt, weil Zoowärter und FeuerwehrRitterRömerPirat ihn gepiesackt haben? Wie soll man ein Donnerwetter zurückhalten, wenn eine klar gezogene Grenze innerhalb von weniger als dreissig Minuten mehrmals überschritten wird?

Tja, und dann heulen sie eben mehrstimmig und wir, die wir eigentlich eingeschnappt sein müssten, sind mal wieder die Bösen. Und keiner, der an unserem Haus vorbeigeht und das Heulen hört, denkt sich, wie unfair diese Kinder doch zu ihren Eltern sein können…

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Grenzkonflikt

Acht Kinder streiten sich darum, wer ein Küchlein mit Hütchen haben darf und wer auf das Hütchen verzichten muss. 

Elf Kinder schwirren durchs Haus und auch immer mal wieder mit Bitten und Wünschen um mich herum.

Zwei Frauen warten geduldig auf den Kaffee, den ich ihnen versprochen habe.

Ein Anrufer aus Deutschland will wissen, ob wir mit Absicht zwei Ferienhäuser in Schweden gemietet haben, oder ob es nur eines hätte sein sollen. 

Ein Lieferant steht an der Haustüre und wartet darauf, bis ich Zeit habe, ihm zu zeigen, wo der Heizkessel ist, in den er die Pellets einfüllen soll.

Der „andere“ hat mal wieder Popcorn und Wasser auf dem Fussboden verteilt und sich dann aus dem Staub gemacht.

„Meiner“ möchte mir jetzt auf der Stelle mitteilen, dass ich bei der Tagesplanung ziemlich versagt habe.

Eine dringend benötigte Stricknadel ist unauffindbar. Der dringend benötigte Kaffeelöffel ebenfalls. 

Textfetzen schwirren durch meinen Kopf und ich habe weder Zeit, sie niederzuschreiben, noch Notizen zu machen, damit sie nicht vergessen gehen.

Der Spülkasten hat einen Flick weg.

Die Frau von der Versicherung möchte „Meinen“ sprechen.

Zwei Jungs machen im Garten ein Feuer, obschon ich es verboten habe. Woher hätte ich wissen sollen, dass „Meiner“ es bereits erlaubt hat?

Nachdem er in den vergangenen Tagen bereits durch eine miserable Arbeitshaltung aufgefallen war, macht der Besen nun vollends schlapp.

Sturm und Kinder sorgen dafür, dass stets ein frisches Lüftchen durch die Wohnung weht.

Zwei Mädchen langweilen sich.

Ein Junge wird ausgeschlossen.

„Meiner“ möchte mit mir darüber lachen, dass die Dame am Bahnschalter doch tatsächlich geglaubt hat, wir würden uns durch drei Zugwaggons von unseren Kindern trennen lassen, wenn wir im Sommer in die Ferien fahren. Leider wird seine Erzählung so oft unterbrochen, dass wir am Ende nicht lachen sondern „Ruhe jetzt!“ brüllen. 

Ich ärgere mich abends über meine Anpassungsfähigkeit. Menschen, die brav alles planen und immer schön klare Grenzen ziehen werden bestimmt nie von so vielen Seiten gleichzeitig in Anspruch genommen.

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Du merkst, dass deine Kinder gross werden,…

… wenn du beim Überqueren der Strasse wieder darauf achten kannst, nur auf die gelben Streifen zu treten, weil deine Kinder es dir endlich gleichtun können.

… wenn du regelmässig vergisst, Windeln zu kaufen, weil eine Packung inzwischen für mehr als einen Monat reicht.

… wenn du die Verkäuferin verständnislos anschaust, die dich beim gelegentlichen Windelkauf auf die 3 für 2 – Aktion aufmerksam macht.

… wenn du dir vorstellen kannst, mit ihnen eines Tages vielleicht doch noch die Welt ausserhalb Europas zu erkunden.

… wenn du dich in Gegenwart deines Ältesten nur noch hochhackig gross fühlst.

… wenn du die deine Freunde – und ihre Macken – deinen Kindern gegenüber zu verteidigen anfängst.

