Fitnessprogramm

Einen 40-Liter-Sack Erde auf die linke Schulter hieven, 30 Schritte gehen, Sack abladen und 30 Schritte zurückgehen.

Einen 40-Liter-Sack Erde auf die rechte Schulter hieven, 30 Schritte gehen, Sack abladen und 30 Schritte zurückgehen.

Diese Übung 27 mal wiederholen.

Fünf Minuten Pause am Steuer.

Die oben beschriebene Übung wiederholen, diesmal aber nur mit 26 Schritten, dafür mit einer Stufe als kleine Erschwernis. 

Hüftbreit stehen, Sack hochhieven und kippen, Inhalt mit kreisenden Handbewegungen gut verteilen. 

Diese Übung ebenfalls 27 mal wiederholen.

Zur Auflockerung ein paar Tomatenpflanzen in die Erde setzen.

Mit jeder Hand eine leere Giesskanne greifen, 60 Schritte gehen, Giesskannen auffüllen und 60 Schritte zurückgehen.

Diese Übung wiederholen, bis die Tomatenpflanzen zufrieden sind. 

Mittagspause, angereichert mit Brotteig kneten und Geschirr abwaschen. 

Nach der Pause die ersten beiden Übungen noch einmal durchführen, diesmal jedoch nur fünf Wiederholungen, dafür mit 50-Liter-Säcken.

Übung drei ebenfalls erneut durchführen, insgesamt 15 Mal, denn inzwischen hat ein anderer Fitnessfanatiker weitere Säcke angeliefert. 

Zum krönenden Abschluss drei Auberginen und mehrere Peperoni einpflanzen und dabei die missbilligenden Blicke der Tomaten, die noch auf einen festen Platz in einem weiteren Beet warten, geflissentlich ignorieren. 

Solange da noch Tomatenpflanzen sind, die auf einen Platz warten – und der Geschirrspüler streikt und die Kinder auf hausgemachtes Brot stehen – ist Bewegungsmangel für einmal kein Thema bei mir. Fitness macht eindeutig mehr Spass, wenn da kein gestrenger Turnlehrer ist, der einen antreibt. (Obschon die Tomatenpflanzen nicht weniger fordernd auftreten…)

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Von wegen spielend leicht…

Jetzt, wo die Garage endlich weg ist, muss natürlich so schnell wie möglich das Gewächshaus aufgestellt werden. Es wartet nun ja schon ein paar Monate im Keller darauf, gebraucht zu werden und auch die Tomatenpflanzen werden allmählich ungeduldig. „Wann bekommen wir endlich den Platz, den du uns schon vor vielen Wochen versprochen hast?“, zischen sie jedes Mal, wenn ich sie giesse. „Bald“, beschwichtige ich dann, „wir müssen nur Zeit finden, das Gewächshaus aufzubauen.“ 

Heute – der erste terminfreie Mittwochnachmittag seit einer gefühlten Ewigkeit – fanden wir Zeit, und weil wir unsere Sache ganz besonders gut machen wollen, schauten wir uns zuerst die Videos an, die der Hersteller gedreht hat, um den Kunden zu zeigen, wie spielend leicht sich das Häuschen aufstellen lässt. In diesen Videos tänzelt ein sehr vertrauenserweckend dreinblickender Herr in seinen besten Jahren über einen grasgrünen Rasen und schraubt die Einzelteile zusammen. Jede seiner Bewegungen strahlt Ruhe und Besonnenheit aus, jeder Handgriff sitzt auf Anhieb, sein Blick sagt, dass ihm in Sachen Gewächshäuser keiner was vormachen muss. Hilfe braucht er selbstverständlich nicht und vermutlich liegt ihm auch ein nettes Liedchen auf den Lippen, aber das kann man leider nicht hören, denn der Film wurde in Österreich gedreht und dort scheinen sie alles, was nicht Spielfilm ist, mit einer seichten, gequält fröhlichen Computermusik zu untermalen. Nach einer geschätzten halben Stunde steht der Kerl vor dem fertigen Haus, beide Daumen in die Höhe gereckt, sein Blick leicht gelangweilt, denn das hier war ganz offensichtlich keine Herausforderung für ihn. 

