Wink mit dem Zaunpfahl

Ich habe ja nie behauptet, eine Vorzeigehausfrau zu sein. Und momentan ist unser Haushalt noch weniger präsentabel als im Normalzustand. Bei so vielen Kranken kommt das Aufräumen einfach ein wenig zu kurz. Ja, und dann muss ich natürlich zwischendurch auch noch Dr. Sarah May auf die Sprünge helfen, damit die Koalas nicht eingehen. Es hätte also keinen Stromausfall gebraucht, um mir vor Augen zu führen, dass ich eine schlampige Hausfrau bin. Doch irgendwer glaubt zu wissen, dass ich einen Tritt in den Hintern brauche und deshalb gingen heute pünktlich um Viertel nach acht Uhr abends die Lichter aus. Und sie gingen nicht wieder an, mochte ich am Sicherungsschalter riegeln, soviel ich wollte. Was ist nur aus den guten alten Sicherungskästen geworden, wo man einfach eine neue Sicherung reinschrauben konnte, wenn die Alte schlapp machte?

So tappte ich also durch die Wohung und suchte nach der Schwachstelle, die das ganze System zum Streiken gebracht hatte. Nach langer Zeit wurde ich fündig: Es war der Kühlschrank. Ja, genau derjenige, der schon längst wieder mal abgetaut und geputzt werden sollte. Aber weshalb der Kerl ausgerechnet heute auf sich aufmerksam machen musste, ist mir ein Rätsel. Wo ich doch mit zwei Mittelohr-Entzündungen (Karlsson & Prinzchen), einer darniederliegenden Grippe („Meiner“), einer fast ausgestandenen Grippe (Zoowärter), zwei sich langweilenden ganz Genesenen (Luise & FeuerwehrRitterRömerPirat), Dr. Sarah May und Novemberschreiben mehr als genug am Hut habe. Genau heute also musste dieser Kühlschrank aussteigen, mich dazu zwingen, ihn leer zu räumen und mit Schrecken festzustellen, dass er dringend gesäubert werden muss. Aber der Kerl kann mich mal. Nach Feierabend  lasse ich mich nicht mehr zum Putzen zwingen. Schon gar nicht von einem Kühlschrank.

Das kann ja heiter werden!

Seitdem Karlsson Luise an ihrem ersten Geburtstag aus lauter Eifersucht eins mit dem Hammer übergebraten hat, sind wir stets darum bemüht, dass auch die Geschwister des Geburtstagskindes nicht zu kurz kommen. Und deshalb gibt’s für sie meistens auch ein winziges Geschenk. Und weil Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat Tiere lieben, habe ich zugegriffen, als „Meine Tierklinik in Australien“ bei Amazon zum Spottpreis zu haben war. Und seither werde ich nicht nur von meinen Kindern herumkommandiert, jetzt fordert auch noch Dr. Sarah May meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Wie, Sie kennen Dr. Sarah May nicht? Dann schaffen Sie sich schleunigst eine Tochter an. Das Computerspiel mit Tierärztin Sarah May wird in den meisten Fällen gleich mitgeliefert. Und falls nicht, gibt’s bestimmt schon bald wieder eine Aktion bei Amazon. Nun, Dr. Sarah May sollte eigentlich dafür sorgen, dass die Koalas nicht hungern, dass das Gehege sauber ist und dass die Kunden stets prompt und freundlich bedient werden. Aber unter uns gesagt: Die Frau ist eine Niete! Immer wieder piepst das Handy, weil wieder ein unzufriedener Kunde abgerauscht ist, dann wieder sitzen die Koalas traurig in ihrem Gehege und  warten auf Streicheleinheiten. Und was tut Dr. Sarah derweil? Die pennt natürlich mal wieder. Oder sie macht Stretching auf der Terrasse. Das ist nicht zum Aushalten. Der Frau muss ich dringend unter die Arme greifen, sonst wird das nichts mit der florierenden Tierklinik.

