Pädagogisch inkorrekt

Noch selten habe ich die Sache mit den Zimtsternen, Mailänderli und Spitzbuben so lange vor mir hergeschoben wie dieses Jahr. Dabei hätte ich durchaus Lust zum Backen. Was ich aber nicht habe, ist Lust, mit den Kindern in der Küche zu stehen. Ich hab die Nase voll von diesemWaschdirzuerstdieHändeund stecknichtandauernddieFingerindenMundzuerstbekommterdenEngel-AusstecherdannduHimmelmachtnichtsoeineSauereiesstnichtzuviel
rohen
TeigsonstbekommtihrBauchwehMistjetztistschonwieder
allesangebrannt!
Ich will mir nicht anhören müssen, meine Matcha-Sablés seien viel zu herb und zu wenig süss, will nicht erklären, wie man Eier trennt, will nicht der Tradition zuliebe das Zeug machen müssen, das man zu Weihnachten eben so macht, sondern ausprobieren, was wir noch nicht kennen. Für einmal wünschte ich mir, ich wäre eine jener auf Sauberkeit bedachten Mütter, die ihre Kinder nicht in die Küche lassen, weil sie die Sauerei fürchten. Ich möchte die Fähigkeit besitzen, meine feste Überzeugung auszuschalten, die da lautet: „Kinder sollen am Herd experimentieren dürfen. Nur so bekommen sie Freude am Kochen.“ Ja, ich habe mich gar beim Gedanken ertappt, meine backwütigen Kinder mit ein oder zwei Paketen Fertigteig abzuspeisen und abends im Geheimen ganz für mich alleine eine zünftige Backorgie zu veranstalten. 

Mir ist selbstverständlich bewusst, wie pädagogisch inkorrekt solche Gedanken sind und darum werde ich morgen – oder übermorgen, vielleicht auch erst am Samstag – mit den Kindern die obligaten Weihnachtsguetzli backen. Heute Nachmittag aber, als fast alle aus dem Haus waren und das Prinzchen der Grossmama einen Besuch abstattete, packte ich die Gelegenheit beim Schopf und tobte mich ganz egoistisch alleine in der Küche aus. Zu meinem grossen Erstaunen haben die Kinder nicht mal gemotzt, dass ich ohne sie angefangen habe.

Ich glaube fast, die Matcha-Sablés sind süss genug geworden. 

carne povera

carne povera; prettyvenditti.jetzt

 

6 Kommentare zu “Pädagogisch inkorrekt

  1. Klingt ganz nett, diese Methode. Aber nicht übertreiben, sonst fangen die Kinder an zu jammern, du seist ein Sklaventreiber. 😉

  2. Habe das Rezept gestern gepostet. Falls dir der Matcha-Geschmack zu herb ist, nimmst du am besten etwas weniger von dem Pulver.

  3. Ich drücke mich jedes Jahr vor dem Guetsli backen, aus denselben Gründen. Dieses Jahr wars einfach…
    „Mami? Backen wir Guetsli? “
    Ich :“ bin noch im Büro am Arbeiten, macht schon mal einen Teig….Guetslibuech ist im oberen Regal“
    Das wars dann, sie haben alles alleine gemacht und auch fast alles nachher aufgeräumt. So einfach wars noch nie…
    Ich mag Guetsle neusterdings.
    Derzeit überlege ich mir noch, was die Kinder am Heiligabend kochen könnten * glucks*

  4. ich habe mich diese Jahr das erst mal ebenfalls an Matchakekesen probiert. Irgendwie schmecken sie mir aber nicht so richtig. Nach welchem Rezept machst Du Deine Sablés?
    Bin für gute Tipps dankbar.

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