„Sieht ziemlich einfach aus“, meinte „Meiner“, ich pflichtete ihm bei und wir machten uns an die Arbeit. Fünf Minuten lang ging alles gut, dann kam einem von uns beiden das erste „Sch…..!!!!“ über die Lippen. Danach ein „Kannst du mir mal schnell mit dieser Schrau….?“, was von einem „Nein! Kann ich nicht! Diese blöde Ecke hier klemmt“ unterbrochen wurde. So ging das eine Weile hin und her, dann stellten wir fest, dass wir zwei Teile falsch zusammengeschraubt hatten. Als dieser Fehler ausgebügelt war, kam die Sache mit der Verstrebung, die nicht passen wollte und dann ging eine Schraube verloren, danach klemmte schon wieder eine Ecke, worauf wir feststellten, dass zwei weitere Teile falsch zusammengeschraubt waren und nachdem dies wieder ausgebügelt war, rutschte die Querverstrebung weg und dann musste „Meiner“ weg, denn nur weil der Mittwochnachmittag terminfrei ist, heisst das noch lange nicht, dass es der Mittwochabend ihm gleichtut. 

Während „Meiner“ weg war, sass ich auf der Gartenmauer und dachte an den Mann im Video. Ob der das wirklich so spielend leicht hingekriegt hat? Oder ist das mit der Ruhe und dem vertrauenserweckenden Blick nur eine Masche, damit man nicht schon von Anfang an nervös und gereizt ist? War er am Ende vielleicht gleich überfordert wir wir und die haben die ganze „Sch…..!!!“ und das andauernde „Diese elende Ecke klemmt schon wieder“ einfach rausgeschnitten? 

Ich werde es nie wissen. Dafür weiss ich, dass wir deutlich mehr als ein geschätztes halbes Stündchen brauchen werden, bis die Tomaten einziehen können. Stolz bin ich aber trotzdem, denn morgen, wenn sie wieder motzen, werde ich sagen können: „Immerhin steht schon das Grundgerüst. Das hättet ihr ganz bestimmt nicht hingekriegt.“ 

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Interkulturelle Dialogversuch, Nachtrag

Zwei Menschen, die liebend gerne im Dreck wühlen, um ihr eigenes Gemüse zu ziehen, würden sich immer verstehen, egal welche Sprache sie sprechen, habe ich vor einigen Tagen grossmäulig behauptet. Ganz Unrecht hatte ich damit natürlich nicht, denn in den groben Zügen verstehen wir uns wirklich erstaunlich gut, die Nachbarin aus Griechenland und ich. Eine gemeinsame Sprache, die etwas mehr beinhaltet als Gestik, Mimik und den einen oder anderen Wortfetzen wäre trotzdem ganz praktisch. Mit dem Überreichen des halben Kürbisses wollte unsere Nachbarin mir nämlich nicht bloss ihre Sympathie bekunden, sie überbrachte mir auch eine wichtige Botschaft und zwar die Folgende: 

„Hör mal, ich verreise jetzt wieder für ein paar Monate nach Griechenland und dieser Kürbis würde im Keller verrotten, also nimm ihn und mach etwas Gutes daraus. Er hat noch Samen drin, die du vielleicht für deinen Garten brauchen kannst. Ach, und vergiss bitte nicht, gut auf Prinzchens besten Freund aufzupassen, bis ich wieder nach Hause komme. Du weisst ja, dass ich ihn normalerweise betreue, wenn seine Mama arbeitet, aber wenn ich in Griechenland bin, geht das leider nicht und bei dir fühlt er sich ja ebenso wohl wie bei mir. Und du hast ja auch gewusst, dass du mich im Sommer vertreten wirst, ich hab‘ bloss vergessen, dir zu sagen, wann wir abreisen. Also mach’s gut. Wir sehen uns im Herbst wieder.“

Das also hätte sie mir sagen wollen, doch das dämmerte mir erst, als sie schon weg war. Aber eigentlich war es auch nicht weiter schlimm, dass ich die Botschaft des Kürbisses nicht verstanden habe. Prinzchen und sein bester Freund stecken ohnehin vom frühen Morgen bis zum späten Abend zusammen, da macht es eigentlich keinen Unterschied, ob sie nun hier ist oder in Griechenland.

Nur unsere Konversation beim Jäten, die wird mir fehlen. 

