Wer erleichtert da wem das Leben?

Man hört ja zuweilen die Behauptung, die modernen Haushaltgeräte hätten das Haushalten derart erleichtert, dass Hausfrauen und -männer nur noch auf der faulen Haut liegen und Kaffee trinken könnten. Diese Meinung wird vor allem von älteren Herren vertreten, die der festen Überzeugung sind, dass ihre Mütter noch Unmenschliches geleistet hätten, ihre Frauen schon sehr viel weniger, ihre Töchter fast nichts und ihre Enkelinnen gar nichts mehr. Sie glauben, dass das Leben mit Mixer, Staubsauger, Kaffeemaschine und Mikrowellenofen zu einem reinen Zuckerschlecken geworden sei. Was diese älteren Herren nicht bedenken: Haushaltgeräte leiden an so vielen Gebrechen, dass die moderne Hausfrau alle paar Tage mit ihnen zur Reparatur rennen muss. (Der moderne Hausmann natürlich auch, aber da diese Spezies leider noch immer äusserst rar ist, bleibe ich für den Rest des Textes bei der weiblichen Form.) Immer haben die Dinger etwas zu Jammern, immer einen Grund, weshalb sie ausgerechnet heute ihren Dienst nicht leisten können. Ein Hypochonder rennt weniger häufig zum Arzt als ein Haushaltgerät zur Reperaturwerksatt.

Nehmen wir zum Beispiel unseren Milchschäumer. Nachdem ich mit diesem elenden kleinen Handschäumer Stunden in der Küche verbracht hatte – „Meiner“ und ich mögen Latte Macchiato, die Kinder Kakao Macchiato – entschloss ich mich kurz vor Weihnachten zum Kauf einen jener hübschen elektrischen Milchschäumer. Das Ding schäumte die Milch perfekt und  „Meiner“ und ich hatten Blähungen weil wir so viel Macchiato in uns hinein kippten. Doch sechs Tage später gab es einen Knall und vorbei war’s mit Milchschaum. Also zurück ins Einkaufszentrum, Milchschäumer eingetauscht und wieder Macchiato gekippt. Bis eine Woche später die Drehspirale kaputt war. Zurück ins Einkaufszentrum, neue Spirale bestellt, zwei Wochen auf die Lieferung gewartet, drei Wochen Macchiato gekippt und wieder zurück zum Einkaufszentrum, weil sich das Ding überhitzte und keinen Wank mehr tat. Doch jetzt hatte ich genug. Ich lehnte alle lebensverlängernden Massnahmen für den Milchschäumer ab, liess mir die siebzig Franken zurückerstatten und seither sehne mich nach einem anständigen Latte Macchiato. Anderen Kaffee trinke ich nämlich nicht und irgendwie muss man ja wach bleiben.

Oder nehmen wir unseren Staubsauger. Unser Letzter hatte ich ja zu Tode gesoffen. Das Nachfolgemodell hütete ich deshalb wie meinen Augapfel und achtete darauf, dass er dem Weinkeller nicht zu nahe kam. Die Putzfrau versuchte mich zwar immer gegen ihn aufzuhetzen, weil er angeblich zu schlecht sauge, aber ich liess mich nicht beeindrucken und setzte mich heldenhaft für seinen Verbleib in unserem Haushalt ein. Doch offenbar fühlte sich unser Staubsauger dennoch gemobbt. Um mir zu zeigen, wie unglücklich er ist, liess er sich vollkommen gehen und bald schon war eine wichtige Klappe kaputt und der ganze Dreck landete auf dem Fussboden. Nun also ging das Gerenne mit dem Staubsauger los. Gegen Vorauszahlung bestellte man mir im Einkaufszentrum ein Ersatzteil. Und weil das nicht so schnell geliefert werden kann, ist der Staubsauger für zwei Wochen krank geschrieben. So einfach geht das.

Ich glaube, ich bewerbe mich auf eine Stelle als Haushaltgerät. Wenn die schlapp machen, kümmert sich jeder rührend um ihr Wohlbefinden. Wenn hingegen die Hausfrau schlapp macht, dann beisst sie eben auf die Zähne, bis die Sache ausgestanden ist. Wer erleichtert da wem das Leben?

7 Kommentare zu “Wer erleichtert da wem das Leben?

  1. Ui, eine tolle Torte! Äh ja, deinen Text hab ich natürlich wie immer sehr gern gelesen – aber beim Anblick einer solchen Torte vergiss ich alles andere…;-)

    Übrigens, Milchschäumer sind eh doof! Hatte auch schon zwei, die erstens nichts getaugt und zweitens schon beim Ansehen kaputt gingen.

    • Ja, Milchschäumer sind doof. Aber ich kann ja nicht den ganzen Tag bei Starbucks sitzen, weil das a) verwerflich, b) zu teuer und c) noch zeitfressender wäre, als sich um die Reparaturen des Milchschäumers zu kümmern.
      Die Torte ist übrigens eine Sahnetorte, wie es sie bei Lillebror und Karlsson vom Dach gibt. Habe ich aus dem „Astrid Lindgren-Kochbuch“.

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