… wenn du ahnst, dass der Code, den „Deiner“ und du für persönliche Nachrichten bei Tisch anwenden, geknackt ist.

… wenn du sagst: „Nun hab dich doch nicht so. Zu meiner Zeit war es im Gottesdienst viel langweiliger.“

… wenn du dir nicht mehr vorstellen kannst, dass diese Riesen einmal in deinem Bauch Platz hatten.

… wenn sie für ihre (ausserhäuslichen) Verpflichtungen mehr Disziplin an den Tag legen als du für deine (innerhäuslichen).

… wenn man zu dir sagt: „Weisst du, eigentlich brauche ich gar kein Schlaflied mehr, aber wenn du unbedingt eins singen willst, dann ist das okay.“

… wenn du die „NZZ am Sonntag“ mit zwei Familienmitgliedern teilen musst.

… wenn du dich fragst, ob du ihnen irgendwann den Code deiner Bankkarte anvertrauen wirst.

… wenn du beim Wäschefalten nicht mehr sicher bist, ob die Hose deinem Mann oder deinem Sohn gehört.

… wenn du neugeborene Eltern mit einer Mischung aus Nostalgie und Mitleid ansiehst.

… wenn der Schrei eines Neugeborenen bei dir ein verklärtes Lächeln und bei „Deinem“ ein aus tiefstem Herzen kommendes „Gott sei Dank haben wir das hinter uns“ auslöst.

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Himmeltraurig

Über die Gräuel von Massentierhaltung und europaweiten Tiertransporten weiss in der Schweiz jedes Kind Bescheid, die Krippenhaltung von kleinen unschuldigen Kindern aber ist nach wie vor ein Tabuthema. Hätten wir die SVP nicht, wir hätten nie erfahren, wie unsere armen Kleinen in den Betreuungseinrichtungen gehalten werden: Halbnackt, mit Ohrmarke und Strichcode versehen hinter dicken Mauern und Gitterstäben. So müssen die verängstigten Knöpfe Tag um Tag ausharren, währenddem ihre geldgierigen, vom Ehrgeiz zerfressenen Mütter die Karriereleiter hochklettern, die doch eigentlich den Vätern vorbehalten wäre.

Heute, so erklärt uns die SVP, ist es den Eltern noch freigestellt, ob ihre Kinder in Krippenhaltung zu uniformen, vom Staat abhängigen Marionetten genormt werden, oder ob sie in freier Wildbahn zu heldenhaften, starken Eidgenossen, die sich vom Staat nichts vorschreiben lassen, heranwachsen dürfen. Wehe aber, wenn das Stimmvolk am 3. März den Familienartikel annimmt! Dann ist es vorbei mit den Freiland-Kindern, dann wird es nur noch Batteriekinder geben. Arme, von ihren Eltern verstossene Geschöpfe, die kaum je die Sonne sehen, für die Liebe und Geborgenheit Fremdwörter sind. Vermutlich werden die Kinder, die von ihren renitenten Eltern zu Hause behalten werden, frühmorgens von der Polizei abgeholt und in die Einrichtung gebracht, wo sie zu braven „Staatskindern“ erzogen werden.

Und wisst ihr, was das Schlimmste an der Sache ist? In diesen Einrichtungen werden die wehrlosen Kleinen einer Gehirnwäsche unterzogen. Das weiss ich nicht von der SVP, das habe ich selber herausgefunden. Sämtliche Krippenkinder in meinem Umfeld bestreiten nämlich vehement, dass sie an den Tagen, die sie ausser Hause verbringen, ein himmeltrauriges Dasein hinter Gittern fristen. Ja, einige von ihnen behaupten gar, sie könnten es absolut nicht verstehen, dass ihre Mamas und Papas sie nicht jeden Tag dorthin bringen.

