Wir sind auch dabei

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„Meiner“ und ich verkaufen Bilder, Postkarten, Bücher, ein wenig Gestricktes sowie ein paar Kleinigkeiten aus der Küche. Um 15 und 17 Uhr erzähle ich Märchen in der Stiftskirche. Und dann sind da natürlich noch ganz viele andere Menschen, die den Kreuzgang in einen traumhaften Weihnachtsmarkt verwandeln. Zum Beispiel sie, die alles ins Leben gerufen hat, oder sie und natürlich sie, die im Kreuzgang zu Hause ist... Wer also in der Nähe ist: Unbedingt vorbeischauen, es wird märchenhaft. 

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Mama Venditti bereitet sich auf eine Lesung vor

08:15 Der Wecker klingelt, ich stelle fest, dass Prinzchen und Herr Gemahl mich mal wieder an die äusserste Bettkante gedrängt haben. Doch was heisst hier „an“? Auf die Bettkante haben die Herren mich gedrängt, darum rapple ich mich mit ziemlich müden Knochen auf, um den Tag in Angriff zu nehmen.

08:25: Ein Glas Wasser runterkippen und dann auf zum Markt, Kürbisse kaufen.

08:45: Die ersten zwei Kürbisse sind gekauft, Schwatz mit der Marktfrau über Wachtelhaltung. Wie sind wir überhaupt von Kürbissen zu Wachteln gekommen? Keine Ahnung mehr, aber die Frau freut sich, dass ich durch so viele Fehler gelernt habe und ihr jetzt ziemlich genau sagen kann, wie sie es nicht machen soll, wenn sie sich dann mal Wachteln zulegt.

08:50: Der nächste Kürbis ist gekauft. Dazu frisch gepressten Apfelsaft. Kurzer Schwatz, dann weiter zum nächsten Stand.

08:53: Bewundern der Kürbis-Auslage am Stand mit dem Pro Specie Rara-Gemüse. Eine Kundin neben mir erzählt mir, wie sie Kürbisse zubereitet und will mir einen Schutzengel verkaufen. Als ich ihr sage, dass ich fünf Kinder und gerade nicht allzu viel Geld für Krimskrams übrig habe, bedauert sie, dass sie gerade kein Gemüse dabei habe, das sie mir schenken könne. Ob ich Selbstgestricktes brauchen könne. Ich erkläre ihr, dass wir ganz gut über die Runden kommen, aber ihre fürsorgliche Art wärmt mir trotzdem das Herz.

09:00: Der letzte Kürbis, den ich kaufe, bringt satte 10 Kilo auf die Waage und weil ich den Ganzen nehme, bekomme ich ihn günstiger. Grossmäulig behaupte ich, ich würde es schon schaffen, all die Kürbisse und den Apfelsaft zum Auto zu schleppen, ich hätte ja auf dem Frauenparkplatz parkiert, das sei ja nicht weit…

09:12: Schwer atmend stehe ich im Durchgang und überlege mir, wie ich meine Bagage besser verteilen kann. Noch 150 Meter bis zum Auto und ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie ich das hinkriegen soll. Eine Verkäuferin, die ihren Schmuckstand ganz in der Nähe hat, bietet mir ihren Transportwagen an. Die nette Geste rührt mich fast zu Tränen. Ob ich allmählich ein wenig nervös werde? So sentimental bin ich doch nun auch wieder nicht…

10:05: Nach einem kurzen Zwischenstopp zu Hause – Kürbisse aus- und Kinder einladen – bin ich bereit zu neuen Taten. Drei Kinder sind für den Tag am Spielturnier versorgt, die anderen zwei helfen zu Hause. Vielleicht. Jetzt also noch Getränke besorgen, mehr Mehl, Kerzen, Rahm, Wacholderlatwerge,… Ein erster Anflug von Panik…

10:20: Getränke sind gekauft, Rahm und Kerzen auch. Panik wächst. Oder ist es der Hunger. Für Frühstück war ich zu aufgeregt heute Morgen. Ich erinnere mich daran, dass ich noch den winzigen Gummi-Hamburger habe, den mir der Mann, der heute neben dem Markt Handzettel für die 1:12 Initiative verteilte, geschenkt hat. Das Ding ist wirklich winzig, aber es ist essbar, also runter damit.

