Von guten und schlechten Müttern

Gute Mütter – das sollte ich inzwischen wissen – kommen nie zu spät, wenn sie ihren Nachwuchs zu irgend einem Anlass bringen. Gute Mütter kommen auch nicht auf die Minute pünktlich angerast, um ihre Knöpfe noch schnell aus dem Auto zu schubsen, bevor das Programm losgeht. Gute Mütter sind mindestens zehn Minuten zu früh da, damit man ihnen wichtige Infos weitergeben kann und damit sie Zeit haben, sich mit vielen Ermahnungen und Liebesbekundungen von ihrem Nachwuchs zu verabschieden. Es versteht sich von selbst, dass gute Mütter nie stammelnd von all den Baustellen, roten Ampeln und unvorsichtigen Fussgängern berichten müssen, um zu erklären, warum sie eine Minute zu spät angebraust gekommen sind, denn gute Mütter haben solche Widrigkeiten stets einkalkuliert, weshalb sie rechtzeitig losfahren, denn sie haben ja auch den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als ihrem Nachwuchs zu Diensten zu sein. 

Schlechte Mütter wollen das einfach nicht begreifen und darum gehören sie bestraft und zwar so:

Besucherführerin*: „Gut, dann sehen wir uns um halb vier wieder.“

Mutter: „Um halb vier? Im Programmheft steht aber vier Uhr.“

Besucherführerin: „Das mag im Programmheft vielleicht so stehen, aber mit Kindern dauern die Führungen meistens nicht so lange.“

Mutter: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Veranstalter eine falsche Zeitangabe gemacht haben. Die machen das immer sehr korrekt…“

Besucherführerin: „Bei Kindergruppen brauchen wir nie zwei Stunden. Kinder haben viel weniger Fragen als Erwachsene. Seien Sie um halb vier unten auf dem Parkplatz.“ Und ihr Blick sagt: „Glauben Sie bloss nicht, ich würde Ihnen nicht ansehen, wie sehr Sie sich jetzt darüber aufregen, dass ich Ihre freie Zeit beschnitten habe. Rabenmütter wie Sie brauchen keine Kaffeepause.“

Tja, und so presst die schlechte Mutter all das, was sie sich für die zwei Stunden vorgenommen hat, in neunzig Minuten hinein, damit sie um halb vier auf dem Parkplatz ist. Ein Parkplatz, der selbstverständlich menschenleer ist, denn das Programm endet, wie von den Veranstaltern angekündigt, pünktlich um vier. 

Was die Besucherführerin nicht weiss: Schlechte Mütter sind immun gegen solche Strafen, denn schlechte Mütter haben stets ein gutes Buch in ihrer Handtasche, das es ihnen ermöglicht, sogar auf dem ödesten Parkplatz eine nette Pause zu verbringen. 

*Für dieses ganz und gar hässliche Wort übernehme ich keine Verantwortung. 

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