Endlich!

Ich hab’s getan! Was genau, behalte ich lieber noch für mich, denn wenn ich scheitere, dann lieber ohne Getöse. Entscheidend  ist allein, dass ich mir einen gewaltigen Tritt in den Hintern gegeben habe. Damit ich endlich mit meinem Endlosschleifen-Gejammer aufhöre. Denn im Grunde ist mir nichts mehr zuwider, als Mütter, die immer nur darüber jammern, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt. Die vertanen Chancen hinterherheulen, sich die besseren Zeiten herbeisehnen und dabei ganz vergessen, wie glücklich sie sein könnten, wenn sie nur mal endlich aufhören würden, den anderen die Schuld zu geben an ihrem Elend. Und was mache ich seit drei Jahren tagein tagaus? Eben dies.

Für eine Weile mag Jammern ja ganz gut und wichtig sein, aber irgendwann reicht’s. Und so habe ich eben beschlossen, mir endlich einen Tritt in den Hintern zu geben. Bevor ich mir selber noch ganz zuwider werde und aus lauter Frust Mitglied bei den Landfrauen werde. Oder bei der Trachtengruppe. Oder beim Kaninchenzüchterverein.

 

Das Majestix-Syndrom

„Ich fühl mich so müde …. nur noch müde…“

Und „Meinem“ geht’s nicht anders. Und die Adventszeit fängt morgen erst richtig an…

Wann endlich wird der Winterschlaf für Eltern eingeführt?

Die Jugend von heute

Was hatten wir uns bloss gedacht dabei, als wir Karlsson erlaubten, drei Freunde zum Übernachten einzuladen, um seinen Geburtstag nachzufeiern? Vier aufgedrehte Neunjährige, drei überforderte kleine Brüder, eine genervte Luise, die sich über die vielen Jungs im Haus aufregt, zwei von der anstrengenden Arbeitswoche vollkommen geschaffte Eltern. Und dazu noch Regenwetter. Nichts gewesen mit Nachtspaziergang, Abenteuergeschichte am Lagerfeuer und so. Stattdessen Pinocchio auf der Wohnzimmercouch. Konnte das gut gehen?

Ja, das Fest hätte tüchtig in die Hose gehen können. Nicht aber mit Karlsson und seinen Freunden. Die vier Musterknaben strafen all jene Pessimisten Lügen, die auf die Jugend von heute schimpfen. Schon als Pinocchio sich dem Ende näherte, meinte der Eine, er würde jetzt eigentlich gern ins Bett gehen. Es war gerade mal Viertel nach acht. Fünf Minuten später fand der andere, eigentlich müsse man die Tischbombe nicht heute schon zünden. Es sei ja schon so spät. Nun, wir zündeten die Bombe dennoch, Karlsson zuliebe, dem auch schon fast die Augen zufielen. Zwanzig Minuten später lagen die Jungs auf ihren Matratzen, jeder ausgerüstet mit einer Taschenlampe und einem Buch. Einzig das Umblättern der Seiten und ab und zu ein leises Kichern, weil einer etwas Lustiges gelesen hatte, waren noch zu hören. Und natürlich das Herumtoben des überdrehten Zoowärters einen Stock tiefer. Und das emsige Treiben des FeuerwehrRitterRömerPiraten, der unbedingt heute noch der Dame seines Herzens eine Zeichnung machen will.

Es würde mich nicht verwundern, wenn die Grossen die beiden schon bald zur Ruhe ermahnen würden. Oder sich bei mir beklagen kommen, sie könnten bei diesem Lärm nicht schlafen. Die Jugend von heute sei doch einfach unerträglich…

Okay, später kam dann doch noch so etwas wie Pyjamaparty-Stimmung auf. Aber nie so wild, wie wir es erwartet hätten. Und schon gar nicht so wild, dass sie es geschafft hätten, „Meinen“ zu wecken, der die Party wiedermal auf dem Sofa verpennt hat.

Guten Appetit!