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Nachruf auf eine Garage

Es war einmal eine Garage. Ein langweiliges, unauffälliges Gebäude aus dünnem Metall, das von seinem Besitzer aber sehr geliebt wurde. Dies muss man zumindest annehmen, denn die Garage war nicht nur perfekt eingerichtet, sie trug auch ihre eigene Hausnummer. Dennoch kam der Tag, an dem sich der Besitzer von seiner Garage und dem dazu gehörenden Haus trennen musste. Das Ganze machte einfach zu viel Arbeit. 

Die neue Hausbesitzerin hegte der Garage gegenüber keine besonderen Gefühle, aber sie war ganz zufrieden mit ihr. Das kleine, rote Auto fühlte sich darin sehr wohl, ausserdem war da Raum für all die Dinge, die man zwar nicht jeden Tag, aber ganz bestimmt gelegentlich braucht. Auch wenn sie nicht mehr ganz so gepflegt und gehätschelt war wie in früheren Tagen, ging es der Garage doch ziemlich gut. Ihre Dienste wurden immerhin geschätzt. Dann aber kam der Tag, an dem die neue Besitzerin des Autofahren aufgab. 

Jetzt waren die Tochter und der Schwiegersohn für den Autoabstellplatz zuständig und man muss leider sagen, dass es nun steil bergab ging. Das Auto der neuen Besitzer weigerte sich rundheraus, je in der Garage zu übernachten. Der Krempel türmte sich, die Farbe blätterte ab, die Kinder turnten auf dem Dach herum, irgendwann – man weiss nicht genau wie es kam – wies eines der Tore gar eine wüste Delle auf. 

Das alles war natürlich schon ziemlich schlimm für die einst geliebte Garage, noch schlimmer aber war das frevelhafte Geschwätz, das dem mitgenommenen Gebäude zu Ohren kam. „Reissen wir das Ding doch einfach ab“, sagte die Tochter der vormaligen Besitzerin. „Wir könnten den Platz doch wirklich besser nutzen. Ein Auto ist nichts weiter als ein Gebrauchsgegenstand, warum also soll es sein eigenes Haus haben? Schenken wir diesen Platz doch den Tomaten und den Gurken.“ Der Garage wurde heiss und kalt bei diesem Gerede. Sie war in die Gewalt einer rücksichtslosen Träumerin geraten. 

Zum Glück für die Garage hatte der Ehemann dieser Träumerin etwas mehr Bodenhaftung. „Klar wäre es schöner, wenn hier ein Gewächshaus stünde“, sagte er, „aber wie um alles in der Welt willst du das Monstrum abreissen?“ Natürlich war die Garage zutiefst beleidigt, dass er sie Monstrum genannt hatte, aber immerhin hatte er sich für ihren Verbleib auf dem Grundstück ausgesprochen. 

Die Träumerin aber liess sich von solchen Einwänden nicht beirren. Immer und immer wieder begann sie davon zu reden, wie viel schöner es doch wäre ohne die alte Garage, immer konkreter wurden ihre Pläne, immer öfter lag sie ihrem Mann in den Ohren. Irgendwann war dieser weichgeklopft. „Okay, die Garage kommt weg“, sagte er.

Damit war es aber noch nicht ganz aus mit der Garage, denn wenn die Träumerin und ihr Mann einen Entschluss fassen, kann es noch eine ganze Weile dauern, bis der endlich in die Tat umgesetzt wird. Erst als der Mann einen kennen lernte, der sich mit dem Niederreissen von unerwünschten Gebäuden auskennt, ging es vorwärts. Die arme Garage wehrte sich zwar nach Kräften gegen ihr Ende, sie klammerte sich an den Untergrund, drückte sich mit letzter Kraft gegen den sie stützenden Erdwall und weigerte sich standhaft, ihre dünnen Wände auseinander reissen zu lassen.

Doch ihr Heldenmut war vergeblich, am Samstag, 28. Mai 2016 landete ihre letzte Wand auf dem Alteisenstapel. 

Die Träumerin und ihr Mann weinen der Garage keine Träne nach.

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Interkultureller Dialogversuch, Teil VI

Für einmal nicht mit meiner Verwandtschaft aus Italien, sondern mit unserer Nachbarin, einer älteren Griechin, die ausser „Hallo“, „Tschüss“ und „Salat“ wohl kein Wort Deutsch spricht:

Ich bin im Garten am Jäten, unsere Nachbarin kommt an den Zaun und schaut mir zu. Sie zeigt strahlend auf mein Halbrundbeet und sagt ein Wort auf Griechisch, das keinerlei Ähnlichkeit mit einem mir bekannten Wort hat, von dem ich aber ziemlich sicher bin, dass es „Artischocken“ bedeuten muss, denn die wachsen dort, wo sie hinzeigt.

