Welcome back

Da seid ihr ja wieder, ihr Schuldgefühle. Eigentlich habe ich euch ja nicht jetzt schon zurück erwartet, aber wie ich euch kenne, ist euch so ziemlich egal, was ich denke. Kaum seht ihr eine Mama, die sich dazu anschickt, fünf Minuten ihrer wertvollen Zeit in eine Berufstätigkeit zu investieren, stürmt ihr die Bude, macht euch breit und beginnt, zu allem und jedem euren Senf dazu zu geben. Bei mir spielt sich das Drama im Moment so ab:

M(ama): „Ich verschwinde dann mal für ein paar Stunden im Büro. Wenn ihr ein Problem habt, geht zu Papa.“
Kaum ist die Bürotür hinter hinter Mama zugefallen, ertönt Geschrei, Papa tröstet, redet gut zu, löst die Probleme und der Alltag nimmt seinen gewohnten Lauf.  Mama stürzt sich in die Arbeit und nimmt schon bald gar nicht mehr wahr, welche Dramen sich vor der Bürotür abspielen. Irgendwann aber steht ein heulendes Kind im Büro.

M, leicht genervt: „Ach, du Arme(r)! Was ist denn mit dir passiert?“
K(ind): „Die anderen sind so gemein zu mir! Die lassen mich nicht mitspielen!“
M:  „Das ist aber unfair. Aber weisst du, ich bin am Arbeiten. Du musst zu Papa gehen.“
Das Kind verlässt schluchzend das Büro, die Mama versucht, sich wieder auf die Arbeit zu konzentrieren. Zeit für die ungebetenen Gäste, die Bühne zu betreten:

S(chuldgefühle): „Was bist du doch für eine Rabenmama. Siehst du denn nicht, dass dein Kind traurig ist?“
M: „Klar sehe ich das.  Aber ‚Meiner‘ ist heute Nachmittag für die Kinder zuständig…“
S: „Ja, klar ‚Deiner‘. Als ob der in den Schulferien auch noch Kinder hüten müsste. Und du weisst doch: Wenn es einem Kind schlecht geht, dann braucht es die Mama, nicht den Papa.“
M: „Das stimmt doch gar nicht. ‚Meiner‘ kann das ebenso gut wie ich.“
S: „Kann er nicht.“
M: „Kann er doch.“

Mama wendet sich wieder ihrer Arbeit zu, die Schuldgefühle wissen für einen Moment lang nicht, was sie noch sagen sollen. Draussen spielen die Kinder, schreien, lachen, singen. Wo denn die Mama sei, will ein Kind wissen.

S: „Hast du gehört, die suchen dich. Warum musst du auch immer arbeiten, wo deine Kinder dich doch so sehr brauchen.“
M: „Meine Kinder haben mich fast den ganzen Tag. Und wenn sie mich nicht haben, dann haben sie den Papa und der ist genauso wichtig. Und immerhin arbeite ich nicht ausser Hause. Zu den Mahlzeiten bin ich da.“
S: „Und danach verschwindest du wieder im Büro. Glaubst du wirklich, dass deine Kinder das mögen. Die werden sich später, wenn sie mal an ihre Kindheit zurückdenken, nur noch an eine verschlossene Bürotür erinnern. Und an eine Mama, die nie Zeit hat.“
M: „Aber ich habe doch Zeit. Ich bin fast immer da…“
S: „
Fast immer, ja. Aber nicht immer…“
M: „Aber ich muss doch gar nicht immer. ‚Meiner’….“
S: „Ja, ich weiss, ‚Deiner‘. Aber glaubst du nicht auch, die Kinder wären viel besser betreut, wenn ihr
beide jetzt im Garten wäret?“

So geht es weiter, hin und her, immer hitziger, immer giftiger. Und je nach dem, wer den längeren Atem hat, siegen die Schuldgefühle oder die Mama.