Man nehme einen Stapel Pfannkuchen, fünf eigene Kinder, zwei Tageskinder, eine überforderte Mama und dazu noch Karlssons besten Freund, der noch immer an der Illusion festhält, dass das Essen bei Vendittis immer gut ist. Wenn man dies alles vor seinem inneren Auge sieht, male man sich dazu aus, wie eine Küche aussieht, in der ein kleines süsses Prinzchen einen Wasserkrug verschüttet hat. Dann führe man sich die Tischmanieren von zwei völlig überdrehten Neunjährigen vor Augen, erinnere sich an den Duft voller Windeln und an das wohlige Gefühl von Reibkäse, der an feuchten Socken kleben geblieben ist. So etwa sah heute meine Mittags“pause“ aus.

Und so, liebe Frau Klum, äh, Pardon, Frau Samuel, so schaffen wir normalen Mütter es irgendwann, viele Monate nach der letzten Geburt, ein paar unserer überflüssigen Kilos loszuwerden. Denn wie ich nach geschlagener Schlacht mit leerem Blick auf den Ort des Grauens starrte, wurde mir bewusst, dass mein Appetit verflogen war, obschon ich noch kaum einen Bissen im Magen hatte. Ich kann mir gar nicht erklären, warum…

Generation Ikea wird erwachsen

Bei  Menschen meiner Generation, die seit vielen Jahren in fester Partnerschaft leben, machen sich so langsam die ersten Abnützungserscheinungen bemerkbar. Nein, ich rede nicht von der grossen Scheidungswelle zwischen dreissig und vierzig. Die haben die Einen schon hinter sich, die anderen hoffentlich nicht vor sich. Ich rede auch nicht von den ersten Gebrechen, die man nicht mehr ganz so leicht los wird. Ist es nicht schrecklich, dass wir so langsam zu verstehen beginnen, weshalb unsere Eltern sonntags lieber einen Mittagsschlaf hielten, als mit uns in den Zoo zu gehen?

Ich rede auch nicht vom zerbrochenen Porzellan. Die Teller, die man damals so sorgfältig ausgesucht hatte, sind bei den meisten Paaren schon längst nicht mehr. Und die, die man danach etwas weniger sorgfältig ausgesucht hatte, sind auch schon in die Brüche gegangen. Und die, die man danach im Sonderangebot erstanden hat, weil man sonst aus Papptellern hätte essen müssen, werden auch immer weniger. Je nach Temperament des Paares, Anzahl Kinder, Ungeschicktheit dieser Kinder und noch grösserer Ungeschicktheit der Eltern sind die meisten Paare unserer Generation inzwischen wohl bei Service Nummer 3 angelangt. „Meiner“ und ich sind bereits bei Nummer 4, aber da wir inzwischen etwas ruhiger geworden sind, fliegen auch die Teller nicht mehr so heftig, so dass echte Chancen bestehen, dass dieses Service ein paar Jahre halten dürfte.

Aber eigentlich wollte ich von etwas anderem reden: Von den Möbeln. Wie oft ist man sich damals, als man die erste gemeinsame Wohnung bezog, in den Haaren gelegen, weil man nicht einfach das Erstbeste kaufen wollte. Das Ding sollte ja für die Ewigkeit halten. Und jetzt, schlappe zehn Jahre später, geben die Möbel den Geist auf. Bei den einen sind es die Regale in der Küche, die nach Jahren des Dienstes einfach so zusammenbrechen. Bei anderen will plötzlich das Sofa nicht mehr. Und bei „Meinem“ und mir macht so langsam das Ehebett nicht mehr mit. Nun, lieber das Bett als die Ehe, aber eigentlich hatten wir gedacht, wir würden uns dann zur Pensionierung ein Neues leisten. Doch Generation Ikea muss sich wohl damit abfinden, dass nichts mehr für die Ewigkeit gedacht ist. Haben sich darum unsere Eltern damals diese hässlichen braunen Wohnwände angeschafft? Nun, meine Gott sei Dank nicht. Aber dafür mussten sie auch alle Jahre wieder in die Ikea fahren, um zu ersetzen, was den ganzen Trubel der Grossfamilie nicht länger ertragen konnte. Das war eben der Preis, den man fürs Modernsein bezahlte, damals, vor zwanzig, dreissig Jahren.

Und nun sind wir dran mit Zahlen. Wie sollen wir die nächsten Anschaffungen bloss wieder an unserem Budget vobeischmuggeln?

Da fällt mir ein: Ich habe da noch so einen Gutschein vom letzen Geburtstag…. Ikea, wir kommen!