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Bloss kein Stress…

Mag sein, dass andere Mütter unter Druck geraten, wenn sie sehen, wie die Freunde ihrer Kinder Geburtstagsparties feiern. Ich lasse mich dadurch nicht stressen, denn die Auseinandersetzung mit meinem Alten Ich, das mit Übereifer Kindergeburtstagsparties organisierte, reicht vollauf, um mir ein schlechtes Gewissen zu machen:

Ende Dezember 2012:

Altes Ich: „In einem Monat hat der Zoowärter Geburtstag. Du solltest allmählich an die Planung denken. Wann willst du denn überhaupt seine Kindergartenfreunde einladen?
Ich: Was soll der ganze Stress? Jetzt haben wir eben erst Weihnachten hinter uns gebracht und du redest schon wieder von Geburtstag. Das hat noch Zeit…
Altes Ich: „Von wegen! Eigentlich solltest du mit den Plänen für den Zoowärter-Geburtstag bereits fertig sein und dich um Luises Party im März kümmern, aber weil du ja immer alles auf dem letzten Drücker machst, habe ich dich damit noch nicht belästigt.“
Ich: „Ich empfinde aber schon das mit dem Zoowärter-Geburtstag als Belästigung, also lass mich bitte noch ein paar Wochen in Ruhe damit.“
Altes Ich: „Wie du willst. Aber glaube bloss nicht, ich würde dir aus der Patsche helfen, wenn alles schief läuft, weil du zu spät angefangen hast…“

Anfang Januar 2013:

Altes Ich: „Hast du die Einladungen geschrieben?“
Ich: „Welche Einladungen?“
Altes Ich: „Na, welche wohl? Die für Zoowärters Geburtstagsparty.“
Ich: „Die Party steigt erst Ende Monat, das eilt noch nicht.“
Altes Ich: „Von wegen das eilt nicht. Weisst du eigentlich, wie vielbeschäftigt die heutigen Kindergartenkinder sind? Du willst doch nicht etwa, dass dein Sohn alleine feiern muss, weil alle ihren Terminkalender bereits voll haben.“
Ich: „In zwei Wochen mache ich die Einladungen, versprochen.“
Altes Ich: „Bist du wahnsinnig? Dann ist es längst zu spät. Früher, bei Karlsson und Luise warst du immer zeitig dran.“

20. Januar, Zoowärters Geburtstag:

Altes Ich: „Okay, mir ist klar, dass die Kinder nicht heute zu Besuch kommen, es ist ja Sonntag. Aber hast du das Fest am 31. bereits geplant, sind die Einladungen raus?“
Ich: „Morgen bringt der Zoowärter die Einladungen in den Kindergarten, ganz bestimmt. Ich mache sie heute Abend.“
Altes Ich: „Wundere dich bloss nicht, wenn lauter Absagen kommen. Die Party soll ja schon in zehn Tagen stattfinden.“

