Bittersüss

Für etwas mehr Gemüsegartenfläche bin ich immer gern zu haben. Habe ja auch unzählige Keimlinge, die bald einen Platz zum Wachsen finden sollen. Die zusätzliche Fläche war diesmal schnell bereit: Holzdeckel weg, zwei morsche Bretter entfernen, sieben Sack Erde und zwei Sack Kompost – fertig war das neue Beet. Eigentlich hätte ich jubeln müssen, doch stattdessen betrachtete ich mein Tagewerk mit einem Kloss im Hals. Dort, wo bald schon Fenchel, Karotten und Schwarzwurzeln wachsen werden, buken unsere Kinder Sommer für Sommer ihre Sandkuchen. Eine Zeit lang waren es ganz viele Sandkuchen, dann wurden es weniger, bis die Produktion letzten Sommer fast ganz eingestellt wurde. Zeit also, den Sandkasten anderweitig zu nutzen.

Wehmütig betrachtete ich die wenigen Förmchen, die noch zurückgeblieben waren. Ich dachte zurück an jenen Frühlingsnachmittag, an dem Karlsson und seine um zwei Jahre ältere Cousine mit einer Schaufel eine riesige Hausspinne totschlugen und sich dann einen Saison lang nur in den Sandkasten trauten, wenn ich ihn vorher auf Spinnen abgesucht hatte. Ich erinnerte mich an die Flusslandschaften, die der FeuerwehrRitterRömerPirat jeweils mit grosser Ausdauer erschuf. Ich versuchte nachzurechnen, wie viele Kinder in diesem kleinen Quadrat glückliche Stunden verbracht hatten. Ja, ich freue mich über mein neues Gartenbeet, aber es schmerzt mich, das Kapitel „Sandkasten“ abzuschliessen.

Als ich den schweren Deckel des Sandkastens wegtrug, traf ich meine Mutter, die dabei war, den Gartenweg zu kehren. Plötzlich erinnerte ich mich daran, wie sie in dem Rund, in dem wir als Kinder unzählige glückliche Sand-Stunden verbracht hatten, Fetthennen anpflanzte, nachdem wir dem Sandkasten entwachsen waren. Gut fünfzehn Jahre später legte sie in ihrem neuen Zuhause, das heute auch unser Zuhause ist, einen Sandkasten für ihre zahlreichen Enkel an. Auch eine Schaukel bekamen die Enkel und eine Rutschbahn, ja, sogar ein liebevoll eingerichtetes Spielzimmer, das mit allem ausgestattet ist, was Kinderherzen höher schlagen lässt.

Der Anblick meiner Mutter tröstete mich über den Abschiedsschmerz hinweg. Irgendwann – so hoffe ich – wird es bei uns wieder einen Sandkasten geben, vielleicht auch eine Schaukel, eine Rutschbahn und ein Spielzimmer. Darüber freue ich mich.

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Donnerstag, 27.3.2014

  • Fünfmal Schulbesuch inklusive Kürzest-Elterngespräche und Small-Talk mit einer Person, mit der ich lieber nicht smalltalken möchte. (Ja, ich weiss, ich hätte eigentlich nicht in den Kindergarten gehen dürfen. Aber wie um alles in der Welt hätte ich dem Prinzchen erklären sollen, dass ich zu allen gehe, nur nicht zu ihm?)
  • Dreimal Migros (Zuerst Mittagessen, dann Schokolade für meine Schwester, später noch Grosseinkauf)
  • Einmal private Kirchturmführung weil eine Bekannte sich spontan bereit erklärte, il Cugino das Bijou unseres Dorfes zu zeigen. Il Cugino kam mit glänzenden Augen vom Turm runter und war einmal mehr überzeugt, dass es der richtige Entscheid gewesen war, hierher zu kommen.
  • Einmal Besuch bei meiner Schwester. Vor der Rückfahrt noch kurz Wasserpflanzen pflücken, weil unser Teich gerade welche braucht und meine Schwester zu viele hat. 
  • Wasserpflanzen anpflanzen. 
  • Zweimal Tiere gefüttert.
  • Einmal gekocht.
  • Menüplan für die kommende Woche zusammengestellt. (Nein, es gibt nicht jeden Tag das Gleiche…)
  • Grosseinkauf hochgeschleppt.
  • Mit Kater Leone geschäkert.
  • Mit zitternden Knien dabei zugesehen, wie der Backofen ein paar Funken sprühte, zu rauchen begann und dann den Geist vollends aufgab.
  •  Sehr viele (zu viele?) Rechnungen bezahlt.
  • Frühlingsblumen bewundert.
  • Mit Kindern, „Meinem“, il Cugino und einigen Müttern gequatscht (und ein wenig gemotzt).
  • …und dann sonst noch ein paar Kleinigkeiten…