11:00: Alles eingekauft, jetzt schnell nach Hause. Panik sehr gross. Was, wenn keiner kommt? Was, wenn zu viele kommen? Wenn die Suppe nicht reicht? Wenn sie anbrennt? Wenn ich meine Stimme verliere? Keine Ahnung, wie das geschehen sollte, aber man kann nie wissen…

11:30: Zu Hause. Das Prinzchen schenkt mir ein Bild, das er nach dem Vorbild seines Papas gemalt hat. Ich könnte schon wieder heulen…Einkäufe hoch schleppen, Sauna einschalten, Vorteig mit Mehl, Hefe und Zucker füttern, nachdenklich das Chaos in der Küche betrachten, Beruhigungsbloggen, geschäumte Milch schlürfen und ab in die Sauna.

Fortsetzung folgt. Vielleicht. Wenn ich meine Nerven in den Griff bekomme…

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Ein bisschen Werbung…

Weil sich die Läden inzwischen ganz ungeniert mit Weihnachtskram anfüllen, erlaube ich mir, auf meinen aktualisierten Buchshop aufmerksam zu machen. Man möchte es ja nicht wahrhaben, aber der 1. Advent rückt bedrohlich näher. Hier findet ihr „Füsse hoch!“, das Adventsbuch für Erwachsene, „Leone, Belladonna & ihre Kinder“, der zweite Band von „Leone & Belladonna“ und die beiden Hörbücher in Schweizerdeutsch. Bitte gebt bei einer Leone-Bestellung per Mail (Tamar.Venditti@gmx.ch) an, ob ihr Band eins oder Band zwei wünscht, denn im Webshop ist nur der zweite Band abgebildet. Natürlich schreibe ich auch gerne eine Widmung rein, wenn ihr das wünscht. 

Für meine Leser aus Deutschland: „Füsse hoch!“ bekommt ihr auch im SCM-Shop, bei Amazon können alle drei Bücher bestellt werden. 

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Darf ich vorstellen?

Wieder einmal missbrauche ich meinen Blog schamlos für Werbung in eigener Sache, denn jetzt sind sie da, die neuen Bücher und ich muss sie euch jetzt einfach vorstellen. 

„Füsse hoch!“ ist das Buch für alle, die gerne bei mir mitlesen, denn die Texte sind im ähnlichen Stil geschrieben. In 24 Episoden möchte ich Eltern durch die Adventszeit begleiten, sie zum Lachen bringen und manchmal auch zum Nachdenken. Aber vielleicht wollt ihr ja gar nicht die Texte lesen, sondern einfach nur die Illustrationen, die „Meiner“ gemacht hat, bewundern. Wenn ihr mich fragt, sind sie gelungen, aber ich sehe das natürlich nicht ganz objektiv…

Hier könnt ihr schon mal einen Blick ins Buch werfen und damit ihr auch wisst, wonach ihr im Buchladen suchen müsst, hier noch das Bild:

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„Leone, Belladonna & ihre Kinder“ ist die Fortsetzung meines ersten Buches. Der schwarz-weisse Kater und seine grünäugige Frau sind Eltern von drei Kätzchen geworden, die bald einmal weggegeben werden sollen. Mithilfe der Menschenkinder kämpfen Leone und Belladonna dafür, dass die Kätzchen bleiben dürfen. Eigentlich hätte ich das Buch Katzenmama Henrietta widmen sollen, denn sie hat beim Schreiben für Anschauungsunterricht gesorgt. Hätte ich hingegen im Buch beschrieben, wie der echte Leone mit dem Katzennachwuchs umspringt, hätte ich meine kleinen Leser wohl zum Weinen gebracht. Darum habe ich mir erlaubt, meinen Lieblingskater etwas netter darzustellen, als er in Wirklichkeit ist.

Demnächst wird mein Onlineshop aktualisiert, damit ihr die Bücher oder die CD direkt bei mir bestellen könnt, auf Wunsch natürlich gerne mit Widmung. Erhältlich sind sie aber auch beim Verlag oder im Buchhandel.

Hier die Links zu  Leseprobe und Hörprobe.

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Vorschau

Ja, ich weiss, es ist noch viel zu früh für Advent, doch diese kleine Vorfreude sei mir verziehen. Heute nämlich ein erster Blick auf das, was lange bloss ein Gedanke war, schon bald aber sehr fassbar sein wird. Etwas, was mir besonders viel bedeutet, nämlich das erste gemeinsame Werk von „Meinem“ und mir. Ich habe geschrieben, er hat illustriert und so sieht es aus:

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Dann auch die Fortsetzung von Leone & Belladonna als Buch…

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…und als Hörbuch auf Schweizerdeutsch:

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Vielleicht

Vielleicht hätte ich heute über meine Tomaten geschrieben, denen es vollkommen egal ist, dass ich mich nicht an alle Regeln der Gärtnerkunst gehalten habe und die nun reichlich Früchte tragen, auch wenn mein Tomatenbeet derzeit eher einem Urwald gleicht.