25. Januar:

Altes Ich: „Was macht ihr denn am 31. mit den Kindern?“
Ich: „Na ja, irgend etwas wird uns schon einfallen. Etwas mit Rittern und Prinzessinnen…“
Altes Ich: „Ich fasse es nicht! Weisst du noch, wie ihr damals für Karlsson eine Turnhalle gemietet habt? Und die tollen Bastelsachen, die du jeweils für Luises Fest eingekauft hast, weil die alle so gerne kreativ waren…“
Ich: „Ja, ich erinnere mich, das war toll. Aber du hast bestimmt nicht vergessen, wie die Kinder jeweils gemotzt haben, weil sie lieber frei spielen wollten, als unser Programm mitzumachen.“
Altes Ich: „Also daran kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Dafür werde ich Fräulein Bock nie vergessen.“
Ich: „Fräulein Bock?“
Altes Ich: „Ja, Fräulein Bock, an Karlssons zweiter Party. Du mit der Schürze, Bergen von Fleischbällchen und Zimtwecken, Karlsson mit einem Kartonpropeller auf dem Rücken, die Kinderschar, die versuchen musste, Fleischbällchen und Zimtwecken zu stehlen. Das war ein Spass…“
Ich: „Stimmt, das war ein Spass. Aber dazu bin ich inzwischen einfach zu müde. Und der Zoowärter kennt auch die Karlsson-Geschichte zu wenig….“
Altes Ich: „Oh ja, die kennt er zu wenig und wessen Schuld ist das? Früher hast du dir noch richtig Mühe gegeben, aber heute…“
Ich: „Heute gebe ich mir auch noch Mühe, ich singe einfach mehr und erzähle etwas weniger Geschichten.“
Altes Ich: „Früher hättest du beides gemacht, gesungen und erzählt und das am gleichen Abend.“
Ich: „Früher hatte ich ja auch noch keine Teenager, die nach Feierabend Hilfe bei den Hausaufgaben brauchten. Dafür habe ich tagsüber mehr Zeit für die Kleinen.“
Altes Ich: „Mich dünkt, wir kommen etwas vom Thema ab, obschon wir uns dringend mal darüber unterhalten sollten, wie sehr deine Einsatzbereitschaft nachgelassen hat. Aber Zoowärters Geburtstag hat jetzt Priorität und da du, wie mir scheint, noch überhaupt keine Vorbereitungen getroffen hast, nehme ich das jetzt an die Hand. Also, her mit dem Laptop. Wir besorgen jetzt Deko, Servietten und Kartonteller. Aber die Schönsten, wenn ich bitten darf. Der Zoowärter soll nur das Beste bekommen, wo seine Mama schon zu faul ist, dasFräulein Bock zu machen.“
Ich: „Einverstanden, obschon ich noch einmal klar und deutlich festhalten möchte, dass ich nicht faul geworden bin, sondern realistisch.“
Altes Ich: „Ich ziehe es vor, diese letzte Bemerkung zu ignorieren. Also, lass mal sehen, diese Ritterteller hier sind wirklich cool und die Teekannen für die Mädchen, die der Zoowärter eingeladen hat…“

Gestern:

Altes Ich: „Ich hoffe doch sehr, du hast für morgen alles vorbereitet.“
Ich: „Ja, das Dekomaterial ist heute eingetroffen, die Süssigkeiten sind gekauft, den Kuchen mache ich dann morgen früh und den Rest werden wir ja sehen.“
Altes Ich: „Ich hoffe doch sehr, dass ich mich verhört habe.“
Ich: „Nein, hast du nicht. ‚Meiner‘ und ich haben beschlossen, das Programm morgen zu besprechen.“
Altes Ich: „Das ist ja wohl die Höhe! Bei Karlsson musste ich dich jeweils davon abhalten, den Tagesplan am Computer zu erstellen und heute weisst du noch nicht mal, was ihr morgen machen werdet.“
Ich: „Nun ja, in groben Zügen ist das Programm natürlich schon geplant. Wir werden Geschenke auspacken und Kuchen essen.“
Altes Ich: „Ich bin tief beeindruckt, dass dir zumindest schon die obligatorischen Programmpunkte bekannt sind.“
Ich: „Siehst du, so schlecht sind wir gar nicht dran.“

Heute, 10:00 Uhr:

Altes Ich: „Und, darf ich jetzt den Tagesplan sehen?“
Ich: „Nun ja, ich habe gedacht, dass ich jetzt dann gleich mit dem Kuchen anfange…“
Altes Ich: „Wie, der ist noch nicht gebacken? Und das Programm?“
Ich: „Nachher setze ich mich dann mit ‚Meinem‘ hin, um die Details anzuschauen.“
Altes Ich: „Nachher? Wann nachher?“
Ich: „Wir werden sehen…“

Mittag:

Altes Ich: „Programm, aber sofort!“
Ich: Zuerst Geschenke, dann Smoothie mixen, Geschichte erzählen, Schatzsuche, Basteln, Kuchen essen, freies Spielen, noch einmal Geschichte erzählen dann Schluss.
Altes Ich: „Auf den ersten Blick ganz beeindruckend, aber kommen wir zu den Details: Welche Geschichte denn?“
Ich: „Nun ja, etwas mit Rittern. Suche ich dann nach dem Mittagsschlaf aus. Wir haben ja viele Bücher…“
Altes Ich: „Beschämend. Was kommt in den Smoothie?“
Ich: „Nun ja, ich habe Beeren aufgetaut und dann haben wir noch Blaubeersaft, den Rest werden wir dann sehen…“
Altes Ich: „Noch einmal beschämend. Wie steht’s mit dem Schatz?“
Ich: „Wir suchen dann noch die Kiste nach dem Mittagessen. Ich glaube, Prinzchen weiss, wo sie ist…“
Altes ich: „Und die Bastelarbeit?“
Ich: „‚Meiner‘ und ich sind uns noch nicht ganz einig. Er will Fensterbilder, ich möchte Tischsets. Klar aber ist, dass wir laminieren werden.“
Altes Ich: „Na dann, viel Glück bei der Party…“