Wo bleibt er denn so lange, der perfekte Hausmann?

Kann es denn sein, dass ich die einzige unfähige Hausfrau bin, die mit dem perfekten Hausmann verheiratet ist? Ist es den möglich, dass ausser uns niemand diese unsinnige Arbeitsteilung lebt: Die unfähige Hausfrau schmeisst zu Hause den Laden mehr schlecht als recht, während der perfekte Hausmann in der Schule sitzt und den Kindern die deutsche Grammatik näher bringt. Obschon „Meiner“ und die deutsche Grammatik sich etwa so nahe stehen wie Paris Hilton und Stephen Hawking. Ja, ausgerechnet in der Schule muss er sitzen. Dort, wo ich ihn nie erreichen kann, wenn ich mal dringend wissen muss, wo er dies und jenes verstaut hat oder wie etwas in den Griff zu kriegen ist. Sässe er im Büro, ich könnte ihn jederzeit anrufen, wenn ich nicht mehr weiter weiss. So eine Art Briefkastenonkel für die verzweifelte Hausfrau. Aber ich kann ihn doch nicht wegen jeder Haushaltskrise aus dem Unterricht rufen lassen.

Und so kam es, dass ich heute früh in der Wohung herumgestöckelt bin wie ein aufgescheuchtes Huhn und nach dem Gesundheitsheft des Prinzchens suchte, das „Meiner“, der perfekte Hausmann, am einzig richtigen Ort für Gesundheisthefte versorgt hat. Das Heft, das für mich unauffindbar ist, weil mir im Haushalt jeder Sinn für Logik abgeht und ich deswegen den einzig richtigen Ort für Gesundheitshefte nicht finden kann. Das Heft, das ich unbedingt brauche, weil ich in einer Viertelstunde bei der Kinderärztin zum Baby-TÜV antraben muss. Und vorher noch den Zoowärter in der Spielgruppe abliefern muss. Und ja, Sie haben richtige gelesen: Ich bin durch die Wohnung gestöckelt. Obschon ich mir heute früh, noch ohne Schuhe an den Füssen, dafür mit dem Prinzchen auf dem Arm, zwei hässliche blaue Flecken geholt habe, als ich auf der Treppe hingefallen bin. Nun, zumindest war ich danach wach.

Bedarf es wirklich noch weiterer Beweise, dass ich im falschen Job bin? Nun ja, wenn Sie unbedingt darauf bestehen, dann liefere ich eben noch ein paar: Karlssons Bett ist noch immer nicht frisch bezogen, obschon er jetzt bereits seit drei Tagen wieder gesund ist. Der Staubsauger liegt noch immer im Büro und wartet darauf, bis ich endlich aufhöre zu schreiben und mit ihm durch die Wohnung rase, damit er  all das Zeug aufsaugen kann, nach dem er seit Tagen lechzt. Die Kidney-Bohnen liegen noch immer im Einweichwasser, obschon ich sie schon gestern Abend hätte kochen müssen. Nun ja, zumindest stammen die Kidney-Bohnen nicht aus der Dose, aber was hilft das, wenn es zum Mittagessen dennoch gekaufte Tortelloni gab?

Reichen die Beweise? Oder wollen Sie wirklich noch meinen Haushalt persönlich inszpizieren? Nur um festzusztellen, was schon längst augenfällig ist: Hier muss endlich mal ein rechter Hausmann ans Werk. Ich wüsste da schon einen…

Bis zum Umfallen….

Vielleicht war ich ja etwas voreilig mit meinem Urteil über Dr. Sarah May. Die Frau hat nämlich durchaus Qualitäten, ja, sogar Mutterqualitäten. Zumindest, wenn ich sie spiele. Dann hüpft sie morgens aus dem Bett, stürzt sich in die Kleider und rast zum Tiergehege, noch bevor sie sich ein Frühstück genehmigt hat. Sie füttert die Tiere, putzt das Gehege – und zwar nicht nur so oberflächlich, sondern richtig gründlich,- sie streichelt jedes Tierchen einzeln, spielt mit jedem und dann rast sie ins Haus, um Kunden zu bedienen, weitere Tiere zu pflegen, Futter einzukaufen. Und irgendwann, wenn sie schon beinahe kippt vor lauter Hunger, gönnt sie sich eine kleine Mahlzeit. Während die Tiere prächtig gedeihen und die Kunden höchst zufrieden sind, knausert Dr. Sarah May mit sich selber: Kaum Freizeit, kaum Zeit für Mahlzeiten, kaum Musse, ein Buch zu lesen. Und irgendwann, wenn der Mond schon hoch am Himmel steht, sinkt sie ins Bett und träumt einem nächsten randvollen Tag entgegen.