Ja, ihr lieben Schuldgefühle, ihr wisst, wie ihr einem das Leben versauern könnt. Aber Eines muss man euch lassen: Ihr piesackt die Mütter ohne Ansehen der Person. Denn ob eine Mama vollzeitlich berufstätig ist, ob sie von zu Hause aus arbeitet, ob sie ehrenamtlich arbeitet oder ob sie krankgeschrieben ist, ihr bringt es immer fertig, ihr einzuflüstern, dass sie es nie und nimmer schafft, die Mama zu sein, die ihre Kinder verdient hätten.

6 Gedanken zu “Welcome back

  1. Ich glaube, sogar Mamas, die immer „schön brav“ zu Hause bleiben, haben zuweilen Schuldgefühle. Die reden sich dann vielleicht einfach ein, sie hätten zu wenig gesund gekocht, nicht leidenschaftlich genug mit dem Kind gespielt oder was auch immer. Vielleicht gehören Schuldgefühle einfach zum Muttersein, so wie Schwangerschaftsstreifen, dunkle Augenringe und die Angst, dass es dem Nachwuchs nicht gut gehe.

  2. Schön geschrieben. Das kenne ich auch. Und das tolle ist meine Schuldgefühle kommen sogar wenn ich gar nicht arbeite. Dann reden sie mir nämlich immer schön ein ich bin eine schlechte Mutter, weil ich die Arbeit vermisse.

    Und wenn Frau arbeitet kommt die mobile Truppe von der Rabenmütterfront.

    Mich tröstet,fast alle mögen ihren Vater und ich kenne eigentlich niemand der sagt ihr Vater war ein Rabenvater weil er arbeiten gegangen ist. Also warum sollte es für Mamas andere Regelen geben.

    Und wenn ich an meine Kindheit zurück denke. Manchmal war ich richtig froh wenn meine „Homestay Mum“ auch mal weg war. Und als sie wieder angefangen hat zu arbeiten war das auch schön. Denn zum einen hatte ich mehr Freiheit und ich war stolz, dass sie mir vertraut hat. Und das hat mir viel Selbstbewußtsein gegeben. Ich denke jeder Lebensentwurf hat Stärken und Schwächen. Aber als Mama von Stepfort möchte ich auf keinen Fall enden.

  3. Noch einmal so eine weise Mama! 😉 Ich sehe das eigentlich ganz ähnlich, lasse mich aber hin und wieder dennoch von den Schuldgefühlen in die Ecke drängen.

  4. DIESE Mama ist sehr sehr weise… 😉 Und ja: Habe die „Frauen von Stepford“ gesehen. Das Grauen steckt mir heute noch in den Knochen…

  5. Ach ohne diese Schuldgefühle wäre die welt für uns Mütter einfach nicht rund. Glaub mir, ich habe alle Möglichkeiten ausprobiert mich als Mutter zu verwirklichen und jedesmal lauerte das Schuldgefühl in einer anderen Ecke, so lange bis ich den letzten Satz, den hostmam schrieb, für mich selbst verstanden habe. Seitdem bin ich mit mir und meinen Kindern im Reinen. Und wenn ich nicht perfekt bin, dann ist es auch gut, denn meine Kinder sollen auch sehen, dass es weniger perfekt geht.
    Sonst gibt es noch Zwangsneurosen 😉

  6. Und weil DIESE Mama eben irgendwann mal beschlossen hat, dass sie nicht perfekt sein kann – hat sie im gleichen Moment beschlossen, dass sie sich eben „nur“ bemüht. Und dann hat sie beschlossen, dass sie sich auch ab und an mal bemüht ganz egoistisch zu sein. Denn nur wenn sie ab und an mal egoistisch ist kann sie genug Ideen, Energie und Kreativität tanken um auch wieder abzugeben…..

    Ausserdem – schon mal „Die Frauen von Stepford“ gesehen? Gru-se-lig!

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