Nein! Nicht jetzt schon!

Nach der doch sehr anstrengenden Kleindkind-Phase und der nicht minder anstrengenden Zeit des Einstiegs in den Kindergarten folgen ein paar wunderbare Jahre mit den Kindern. Sie ziehen sich selbständig an, können ihr Zimmer selber aufräumen, so sie denn wollen, sie schlafen nachts durch. Sie können selber lesen, wenn man keine Zeit hat, Geschichten zu erzählen, sie brauchen nur noch ein paar Anleitungen um einen Kuchen zu backen oder Spaghetti zu kochen. Sie saugen Wissen in sich auf, sind noch klein und niedlich aber nicht mehr so klein, dass es für die Erwachsenen anstrengend wäre. Und das Beste an allem: Die Eltern sind die Grössten! Was Mama sagt, ist wahr, was Papa cool findet, findet man auch cool. Karlsson und Luise sind gerade in dieser Phase. Es ist einfach herrlich, wenn auch nicht immer konfliktfrei.

Auch Lehrpersonen sind hoch geachtet in diesem Alter. Sagt die Lehrerin, die Kinder sollten über Mittag ein wenig frische Luft schnappen, dann tut Karlsson dies gewissenhaft. Sagt sie, die einzige Hausaufgabe über die Ferien sei die, dass die Kinder sich so richtig erholen, dann liegt Karlsson während Stunden auf dem Bett und erholt sich. Soweit alles perfekt. Doch in letzter Zeit gibt es da eine Veränderung, die mir nicht gefallen will. Nehmen wir das Beispiel mit der Erholung: Da liegt er also auf dem Bett, der Karlsson, vertieft in ein Buch und erholt sich mit heiligem Ernst. Die Mama klopft sanft an die Zimmertür, Karlsson murmelt irgend etwas, was die Mama als Aufforderung versteht, hereinzukommen. „Karlsson, in einer halbe Stunde essen wir. Ich möchte, dass du vorher noch deine Schuhe wegräumst. Nicht gerade jetzt, aber einfach noch vor dem Essen“, sagt die Mama mit Engelsstimme. Worauf Karlsson losheult, das Buch in die Ecke knallt und brüllt: „Immer muss ich aufräumen! Du bist so unfair! Und die Lehrerin hat doch gesagt, wir müssten uns erholen.“

Ein weiteres Beispiel gefällig? Karlsson steht vor dem Spiegel und betrachtet sich kritisch, schiebt sich die etwas zu langen Haare aus den Augen und murmelt, dass er kaum mehr etwas sehen kann wegen seiner Haare.

Mama, zuckersüss: „Karlsson, was meinst du? Sollen wir mal wieder zum Coiffeur gehen mit dir? Deine Haare stören dich bestimmt.“

Karlsson, schreiend: „Ich will mir nicht die Haare schneiden! Meine Haare sind genau richtig. Du bist immer so gemein zu mir!“

Mama, geduldig, aber mit der nötigen Strenge: „Hör mal, ich war  ganz nett mit dir. Ich habe nur einen Vorschlag gemacht und du brüllst mich an. So kannst du mit mir nicht umgehen.“

Karlsson, lauter brüllend: „Immer schimpfst du mit mir! Ich will dir überhaupt nie mehr zuhören. Du schreist mich immer an!“

Mama, noch immer ruhig, aber noch eine Spur strenger: „Ich habe dich nicht angeschrien. Ich habe dir bloss klargemacht, dass du so nicht mit mir umgehen kannst. Klar geht man sich in einer Familie hin und wieder auf die Nerven. Aber so können wir miteinander nicht reden.“

Karlsson, stapft wütend davon, knallt die Türe, heult und schreit dazu: „Immer seid ihr alle so gemein zu mir!“

Mama steht verdattert da und fragt sich im Stillen, ob der Junge einfach schlecht gelaunt ist, oder ob dies – Gott bewahre! – bereits die Vorpubertät ist.


Kleiner Hinweis an die Mütter, die dies Lesen und die diese Phase bereits hinter sich haben: Ihr dürft von mir aus denken, dass dies die Vorpubertät ist. Aber schreiben dürft ihr mir dies nicht. Ich bin noch nicht bereit, mich der Tatsache zu stellen. Noch lange nicht.

9 Kommentare zu “Nein! Nicht jetzt schon!

  1. Ich habe noch keine Kinder in dem Alter. Aber es klingt schon sehr nach Vorpubertät.
    Allerdings verhält sich Emilia teilweise jetzt schon so – und sie ist gerade 5 geworden !
    Da heißt es täglich „Immer muß ich alles alleine machen !“, „Du bist eine ganz blöde, gemeine Mama !“, u.s.w. …
    Kommt mir also sehr bekannt vor 🙂
    Einfach gelassen bleiben und sich das ewige Mütter-Mantra vorsagen „Es ist nur eine Phase, ist nur eine Phase, …“ 😉
    Liebe Grüße,

    Katrin, die manchmal eine gefühlt 13-jährige um sich hat …

  2. Ich hoffe bloss, dein vor-pubertärer (uuuups, jetzt hab ichs gesagt!) Karlsson interessiert sich nicht für deinen Blog. Sonst gibts dann das nächste Mini-Drama…;-)

    • Mein absolut nicht vorpubertärer Karlsson liest meinen Blog zuweilen und erstaunlicherweise findet er immer alles ganz amüsant, was ich da über ihn schreibe. Offenbar gelingt es mir, ihn so zu verfremden, dass er sich nicht betroffen fühlt. Was so beabsichtigt ist, denn ich will ja nicht, dass meine Kinder sich blossgestellt fühlen.

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