18 Uhr:

Altes Ich: „Und, wie war die Party?“
Ich: „Sehr friedlich. Wir hatten wirklich viel Spass.“
Altes Ich: „Nur ihr, oder auch die Kinder?“
Ich: „Nun, soweit ich es beurteilen kann, hatten die Kinder viel Spass. Zumindest gab es nie Streit und gemotzt hat auch keiner. Weisst du noch, wie das jeweils bei Luises Parties war und einmal, als beim FeuerwehrRitterRömerPiraten keiner Kuchen haben wollte, weil er Kokosraspel im Teig hatte?“
Altes Ich: „Du meinst, es gab keine solchen Vorfälle?“
Ich: „Nicht einen einzigen. Es war einfach nur schön und ich glaube, es hat allen ganz gut gefallen.“
Altes Ich: „Kein Chaos, weil ihr so schlecht vorbereitet wart?“
Ich: „Nein, kein Chaos. Alles klappte wie am Schnürchen.“
Altes Ich: „Keine Tränen?“
Ich: „Keine Tränen.“
Altes Ich: „Keine Langeweile?“
Ich: „Nein, keine Langeweile. Ausser bei ‚Meinem‘ und bei mir, weil die Kinder so brav waren, dass wir kaum gebraucht wurden.“
Altes Ich: „Nahezu beeindruckend, dass man mit solch schlampiger Organisation ein solches Fest zustande bringt. Aber ich nehme an, das liegt nur an den Kindern. Sie sind vermutlich ausserordentlich wohlerzogen.“

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Dreisamkeit

Zugegeben, im ersten Moment hätte ich laut aufschreien können vor lauter Enttäuschung. Drei Wochen lang hatten wir uns auf diesen Montag gefreut, auf unseren Montag. Eine kleine Entschädigung für die drei Tage in Bonn, die wegen des Spitalaufenthalts von „Meinem“ ins Wasser gefallen waren. Kostbare Zeit zu zweit, ohne nur eine einzige Programmänderung vornehmen zu müssen. 

Und dann wird Zoowärters Kindergärtnerin krank. Natürlich habe ich Mitleid mit der Frau, aber ich bemitleide auch mich selbst. Warum kommt jedes Mal etwas dazwischen, wenn „Meiner“ und ich etwas für unsere Beziehung tun wollen? „Meiner“ reagiert zuerst einmal ganz ähnlich. „Dann blasen wir das Ganze eben ab, räumen wir halt morgen die Wohnung auf, anstatt den Tag zu geniessen“, ist sein erster Kommentar, als ich ihm mitteile, dass nichts wird aus unseren Plänen. Ob wir versuchen sollen, ganz kurzfristig einen Babysitter zu finden?

Doch dann fällt uns der Zoowärter ein. Wann haben wir denn schon die Möglichkeit, uns voll und ganz diesem einen Kind zu widmen, das mit seinem verträumten Wesen im Trubel allzu oft zu kurz kommt? Zeit zu zweit bekommen wir nicht, aber Zeit zu dritt ist ebenso kostbar und fast ebenso rar. Also weg mit dem Frust, her mit einem neuen Plan. 

Es wird nicht der Tag, den wir uns erträumt hatten, rundum gelungen ist er dennoch. Weil es einfach schön ist, mit dem Zoowärter Zeit zu verbringen. Weil wir alles ganz gemächlich angehen können, da der Zoowärter auch ohne grosse Action glücklich ist. Weil sich zwischen „Meinem“ und mir erstaunlich tiefgründige Gespräche entspinnen. Weil der Zoowärter so dankbar ist für das rare Geschenk der Dreisamkeit, dass er mich abends mit ganz viel Hilfe beim Kochen beschenkt. Weil wir den Tag nicht mit Selbstmitleid und Aufräumen vergeudet haben.

