Artgerechte Au-Pair-Haltung

Zum Glück haben wir uns gestern gemeinsam mit dem Au-Pair noch einmal dieses Vertragswerk mit dem poetischen Titel „Normalarbeitsvertrag für Arbeitnehmer im Hausdienst“ angeschaut. Sonst hätten wir wieder alles falsch gemacht. Besonders im Abschnitt B) Entlöhnung, §9.3 werden da ein paar ganz heikle Punkte angesprochen: „Der Naturallohn besteht aus Kost, Logis, Wasch – und Badegelegenheit sowie Pflege der Wäsche. Das Essen muss gesund und ausreichend sein, der allgemeinen Führung des Haushaltes entsprechen und zu geregelten Zeiten gegeben werden…“

Nun, dann müssen wir wohl damit aufhören, unser Au-Pair mit Fastfood vollzustopfen, während der Rest der Familie Vollwertkost bekommt. Und eins auf die Finger geben dürfen wir ihr auch nicht mehr, wenn sie sich unserer Meinung nach zuviel schöpft. Der Mustervertrag in Anlehnung an die „vom Ministerkomitee des Europarates am 18. Januar 1972 gebilligten Fassung“ geht gar noch weiter: „Der Au-Pair-Beschäftigte nimmt an den gemeinsamen Mahlzeiten teil und erhält dasselbe Essen wie die Familienangehörigen…“ Ja, dann werden wir wohl in Zukunft auch nicht mehr sagen dürfen, dass gewisse Speisen nur für die Herrschaften vorbehalten sind.

Uns allen ist jedoch unklar, wie wir die beiden Vertragswerke miteinander in Einklang bringen sollen. Denn während am einen Ort verlangt wird, dass das Au-Pair an den gemeinsamen Mahlzeiten teilnimmt, schreibt uns das andere vor, dass das Essen „zu geregelten Zeiten gegeben“ werden muss. Was doch ganz eindeutig danach klingt, als ob wir der jungen Frau das Essen jeweils in einem Blechnapf durch eine Klappe in der Zimmertür reichen müssen. Oder ist damit gemeint, dass wir ihr das Essen eingeben sollen, so wie einem kleinen Kind?

Wir waren alle ein wenig verwirrt und konnten uns nicht so recht vorstellen, wie wir die Sache handhaben sollen, ohne Probleme mit dem Arbeitsamt zu bekommen. Schliesslich haben wir beschlossen, uns völlig rebellisch zu verhalten: Das Au-Pair isst mit uns am Tisch, wenn sie will, darf sie ungesund essen, wenn sie Lust hat, weniger zu essen, dann weisen wir sie nicht zurecht, sie solle gefälligst „ausreichend“ essen weil alles andere vertragswidrig sei und wenn sie mal genug hat von uns allen, dann darf sie auch in ihrem Zimmer essen. Im Arbeitsvertrag werden wir dann wohl einfach schreiben: „Die Arbeitnehmerin darf zu jeder Zeit soviel essen wie sie will, wo sie will und wovon sie will.“

Alos ja, eine Einschränkung gibt’s noch: Auf dem Sofa wird erst gegessen, wenn die Kinder im Bett sind, sonst machen die das noch nach….

4 Gedanken zu “Artgerechte Au-Pair-Haltung

  1. Hallo zusammen!
    Ich frage mich, wie viele Besucher Sie für Ihre schöne Blog pro Tag haben?

  2. Nein, Mocca bekomme ich. Die liebe ich nämlich über alles! Aber ganz ehrlich: Auch bei den Luxemburgerli praktizieren wir keine Au-Pair-Diskriminierung.

  3. Und wie verhält es sich mit den Luxemburgerlis? (Strenger Blick, Stirnrunzeln) Darf das Au-Pair auslesen oder kriegt es die übriggebliebenen Moccadingens?

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