Famiglia

Die italienische Seite unserer Verwandtschaft war uns lange Zeit fremd. Ein paar Missverständnisse, eine Handvoll kultureller Unterschiede und ein paar Mutter-Sohn-Schwiegertochter-Spannungen und schon fühlte man sich fremd. Je länger man sich nicht mehr sah, umso fremder fühlte man sich. Dann kam il Cugino und bald einmal merkten wir, dass wir uns näher sind als wir dachten. Nicht nur, weil er ein netter Mensch ist, der perfekt in unsere Familie passt. Auch weil er „Meinem“ ähnlicher ist, als wir erwartet hätten. 

Gut, einen grossen Unterschied gibt es zwischen den beiden. Im Gegensatz zu „Meinem“ hat il Cugino nämlich Geschwister und die sind derzeit bei uns zu Besuch. Offen gestanden hatte ich zuerst etwas Angst vor diesem Besuch. Ich meine, man hat sich Jahre lang nicht gesehen und ich war mir auch nicht so sicher, ob mein Italienisch ausreicht, um mit drei echten und einem in der Schweiz geborenen Italiener mitzuhalten. 

Wie sich bereits nach kurzer Zeit herausstellte, waren meine Sorgen ganz und gar unbegründet. Wo mein Italienisch nicht ausreicht, hilft man sich mit Gesten. Kommt ein schwieriges Thema zur Sprache, redet man ungewohnt offen miteinander. Entsteht ausnahmsweise mal eine Gesprächspause, sorgen die Kinder für Unterhaltung. Kurz, das Zusammensein ist ganz und gar entspannt und friedlich. Sieht ganz danach aus, als würde ich nach 22 Jahren endlich „la famiglia“ kennen lernen.

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4 Kommentare zu “Famiglia

  1. Ups, das kenne ich, die Beziehung trübte sich, als die Kinder kamen.
    An Ostern haben sie sich zum jährlichen Besuch angemeldet, seit 3 Wochen streiten mein Secondo und ich ab und zu, was wir sonst nie tun….
    Sind sie wieder weg, vergessen wir das Ganze…
    Das doofe daran ist, dass ich jetzt schon Horror davor habe, meine Schwiegertöchter einmal so zu behandeln…

    • Ich weiss leider zu genau, wovon du schreibst. Während Jahren war bei uns „La Famiglia“ der Streitgrund Nr. 1. Inzwischen ist es zum Glück ruhiger geworden, aber die Angst, selber einmal auch so eine Schwiegermutter zu werden, überkommt mich manchmal auch.

  2. Überlebt, gestern von 11.00 bis 17.00 sassen sie am Esstisch und schwatzen nur von sich…6 Stunden lang….Ich stand da echt freiwillig in der Küche und nach ca 3 Stunden hielt es mein Rücken nicht mehr aus…die Nerven sowieso auch nicht mehr…
    Danach waren wir alle völlig erledigt, nicht einmal mehr Lust auf Streit. Söhne, Mann, Tochter, alle waren danach still, wobei Tochter später kam und früher floh, die lebt nicht mehr zu Hause….die Glückliche.
    Auch mein Mann war offenbar froh, als sie gingen. Auch das kann Familie sein.

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