Aus dem Alltag mit kleinen Menschen

Ein paar kleine Episoden, die zwar keinen eigenen Post Wert sind, die ich aber dennoch ganz amüsant finde:

Dass kleine Menschen sich vor der Dunkelheit fürchten, ist mir nicht neu. Dass sie hin und wieder abends noch einmal aus dem Bett gekrochen kommen, weil sie Angst haben, es hocke ein Räuber unter ihrem Bett oder eine Hexe auf der Lampe, überrascht mich nicht. Aber warum um Himmels Willen kommt der Zoowärter abends um halb elf ins Wohnzimmer geschlichen, weil er Angst hat, Carla Bruni habe sich in seinem Schrank versteckt? Gut, wenn ich mit Sarkozy verheiratet wäre, würde ich mich in diesen Tagen auch verstecken, aber doch nicht in Vendittis Kleiderschrank.

Luise geht heute mit einer Gruppe von Kindern die Schule für Blindenhunde anschauen. Eines der Kinder, ein Junge aus ihrer Klasse, kommt sie heute Morgen abholen. Das Chaos bei Vendittis scheint ihn leicht zu überfordern, aber endlich sieht er etwas, was ihn an zu Hause erinnert: Das Bügeleisen und einen Berg Wäsche daneben. „Du bist genau wie meine Mama“, sagt er zu mir. „Die muss in der Nacht auch immer die Wäsche bügeln. Meine Mama bügelt immer.“ Leider muss ich dem Jungen klar machen, dass ich eben nicht bin wie seine Mama, denn das Bügeleisen liegt nur deshalb zufällig neben dem Wäscheberg, weil Karlsson seine Seidentücher, die er gemalt hat, bügeln will und weil „Meiner“ gestern Abend mit dem Wäschefalten nicht fertig geworden ist. Wenn bei uns überhaupt einer bügelt, dann ist es Karlsson und um die Wäsche kümmert sich, wer gerade Zeit hat, also eigentlich niemand.

Karlsson hat fürchterliches Mitleid mit mir, weil ich krank bin. Inzwischen hat sich zwar Gott sei Dank herausgestellt, dass es keine Magen-Darm-Seuche ist, dass es wohl reiner Zufall war, dass Karlssons Bauch gerade dann schmerzte, als mir übel wurde und vor allem, dass der Käfer exklusiv für mich bestimmt war und alle anderen nichts davon abkriegen. Was bedeutet, dass eine schlappe, kranke Mama sich um fünf kerngesunde, quietschfidele Kinder kümmern sollte. Zum Glück kommt Karlsson auf die Idee, dass eigentlich er das Mittagessen kochen könnte. Der Junge verzieht sich mit einem Berg von Kochbüchern, währenddem ich versuche, die anderen halbwegs ruhig zu halten. Schön, dass mein Sohn Spaghetti kochen wird. Oder vielleicht Blumenkohl mit Reis. Oder Ofenkartoffeln.

„Mama, haben wir Lab?“, will Karlsson plötzlich wissen. „Wozu um Himmels Willen brauchst du denn Lab?“, frage ich. „Ich habe da ein tolles Käsekuchen-Rezept im Astrid Lindgren-Kochbuch gefunden und das wäre doch ein perfektes Mittagessen. Schau mal, wir haben alle Zutaten da, ausser dem Lab.Wo bekomme ich Lab….“ Nun, mein lieber Karlsson, ich finde es wirklich toll, dass du Käsekuchen backen willst und ich traue dir das auch zu, aber zum Mittagessen wären Spaghetti vielleicht besser. Oder vielleicht Blumenkohl mit Reis. Oder Ofenkartoffeln.

Es gab dann übrigens etwas ganz anderes, denn Karlsson musste mit seinen Brüdern Robin Hood schauen und hatte leider keine Zeit mehr, sich ums Kochen zu kümmern. Irgend einer muss ja aufpassen, dass die Kleinen beim Filme schauen keinen Mist bauen, nicht wahr?

Irgendwie schaffte ich es auch ohne Karlssons Hilfe, ein Mittagessen auf den Tisch zu bringen, was das offenbar halb verhungerte Prinzchen besonders freut. Kaum sieht er die Schnitzel, die ich braten will, dreht er fast durch vor lauter Freude: „Chani Fleisch? Chani Fleisch?“, fragt er unablässig und ist zutiefst empört, dass ich das Fleisch zuerst braten will, bevor er es haben darf. Und dann, als das Fleisch endlich gebraten ist, mache ich diesen ganz dummen Fehler, den eigentlich keine Mama, die schon ein Zweijähriges Kind gehabt hat, je machen sollte: Ich zerschneide das Fleisch in mundgerechte Stücke. Worauf das Prinzchen empört aufschreit „Fleisch chabott! Nei, Fleisch chabott!“ und natürlich keinen Bissen von dem „kaputten Fleisch“ anrührt und sich schliesslich ohne Mittagessen im Bauch zum Mittagsschlaf verabschiedet. Himmel, wie blöd bin ich denn? Habe ich tatsächlich schon wieder vergessen, dass Zweijährige es nie und nimmer dulden, dass man ihnen zerschnittenes Essen vorsetzt? Dabei ist es doch gar nicht so lange her, seitdem ich zum letzen Mal einen zweijährigen Perfektionisten zu erziehen hatte….

2 Kommentare zu “Aus dem Alltag mit kleinen Menschen

  1. Also, wenn man bei uns nicht aufpasst, weil man gerade so richtig in Fahrt ist, dann (zer)schneidet man auch gerne noch zehn und zwölf-jährigen Kleinstkindern die Sachen in mäulchen-gerechte Stücke!!! 😀
    Und wenn man es beim nächsten Mal gerade noch rechtzeitig merkt, kommt auch der Ecke ein beleidigtes „Menno!“ oder auch „Och, büdde büdde“, in der verschärften Form dann noch mit dem Blick von dem Katzenviechs aus Shrek.

    (Eben erst gesehen – Designwechsel! Ganz gut lesbar, aber der Farbkontrast rosa-grün – ist schon etwas gewöhnungsbedürftig 🙂 Aber andererseits, warum nicht? 😀

    • Ja, man kann es ihnen einfach nie recht machen, den kleinen und etwas grösseren Menschen.
      Noch zu den Farben: Ich liiiiiieeeeebe die Kombination von grün und rosa, mindestens sosehr wie orange und Pink. Eine Zumutung für die meisten Augen, ich weiß, aber ich Berufe mich mal auf meine künstlerische Freiheit… 😉

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