Wie der Onkel, so der Neffe

Gewöhnlich sorgt Kater Leone dafür, dass ich völlig verkatert im Kindergarten ankomme, wenn ich das Prinzchen begleite. Auf Schritt und Tritt folgt er mir, ruft verzweifelt nach mir, wenn er mich aus den Augen verloren hat und weicht nur von meiner Seite, wenn ein grosses, gefährliches Kindergartenkind seine Hand nach ihm ausstreckt. Dann schlägt er sich ins Gebüsch und ich habe das Vergnügen, mit Flip Flops an den Füssen den steilen Abhang nach meinem Kater abzusuchen, währenddem das Prinzchen und sein bester Freund drohen, sie würden sich jetzt dann gleich ohne mich auf den Heimweg machen.

Heute Morgen blieb Leone zu Hause. Ich weiss nicht, ob er den Abmarsch verpasst hat, oder ob er gerade anderweitig beschäftigt war, auf alle Fälle gingen das Prinzchen und ich alleine los. Wir waren noch nicht weit, als hinter der Hecke ein Miauen ertönte. „Der Kater kommt also doch mit“, sagte ich zum Prinzchen, doch als ich mich umwandte, war da nicht der grosse, behäbige Leone, sondern der kleine, flinke Gottegris, der uns folgte. Gottegris ist der einzige von Henriettas Söhnen, der bei seiner Mama bleiben durfte – sein rotes Fell und der aparte weisse Streifen auf der Nase haben es mir vom ersten Moment an angetan -, doch seitdem sich seine Mama von ihm zu emanzipieren beginnt, kümmert sich Onkel Leone mehrheitlich um die weitere Erziehung des Kleinen. Sie kämpfen spielerisch, schleichen gemeinsam ums Wachtelgehege und liegen faul an der Sonne. Offenbar hat Leone seinem Neffen nun auch beigebracht, was zu tun ist, wenn die Menschenfrau mit dem jüngsten Menschenjungen morgens das Haus verlässt: Hinterher, auf der Mauer balancieren, immer schön brav beim Fussgängerstreifen über die Strasse und auf gar keinen Fall die Menschenfrau aus den Augen lassen. 

Gottegris hat seinen ersten Kindergartenmorgen bravurös gemeistert, ja, er stellte sich gar kurz bei beiden Kindergärtnerinnen vor und lehrte einen Kater der Fürchten, der mindestens doppelt so gross ist wie er. Gut, auf dem Heimweg musste ich den Kleinen kurz auf den Arm nehmen und über die Strasse tragen, weil er sich lieber noch länger im Garten des Pfarrhauses herumgetrieben hätte, aber ansonsten kann Onkel Leone stolz sein auf seinen gelehrigen Neffen. Ja, und auch ich lerne allmählich, nämlich, dass ich wohl nie mehr ohne Kater im Kindergarten aufkreuzen werde. 

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7 Gedanken zu “Wie der Onkel, so der Neffe

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