Geschäftstüchtig

Absolut unfair sei es, wie das Prinzchen sich sein Taschengeld aufbessere, schimpften die grossen Geschwister. „Das kann doch jeder: Schneckenhäuser auf Hölzchen kleben und die Hölzchen mit einem Gesicht verzieren. Sowas kann der doch nicht einfach verkaufen“, beklagten sie sich. Der Aufruhr flaute erst ab, als Prinzchens Schnecken-Business aufgrund mangelnder Kundschaft ins Stocken geriet. Doch das Prinzchen begriff schnell: Wenn Eltern und Geschwister nicht ewig kaufen mögen, muss man auf anderem Wege an ihr Geld rankommen. Also machte er sich an die Arbeit, malte Bilder, verzierte Steine, klebte fantastische Gebilde und als das alles fertig war, lud er zur Vernissage. Ein Euro pro Person kostete der Eintritt, wer laut genug über Geldmangel klagte, kam auch für 50 Cent rein, wer noch lauter jammerte, sogar für 20. Prinzchen ist da nicht so stur, Hauptsache, sein Portemonnaie fühlt sich in der Hosentasche angenehm schwer an. Es dauerte nicht lange, bis die Geschwister wieder motzten: Absolut unfair sei das, wie er Eintrittsgeld einsacke, damit wir uns sein Gebastel ansehen. „Das kann doch jeder“, maulten sie schon wieder, aber genau in diesem Punkt irren sie gewaltig. Wer sein Gebasteltes und Geklebtes mit so viel Hingabe und Liebe zum Detail präsentiert, dass die Eltern aus Überzeugung und nicht aus Mitleid bares Geld springen lassen, der ist ein wahrer Könner. 

  

3 Kommentare zu “Geschäftstüchtig

  1. Pingback: Geschäftstüchtig, Teil II | Beautiful Venditti - Grossfamiliengroove à discrétion

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