Alles klar?

Das Leben von sieben Menschen unterschiedlichen Alters zu planen, ist gar nicht so einfach. Das Leben von sieben Menschen unterschiedlichen Alters weit im Voraus zu planen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Und so kann es schon mal vorkommen, dass an einem gewöhnlichen Mittwoch in den Sommerferien „Meiner“ um Viertel nach acht bei der Arbeit erscheinen muss, wofür er das Auto braucht, weil das E-Bike zwar bestellt, aber noch nicht abgeholt ist und weil der Zug von Schönenwerd nach Kölliken Umwege macht, die selbst einem umweltbewussten Menschen etwas zu absurd sind. Fünfundvierzig Minuten später sollte ich beim Arzt erscheinen, zu einem Termin, den ich bereits vor sechs Wochen abgemacht hatte, damals, als ich noch frohgemut behauptet hatte: „Ja, der 4. August passt perfekt. Dann haben wir Sommerferien, da bin ich vollkommen flexibel.“

Okay, bevor es richtig kompliziert wird, rekapitulieren wir kurz: Da wäre 1 x arbeiten um 8:15 Uhr und einmal Arzt um 9:00 Uhr. Was auf dem Papier gar nicht so kompliziert aussieht, in der Praxis aber sehr wohl kompliziert ist, denn wer hütet die Kinder, während Mama und Papa weg sind? Und das ist nur der eine Aspekt des Problems. Der andere wäre: Wer bringt Karlsson, Luise und den FeuerwehrRitterRömerPiraten zum Ferienkurs, wenn Mama und Papa weg sind? Nun, natürlich haben Mama und Papa Netzwerke, auf die sie in solchen Fällen zurückgreifen können und so werden die Kinder für eine Stunde bei der Grossmama, die im Haus wohnt, abgeliefert und die Grossmama stellt pünktlich um zehn vor zehn die drei Grossen an die Strasse, wo sie von einer anderen Mama abgeholt werden.

Problem gelöst, und sogleich wieder neue geschaffen. Denn um sich bei der anderen Mama für die guten Dienste zu revanchieren, bietet man ihr an, dass man im Gegenzug am späten Nachmittag deren Kind abholen wird. Was man dabei aber vergessen hat: Die eigenen Kinder müsste man am späten Nachmittag gar nicht abholen, weil die ganze Familie am Abend bei der Kursleiterin eingeladen ist und die Grossen deshalb gar nicht nach Hause kommen müssen.  Aber abgemacht ist abgemacht und deshalb will man das Kind der anderen Mama dennoch abholen. Man kann doch nicht einfach eine Dienstleistung annehmen, ohne eine zurückzugeben, nicht wahr? Man wird also am Nachmittag, nachdem man mit den beiden Jüngsten bei der Schwester zum Kaffeetrinken war, was man schon vor einer Woche abgemacht hatte, als man noch nicht wusste, dass „Meiner“ heute das Auto braucht, noch kurz das Kind abholen gehen.  Weil aber das Auto noch in Kölliken ist, muss „Meiner“ über Mittag nach Hause kommen, sich von mir am Nachmittag zur Arbeit chauffieren lassen, damit ich nachher mit den beiden Kleinen zur Schwester fahren kann und später das Kind der anderen Mama abholen kann und dann, bevor wir uns alle zusammen zu unserer Einladung begeben, „Meinen“ wieder von der Arbeit abholen kann.

Wie, ihr könnt meinen Erklärungen nicht folgen? Soll ich noch einmal rekapitulieren? Nun, vielleicht lasse ich es bleiben. Ihr müsst den Plan ja nicht im Detail verstehen.  Ich jedenfalls habe mehrere Anläufe gebraucht, bis mir endlich klar wurde, wie wir das alles schaffen, ohne das Telefon zur Hand zu nehmen um alles umzuplanen, was die Sache noch komplizierter gemacht hätte. Irgendwann stand die perfekte Lösung fest und es sah ganz danach aus, dass der Tag zwar etwas kompliziert, aber dennoch ganz gut werden würde.

Und dann kommt das Leben, das fiese Ding, das sich nie an unsere ausgeklügelten Pläne hält und wirft alles über den Haufen, was wir so schön durchdacht haben: Das Kind der anderen Mama muss heute nicht abgeholt werden, weil Luise der anderen Mama gesagt hat, dass sie und ihre Brüder heute bei der Kursleiterin bleiben dürfen. Gut, ein Termin weniger. Das verschafft Luft und der Tag wird einfacher. Also ja, der Tag würde einfacher werden, wenn nicht der Zoowärter plötzlich zu schlottern anfinge und das Fieberthermometer nicht panisch piepsen würde, nachdem die Temperatur fertig gemessen ist. Gut, jetzt wo der Zoowärter krank ist, ist auch klar, dass wir nicht zur Schwester fahren, sondern dass sie zu uns kommen wird, was ja an sich eine weitere Vereinfachung wäre. Denn jetzt muss „Meiner“ das Auto nicht nach Hause bringen, ich muss ihn nicht zur Arbeit zurückfahren und er muss sich am Abend nicht abholen lassen. Also alles perfekt: Ich bleibe den ganzen Tag zu Hause, kümmere mich um das kranke Kind und quatsche mit meiner Schwester. Klingt doch um Welten besser als das Chaos vom letzten Abschnitt, nicht wahr?

Bloss dass mit den die geänderten Plänen neue Fragen und Probleme auftauchen: Mache ich das versprochene Dessert für heute Abend, oder lasse ich es bleiben, weil wir wegen des kranken Zoowärters zu Hause bleiben müssen? Müssen wir zu Hause bleiben, oder ist er abends wieder gesund? Oder geht nur „Meiner“ mit den grossen Kindern? Oder gehe nur ich mit den grossen Kindern, weil ich ja weniger aus dem Haus komme? Schaffe ich es noch, ein wenig Ordnung zu machen, bevor die Schwester kommt? Ordnung, die ich nicht hätte machen müssen, wenn ich zur Schwester gefahren wäre, weil dann keiner gesehen hätte, wie es zurzeit bei uns aussieht. Muss ich überhaupt aufräumen oder kann ich der Schwester unser Chaos zumuten?

Was ich aus dem ganzen Theater lerne?  Das Leben von sieben Menschen unterschiedlichen Alters zu planen, ist gar nicht so einfach. Das Leben von sieben Menschen unterschiedlichen Alters weit im Voraus zu planen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das Leben von sieben Menschen unterschiedlichen Alters umzuplanen, ist so mühsam, dass man am besten gar nie mit dieser elenden Planerei begonnen hätte, weil ohnehin alles anders kommt.

Ach ja, und dann hätte ich noch eine Frage: Wann bekomme ich denn jetzt endlich dieses Management-Diplom?

7 Gedanken zu “Alles klar?

  1. Pingback: Porcia – Eine Bekannte Roemerin

  2. Sind einfach super, deine Texte! Sobald meine 3 wilden Kerle im Bett sind, gönne ich mir jeweils deinen Blog!

  3. Leider nicht und schon gar nicht den Bonus, der in normalen Fällen so ganz automatisch zum Diplom geliefert wird. 😉

  4. Nein, den habe ich nicht vergessen, zumindest nicht in der Umplanerei. Aber vermutlich im Text…. Ich war also schön brav um 9 beim Arzt, wohl das Einzige, was heute nach Plan vor sich gegangen ist. 😉

  5. Und was ist mit dem Arzttermin um 9 Uhr? Den hast Du bei der Umplanerei ganz vergessen.

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