So habe ich mir das nicht vorgestellt

Zugegeben, mit der Zeit hat mir das Ganze schon ein wenig zugesetzt, dieses ewige Schulterzucken, dieses Hochziehen der Augenbrauen, dieses „Na ja, wenn ihr meint. Als wir dort waren, da war es einfach furchtbar….“ wann immer wir jemandem erzählten, dass wir unsere einzige Ferienwoche dieses Sommers in Morschach verbringen würden. Jeder ist schon in Morschach gewesen und jeder weiss eine Schauergeschichte zu erzählen. Mit der Zeit wagte  ich kaum mehr, zu sagen, wohin wir fahren, weil ich die Reaktion fürchtete. Und dabei zähle ich mich nicht zu den Menschen, die glauben, nur Ferien am Meer oder an  exotischen Destinationen seien richtige Ferien. Im Gegenteil: Ich bin dankabr, dass wir uns überhaupt hin und wieder Ferien leisten können. Und wenn wir die schönsten Tage im Jahr nicht im Zelt verbringen müssen.

Deshalb haben mich die verhaltenen Reaktionen der anderen mit der Zeit nicht nur verunsichtert, sondern irgendwann auch genervt. Müssen die mir die Freude verderben, bloss weil ihnen die Destination nicht passt? Wenn mir jemand sagt, er fahre auf die Malediven, dann frage ich ja auch nicht, wie er es mit seinem Gewissen vereinbaren könne, seinen Urlaub in einem streng muslimischen Staat zuverbringen, der Andersgläubige aufs Strengste verfolgt, auch wenn mir genau die Frage auf der Zunge liegt.

Nach all den Reaktionen in unserem Bekanntenkreis fürchtete ich schon, die kommenden sieben Tage in einem staubigen, halb verfallenen Loch zu verbringen, ohne Sonnenschein, ohne Spass, ohne Komfort. Hätte ich die Zeit gehabt, ich hätte  zu Hause präventiv Cortison inhaliert, weil ich nach all den Horrorbeschreibungen mit einem schlimmen Asthmaanfall in den ersten drei Minuten unseres Aufenthalts gerechnet hatte. Ich hatte mich innerlich also auf das Schlimmste vorbereitet und vorsoglich schon mal einen Notfallplan ausgearbeitet: Ein Stapel Bücher, mit dem ich die schlimmen Tage hinter mich bringen könnte.

Ich hatte mich so sehr damit abgefunden, dass diese Ferien wohl ein riesiger Reinfall sein würden, dass ich jetzt fast ein wenig überfordert bin mit der Realität: Eine blitzsaubere, unlängst renovierte Wohnung mit dem nötigen Komfort ausgestattet, ein eingezäunter Spielplatz gleich vor der Haustüre, freier Eintritt ins Erlebnisbad, die Sauna fast gratis, Kinderwagen, Kinderbett und was des Prinzchens Sonderwünsche sonst noch wären, vorhanden, Ludothek, Bibliothek und und und.

Also wirklich, so habe ich mir das Ganze nicht vorgestellt. Ob ich mich beschweren soll? Also, ich meine natürlich bei den Schwarzmalern….

2 Kommentare zu “So habe ich mir das nicht vorgestellt

  1. Eure Feriendestination tönt so gut zu sein, dass ich gerne auch dabei sein würde. Da meine CH-Geografische Kenntnisse nicht so gut sind, werde ich dank eure Ferien, Online mich über Morschach erkundigen. Eine wunderbare Ferienzeit, möge euch auch als Inspiration für die Zeit danach dienen. Übrigens, eure Ferien.Orts-Wahl hat denke ich eben mit eure Kreativität zu tun : )!

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