Und so rase ich hin und her. Im realen Leben macht sich das Prinzchen hinter Karlssons Geburtstags-Luxemburgerli, während in der Tierklinik mal wieder ein unzufriedener Kunde meckert. Und weil der FeuerwehrRitterRömerPirat noch nicht so recht versteht, wie wichtig die Kundenzufriedenheit ist, muss natürlich Mama ran, um Sarah May auf die Sprünge zu helfen. In der Zwischenzeit liegt der Zoowärter schreiend in der leeren Badewanne, weil er hingefallen ist. Und „Meiner“, der noch immer krank ist, bräuchte dringend einen Tee. Aber wann soll ich den auch machen, wo doch die Koalas so dringend Futter brauchen? Auch Sarah May schleicht schon seit einer ganzen Weile um den Kühlschrank herum, weiss aber offensichtlich nicht, wie sie diesen ohne meine Hilfe aufbringen soll. Müssen die alle gleichzeitig hungrig und durstig sein? Damit Sarah May nicht aus den Latschen kippt, eile ich ihr rasch zu Hilfe, was zur Folge hat,  dass ich wieder zu spät komme, als das Prinzchen die Vorratskammer zu plündern beginnt.

Es ist hoffnungslos. Ich schaffe es nicht, an beiden Orten für Ordnung sorgen. Also schnell den Zoowärter aus der Badewanne gezogen, das Prinzchen ins Bett gesteckt, „Meinen“ ebenfalls und dann nichts wie hin zu den Koalas. Ich kann die armen Tierchen doch nicht verhungern lassen!

Wer soll das bloss alles aufräumen?

Für alle, die noch verschont geblieben sind vor dem schweinischen Elend, hier ein paar Bilder, die zeigen, was auf sie zukommen könnte:

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Und alle, die jetzt neidisch sind und denken, immer dürften Vendittis allen Spass haben und bei ihnen sei nie etwas los, die dürfen sich trösten. Es ist genug Schweinegrippe für alle da. Und sollten Sie dennoch leer ausgehen, dann haben Sie vielleicht bei der nächsten Grippewelle mehr Pech. Ich selber habe vorerst einmal genug geseucht und mache mich ans Aufräumen. Jede Party geht eben einmal zu Ende. Obschon: Ganz aufheben können wir das Krankenlager noch nicht. „Meiner“ seucht noch etwas weiter und der Zoowärter auch.

Soooooo unfair!

Nein, „Meinen“ trifft wahrlich keine Schuld. Und er tut mir auch schrecklich leid, wie er so daliegt, vor sich hindämmernd, mit heisser Stirn und fieberglänzenden Augen. Natürlich tut er mir leid, natürlich möchte ich ihm helfen, natürlich kann ich es fast nicht mit ansehen, wie schlecht es ihm geht. Was wäre das denn für eine Liebe, wenn es mir egal wäre, dass es  „Meinen“ jetzt auch noch schweinemässig erwischt hat? „Meiner“ kann wahrlich nichts dafür, dass es ihm nie passieren wird, dass er, wenn er krank ist, mit fünf kranken Kindern alleine zu Hause sein muss.

Und dennoch platze ich fast vor Wut. Es ist doch einfach eine himmleschreiende Ungerechtigkeit, dass er seine Krankheit in aller Ruhe auskurieren kann, währenddem ich mein Therapieschreiben und  meine Stunden im warmen Bett auf die frühen Morgen- und die späten Abendstunden verschieben musste. Papas dürfen krank sein. Mamas nicht. Papas werden gepflegt, wenn sie krank sind. Mamas nicht. Natürlich hätte „Meiner“ mich liebevoll umsorgt, wenn er denn gekonnt hätte. Wenn ich diesmal nicht mitten in der Woche krank geworden wäre. Klar hat „Meiner“ getan, was er konnte, meine Mutter übrigens auch. Aber damit ich in aller Ruhe hätte gesund werden können, hätte es eben mehr gebraucht.

