Natürlich hätte es etwas gebracht

Unser Parlament findet es bekanntlich nicht nötig, dass Väter nach der Geburt ihrer Kinder zwei Wochen zu Hause bleiben dürfen und weil das nicht alle verstehen wollen, tönt es jetzt aus der Ecke, aus der die Mehrheit der Parlamentarier kommt, ein Baby brauche in den ersten Wochen vor allem seine Mutter, ein Vater könne da nicht viel ausrichten, also brauche er keinen Urlaub. Es ist zwar eine Weile her, seitdem ich zum letzten Mal mit einem frisch geschlüpften Baby alleine zu Hause war, aber es fallen mir durchaus ein paar Dinge ein, die „Meiner“ hätte ausrichten können, wenn er die zwei Wochen Urlaub gehabt hätte. Zum Beispiel:

  • Mütterlichen Kohldampf verhindern
  • Futternachschub besorgen
  • Eine oder zwei Stunden ungestörten Schlaf ermöglichen
  • Miterleben, wie viel Einsatz nötig ist, um diesem winzigen, zerbrechlichen Geschöpf zu geben, was es braucht
  • Die unzähligen kleinen und grossen Unsicherheiten der ersten Tage mittragen
  • Schreiphasen-Schichtwechsel

Und noch zwei- oder dreihundert Kleinigkeiten mehr. Bei mir hätten diese „Kleinigkeiten“ dazu beigetragen, den einen oder anderen Heulkrampf, die eine oder andere Brustentzündung, den einen oder anderen Notfalleinkauf mit schreiendem Baby zu verhindern. 

Nicht viel? Von wegen! Ein sanfterer Start in die neue Familiensituation wäre der Himmel auf Erden gewesen. Für alle Beteiligten.

(Nein, er hätte nicht gekonnt, wenn er gewollt hätte, denn er ist Lehrer. Und die Frage, ob läppische zwei Wochen genug gewesen wären, wollen wir lieber nicht aufwerfen. Soweit sind wir hierzulande in hundert Jahren noch nicht.)

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4 Kommentare zu “Natürlich hätte es etwas gebracht

  1. Es gibt so einiges, bei dem wir hier noch weit hinter dem Mond leben… Und dass es immer mehr Alte als Junge geben wird, wird das Ganze nicht gerade verbessern 🙁

    • Das Argument „Wir hatten das auch nicht, warum also sollten die Jungen das brauchen?“ hallt uns ja noch von den Debatten um die Mutterschaftsversicherung in den Ohren.

  2. Die superkluge bürgerliche Politikerin, die abgesondert hat, unmittelbar nach der Geburt brauche es besonders die Mutter, hat aucherklärt, wieso das so sei. Es sei bilogisch begründet, meinte sie. Schau, schau! Die Dame weiss offensichtlich, dass die Geburt eines Kindes etwas mit Biologie, also mit Prozessen des Lebens, zu tun hat. Vielleicht hat sie auch gelesen, dass die meisten Babys gestillt werden, und das können Väter nun einmal nicht. Vermutlich hat sie aber noch nie gehört, dass eine Geburt für die Mutter eine gewaltige körperliche Belastung ist, und dass da etwas Entlastung durchaus willkommen und der Erholung förderlich wäre.
    Vielleicht hat sie sich aber auch Bauernfrauen vor den Augen gehabt. Die können sich nämlich mit links eine Haushalthilfe leisten, schliesslich habe sie am gleichen Tag, als die jungen Eltern abgestraft wurden, 400 Millionen zugesprochen erhalten.

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