Die perfekte Mutter also, nicht wahr? Selbstlos, idealistisch, aufopferungswillig. Ja, so wäre Sarah May, wenn da nicht der Computer wäre. „Du brauchst mal eine Pause“, sagt er, wenn sie gerade so schön in Schwung ist. Oder „Wie wär’s mit einer kleinen Mahlzeit?“, wo sie doch gerade so fleissig am Tiere streicheln war. Oder „Zeit, ein paar Stunden zu schlafen“, wo sie doch unbedingt noch dies und das erledigen sollte. Wie soll Sarah May den Laden je in  Griff kriegen, wenn der Computer sie immer wieder zum süssen Nichtstun auffordert?

Nachdem ich ein paar Runden in der „Tierklinik“ von Luise und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten herumgeschnuppert habe, fiel mir auf, dass Dr. Sarah May mein eigenes Leben perfekt spiegelt. Sie gibt alles, ist nur zufrieden, wenn sie eine Höchstleistung erbracht hat, trampelt ihre eigenen Bedürfnisse zu Boden. Und wundert sich vielleicht, dass sie dabei ausbrennt. Wo sie doch bloss ihr Bestes geben wollte….

Déjà-lu?

Es hat durchaus Vorteile, wenn man Bücher in rasendem Tempo verschlingt. Spätestens fünf Tage später hat man die Handlung wieder vergessen und zwei Monate später kann man das Buch erneut lesen, ohne sich dabei zu langweilen. Offenbar bin ich dabei etwas zu weit gegangen. Inzwischen erinnere ich mich nicht einmal mehr daran, ob ich ein bestimmtes Buch bereits gekauft habe. Und so stand ich gestern ratlos in der Buchhandlung und wusste nicht so recht, was ich mir kaufen sollte. Schliesslich entschied ich mich für drei Bücher, darunter auch  „The Namesake“ von Jhumpa Lahiri.

Ein gossartiges Buch. Ich konnte kaum warten, bis ich endlich Zeit fand zum Lesen. Und dann, auf den ersten Seiten, begann es mir zu dämmern, dass ich das Buch schon mal in den Händen gehalten haben muss. Eine Art Déjà-lu-Erlebnis, wenn man das so nennen darf. Seither kann ich mich kaum mehr auf den Inhalt konzentrieren, denn ich zerbreche mir den Kopf, wann und wo ich das Buch bereits gelesen habe. Ja, ich erinnere mich, dass ich mal eine Rezension gelesen habe. Darum ist es mir gestern in der Buchhandlung ja auch ins Auge gesprungen. Aber in einer Rezension kann ich nicht diese Szene gelesen haben, in der Baby-Gogol seine Milch in Mamas Mund sabbert, so dass die Mama danach den ganzen Tag keinen Bissen mehr runterbringt. Auch nicht die Ereignisse auf der Zugfahrt, als Gogols Vater beinahe ums Leben kommt.  Oder die Erlebnisse des kleinen Gogol am ersten Schultag.

Wenn ich doch bloss wüsste, woher ich das Buch kenne. Und vor allem auch, wohin ich es verlegt habe. Denn dass ich es gekauft haben muss, ist klar. Ich lese nämlich keine Leihbücher, davon bekomme ich Asthmaanfälle. Wenn ich jetzt in meiner Vergesslichkeit anfange, die Bücher nicht nur doppelt oder dreifach zu lesen, sondern auch doppelt oder dreifach zu kaufen, könnte dies zu ernsthaften Eheproblemen führen. „Meiner“ motzt nämlich jetzt schon, ich würde zu viele Bücher kaufen. Dabei könnte er doch stolz sein, dass „Seine“ das Geld, das andere Frauen in Mani- und Pedicure stecken, beim Buchhändler liegen lässt. Immerhin ist Bildung ein bleibender Wert. Zumindest, wenn man nicht sofort wieder vergisst, was man gelesen hat…