Kann mir bitte jemand erklären, wie es mir gelungen ist, alle diese Dinge in einen einzigen, kleinkarierten Donnerstag zu quetschen?

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Love Story

Für sie lässt er seine besten Freunde warten und wenn sie sagt, sie wolle heute mal mit ihm alleine sein, dann muss ihm keiner mit der Idee kommen, man könnte sich ja auch zu dritt oder zu viert treffen. In ihrer Gegenwart verfliegt die Zeit so schnell, dass jeder Abschied zu früh kommt, egal, wie oft man ihn schon hinausgezögert hat. Schwer zu sagen, wie die zwei zueinander gefunden haben. Irgendwann gehörten sie einfach zusammen. Auf den ersten Blick mag es scheinen, als habe sie die Hosen an, denn sie ist die Zielstrebigere von beiden. Doch ohne seine Leichtigkeit wäre alles nur halb so schön. Sie ergänzen sich halt einfach. Darum macht ist es auch ganz natürlich, wenn sie beim Musikschulkonzert den Arm um seine Schulter legt. Kein Erröten, keine dummen Sprüche, kein Abstreiten – so macht man das einfach, wenn man sich gefunden hat. Gut, er mag es ihr nicht gleichtun, vermutlich weil er weiss, dass ich ganz in der Nähe bin und alles mitbekomme. Das wäre dann schon etwas peinlich. Mütter haben ja bekanntlich keine Ahnung von der ersten grossen Liebe.

Gut, etwas überrascht bin ich tatsächlich. Dass ausgerechnet er der Erste ist, der eine Freundin nach Hause bringt, hätte ich vom Zoowärter nämlich nicht unbedingt erwartet.

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Lobhudelei oder so

Das war wohl nicht so klug von mir, hier über die Blind Dates zu schreiben, die „Meiner“ für mich organisiert. Von
nun an werde ich nämlich nicht mal die leiseste Kritik an ihm anbringen dürfen, ohne dass der weibliche Teil meiner Leserschaft – also etwa 99,9% – mich unter lautem Protest daran erinnert, dass dieser Mann mich auf Händen trägt. Keine(r) wird mir je wieder glauben, dass auch er seine Macken hat. Sollte ich mich jemals bitter über liegengebliebene Drecksocken oder zu lautes Schnarchen beklagen, wird man mich als seiner unwürdig erklären. Und sollte ich je auf den Gedanken kommen, zu erwähnen, dass er nicht nur Macken, sondern auch zwei oder drei richtige Fehler hat, wird man mir das Beziehungsrecht entziehen. Ich bin also von nun an verpflichtet, ihn in der Öffentlichkeit über allen grünen Klee zu loben und die Dinge, die nicht so grossartig sind, mit ihm privat zu besprechen. Was mir eigentlich ganz recht ist, denn Frauen, die überall ihren Mann schlecht machen, sind nicht so mein Fall. Hat sie ja – in den meisten Fällen hierzulande – niemand dazu gezwungen, genau diesen und keinen anderen zu nehmen.

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Blind Date

Vierzig zu werden gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, aber mit „Meinem“ an der Seite ist es ganz erträglich. Der hat sich nämlich gedacht, es sei blöd, erst im Oktober zu feiern und schenkt mir deswegen jeden Monat eine Kaffeepause mit einer Freundin, einer Schwester, einer… Na ja, ich weiss nicht so genau, wen er alles ausgesucht hat, denn er verrät rein gar nichts. Er sagt mir nur, wann ich wo sein muss und dann kann ich mich überraschen lassen, wer da mit einem Gutschein, den „Meiner“ organisiert hat, auf mich wartet. Eine typische „Meiner“-Idee: Spontan, geheimnisvoll und perfekt auf meine derzeitigen Bedürfnisse zugeschnitten. 