Vielleicht hätte ich auch darüber geschrieben, dass die fünf Kinder, die in kurzen Abständen in unser Leben gepurzelt sind, nun auch in kurzen Abständen immer selbständiger werden, so dass ich plötzlich das Gefühl habe, nicht mehr richtig ausgelaugt zu sein.

Vielleicht hätte ich auch über die Seniorinnen gewettert, die heute ohne jeden Grund unsere Kinder zurechtgewiesen haben, oder ich hätte von der Verkäuferin geschwärmt, die ganz begeistert war, weil „die Fünf ja alle ihrer Mama gleichen“.

Vielleicht hätte ich darüber geklagt, wie alt ich mich fühle, weil morgen mein Neffe, den ich doch eben noch zum hundertsten Mal mit Stofftier und Schoppenflasche ins Bett zurückgeschickt habe, Hochzeit feiert. 

Vielleicht hätte ich auch ganz aufgeregt davon berichtet, dass heute die zwei Bücher, an denen ich in den vergangenen Monaten gearbeitet habe, in Druck gehen.

Aber über all dies mag ich nicht berichten, denn ich ärgere mich so masslos über die peinlichen Versuche, die Fremdenfeindlichkeit in der Schweiz herunterzuspielen und ich weiss genau, dass ich darüber schreiben müsste, wie widerlich und beschämend ich das alles finde, aber mir fehlen dazu momentan einfach die Worte. 

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Ohne Augenzwinkern

Ein Zitat, welches der Audioguide beim Besuch von Astrid Lindgrens Geburtshaus in mein Ohr sprach, geht mir nicht mehr aus dem Kopf: „Viele, die für Kinder schreiben, zwinkern über die Köpfe ihrer kindlichen Leser hinweg verschmitzt einem gedachten Leser zu, sie blinzeln Einverständnis mit den Erwachsenen und übergehen das Kind. Das ist eine Unverschämtheit dem Kind gegenüber.“

Damit bringt Astrid Lindgren genau das auf den Punkt, was mich als Kind schon immer beim Lesen gestört hat und was mich heute noch stört, wenn ich unseren Kindern vorlese. Diese Geschichten, die so verkrampf originell und anders sein wollen, die damit beeindrucken wollen, dass sie ein aussergewöhnliches Thema aufgreifen, mit dem sich die Kinder gefälligst einmal befassen sollen. Wie ich sie doch gehasst habe, diese Bücher! Wie unsere Kinder sie doch hassen, diese Bücher!

Ich konnte mich nicht lange darüber freuen, dass ich endlich einmal in Worte gefasst hörte, was ich schon so lange selber hätte sagen wollen. Mein nächster Gedanke war nämlich, ob ich nicht am Ende die gleiche Unverschämtheit begehe, wenn ich für Kinder schreibe. Obschon ich mir beim Schreiben in erster Linie meine eigenen Kinder, ihre Cousins, Cousinen und Freunde vorstelle, bin ich nicht davor gefeit, auch den Erwachsenen gefallen zu wollen, die das Buch gut genug finden sollen, um es ihren Kindern kaufen und vorlesen zu wollen. Mit diesem Spannungsfeld werde ich mich wohl noch eine ganze Weile auseinandersetzen müssen.

Doch das, was Astrid Lindgren beschreibt, geschieht nicht alleine beim Schreiben. Da gibt es Spielplätze mit Spielgeräten vom Designer, die vollkommen spieluntauglich sind. Die Städte, in denen sie stehen, bekommen Auszeichnungen für die gelungenen Anlagen, doch die Kinder stehen hilflos da und wissen nicht so recht, wie sie hier spielen sollen. Museumspädagogen planen Projekte, die in den Medien gerühmt werden und wenn sich ausnahmsweise mal ein Kind ins Museum verirrt, stellt sich heraus, dass die Pädagogen mit ihm nichts anzufangen wissen, weil es so gar nicht ins pädagogische Konzept passen, sondern einfach nur mit allen Sinnen entdecken will. Familienpolitiker werkeln an Programmen, die zum Vornherein zum Scheitern verurteilt sind, weil stets nur auf die erwachsenen Wähler geschielt wird, nicht aber auf die kleinen Menschen, die ja eigentlich im Zentrum jeder Familienpolitik stehen sollten. Ähnliches geschieht in der Schulpolitik, nur dass hier die Wirtschaftsbosse beeindruckt werden sollen. 

Überall zwinkern sie sich über den Köpfen der Kinder hinweg zu, diese Erwachsenen. Ich bin froh, dass Astrid Lindgren darauf aufmerksam gemacht hat, denn so kann ich zumindest daran arbeiten, es selber möglichst wenig zu tun. 

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