Werd‘ wieder erwachsen, Mama!

So langsam naht der Tag, an dem ich die letzte Packung „Bimbosan Bio-Milch“ für das Prinzchen kaufen werde. Noch vier Wochen und der Kleine wird ganz gewöhnliche Milch trinken dürfen, wird seinen ersten Geburtstag feiern und dann dauert es gar nicht mehr lange bis zum Stimmbruch. Dabei kommt es mir vor, als wäre es erst ein paar Wochen her gewesen, als ich mit Schrecken auf die zwei Linien auf dem Schwangerschaftstest gestarrt hatte und mich gefragt hatte, wie um alles in der Welt ich es schaffen sollte, ein weiteres Kind zu bekommen. Und jetzt kann ich schon zurückschauen und sagen: Ich habe es geschafft, trotz aller Erschöpfung, trotz aller Überforderung, trotz aller Angst. Ein weiterer wunderbarer Mensch bereichert unsere Familie, zeigt  jeden Tag deutlicher, wie einzigartig er ist, bringt mich zum Lachen und beweist mir, dass es das Grossartigste auf der Welt ist, ein kleines Wesen begleiten zu dürfen, und sei man noch so erschöpft.

Jetzt, wo er grösser und eigenständiger wird, zeigt mir das Prinzchen aber auch, dass es langsam Zeit wird für Mama, den Windeln, den Schoppenflaschen und der Wundschutzsalbe zu entwachsen. Wie oft habe ich mir ausgemalt, wie das dann mal sein wird, so ganz ohne Kinderwagen, ohne weitere geplante Schwangerschaften, ohne ein kleines Wesen, das voll und ganz von mir abhängig ist? Wie oft habe ich von mehr Freiheit geträumt?

Und jetzt, wo dieses Ziel so langsam in Sichtweite kommt, wird mir mulmig. Kann ich das überhaupt noch? Kann ich mich noch frei unter Menschen bewegen, ohne den schützenden Kinderwagen vor mir? Weiss ich noch, welche Regeln in der Welt ohne Kinder gelten.

Okay, durch die Kinder habe ich auch ein ganz neues Selbstbewusstsein gewonnen, ich weiss, dass ich etwas schaffen kann, auch wenn ich zuweilen kaum mehr weiss, woher ich die Kraft nehmen soll. Ich habe auch herausgefunden, was ich von Leben will und was nicht. Doch in den vergangenen neun Jahren hat sich mein Leben pausenlos um Windeln, Schlafliedchen und Babyrasseln gedreht und ich habe vergessen, wie das Leben ohne ist.

Zum Glück wird mir das Prinzchen noch ein wenig Zeit lassen, bevor ich ganz ohne diese Dinge auskommen muss. Am besten wird es wohl sein, wenn ich mich von dem kleinen Kerlchen an die Hand nehmen und mich ganz langsam, Schritt für Schritt aus der Babywelt führen lasse.

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