Seien wir doch ehrlich…

„Hätte ich das jetzt wirklich schreiben sollen?“, fragte ich mich, nachdem ich den Post über diesen völlig missratenen Dienstag veröffentlicht hatte. Soll ich meine Leser wirklich wissen lassen, dass ‚Meiner‘ trotz all seiner Qualitäten fähig ist, mich zu enttäuschen? Dass er nicht fehlerfrei ist, auch wenn man dies hin und wieder glauben könnte, wenn man mich von ihm schwärmen hört? Wo ich es doch nicht ausstehen kann, wenn (Ehe)partner übereinander herziehen, anstatt miteinander die Unstimmigkeiten auf den Tisch zu bringen und zu lösen.

Fast hätte ich den Text deswegen abgeändert, doch dann beschloss ich, ihn bleiben zu lassen, wie er ist. Denn welchen Wert hat es, wenn ich nur darüber berichte, wie gut „Meiner“ und ich harmonieren, es aber verschweige, dass bei uns hin und wieder die Fetzen fliegen, dass wir durchaus dazu fähig sind, einander zu enttäuschen? Nein, ich werde nicht in aller Öffentlichkeit über „Meinen“ herziehen, denn was ich an ihm auszusetzen habe, sage ich ihm lieber direkt. Aber würde ich nicht ein völlig verlogenes Bild von unserer Ehe malen, wenn ich alles, was das kitschige Gemälde der perfekten Beziehung stören könnte, ausklammern würde? Wie glaubwürdig wäre mein Geschreibsel, wenn ich alle Mängel überpinseln würde?

Wobei ich anfügen muss, dass die perfekte Beziehung in meinen Augen nicht frei ist von Konflikten, Enttäuschungen und sinnlosem Zanken über Alltägliches. Die perfekte Beziehung – so es diese denn gäbe – zeichnet sich in meinen Augen dadurch aus, dass sie mit den Konflikten, den Enttäuschungen, dem sinnlosen Gezanke und was die Ehe sonst noch mit sich bringt, umzugehen weiss. Dass sie Unangenehmes nicht unter den Teppich kehrt. Und vor allem, dass sie sich durch all dies die Liebe nicht nehmen lässt.

Nicht einfach, ich weiss. Zuweilen auch sehr mühsam und aufreibend. Aber seien wir doch ehrlich: Ich kann von „Meinem“ nicht verlangen, dass er mich trotz all meiner Mängel liebt, wenn ich ihm nicht die gleiche Grosszügigkeit entgegenbringe.

2 Gedanken zu “Seien wir doch ehrlich…

  1. Ich werde mir Mühe geben. 😉 Und „Meiner“ konnte gut mit dem Text leben, also nehme ich an, dass er nicht zu ehrlich war…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.