Und deshalb bin ich heute so wütend. Wütend auf unser System, das noch immer darauf ausgerichtet ist, dass nur derjenige, der einer bezahlten Arbeit nachgeht, krank sein darf. Wütend, dass Papas auf dem Papier zwar das Recht haben, der Arbeit fern zu bleiben, wenn die Familie krank ist. Dass sie aber kaum den Mut aufbringen werden, diese freien Tage auch zu beziehen, weil das ja keiner sonst tut. Wütend, dass man immer noch seine Grippe auf das Wochenende verlegen muss, wenn man als Mama nicht alleine den ganzen Mist meistern will. Und dann, wenn das Schlimmste überstanden ist, die Wäscheberge bezwingen muss, die sich in der Zwischenzeit angehäuft haben, die Unordnung beseitigen muss, welche die ganze Wohnung überzieht. Und und und.

Ja, und dann bin ich auch stinksauer auf mich selber und auch auf „Meinen“, wenn auch nicht darum, weil er krank ist: Wie nur konnten wir je so dumm sein, diese hirnrissige Arbeitsteilung zu leben? Wie nur konnten wir es zulassen, dass ich so leicht auf dem  beruflichen Abstellgleis gelandet bin? Hätten wir die Arbeit besser aufgeteilt, dann könnte jeder mal in Ruhe krank sein, währenddem der andere den Laden schmeisst.

Wie habe ich es doch satt, eine Vollzeithausfrau zu sein!

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Chacun à sa façon

Beim Kranksein pflegt ja jeder seinen eigenen Stil. Das tritt jetzt, wo wir fast alle schweinemässig flach liegen, wiedermal deutlich zu Tage. Karlsson zum Beispiel, schläft sich durch die Seuche hindurch, will nichts als alleine sein und wenn es ihm wieder etwas besser geht, vertraut er auf die heilenden Kräfte eines Buches, das er von vorne bis hinten durchliest. Dann ist er wieder gesund.

Luise ist das pure Gegenteil. Sie will auf keinen Fall alleine sein, beklagt sich dann aber den ganzen Tag, es sei ihr zu laut, die andern sollten endlich still sein. Wenn man ihr aber vorschlägt, sie solle sich in ein ruhigeres Zimmer zurückziehen, weint sie, als habe man ihr angedroht, sie im Wald auszusetzen. Und natürlich ist sie die Ärmste und Kränkste auf dem ganzen Planeten.

Ist der FeuerwehrRitterRömerPirat krank, verläuft die Sache in Wellen. Entweder, er liegt so flach, dass er nicht mal mehr merkt, ob er auf dem harten Fussboden schläft, oder aber er nervt die ganze Familie mit seiner Überdrehtheit, rennt nach draussen, um an der Tür zu klingeln und trommelt auf die Blechschüssel, die bereit steht, falls jemand erbrechen muss. Die Phasen des FeuerwehrRitterRömerPiraten wechseln so schnell, dass man sich in einem Moment fragt, ob man ihn vielleicht doch besser in den Kindergarten geschickt hätte und sich im anderen Moment überlegt, ob man nicht doch besser zum Arzt gehe mit ihm.

Der Zoowärter schliesslich schläft fast immer und wenn er mal wach ist, ist er grantig, dass es nicht zum Aushalten ist. Und wehe, man sagt, er sei ein Armer. Oder er sei krank. Dann fängt man einen gaaaaaanz bösen Blick ein.

Beim Prinzchen weiss man noch nicht so recht, wie sein Krankheitsstil aussieht, aber ich fürchte, dass es in die Richtung quengelig und „ich bin der Ärmste auf der Welt“ geht. Ähnlich wie Luise eben. „Meiner“ ist, wie bereits früher erwähnt, prinzipiell nur in den Ferien krank und weigert sich dann standhaft, sich dies einzugestehen, weshalb er alles, was er übers Jahr hat aufschieben müssen, in seinen Krankheitstagen zu erledigen versucht. Und sich dann wundert, weshalb er sich so elend fühlt.