Ich: „Ja, Artischocken! Ich liebe sie.“ Meine irren Verrenkungen, die ich als Begleitung meiner Worte einsetze, sollen ihr zeigen, mit welchem Genuss ich die Dinger verspeise.

Nachbarin: Ergiesst einen griechischen Redeschwall über mich, gestikuliert dazu und sagt mir damit wohl, dass sie Artischocken auch wunderbar findet.

Ich gehe ein paar Schritte weiter, um ein paar lästige Neophyten auszureissen, die Nachbarin folgt mir und plaudert munter weiter. Da sie gerade bei einer frisch erblühten Rose steht, nehme ich an, dass sich ihr Geplauder inzwischen um Rosen dreht.

Ich: „Rosen sind wunderbar, nicht wahr? Ich kann nicht genug bekommen von ihnen.“

Nachbarin: Plaudert munter weiter und zeigt jetzt auf die Erbsen, die gerade erblüht sind. Ihr Tonfall lässt mich ahnen, dass die wissen will, ob es wirklich Erbsen sind, oder ob ich eine Banause bin, die lieber nur Wicken anpflanzt.

Ich: „Ja, das sind Erbsen. Auf der linken Seite eine alte, violette Sorte, rechts ebenfalls eine alte Sorte, aber sie sind früher reif und blühen weiss.“ Um sicher zu gehen, dass sie mich versteht, zeige ich ihr die Schoten, die bei der weiss blühenden Sorte bereits zu sehen sind.

Nachbarin: Strahlt über das ganze Gesicht, plaudert weiter und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie jetzt weiss, dass ich Erbsen gepflanzt habe, denn sie verwendet das eine Wort, das sie schon in ihrer Frage genannt hat, immer und immer wieder.

Wir gehen weiter, denn vorne an der Ecke hat es noch mehr Neophyten, die ich loswerden möchte. In der Nähe steht ein Fingerhut, der gerade seine ersten Blüten öffnet.

Nachbarin: Zeigt erst mit zornigem Blick auf den Fingerhut, dann schaut sie mich ganz besorgt an. Das Ganze natürlich von einem weiteren Redeschwall begleitet.

Ich: „Ja, ich weiss, Fingerhut ist giftig, aber keine Angst, die Kinder wissen das, sie werden sich also nicht daran vergreifen. Im Gegenteil, sie warnen mich jedes Mal, wenn ich die Pflanze nur schon anfasse.“

Ob sie wirklich auf die Giftigkeit der Blume hinweisen wollte und ob sie verstanden hat, dass ich verstanden habe, weiss ich nicht. Auf jeden Fall ist unser Gespräch jetzt erschöpft.

Ich: „Tschüss! Schönen Tag noch!“

Nachbarin: „Tschüss!“

Wie gut wir uns trotz unserer Sprachbarriere verstehen, zeigt sich ein paar Stunden später, als ich Zoowärter und Prinzchen im Nachbarhaus, wo auch Prinzchens bester Freund wohnt, abholen will. Als sie mich im Treppenhaus hört, ruft sie schnell den Vater von Prinzchens bestem Freund – ebenfalls ein Grieche – herbei. Die beiden unterhalten sich kurz, er fragt, ob wir Kürbis mögen, dann verschwindet sie in ihrer Wohnung. Augenblicke später kommt sie mit einem halben Kürbis zurück. „Sie hat die Samen drin gelassen. Für deinen Garten“, erklärt der Vater von Prinzchens bestem Freund und mir wird klar, dass zwei Menschen, die liebend gerne im Dreck wühlen, um ihr eigenes Gemüse zu ziehen, einander immer verstehen werden, egal, welche Sprache sie sprechen.

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Du erkennst, dass du dem Garten hoffnungslos verfallen bist…

…wenn der Dickmaulrüssler dich bis in deine Träume verfolgt und du schweissgebadet aufwachst, weil du glaubst, den Zeitpunkt zum Ausbringen der Nematoden, die ihn bekämpfen sollen, verpasst zu haben.

…wenn das Wort „Frauenschuh“ eine ganz neue Bedeutung für dich erlangt und es dir nichts ausmacht, dass ein einzelnes Exemplar davon fast gleich viel kostet wie ein Paar von den Dingern, die wirklich für die Füsse sind.