Natürlich freue ich mich wie ein kleines Kind über dieses Geschenk und wie ein etwas grösseres Kind frage ich mich insgeheim: „Was, wenn die Frau, die er zu einem Kaffeeklatsch mit mir verdonnert hat, gar nicht mit mir kaffeeklatschen will?“ Allzu lange denke ich aber nicht über diese Frage nach, denn „Meiner“ hat mir versichert, die Frauen, die er bis jetzt kontaktiert habe, seien alle begeistert. Na, dann will ich ihm mal glauben…

Einen klitzekleinen Haken hat diese grossartige Geschenkidee natürlich trotzdem: Ich muss meine Arbeit vorholen. Darum werde ich jetzt schön brav eine Nachtschicht einlegen, um die Kolumne zu schreiben, die ich morgen, wenn ich beim Kaffee sitze, schreiben würde. Und die Wähe für das Mittagessen mache ich dann im Morgengrauen. Aber dieses kleine Zusatz-Schlafmanko nehme ich für einmal noch so gerne in Kauf.

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Danke, meine drei Lieben

Nur ungern gebe ich es zu, aber es ist halt doch so: Das ewige Theater ums Tischdecken, das Genöle, wenn etwas nicht schmeckt, der Zoff, weil nicht mal die grundlegendsten Tischregeln ohne Widerstand eingehalten werden, das tägliche Müssen – all dies hat meiner Kochleidenschaft ganz schön zugesetzt. Klar, gutes und gesundes Essen sind mir noch immer wichtig, ich rühre weiterhin mit ziemlich viel Freude im Kochtopf, natürlich kommt immer wieder mal etwas Neues auf den Tisch und wenn ich Zeit habe, mag ich es auch richtig kompliziert und aufwendig.

Dennoch seufze ich zuweilen tief, wenn die Mittagszeit naht. Immer wieder muss ich die Ausgehungerten davon abhalten, sich über den Vorratsschrank herzumachen, währenddem ich dem Essen den letzten Schliff verpasse. Immer wieder findet mindestens einer, es wäre besser gewesen, ich hätte etwas anderes gekocht. Und wenn ich ausnahmsweise mal den Geschmack aller getroffen habe, entbrennt der erbitterte Kampf um die letzten kostbaren Bissen. Deshalb überkommen mich zuweilen die Zweifel, ob das, was ich für so wichtig halte im Familienleben, auch wirklich geschätzt wird von denen, die ich am meisten liebe. 

Doch dann, wenn die Zweifel am allerschlimmsten sind, geschieht dies:

Das Prinzchen kommt nach Hause, wirft einen Blick in die Pfanne, fragt, was es sei und sagt: „Das esse ich!“ Wenige Augenblicke später steht der FeuerwehrRitterRömerPirat mit bettelndem Blick neben mir: „Darf ich bitte jetzt schon probieren? Das sieht so unglaublich gut aus und ich bin sooooo hungrig.“ Währenddem ich noch darüber nachsinne, ob sich unsere beiden heikelsten Esser bewusst sind, dass sie soeben meine Mittagszeit gerettet haben, stürmt der Zoowärter in die Küche: „Mama, bei unserem Haus riecht man immer schon auf der Strasse, dass du am Kochen bist. Das ist so schön.“

Es lohnt sich eben doch…

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Gefunden

Geige wolle er spielen, verkündete der Zoowärter, als er das Heftchen mit der Anmeldung für den Instrumentalunterricht nach Hause brachte. Ob er sich dessen ganz sicher sei, fragte ich und zwar nicht, weil ich etwas gegen die Geige einzuwenden hätte. Im Gegenteil, ich liebe den Klang dieses Instruments und die Behauptung, das würde ja so schrecklich quietschen, mag ich nicht mehr hören. Gewöhnlich quietscht es nur am Anfang und diejenigen, die mit Quietschen nicht aufhören können, hören bald einmal mit dem Geigenspiel auf.