Und was ist mit mir? Welchen Stil pflege ich? Nun, wenn ich krank bin, sind meist auch alle anderen krank. Und darum wische ich Erbrochenes auf, schleppe Matrazen, um ein zentrales Krankelanger herzurichten, koche Tee, messe Fieber, verabreiche Medikamente. Letzteres allerdings nur im absoluten Notfall, denn meist sind die Kinder danach so aufgedreht, dass ich nicht einmal mehr Zeit finde für mein Selbstmitleid, das bei mir ebenfalls zum Kranksein gehört. Ach ja, eigentlich würde ich mich mit ein wenig schreiben, viel Jammern und noch mehr lesen wieder auf die Beine bringen. Aber weil Mamas bekanntlich nie krank sind, bleibt es meist beim Pflegen der anderen. Nun ja, wenigstens bin ich diesmal zum Schreiben gekommen. Da fühlt man sich doch gleich ein wenig besser…

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Nebenjob

Nicht, dass ich mir diesen Nebenjob ausgesucht hätte. Aber wenn eine neue Aufgabe an uns Mütter herangetragen wird, dann übernehmen wir sie klaglos, nicht wahr? Und so mache ich mich selbstverständlich auf die Socken, um die Briefe zu verteilen, die der Pöstler fälschlicherweise bei uns abgegeben hat. Lasse meinen armen kranken Karlsson – ohne Kuckelimuck-Medizin – zu Hause auf dem Sofa liegen. Verschiebe die volle Windel des rückfälligen Zoowärters auf später und lasse das Prinzchen schlafen. Ich darf doch die lieben Nachbarn nicht zu lange auf ihre Post warten lassen. Sonst gibt’s Reklamationen. Auch wenn man sich eine Aufgabe nicht ausgesucht hat, ist voller Einsatz gefragt, das wissen wir Mütter.

So mache ich mich ans Werk, sorge dafür, dass jeder Brief am rechten Ort ankommt. Nun fragt sich bloss noch, wie unsere Briefe den Weg zu uns finden.  Den Abfall-Entsorgungkalender, den unsere Nachbarn heute bekommen haben, werde ich mir wohl abschminken müssen. Ausgerechnet an dem Tag, an dem eines der wichtigsten Dokumente überhaupt verteilt wird, macht die Post schlapp! Ich glaube, ich muss mal mit unserem Pöstler ein Mitarbeitegespräch führen. Solche Schlampereien schaden dem Ruf unseres Arbeitgebers. Und wenn ich als unbezahlte Mitarbeiterin ein grösseres Pflichtbewusstsein an den Tag lege als ein Bezahlter, dann stimmt doch etwas nicht mehr, oder?

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Wo bleiben die denn?

Seit Jahren nun warte ich schon auf die Lieferung und noch immer sind sie nicht eingetroffen, die zusätzlichen Arme, die ich gleich nach Karlssons Geburt bestellt hatte. Eigentlich habe ich pro Kind ein weiteres Paar bestellt, müsste also inzwischen zwölf Arme haben. Aber noch immer mühe ich mich ab mit den Zweien, die ich bei meiner Geburt auf den Lebensweg mitbekommen habe. Versuche irgendwie, dafür zu sorgen, dass Karlsson sein Pausenbrot bekommt, währdenddem ich Luises Haar kämme, die Schuhe des FeuerwehrRitterRömerPiraten suche, den Zoowärter davon abhalte, dem Prinzchen auf den Rücken zu steigen und dem Prinzchen den versabberten Pulli ausziehe. Das alles natürlich mit dem Telefon in der Hand, denn meistens hat man ja auch noch einen Anruf entgegenzunehmen.

