Von wegen

Die Nachbarin staucht die Kinder zusammen, weil sie nach einem langen Winter abends um halb acht lachend ums Haus rennen.

An einem einzigen Tag klagen drei Mütter völlig unabhängig voneinander, wie sehr sie sich alleine gelassen fühlen, wenn der Spagat zwischen Familie und Beruf zu anstrengend wird.

Eine konservative Politikerin behauptet, die Eltern müssten eben nur nett beim Arbeitgeber nachfragen, dann bekämen sie bestimmt Unterstützung beim Bezahlen der Krippenkosten.

Beim Anstehen an der Kasse wird der FeuerwehrRitterRömerPirat angeschnauzt, weil sich erfrecht, sich an der Stange, die eine Kasse von der anderen abgrenzt, festzuhalten.

Einer Mutter wird mit Rauswurf aus der Wohnung gedroht, weil sie morgens um zehn mit ihren Kindern singt.

Hierzulande nennt man es Vaterschaftsurlaub, wenn Papa nach der Geburt seines Kindes ein paar Tage frei bekommt.

Ich kenne kaum Familien, die sich Ferien im Inland leisten können. Ich meine hier nicht Campingferien oder die zwei Wochen mit Schwiegermama und Schwiegerpapa im familieneigenen Ferienhaus. Das ist nur Alltag unter erschwerten Bedingungen. Ich meine „echte“ Ferien, also ab und zu ein Besuch im Restaurant, Tagesausflüge, vielleicht etwas mehr Komfort als zu Hause.
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Die Leute behaupten zwar immer, es habe sich einiges getan in Sachen Familienfreundlichkeit, aber ich kann beim besten Willen nicht erkennen, was sich gebessert haben soll.

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3 Gedanken zu “Von wegen

  1. Der Mensch vergisst wohl einfach zu schnell, dass er mal ganz winzig angefangen hat und auf besonderen Schutz und Liebe angewiesen war.

  2. Wow, bei einigen Zeilen kann ich nur den Kopf schütteln. Leider hab ich aber auch schon öfter mitbekommen müssen, wie familienfeindlich dieses Land und auch einige Leute manchmal sind.
    Als DDR-Kind, für das der Kindergarten eine Selbstverständlichkeit ist, kann ich es z.B. nicht nachvollziehen, wo zum Kuckuck die ganzen Kitas hin sind, warum Erzieher heute so lächerlich bezahlt werden und warum man so sau viel bezahlen soll, um sein Kind betreuen zu lassen, wenn es offensichtlich ja eh nicht bei den richtigen Stellen ankommt.
    Man überlegt sich echt zehnmal, ob man wirklich ein Kind kriegen soll, wann denn am wenigsten schlimm wäre und wie man das bloß überstehen soll. :/

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