…wenn du dir ganz fest vornimmst, einen grossen Bogen um das Gartencenter zu machen, eine leise innere Stimme dir aber unablässig zuflüstert, du müsstest unbedingt noch mehr römische Kamille und Kugeldisteln haben. 

…wenn du nicht in der Lage bist, dieser inneren Stimme zu widerstehen und du deshalb erst eine halbe Ewigkeit später mit einem Einkaufswagen voller Blumen wieder aus dem Reich deiner Träume auftauchst.

…wenn du in deinem Kaufrausch ausgerechnet die römische Kamille und die Kugeldisteln vergessen hast, was natürlich eine fiese Finte deiner inneren Stimme war, die dich so bald als möglich wieder zum Besuch eines Gartencenters drängen will.

…wenn du beim Anblick der im Balkonkistchen blühenden Löwenmäulchen mehrmals täglich in Verzückung gerätst und deiner Familie mit deinem andauernden „Sieh dir das an. Sind sie nicht himmlisch, die lieben Kleinen?“ auf den Geist gehst. 

…wenn du drei verschiedene Wetter-Apps zu Rate ziehst, um herauszufinden, ob deine Tomatensetzlinge über Nacht Wetterschutz benötigen.

…wenn Smalltalk übers Wetter zur Qual wird, weil du nicht mehr in der Lage bist, dich in der Weise über Regen aufzuregen, wie man es hierzulande erwartet. 

…wenn du dich freust wie ein kleines Kind, weil das Gratis-Saatset, welches das Prinzchen beim Einkauf bekommen hat, genau die Samen enthält, die deinem Garten zu seinem Glück noch gefehlt haben. 

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Es darf auch mal so sein

Wenn die Frage auftaucht, ob Vendittis auch dabei sind, wenn die Kirchgemeinde über Auffahrt gemeinsam wegfährt, dann…

…will das Prinzchen auf jeden Fall dabei sein, denn im Haus gibt es einen Automaten, der gegen ein bisschen Kleingeld Süssigkeiten spuckt.

…möchte der Zoowärter lieber zu Hause bei seinen Legos bleiben.

…möchte der FeuerwehrRitterRömerPirat lieber zu Hause bei seinen Büchern bleiben.

…will Luise unbedingt dabei sein, denn ganz viele ihrer Freundinnen sind es auch.

… hat Karlsson keine Zeit, mitzufahren, weil er anderweitig engagiert ist, aber auch wenn er es nicht wäre, würde er nicht mitfahren wollen, da er die Ruhe liebt.

…weigert sich „Meiner“ rundheraus, denn er mag nicht drei Tage lang unter so vielen Menschen sein, erst recht nicht, wenn er in den vergangenen Woche kaum je einen ruhigen Moment hatte.

…stelle ich mich zur Verfügung, mit Luise, dem Prinzchen und einem Koffer voller Kaplas, die unser Jüngster unbedingt dabeihaben muss, hinzufahren und ein paar nette Tage unter netten Menschen zu verbringen, auch wenn es im Garten, bei den Akeleien und Kopfsalaten ebenfalls ganz nett wäre.

Das Leben in einer Grossfamilie, so stelle ich gerade fest, ist zuweilen am schönsten, wenn man nicht dem Glauben verfällt, eine glückliche Familie zeichne sich dadurch aus, dass alle andauernd alles gemeinsam unternehmen.

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Vorher – Nachher

Wegen akuter „Schon wieder Schulferien“-Müdigkeit heute nur ein paar Vorher-Nachher-Bilder. Vorher, das war ziemlich genau vor einem Jahr und sah so aus:

   
 

Wie es sich bei solchen Vergleichen gehört in so schlechter Bildqualität, dass das Nachher umso besser aussieht, nämlich so:

Alte Zöpfe?