Okay, ich weiss, ich sähe ziemlich sonderbar aus mit zwölf Armen. Aber dennoch träume ich da wohl einen alten Menschheitstraum. Wie anders will man sich erklären, dass die Inder eine überaus hässliche vielarmige Göttin namens Kali haben? Ich bin mir sicher, dass diese von einer gestressten Mutter erfunden worden ist. Nun ja, die Idee hat auch ihre Nachteile. So dürfte zum Beispiel die Bekleidungsindustrie Probleme haben damit, uns Mütter elegant einzukleiden. Aber wenigstens hätten die Schneider mal wieder eine Herausforderung. Und wahrscheinlich müsste man auch furchtbar aufpassen, dass sich die vielen Arme nicht ineinander verknoten. Aber wenn ich mal wieder, wie heute früh, verschlafen habe und vor lauter Hetze nicht mehr weiss, wo ich zuerst anpacken soll, dann verwünsche ich die Tatsache, dass ich nur zwei Hände und  zwei Füsse habe. Und dass ich noch immer auf die Lieferung meienr Bestellung warte.

Man komme mir jetzt nicht mit der Ermahnung, ich müsse mich eben nicht verschlafen, dann sei es kein Problem, mit der Grundausstattung an Extremitäten auszukommen. Wie soll man sich denn nicht verschlafen, wenn man die halbe Nacht auf den Beinen gewesen ist, weil Karlsson  eine Grippe aufgelesen hat?

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Halten Sie die Klappe, Frau Klum!

Ach, wie schön! Wir dürfen uns mal wieder anhören, was Frau Klum zur Mutterschaft zu sagen hat, oder genauer gesagt dazu, wie man als Mutter so bald als möglich nach einer Geburt wieder durch die Gegend klappern kann. Diesmal will Frau Klum bereits mehr als zwanzig Kilos verloren haben, was gar nicht so einfach sei. Doch mit dem Stress einer Grossfamilie und einem Laufband im Haus schaffe man das, will sie uns weis machen.

Liebe Frau Klum, ich glaube Ihnen kein Wort. Zu lange schon stille ich meinen Hunger mit da einem Bissen aus dem Teller eines meiner Kinder, dort einem angebissenen Brötchen, das vergessen wurde. Zu lange schon überwinde ich meine unglaubliche Müdigkeit mit starkem Kaffee und einem Stück Schokolade. Zu oft habe ich mir vorgenommen, ab jetzt täglich dreissig Minuten Sport zu treiben, doch nach dem alltäglichen Herumrennen schaffe ich es nur noch, meine müden Knochen vor den Computer zu schleppen, um ein wenig zu schreiben. Meine zehn Kilo Übergewicht werde ich trotz meines erfüllten Lebens nur sehr zaghaft los. Wäre es wahr, was Frau Klum sagt, ich bestünde nur noch aus Haut und Knochen.

Also Frau Klum, hören Sie endlich damit auf, zu behaupten, es sei alles ganz eifach. Hören Sie auf, jungen Müttern das Leben schwer zu machen mit Ihrem kranken Schönheitsideal. Sehen Sie endlich ein, dass nur die privilegiertesten Mütter es sich leisten können, sich wenige Wochen nach der Geburt schon wieder nur um sich selber zu drehen. Und dann hören Sie endlich auf, ihre privilegierte Situation zum Mass aller Dinge zu machen.

Und überhaupt: Was ist so schlimm daran, wenn man einer Frau ansieht, dass sie ein paar Schwangerschaften hinter sich hat, dass sie wunderbaren Geschöpfen das Leben Geschenkt hat? Immerhin hätte Peter Paul Rubens seine wahre Freude daran, Frau Klum hingegen würde er links liegen lassen. Und Rubens Frauen hängen immerhin  heute noch in den Museen, während Heidi Klums Klone morgen schon vergessen sein werden.

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Sniff!

