Mangelnder Shopping-Enthusiasmus

Wenn andere Mütter mit ihren Töchtern Kleider kaufen:

„Wow! Dieser Style steht dir ja echt gut. Dazu brauchst du jetzt unbedingt noch eine passende Jacke und dann ist dein Look perfekt. Komm, ich zeige dir, wie du den Schal umbinden musst, damit dein Outfit richtig gut zur Geltung kommt. Okay, perfekt. Und jetzt dreh dich mal um, ich möchte noch sehen, wie das von hinten aussieht. Suuuuuper! Du hast deinen Look gefunden! Du musst einfach mutiger werden, zu deinem Style stehen, zur Geltung bringen, wie schön du bist. So, und jetzt probierst du noch das Kleid an. Dazu solltest du unbedingt eine schwarze, blickdichte Strumpfhose tragen. Das wird dann total heiss aussehen. Ach, und natürlich brauchst du ein Paar High Heels. Die besorgen wir auch noch gleich. Ich kann es kaum erwarten, dich darin zu sehen. Das Kleid passt dir wie angegossen. Stell dir mal vor, wie du erst aussehen wirst, wenn wir die richtigen Accessoires dazu gefunden haben. Ein Hammer-Outfit wird das…“ (Nein, das habe ich nicht erfunden. Das ist eine ziemlich wörtliche Widergabe dessen, was ich heute gehört habe.)

Wenn ich mit meiner Tochter Kleider für einen Teenie-Galaabend kaufe:

„Lass mal sehen. Sieht gut aus. Wirklich richtig schön. Wie? Du willst noch ein anderes Kleid anprobieren? Aber warum denn? Dieses hier ist doch perfekt. Na gut, dann probierst du die anderen eben auch noch an…“ Ich nicke vier weitere Kleider ab und gebe dann mein Schlussurteil bekannt: „Ja, ich finde auch, dass du das Grüne nehmen solltest. Sieht wirklich toll aus. Gut, dann brauchen wir jetzt nur noch eine passende Strumpfhose und dann können wir von hier verschwinden. Ach so, du brauchst ja noch Schuhe. Na, dann lass uns das möglichst schnell hinter uns bringen.“ Und natürlich bringe ich später, als sie beim Anprobieren der High Heels stolpert, nicht das eigentlich von mir erwartete: „Ach, mach dir keine Sorgen, mit etwas Übung schaffst du das schon und sonst buchen wir dir einen High-Heel-Kurs, damit du richtig elegant laufen lernst“ über die Lippen, sondern bloss etwas, was meine Tochter als schadenfreudiges Gelächter bezeichnen würde, was aber in Wirklichkeit natürlich allerhöchstens ein wohlwollendes Schmunzeln war. 

Nein, ich tauge wahrlich nicht als enthusiastische Shopping-Begleiterin. Dafür sage ich meiner Tochter manchmal auch dann, wenn sie vollkommen zerknittert aus dem Bett gekrochen kommt, wie hinreissend ich sie finde. (Zugegeben: Ich prüfe erst vorsichtig, ob die aktuelle Laune ein solches Kompliment erlaubt…)

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2 Kommentare zu “Mangelnder Shopping-Enthusiasmus

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