Auf eine gute Nachbarschaft

Früher, wenn ein Kind eine Scheibe einschlug, meldete sich der Hausbesitzer bei den Eltern, die Eltern entschuldigten sich für das Vergehen ihres Kindes, bezahlten die Scheibe, verdonnerten ihr Kind zu Hausarrest und dann war die Sache gegessen. Die Erwachsenen sagten zueinander „Wir waren ja alle mal Kinder“, lachten über die Angelegenheit und später, wenn das Kind seine Strafe abgesessen hatte, lachte es auch wieder.

Heute geht das ganz anders: Das Kind schlägt eine Scheibe ein, sagt aus Angst vor der Strafe seinen Eltern nichts davon, der Vater des Kindes sieht das Loch trotzdem und schreibt dem Herrn Nachbar einen Brief, dass er sich doch bitte melden solle, weil der Herr Nachbar nicht zu Hause ist. Der Herr Nachbar meldet sich nicht, satt dessen steht drei Tage später der Polizist vor der Türe und will wissen, ob man etwas von einer eingeschlagenen Scheibe wisse, der Herr Nachbar wolle Anzeige erstatten. Die Kinder seien ja auch sonst schon negativ aufgefallen. Die Mama, die noch im Pyjama dem Polizisten gegenüber steht, wird ziemlich laut, weil sie nicht begreifen kann, weshalb der Herr Nachbar nicht den Anstand besitzt, selber vorbeizukommen, sondern einen Polizisten in Haus schickt, der die Personalien des Kindes aufnimmt. Der Polizist ist peinlich berührt, versucht die aufgebrachte Mutter zu beruhigen und meint, der Herr Nachbar sei ja auch mal Kind gewesen, er werde sich bestimmt verständnisvoll zeigen und die Anzeige zurückziehen. Die Mutter aber, die mit dem Herrn Nachbarn so ihre Erfahrungen gemacht hat, fragt sich allmählich, ob ein Nebeneinanderleben so überhaupt noch möglich ist, oder ob sie eine hohe, dicke Mauer zwischen den zwei Grundstücken bauen muss.

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7 Kommentare zu “Auf eine gute Nachbarschaft

  1. Krass!
    Soetwas ist wirklich traurig. Und nachvollziehen kann ich das Verhalten des Nachbarn auch nicht. Ich denke aber, solche Nachbarn hat es schon früher gegeben. Die haben damals aber nicht die Polizei geholt, sondern dem Kind den Hintern versohlt (o.ä.). Darf man ja heutzutage (zum Glück) nicht mehr. Also wird heute die Polizei gerufen…

  2. Oh man, solche „tollen“ Nachbarn haben meine Eltern auch. Ich bin froh, dass ich die nicht mehr ertragen muss… Manche haben einfach megamäßig einen an der Waffel und sind so sehr feige, dass sie sich dafür schämen, versuchen das aber dadurch zu vertuschen, dass sie die Staatsmacht vorbei schicken.
    Echt albern und sehr, sehr arm! (Und überhaupt: als hätte die Polizei nix wichtigeres zu tun…)

    • Vielleicht sollte man dem netten Herrn die Arbeitszeit, die der Polizist für den Besuch verschwendet hat, in Rechnung stellen.

      • Das wäre mal eine sehr gute Idee! Da würden sich einige zweimal überlegen, ob sie jetzt wirklich die Polizei rufen, weil z.B. jemand nach der Einwurfzeit seinen Müll weggeworfen hat. (Echt schon passiert!)

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