Wie macht man das überhaupt?

Das ist mal wieder typisch für mich: Man bietet mir die Möglichkeit, eine Lesung abzuhalten, ich sage voller Freude zu, mache Werbung, verteile Flyers und plötzlich fällt mir glühend heiss ein, dass ich doch gar nicht weiss, was man an so einer Lesung macht. Klar, ich habe schon einige Lesungen besucht, damals, als ich noch jedes Wochenende für die Lokalzeitung unterwegs war. Aber das waren keine Kinderbuch-Lesungen, sondern Veranstaltungen, bei denen Autoren mit mehr oder minder bekannten Namen aus ihren Werken mit beeindruckenden Titeln tiefgründige Bandwurmsätze vorlasen, die keiner verstand. Meistens sassen die Autoren auf der Bühne eines schummrig beleuchteten Kleinkunst-Lokasl an einem wackeligen Tischchen, nippten zwischen  den Bandwurmsätzen gedankenverloren an ihrem Wasserglas und schauten hin und wieder über die randlose Brille forschend ins Publikum, um zu sehen, ob auch alle genügend beeindruckt waren. Das Ganze war äusserst Ehrfurcht gebietend und sehr sehr intellektuell. So intellektuell, dass ich danach kaum wagte, meinen Artikel zu schreiben, aus Angst, meine Sätze würden ob ihrer Einfachheit vom Autor nicht verstanden. Und wer, mit Ausnahme des Autors, liest denn schon Berichte über eine Lesung?

Dies also sind meine Erfahrungen mit Lesungen und somit weiss ich über meine Lesung nur, wie sie nicht sein wird.  Denn im Publikum werden wohl vorwiegend Kinder sitzen und die lassen sich gewöhnlich weder durch Bandwurmsätze noch durch gedankenverlorenes Nippen am Wasserglas beeindrucken. Kinder, das weiss ich nach Jahren des Vorlesens, lassen sich einzig und allein durch packendes Erzählen beeindrucken. Durch das Verstellen der Stimme, Augenrollen und hin und wieder eine witzige Randbemerkung. Also eine Vorlesestunde, wie wir sie fast jeden Abend mit unseren eigenen Kindern abhalten, vielleicht versüsst mit einer kleinen Leckerei. Klingt eigentlich ganz gemütlich und sollte auch nicht allzu schwierig werden, wo Geschichten erzählen doch meine absolute Lieblings-Mutterbeschäftigung ist.

Bloss eines ist mir nicht klar: Geht das dann als richtige Lesung durch, wenn ich mich aufführe wie auf dem heimischen Sofa? Oder muss ich mir vielleicht doch noch eine randlose Brille und ein wackeliges Tischchen besorgen?

6 Kommentare zu “Wie macht man das überhaupt?

  1. Wie wärs mit einem Belladonna-Outfit? 😉

    Nein, im Ernst, du wirst das bestimmt super machen! Ich freu mich darauf, dir zuhören zu dürfen.

    • Ha! Zweimal ein Belladonna-Outfit! Ich glaube, das ist ein Zeichen! 😉

      Ich freue mich natürlich auch riesig. Trotz aller Bedenken, die mich hin und wieder beschleichen.

  2. ich schlage vor: randlose brille und belladonna-outfit!
    und wackliges tischen sind nur dann lustig, wenn sie im richtigen moment zusammenkrachen 🙂 und hiermit ist auch wieder einmal bewiesen, dass ich nachwievor zu den treuen leserinnen deines blogs gehöre, auch wenn ich dich schon viel zu lange nicht mehr hab wissen lassen, wie viel spass das macht!!! mach unbedingt weiter, katia

    • Danke für die Tipps. Ich glaube, ich mache das so. Unser Au-Pair kann ja ziemlich gut nähen. Sie schafft das bestimmt mit dem Belladonna-Kostüm. 😉 Und natürlich auch herzlichen Dank für die Ermutigung! Manchmal überkommen mich ja schon die Zweifel an der Sache, aber da es mir selber noch immer so unglaublich viel Spass macht, bleibe ich dabei.
      Ach und übrigens: Meinst du, wir schaffen das noch in diesem Jahr, euch einmal einzuladen, oder sollen wir für nächsten Frühling einen Termin planen? 😉

  3. …viele Kissen auf dem Fussboden, Kerzen (oder, sichere Lichterketten)…also eine gemütliche, stimmungsvolle Atmosphäre! So höre ich dir in Gedanken gerade zu…..schade das Aarau so weit ist. Aber bestimmt wird es ein super Vorlese-Nachmittag.
    Und die „besonders wertvollen“ Kommentare auf deinen guten Mamablog versuch möglichst schnell zu vergessen..solche Äußerungen sind keine grauen Haare wert und sollen dich nach kurzem, kräftigen Ärger (Wut)nicht mehr berühren. Ich lese „Dich“ gerne…

    • Das klingt himmlisch! So könnte ich das machen, wenn denn die vom Laden flexibel genug sind.

      Freut mich riesig, dass du „mich“gerne liest. Ich glaube, an der Mamablog-Sache hat mich vor allem genervt, dass die Sache eben nicht gelesen, sondern nur „kommentiert“ hat, wenn man das gehässige Geschreibsel überhaupt so nennen darf.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s