Grundsätzlich könnte ich also mit Zoowärters Wunsch ganz gut leben. Die Sache ist nur die, dass wir mit Karlsson bereits einen ganz passablen Geiger in der Familie haben und wenn kleine Geschwister wollen, was der Grosse tut, läuten bei mir die Alarmglocken. Ich war ja selber lange genug die kleine Schwester, die glaubte, wollen zu müssen, was die Grossen machten und es dauerte ziemlich lange, bis ich erkannte, dass ich wollen sollte, was mir in die Wiege gelegt worden ist und nicht das, was die anderen gut können. Darum rang ich dem Zoowärter das Versprechen ab, dass er den anderen Instrumenten zumindest eine kleine Chance geben würde, wenn wir zum Probespielen gehen würden. Zähneknirschend willigte er ein, aber erst, nach einem trotzigen „Ich will aber Geige spielen und sonst nichts.“

Geige spielen wollte er auch noch, nachdem er heute das Instrument endlich in den Händen gehalten und ihm unter grossen Mühen ein paar Töne entlockt hatte. Er wollte es auch noch, nachdem er sich mit dem Schwyzerörgeli abgemüht hatte. Was mich offen gestanden beruhigte, denn auch wenn mir bewusst ist, dass man mit dem Ding ganz tolle Sachen anstellen kann, so bin ich mir doch nicht sicher, ob ich die Nerven für all den Ländler hätte, den ein Kind spielen muss, bis es endlich gut genug spielt, um etwas für meine Ohren Anständiges vortragen zu können. Auch die Blockflöte vermochte Zoowärters Meinung nicht zu ändern, was wohl gut ist, denn vor ihm habe ich noch keinen gekannt, dem bei den ersten zaghaften Flötentönen schwindlig wurde.

Nach dem zweiten Besuch bei der Geige begann ich mich mit dem Gedanken anzufreunden, einen zweiten Geigenspieler in der Familie zu haben, doch ganz glücklich war ich mit der Sache nicht, denn weder beim ersten noch beim zweiten Versuch hatte ich etwas von dieser Begeisterung gespürt, die ein Kind überkommt, wenn es sein Instrument gefunden hat. „Wollen wir nicht noch zum Cello gehen?“, fragte ich deshalb. „Okay, aber ich will Geige spielen“, gab der Zoowärter zur Antwort.

Bei der Cellolehrerin herrschte gerade ziemlich grosser Andrang und so mussten wir eine ganze Weile warten. Ob wir vielleicht doch lieber nach Hause gehen sollten? Das Kind hatte seine Wahl ja getroffen und vielleicht gibt es nicht bei allen diesen magischen „Das ist es!“-Moment. Wir blieben, der Zoowärter kam irgendwann doch noch an die Reihe, die Lehrerin zeigte ihm, was er zu tun hatte, er spielte die ersten Töne und dann geschah das, worauf ich den ganzen Morgen vergeblich gewartet hatte: Die bis dahin angespannten Muskeln entspannten sich, der Blick wirkte nahezu verklärt, das zuvor unruhige Kind wurde andächtig. „Bitte, lass es ihn auch spüren“, schickte ich ein Stossgebet zum Himmel.

Ob es ihm gefallen habe, fragte ich den Zoowärter, als wir wieder draussen waren. Ja, sehr, aber er wolle immer noch Geige spielen, antwortete er. „Weshalb denn?“, wollte ich wissen. Sein Brustbein hätte ihm beim Spielen etwas weh getan, erklärte er mir. Er würde ein kleineres Instrument bekommen, nicht so ein grosses, wie das, mit dem er gerade gespielt habe. Da würde dann auch nichts gegen sein Brustbein drücken. Ein Strahlen breitete sich auf Zoowärters Gesicht aus. „Dann will ich Cello spielen.“ Ob er sich ganz sicher sei, fragte ich, oder ob er das nur wolle, weil ich es schön fände. Nein, er wolle das ganz bestimmt, versicherte er mir.

Wir könnten auch noch einmal zur Geige zurückgehen, schlug ich vor, doch das wollte er nicht. Einzig zu einem zweiten Besuch beim Cello liess er sich noch überreden, dann musste er unbedingt nach Hause, um den anderen von seiner neuen grossen Liebe zu erzählen. Das Cello habe ihn gefangen genommen, erzählte er auf dem Heimweg, sein ganzer Körper habe gespielt, alles, bis in die Fingerspitzen. So stark sei das Instrument, sagte er. So zart, sagte ich. So lustig, ergänzte er. „So wie du“, sagte ich und er strahlte.