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Studienfach Kinderkriegen

Die einen Ökonomen rechnen dir vor, wie verantwortungslos und egoistisch es sei, auf Kinder zu verzichten, weil ohne Kindernachschub der Generationenvertrag und im Endeffekt gar der soziale Friede gefährdet würden. Die anderen Ökonomen rechnen dir vor, dass sich Kinder überhaupt nicht rechnen, weder für dich persönlich noch für die Wirtschaft und dass sie deswegen die schlechteste Investition überhaupt seien. 

Radikale Umweltschützer weisen voller Zorn auf die Überbevölkerung hin, wenn du es wagst, nur schon laut übers Kinderhaben nachzudenken. „Unnötige Umweltbelastung!“, zetern sie, „purer Egoismus! Alleine schon die Windelberge, die jedes einzelne Kind produziert…“

Die eine Studie belegt dir, dass du eine bessere Mutter sein wirst, wenn du zuerst die Welt gesehen, Karriere gemacht, dein Haus fertig eingerichtet und mindestens vier verschiedene Partner gehabt hast. Fortpflanzung also frühestens mit 38. Die nächste Studie belegt dir, dass du am besten gleich an deinem 18. Geburtstag mit dem erstbesten ins Bett hüpfst, vier Kinder zeugst und dann irgendwann, wenn dein Jüngstes 14 ist, karrieremässig voll durchstartest. 

Mal verdonnern dich die Erziehungswissenschafter dazu, mindestens drei Kinder im Altersabstand von zehn Monaten zu haben, die du alle in deinen eigenen vier Wänden grossziehst und bis zum fünften Geburtstag voll stillst. Dann wieder darf es nicht mehr als eines sein, selbstverständlich voll und ganz in der Krippe aufgezogen, weil alles andere schädlich und verantwortungslos wäre.

Ohne die Wissenschaft als Ganzes verteufeln zu wollen, muss ich das jetzt einfach mal loswerden: Hört endlich damit auf, das Kinderkriegen als Studienfach – irgendwo, hoch oben in einem Elfenbeinturm, weitab vom Kinderzimmer – zu betreiben. Hört auf damit, nach dem einzig richtigen, garantiert schmerz- und fehlerfreien Weg zu suchen, denn diesen Weg gibt es nicht. Hört auf damit, Eltern und solche, die es (vielleicht) werden wollen, mit Thesen zu verunsichern, die dann doch nichts mit dem realen Leben zu tun haben. 

Und ihr, die ihr euch mit der Frage herumquält, ob ihr euch nun fortpflanzen sollt oder lieber doch nicht: Wenn ihr bereit seid, nicht nur den Spass und das Herzerwärmende, sondern auch Verantwortung und Konsequenzen für den Rest eures Lebens zu tragen, dann habt Kinder. Ihr werdet es ganz bestimmt nicht bereuen, auch wenn ihr euch vielleicht während der Darmgrippe-Saison zuweilen fragen werdet, warum ihr euch das antut. Wenn ihr dazu nicht bereit seid, dann lasst es lieber bleiben, denn Kinder sind nun mal keine Haustiere, die man zurückgeben kann, wenn man dann doch lieber die Weltumsegelung machen möchte, von der man immer geträumt hat.

Und um Gottes Willen, sucht nicht in irgend einem Blog nach der Antwort auf die für euer Leben absolut entscheidende Frage ob ihr eine Familie gründen sollt oder nicht. Vor allem nicht, wenn euch diese Bloggerin sagt, dass es im Leben nichts Besseres gibt, als mindestens drei Kinder zu haben. Glaubt mir, die Frau spinnt, denn sie sagt dies an einem Tag, an dem sie ihre von Darmgrippe geplagte Familie am liebsten zur Kur auf den Mond schicken würde.

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Warum eigentlich?

