Eindeutig noch zu früh…

Seit Jahren schon liegen uns unsere Kinder mit dem Wunsch in den Ohren: „Wann dürfen wir endlich ein Haustier haben? Eine junge Katze vielleicht, oder zwei Häschen, oder Meerschweinchen.“ „Meiner“ und ich reagieren auf diese Bitte so, wie schon unsere Eltern reagiert hatten: „Natürlich sind Haustiere süss. Aber wer wird dafür sorgen, dass das Gehege sauber bleibt?“ Worauf uns unsere Kinder, wie alle Kinder auf diesem Planeten, uns mit treuherzigen Kulleraugen anschauen und sagen: „Wir werden immer dafür sorgen, dass das Gehege sauber bleibt. Und wir werden die Tiere immer füttern. Und immer streicheln. Und immer alles für sie machen. Alle anderen haben ja auch ein Haustier. Warum dürfen wir nicht?“ Bis vor Kurzem hatten „Meiner“ und ich ein Totschlägerargument im Sack, welches das Flehen unserer Kinder zum Verstummen brachte: „Wir haben zwar keine Haustiere, dafür haben wir ein Baby und das haben alle anderen nicht und das ist viiiieeeel spezieller.“ Doch seitdem das Prinzchen fleissig mitstreitet, wenn sich unser Knöpfe in die Haare geraten, seitdem er einen Tobsuchtanfall bekommt, wenn er kein Eis haben darf, seitdem er laut und deutlich sagen kann, was er will, seither zieht das Argument mit dem Baby nicht mehr, denn unsere Kinder haben schneller als wir Eltern begriffen, dass das Prinzchen kein Baby mehr sein will.

Und deshalb haben „Meiner“ und ich uns erweichen lassen und wir haben uns Haustiere angeschafft. Nun ja, zumindest eine Haustierzucht, oder vielleicht eher eine Gartentierzucht. Wir haben nämlich ein Marienkäfer-Aufzuchtset gekauft. Schaffen es unsere Kinder, gut für die Eier, die Larven und später die Marienkäfer zu sorgen, dann können wir im nächsten Sommer vielleicht zu den Pantoffeltierchen übergehen. Und wenn das auch gut läuft, dann können die Kinder allenfalls mit uns darüber reden, ob wir vielleicht, aber nur vielleicht, dazu bereit sind, eine jener schrecklichen Zuchtstationen für Urzeitkrebse zu kaufen und wenn auch das gut läuft, dann…. bin ich sicher, dass Karlsson spätestens zu seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag einen Zwerghasen bekommt und Luise zum Zweiundzwanzigsten  vielleicht eine junge Katze.

Doch leider muss ich sagen, dass das mit den Marienkäfern nicht ganz so läuft wie erhofft. Schon am ersten Tag liess der FeuerwehrRitterRömerPirat das Zuchtset auf den Boden fallen, worauf sich Marienkäfereier und Mehlmotteneiner, die eigentlich als Nahrung für die Larven vorgesehen sind, auf dem Fussboden verteilten. Worauf Karlsson, der in der Schule bereits Erfahrungen mit dem Züchten von Marienkäfern gesammelt hat, in Tränen ausbrach, weil er fürchtete, jetzt seien alle Eier kaputt. Ich wäre ebenfalls fast in Tränen ausgebrochen, denn ich sah vor meinem inneren Auge bereits die Maden, die aus den Mehlmotteneiern schlüpfen würden, was mich dazu trieb, den Fussboden mit kochendem Wasser zu reinigen, damit garantiert kein Mehlmottenei auf unserem Fussboden überleben würde.

Gott sei Dank haben trotz dieses Unfalls ziemlich viele Marienkäfereier überlebt, was sich gestern eindeutig bestätigte: Die ersten Larven sind geschlüpft. Aber die armen Larven haben bei uns kein glückliches Larvenleben. Immer wieder müssen sie an einen neuen Ort umziehen, weil Karlsson fürchtet, sie seien zu sehr dem Sonnenlicht ausgesetzt. Sobald Karlsson einen besseren Ort gefunden hat, macht das Prinzchen diesen ausfindig und bald schon werden die armen Larven hin und her geschüttelt und sie müssen ganz schön aufpassen, dass sie nicht versehentlich auf dem Fussboden landen, wo sie der sichere Tod durch Zertreten erwartet. Wenn das so weitergeht, dann wird vielleicht ein einziger Marienkäfer unser Haus lebend verlassen und im Garten den Kampf gegen die Blattläuse aufnehmen können.

Man sieht also: Vendittis Kinder sind noch nicht reif für Haustiere. Wir werden dann wohl noch eine Weile bei den Stofftieren bleiben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.