Kaum etwas in meinem Leben als Mutter berührt mich so sehr, wie wenn ein Musikinstrument eines meiner Kinder findet und sein Herz im Sturm erobert.

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Freitagabendessen

„Im Orient dürfen sie manchmal den ganzen Tag gar nichts essen. Erst wenn die Sonne untergegangen ist, dürfen sie essen und dann essen sie ganz viel. Das heisst dann Ramadan…“, erzählt das Prinzchen. „Wie der Schulkamerad von…von wem schon wieder?“, sagt Luise.

Auf der anderen Seite versucht sich derweilen der FeuerwehrRitterRömerPirat im Schutze des Tulpenstrausses verbotenerweise ein abendliches Glas Pepsi Max einzuschenken, doch der grosse Bruder ist wachsam. „Gib sofort das Glas her“, fordert er, doch der kleine Bruder fühlt sich nicht dazu verpflichtet, Karlsson Folge zu leisten. Es entbrennt ein wilder Kampf ums halb volle Glas, die Mama malt sich schon aus, wie sie die Scherben wieder aus der einen oder der anderen Hand entfernen soll. Die väterlichen Warnrufe bleiben ungehört.

„Dann ruft der Muezzin und die Leute legen sich auf den Boden, um zu beten – so.“ Das Prinzchen wirft sich in einer perfekten Muslim-Imitation auf den Fussboden, Luise schaut bewundernd zu und fragt sich, weshalb der Kleine das Wort „Muezzin“ kennt, sie hingegen nicht. 

Der Kampf ums Glas ist zu Ende, Karlsson hat gesiegt und der FeuerwehrRitterRömerPirat ist rasend vor Wut, schnappt sich die offene Pepsi-Flasche und schüttelt sie. Der Tisch wird nass, Karlssons Pulli und Zoowärters Füsse ebenso, auch das Fenster bekommt Spritzer ab, was „Meinen“ zur Bemerkung veranlasst, zum Glück hätte er heute keine Zeit gefunden, das Fenster zu putzen. Karlsson setzt derweilen seine Fäuste ein, die zwei Pepsi-Kämpfer müssen den Tisch vorübergehend verlassen. 

„Ich hab jetzt auch schon meinen Turban angefangen und wir lernen eine Aladdin-Lied. Ich hab‘ der Lehrerin gesagt, dass ich das Aladdin-Theater gesehen habe…“

Der Zoowärter stellt fest, dass seine Socken so sehr mit Pepsi getränkt sind, dass er feuchte Fussspuren hinterlassen kann, Karlsson wird dazu verknurrt, sich für die Fausthiebe zu entschuldigen, der FeuerwehrRitterRömerPirat heult, weil er die Kampfspuren aufputzen muss, wo er doch gar nichts dafür kann, dass es in diesem miesen Schuppen nach 16 Uhr für Minderjährige keine koffeinhaltigen Getränke mehr gibt. 

Mama versucht Luise zu erklären, dass es völlig okay sei, wenn das Prinzchen im Zusammenhang mit 1001 Nacht auch etwas kulturelles Wissen zum Leben in islamischen Ländern bekomme. Dann versucht sie, ihre Liebsten davon zu überzeugen, vom Apfel-French-Toast mit Ahornsirup zu probieren, auch wenn die Bäuche schon mit Corn-Dogs vollgestopft sind. Keiner hört zu, denn die einen möchten mehr über das Leben im Orient erfahren, die anderen rekonstruieren den Hergang des Pepsi-Kampfs und il Cugino versucht verzweifelt, aus dem ganzen Schweizerdeutschen Gequatsche herauszuhören, ob von ihm heute Abend noch eine Kissenschlacht erwartet wird, oder ob er auf eine geruhsamere Art und Weise verdauen darf. 

Wie? Ihr findet meinen Text heute ein wenig chaotisch und unzusammenhängend? Na ja, ihr könnt doch nicht erwarten, dass wir ein Drehbuch verfassen, ehe wir uns zu Tisch setzen. 