Warum wir Kinder haben? Die Frage habe ich mir schon lange nicht mehr gestellt. Heute aber unterhielt ich mich mit einer jungen Frau darüber, ob Frau Kinder haben muss, oder zumindest haben wollen müsste, wenn sie halbwegs normal wäre, und da machte ich mir mal wieder Gedanken darüber.

Warum haben wir uns überhaupt für das Abenteuer mit fünf Kindern entschieden? Weil man halt einfach Kinder hat, wenn man viele Jahre zusammen ist? Weil wir die Verhütung nicht in Griff bekommen konnten? Aus religiöser Überzeugung? Weil wir nicht zum Mainstream – zwei Kinder, Hund, Einfamilienhaus – gehören wollten? Weil Mutterschaft einen zu einem besseren Menschen macht? Weil wir ohne Kinder mit unserer Zeit nichts anzufangen gewusst hätten?

Für „Meinen“ kann ich nicht sprechen, aber bei mir ist wohl der Grund, dass es mich begeistert, mit Menschen unterwegs zu sein. Rückblickend zu erkennen, dass gewisse Charaktereigenschaften eines Kindes bereits bei der Geburt zum Tragen kamen, zu erleben, wie Fähigkeiten zum Erblühen kommen, gemeinsam Wege zu finden, wenn es mal nicht so perfekt läuft. Die Fülle an Charakteren, die erstaunlichen Ähnlichkeiten, die zutage treten, das Unvorhersehbare, überraschende (Un)fähigkeiten, weitergeben, was man im Laufe des Lebens gelernt hat, aber auch einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, dies sind die Dinge, die mich faszinieren, die ich nie hätte missen wollen in meinem Leben. Diese Dinge sind es auch, die mir immer wieder den Antrieb geben, mich aufzuraffen, wenn das Muttersein alles andere als rosig ist.

Und weil mich dieses gemeinsame Unterwegssein so sehr begeistert, habe ich auch zuweilen das Gefühl, fünf Kinder seien noch längst nicht genug, aber das sieht „Meiner“ ganz eindeutig anders als ich.

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Auf die Plätze, fertig….

Der Startschuss in die diesjährige Käfer-Saison ist gefallen. Zu Beginn sah es ganz danach aus, als würde der FeuerwehrRitterRömerPirat allen anderen die Show stehlen. Doch dann entpuppte sich das, was wir als erste Anzeichen einer ausgewachsenen Erkältung ansahen, als Fehlstart. Ein steifer Hals, ein Hauch von Müdigkeit und das war’s dann auch schon. Während sich aller Augen noch auf den FeuerwehrRitterRömerPiraten richteten, machte sich das Prinzchen heimlich in die Startlöcher. Und siehe da, der Jüngste zeigt den anderen, wo es lang geht. Mit Fieber, Triefnase und schlechten Träumen zieht er an allen anderen vorbei. Karlsson, Luise und der Zoowärter, die bisher noch auf den Zuschauerrängen sitzen, reagieren ganz unterschiedlich auf den Erfolg ihres jüngsten Bruders. Während Luise ihn mit „Komm schon, Prinzchen, du schaffst das. Bald bist du am Ziel“, anfeuert, lässt der Zoowärter kein gutes Haar an Prinzchens Auftritt. Zu quengelig, zu nervig, zu wenig lustig. Karlsson hingegen scheint noch gar nicht bemerkt zu haben, dass das Rennen begonnen hat. Sein einziges Ziel ist derzeit ein gelungener Übertritt an die Oberstufe, da hat man keine Zeit für diese läppischen Käfer. Ich hingegen beobachte mit Spannung, was auf der Käfer-Rennbahn abgeht und weil der Wettlauf so viel aufregender ist als das Zuschauen, laufe ich mich schon mal mit Ohrensausen und einem Hauch von Schnupfen warm.

„Meiner“ läuft dieses Jahr ausser Konkurrenz. Es dürfte schwierig sein, mit den gewöhnlichen Feld-Wald-und Wiesenkäfern die gleiche Leistung hinzukriegen wie er. Und ich gehe nicht davon aus, dass ihm einer von uns den Titel als „König der Käfer“ vergönnt.