Simulieren, Lektion I

Weil ich mal wieder einen Wecker ruiniert habe, weckt mich morgens das Telefon. Und weil ich heute nicht schon um halb sieben aufstehen wollte, holte ich das Prinzchen ins Bett, als er zu quengeln begann. So kam es, dass die beiden, das Prinzchen und das Telefon, in den frühen Morgenstunden zueinander fanden. Was dem Prinzchen grösstes Vergnügen bereitete. Er hielt sich das Ding ans Ohr und plapperte fröhlich vor sich hin. Kein Anflug von Ohrenweh oder sonstiger Leiden. Plötzlich fiel mir ein, dass Karlssons Geigenlehrerin wohl nicht gerade entzückt wäre, wenn sie vor Tagesanbruch einen Anruf des Prinzchens bekäme. Und meine Mutter wohl auch nicht. Und die Feuerwehr schon gar nicht. Oder sonst jemand, dessen Nummer wir gespreichert haben. Und so entwand ich das Telefon aus des Prinzchens eisernem Griff um die Tastensperre zu aktivieren. Was jetzt folgte, war ein Auftritt erster Klasse: Das Prinzchen griff sich an sein krankes Ohr, stiess einen jämmerlichen Schmerzensschrei aus und der Blick aus seinen tieftraurigen Kulleraugen sagte mir, dass er diese Ohrenschmerzen einfach nicht mehr aushalten kann.

Eigenartig: Kaum hatte er das Telefon wieder, waren auch die Schmerzen weg. Das erinnert mich entfernt an die Zimmernachbarin, mit der ich einmal nach einer Geburt die Nachwehen teilte: Die Frau quasselte den ganzen Tag fröhlich am Telefon, doch kaum betrat das Personal das Zimmer, krümmte sie sich, ihr Gesicht verzerrte sich und sie stöhnte, was das Zeug hielt. Und wenn das Personal wieder draussen war, quasselte sie weiter.

Du wirst deine Mittelohrentzündung doch nicht etwa simuliert haben, mein Prinzchen?

Wink mit dem Zaunpfahl

Ich habe ja nie behauptet, eine Vorzeigehausfrau zu sein. Und momentan ist unser Haushalt noch weniger präsentabel als im Normalzustand. Bei so vielen Kranken kommt das Aufräumen einfach ein wenig zu kurz. Ja, und dann muss ich natürlich zwischendurch auch noch Dr. Sarah May auf die Sprünge helfen, damit die Koalas nicht eingehen. Es hätte also keinen Stromausfall gebraucht, um mir vor Augen zu führen, dass ich eine schlampige Hausfrau bin. Doch irgendwer glaubt zu wissen, dass ich einen Tritt in den Hintern brauche und deshalb gingen heute pünktlich um Viertel nach acht Uhr abends die Lichter aus. Und sie gingen nicht wieder an, mochte ich am Sicherungsschalter riegeln, soviel ich wollte. Was ist nur aus den guten alten Sicherungskästen geworden, wo man einfach eine neue Sicherung reinschrauben konnte, wenn die Alte schlapp machte?

So tappte ich also durch die Wohung und suchte nach der Schwachstelle, die das ganze System zum Streiken gebracht hatte. Nach langer Zeit wurde ich fündig: Es war der Kühlschrank. Ja, genau derjenige, der schon längst wieder mal abgetaut und geputzt werden sollte. Aber weshalb der Kerl ausgerechnet heute auf sich aufmerksam machen musste, ist mir ein Rätsel. Wo ich doch mit zwei Mittelohr-Entzündungen (Karlsson & Prinzchen), einer darniederliegenden Grippe („Meiner“), einer fast ausgestandenen Grippe (Zoowärter), zwei sich langweilenden ganz Genesenen (Luise & FeuerwehrRitterRömerPirat), Dr. Sarah May und Novemberschreiben mehr als genug am Hut habe. Genau heute also musste dieser Kühlschrank aussteigen, mich dazu zwingen, ihn leer zu räumen und mit Schrecken festzustellen, dass er dringend gesäubert werden muss. Aber der Kerl kann mich mal. Nach Feierabend  lasse ich mich nicht mehr zum Putzen zwingen. Schon gar nicht von einem Kühlschrank.