„Leider gibt es zur VarioTronic profi überhaupt keine Ersatzteile mehr, nicht einmal mehr die Rührschüssel“, muss ich heute Morgen beim Abrufen meiner Mails lesen. Die „VarioTronic profi“, das wäre dann die Sophie. Und die soll jetzt keine neue Rührschüssel mehr bekommen! Warum stellen die Küchengeräte für die Ewigkeit her und haben dann keine Ersatzteile an Lager? Und wie soll ich das bloss Sophie beibringen? Ich sehe ihr doch an, dass sie arbeiten möchte, Teig kneten, Rahm schlagen, dafür sorgen, dass Vendittis schön rund bleiben. Ich weiss doch, dass sie sich so drauf gefreut hat, auszuprobieren, ob man Luxemburgerli auch in der heimischen Küche herstellen kann. Und jetzt soll nichts daraus werden. Ein trauriger Tag also. Aber ich gebe erst auf, wenn ich das ganze Internet nach einer neuen Rührschüssel abgeklappert habe, wenn ich wirklich sicher bin, dass sich die Schüssel nicht reparieren lässt. Sophie muss bleiben!

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Bleib bei uns, Sophie!

Man sollte doch meinen, eine Küchenmaschine wäre froh darüber, dass sie gebraucht wird. So ein Gerät will doch auch nicht einfach in der Ecke rumstehen. Aber nein, die faulen Dinger machen schlapp, sobald sie mal etwas mehr Teig kneten müssen, als ihnen lieb ist. Ich weiss nicht, wie viele Küchenmaschinen in meiner Küche die Arbeit aufgenommen haben und nach kurzer Zeit wieder weg waren, weil sie den Anforderungen im Hause Venditti nicht gewachsen waren. Memmen waren das, allesamt.

Mit Sophie wird sicher alles anders, dachte ich, als sie eines Tages bei uns einzog. Denn Sophie ist nicht irgend eine dahergelaufene Küchenmaschine, Sophie hat mehr als ein Jahrzehnt lang einen tadellosen Dienst bei Linders verrichtet. Wer schon bei Linders gespiesen hat, weiss, dass Sophie dort keine ruhige Kugel schieben konnte und deswegen traute ich ihr die harte Arbeit in meiner Küche zu. Und ich hatte mich nicht getäuscht. Sophie ist die erste Küchenmaschine, die nicht zusammenzuckt, wenn ich mit meinen Teigzutaten anmarschiert komme. Die Erste, die klaglos knetet, ohne zu stinken, ohne heiss zu laufen, ohne irgendwann entnervt den Geist aufzugeben. Eine wahre Perle, diese Sophie.

Aber Sophie ist eine Frau und Frauen müssen bekanntlich zuweilen ein wenig gehätschelt werden, damit sie ihren Dienst weiter tun. Die einen brauchen ein Wellness-Weekend, um wieder neue Kräfte zu schöpfen, andere lassen sich mit einem ausgiebigen Shopping-Trip neu motivieren, wieder andere sind im siebten Himmel, wenn sie einen Abend lang ungestört lesen dürfen. Sophie, so haben wir feststellen müssen, braucht eine neue Teigschüssel, sonst macht sie nicht mehr mit. Klar wäre die alte noch gut genug, aber nicht für eine Perle, wie Sophie eine ist. Und deshalb hat Sophie einfach eines Tages ihre Schüssel in alle Einzelteile zerfallen lassen, als ich den Teighaken, ganz sachte und mit viel Fingerspitzengefühl,  entfernte. Hat sich einfach so gehen lassen, ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl: „Ich bin bereit, für euch zu arbeiten, aber nur, wenn ich eine neue Rührschüssel bekomme.“ Und seither befindet sich Sophie im Streik, denn ohne Rührschüssel nützen alle anderen herausragenden Fähigkeiten nichts. Wenn sie nicht sofort eine neue Schüssel bekommt, macht sie keinen Wank mehr, auch wenn ihr Motor noch längst stark genug wäre.

Hoffentlich hat der Hersteller noch irgendwo eine verstaubte Sophie-Schüssel auf Lager. Denn Sophie ist die erste Küchenmaschine, die ich erst dann ziehen lasse, wenn wirklich Hopfen und Malz verloren sind.

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