Dann eben nicht

Noch keine zehn Minuten aus dem Haus, und schon merke ich, dass ich etwas vergessen habe. Das erste Mal in meinem Leben bin ich kinderlos unterwegs zu einem Ort mit Wellness-Oase und was muss ich zu Hause vergessen? Das Badekleid natürlich. Ich hätte ja auch die Haarbürste vergessen können. Oder die Zahnpaste. Oder im schlimmsten Fall auch das Kuschelkissen. Aber doch nicht das Badekleid!

Was tun? Noch einmal nach Hause gehen, kommt nicht in Frage, denn bald kommt Luise von der Schule nach Hause. Es ist ja keineswegs so, dass ich Luise nicht liebend gerne sehe. Aber ich will ihr eine zweite Abschiedsszene ersparen, wo ihr  (und mir) doch die erste schon so sehr zu Herzen gegangen war. Also nehme ich wie geplant den Zug nach Zürich und mache mich dort auf die Suche nach einem Badekleid. Und das mitten im Winter. Nun ja, irgendwie muss man sich das Leben spannend gestalten.

Als Erstes probierte ich es im Sportgeschäft am Hauptbahnhof. Da gibt es, zwischen Skijacken und Schneeschuhen tatsächlich Badekleider. Und zwar Oma-Badekleider, das Stück für nur 179 Franken. Okay, so viel ist mir die Wellness-Oase dann auch wieder nicht Wert. Also auf in die Sadt zu C & A. Dort aber herrscht noch tiefster Winter. So irre ich schon bald durch die Sportabteilung von Manor. Fragen traue ich mich nicht. Ich will ja nicht, dass die mich in die psyhiatrische Klinik einliefern. In einem abgelegenen Winkel werde ich schliesslich fündig. Zwischen überteuerten Adidas-Schwimmanzügen und Speedo-Bikinis finde ich den hässlichsten Bikini, den man je gesehen hat, – braun mit gepolstertem BH und Plastikperlen am Träger, – für nur 14 Franken. Einen Bikini habe ich zum letzten Mal im zarten Alter von vier Jahren getragen. Es gibt sogar noch ein Bild davon. Als Beweis, dass ich schon damals fürchterlich aussah im Bikini.

Doch die Wellness-Oase lockt und deshalb erstehe ich das hässliche Ding. Für drei Tage werde ich wohl einen Bikini tragen können. Es kennt mich ja Keiner hier im Ländli. Und unter den vielen älteren Damen, die in dieser Jahreszeit das Hauptpublikum ausmachen, werde ich trotz meinen Speckröllchen noch jung und knackig aussehen. Besser als ein überteuerter Oma-Anzug oder gar nicht baden ist das hässliche Teil allemal.

So dachte ich, bis ich, kaum in meinem Zimmer angekommen, in das Ding schlüpfte und feststellte, dass das gar kein Bikini ist, sondern einer jener potthässlichen Anzüge, die zwischen Höschen und BH einen jener abscheulichen Streifen haben, die jede Frau, die nicht Topmodelmasse hat, wie einen gestrandeten Wal, der probiert, auf sexy zu machen, aussehen lässt.

Okay, dann bade ich eben doch nicht. Aber es gibt ja hier auch noch eine Sauna.

4 Gedanken zu “Dann eben nicht

  1. Habe auch keine Schere dabei. Hätte wohl doch den ganzen Hausrat mitschleppen sollen… 😉

  2. Das Bild kommt dann, wenn ich wieder zu Hause bin. Habe die Kamera zu Hause vergessen. 😉

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