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Es gibt sie noch, diese Tage, an denen…

…die Schreibblockade ausgerechnet dann zu Besuch kommt, wenn zwei Kolumnen (über)fällig sind.

…der Autoschlüssel unauffindbar ist, weil er ohne mein Wissen mit il Cugino zur Schule gegangen ist, weshalb ich nicht aus dem Haus kann, um die Zutaten, welche die Kinder schon wieder als Zvieri zweckentfremdet haben, fürs Mittagessen einzukaufen.

…das Mittagessen in Folge des oben genannten Desasters äusserst dürftig ausfällt und erst noch anbrennt.

…das Bankkonto nicht hergibt, was man vermeintlich mit voller Berechtigung von ihm erwartet hätte.

…ich „Meinem“ die Ohren voll heule, weil es mir jetzt einfach reicht. 

…der vor einer Woche gekaufte Mixer seine Arbeit verweigert, weshalb ich die Meringue-Masse von Hand schlagen muss. Was mich nicht weiter stören würde, hätte ich nicht die offensichtlich vollkommen hirnrissige Erwartung, dass ein neuer Mixer seinen Dienst länger als eine Woche tut. 

…“jemand“ ganz zufälligerweise die Ofentemperatur von 100 auf 230 Grad verstellt, was bekanntlich nicht gerade die optimale Temperatur für Meringues ist. Natürlich bemerke ich dies erst, als es schon wieder angebrannt riecht.

…ich der Tatsache ins Auge sehen muss, dass wir jetzt zu den Menschen gehören, die zu viel verdienen, um noch irgendwelche Vergünstigungen zu bekommen, aber nicht genug, um diesen Umstand problemlos verkraften zu können. 

…ich mir obendrein beim Kochen Tabasco ins Auge schmiere, was erstaunlicherweise ziemlich heftig brennt, obschon Tabasco doch gar nicht so scharf ist. 

…ich so oft die Contenace verliere, dass die Kinder anfangen, lieb und zuvorkommend zu sein, um mir keinen weiteren Anlass zum Herumbrüllen zu bieten. Ich hasse es, wenn ich so bin. Der Brief des FeuerwehrRitterRömerPiraten, in dem stand, ich solle mich doch ein wenig schlafen legen, sie würden währenddessen spielen, rührte mich dennoch zutiefst. 

Zum Glück gibt es solche Tage seltener als auch schon.

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Familienwetter

Könnte man das Familienwetter voraussagen, dann hätte die Prognose für heute etwa so gelautet: 

„Der Morgen beginnt klar, doch ab halb sieben bis ca. acht Uhr ist mit vereinzelten Turbulenzen und Regenschauern zu rechnen. Diese können zum Teil sehr heftig ausfallen, ziehen jedoch rasch wieder ab. Der Rest des Vormittags verläuft ruhig und windstill, es ist ziemlich sonnig. Am Mittag kommt stürmischer Wind auf, es bleibt jedoch sonnig und angenehm warm. Ab 13 Uhr legt sich der Wind wieder, der Himmel ist nahezu wolkenlos, die Temperaturen gehen leicht zurück. Gegen Abend ziehen ziemlich plötzlich heftige Gewitter auf. Ob mit Gewitterschäden zu rechnen ist, lässt sich nicht voraussagen, ausschliessen lässt es sich aber auch nicht. Nach 19 Uhr beruhigt sich die Wetterlage wieder, am Abend zeigen sich nur noch vereinzelte Wolken, Regenschauer sind keine mehr zu erwarten. Die Nacht wird voraussichtlich wieder klar und windstill, vereinzelte Störungen sind jedoch nicht auszuschliessen.“

Das hätte der Familien-Wetterfrosch vorausgesagt, wenn es ihn gäbe. Doch es gibt ihn nicht, denn im Familienleben weiss man immer erst im Nachhinein, wie es war. Warum bei schönsten Wetter ohne jegliche Ankündigung zu heftigen Gewittern kommt, andererseits aber der strömende Regen plötzlich strahlendem Sonnenschein weichen muss, darüber zerbrechen sich Experten weiterhin vergeblich die Köpfe.

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