Heute stellt sich ja die Frage, ob man sich überhaupt noch an die heiligen Tage halten soll. Oder muss man sagen: „Hört mal, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie, über lange Zeit habe ich euch geehrt und geachtet. Ich habe mich eurem harten Regime gebeugt und versucht, nach eurer Pfeife zu tanzen. Heute aber, in diesen klimaerwärmten Zeiten, erscheint es mir einfach nicht mehr zeitgemäss, mich auf euren Hokuspokus zu verlassen.“

Erlaubt es der Klimawandel, diesen alten Zopf abzuschneiden und die bedingt frostharten Pflänzchen schon ins Freiland lassen, oder fordert man mit diesem frevelhaften Tun die Eisheiligen geradezu auf, den Frost, der fast den ganzen Winter ausgeblieben ist, doch noch über den Garten hereinbrechen zu lassen? Soll man den gestrengen Heiligen nicht einfach eine lange Nase drehen und die Artischocken in den Boden buddeln? Man wäre ja blöd, würde man Wärme und Sonnenschein nicht jetzt schon nutzen…

Was aber, wenn es nun doch noch einmal kalt wird?

Na ja, dann hole ich eben die Deckäste wieder hervor, die noch vom Winter, der aus temperaturgründen abgesagt worden ist, herumliegen.

Und weil die Eisheiligen den Artischocken im wettergeschützten Halbrundbeet ohnehin nicht viel anhaben können, habe ich heute Nachmittag mutig gesagt: „Ihr könnt mich mal, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie!“ Mal sehen, wie die das hinnehmen…

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Fast schon wie früher

Kurz nach Mittag, Mama Venditti sitzt am halb abgeräumten Esstisch und denkt halblaut nach: „Hmmm, mal überlegen…was steht heute Nachmittag alles an? Zuerst müsste ich…“

Der Zoowärter kommt angehumpelt (Sein Bauch schmerzt noch immer.): „Mama, machst du mir einen Tee?“

Mama Venditti geht in die Küche, um Teewasser aufzusetzen und murmelt: „Okay, erst mal Tee kochen und dann…“

Wenig später sitzt das Kind mit dem Tee auf dem Sofa, Mama wendet sich wieder ihren Tagesplänen zu: „Also, zuerst müsste ich schnell in den Garten, bevor der Regen…“

Weiter kommt sie nicht, denn jetzt steht Luise da: „Mama, wo ist mein Französischbuch?“

Mama: „Ich weiss nicht, aber du musst jetzt doch nicht lernen, wenn du krank geschrieben bist.“

Mama und Tochter diskutieren eine Weile, Tochter zieht sich ins Zimmer zurück, Mama versucht, ihren Gedankenfaden wieder aufzunehmen: „Zuerst also in den Garten und dann…“

Karlsson ruft: „Mama, kann ich den Laptop nehmen?“ 

Karlsson? Müsste der nicht längst in der Schule sein? Ach nein, der darf ja für seine Projektarbeit zu Hause arbeiten. Mama holt den Laptop, Sohn richtet sich ein, Mama mag jetzt nicht mehr länger überlegen und geht in den Garten, bevor der Regen kommt.

Das Fenster des Esszimmers geht auf, Karlsson schaut raus: „Mama, der Computer spinnt. Kommst du kurz hoch?“

Mama lässt die Akeleien, die eingepflanzt werden möchten, achtlos liegen und geht seufzend die Treppe hoch. Der Computer spinnt tatsächlich und fordert ziemlich viel Aufmerksamkeit, bis er sich wieder eingekriegt hat.

Mama geht zurück zu ihren Akeleien, Augenblicke später geht das Fenster wieder auf. Der Zoowärter: „Mama, mir ist sooooooo langweilig…“

Mama: „Moment, ich komme gleich hoch.“ Hastig buddelt sie die restlichen Akeleien, den Eisenhut und den Rittersporn in die Erde und geht wieder hoch, um sich des Unterhaltungswunsches ihres Sohnes anzunehmen. Bevor sie dazu kommt, muss aber noch einmal eine Computerfrage von Karlsson geklärt werden und Luise, die nun trotzdem Hausaufgaben macht, braucht ebenfalls Hilfe. Dann endlich schreibt sie eine Nachricht an die Mutter von Zoowärters Freund, um einen Besuch zu arrangieren, damit das Kind ein paar Stunden mit Brettspielen von den Bauchschmerzen abgelenkt wird.

Einen Moment lang ist alles ruhig, Mama Venditti fängt wieder an zu überlegen: „Okay, der Garten ist für heute erledigt. Dann wäre da noch der Brotteig…“

Viel weiter kommt sie nicht, denn schon wieder steht da jemand, der etwas braucht und dann schon wieder und dann schon wieder und dann schon wieder, bis irgendwann der Nachmittag um ist und Mama Venditti erkennt, dass das Stundenplanwunder bis auf Weiteres ausser Kraft gesetzt ist. 

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